Dienstag, 29. Oktober 2013

Weltbild-Insolvenz und Limburg-Protz

Der Weltbildgruppe geht es schlecht. Sie hat ein dutzend Eigentümer, die alle keine Kaufleute sind. Das Kirchenvolk ist davon bislang ungerührt. Zur Zeit erregen die Gemüter etwa 30 Millionen Euro, die ein deutscher Bischof, der auch kein Kaufmann ist, in ein Gebäude investiert hat, das so auch noch in hundert Jahren stehen kann.

Ich bin mal gespannt, welche Reaktionen wir erwarten dürfen, wenn die Weltbildgruppe demnächst in die geordnete Insolvenz geht und wir zusammenzählen, was die deutschen Bischöfe da auf den Kopf gehauen haben. Die Diözese Augsburg hat gerade jetzt noch einmal 15 Millionen Euro auf den Tisch gelegt, um dieses Schicksal abzuwenden. Es wird nicht funktionieren.

Die Weltbild-Strategie, den kleinen Buchhandel aus den Innenstädten zu verdrängen und mit billigem Geld durch eigene Filialen zu ersetzen, ist grandios gescheitert. Grandios, weil die Verdrängung von kleinen Buchläden tatsächlich gelungen ist, gescheitert, weil sich mit den gegründeten Filialen einfach kein Geld verdienen läßt.

Jetzt hat man 1,5 Milliarden Euro Umsatz und 6800 Mitarbeiter in über 300 Filialen, aber keine Gewinne. Entlassungen und Filialschließungen stehen an. Das Handelsblatt zeigt ein Bild des Mitarbeiterprotestes. "Hexenverbrennungen, Kreuzigungen, Inquisitionen. Wir wissen wie man feiert. Ihre Kirche" steht da zu lesen und auch: "Weltbild läßt die Köpfe rollen, die Kirche den Rubel".

Die Marschrichtung des Widerstandes dürfte damit schon recht gut beschrieben sein. Der "gute Ruf", der "sweet spot" des deutschen Episkopats, wird zum Faustpfand der Auseinandersetzung. Die beteiligten Bischöfe stecken in der Zwickmühle: zwischen gesellschaftlicher Relevanz und wirtschaftlicher Verantwortung, zwischen sozialer Anerkennung und unternehmerischem Handeln.

Mit dem eigentlichen Auftrag der Kirche hat weder das eine noch das andere zu tun.

Die Versuchung, das Unmögliche möglich zu machen mit viel frischem Geld aus deutschen Diözesen, dürfte jedoch bei manchen groß sein. Und die Geschäftsführung weiß: Nach jedem Strohhalm wird gegriffen werden. Am Ende wird eine Summe auf dem Zettel stehen, gegen die die 30 Millionen Euro von Limburg wie Erdnüsse aussehen. Gerade deshalb denke ich: je eher sie auf den Tisch kommt, desto besser. Kein Schrecken ohne Ende.

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