Dienstag, 28. Mai 2013

Prävention von sexualisierter Gewalt in der Kirche

Berlin (PEB) - Generalvikar Prälat Tobias Przytarski hat an alle Geist­lichen im Erz­bistum Berlin einen Brief ge­schrie­ben, in dem er auf einen Miss­brauchs­täter hin­weist, der im Um­feld katholi­scher Pfarr­ge­mein­den bekannt geworden ist. Anlass des Schrei­bens ist eine Be­richt­er­stattung der Ber­liner Morgen­post vom 28. April 2013, das grund­sätz­liche An­lie­gen des Briefes besteht darin, für ein Klima der Acht­sam­keit und Prä­ven­tion zu werben:

"Liebe Mitbrüder, aus aktuellem Anlass und prä­ven­tiven Gesichts­punkten heraus gebe ich Ihnen einen Artikel aus der Berliner Morgen­post vom 28. April zur Kenntnis, der über einen Ende 70-jährigen Miss­brauchs­täter berichtet, der in katho­lischen Gemein­den Kontakt zu Jungen und deren Eltern aufbaut, sich Ver­trauen er­schleicht, Jungen sexuell miss­braucht und deswegen im letzten Jahr zu einer vier­jähr­igen Bewährungs­strafe verur­teilt wurde. Vier katholische Gemeinden in Berlin sind mir bekannt, in denen der Täter sich umtrieb.

In Ergänzung dessen möchte ich Sie auf die Stra­te­gien hinweisen, die der an­ge­sproch­ene Täter in den katho­lisch­en Ge­mein­den bevorzugt angewandt hat. Der Täter
• stellt sich dem Pfarrer und/oder Eltern sehr gewinnend als freund­licher, für­sor­gender Groß­vater vor, zeigt sich als kompe­tent und finanz­kräftig
• besucht Familien-/ Kinder­gottes­dienste und Ge­mein­de­ver­anstaltungen, um Kontakt mit Kindern zu bekommen
• spricht die Eltern von Jungen vor­rangig im Alter von ca. 5-12 Jahren an, bietet ihnen Unter­stütz­ung an (von Schule abholen, Betreuung - auch über Nacht, Ausflüge, u. ä.) und gewinnt ihr Vertrauen
• spricht auch Jungen direkt an und macht ihnen Geschenke
• tritt gelegent­lich auch in Begleitung einer älteren Dame auf und erweckt den Anschein eines älteren Ehe­paares
• übernimmt kleinere Hilfs­dienste (z.B. Reparaturen) in Gemeinde
• sucht sich eine neue Gemeinde, wenn er durch Gemeinde­referentin, Pfarrer oder Eltern auf sein Verhalten kritisch ange­sprochen wird.
Da ich nicht ausschließen kann, dass sich der Täter in weiteren Gemeinden Opfer sucht, bitte ich Sie um eine entsprech­ende Auf­merk­samkeit. Bitte informieren Sie auch Ihr pastorales Personal.

Bei Fragen und Anliegen in diesem Zusammen­hang - z.B. der Einlei­tung von Schutz­maßnahmen oder Um­gangs­möglichkeiten mit über­griffigen Gemeinde­mitgliedern - wenden Sie sich bitte an den Prä­ven­tions­be­auf­tragten, Herrn Burkhard Rooß, Tel: (030) 2 04 54 83-27, (http://praevention.erzbistumberlin.de/).

Die vertrauens­vollen Begegnungs­möglich­keiten innerhalb der Pfarr­ge­meinden bedürfen einer besonderen Acht­samkeit, um Kinder und Jugend­liche vor sexuali­sier­ter Gewalt zu schützen. Für eine ent­sprechen­de Sen­si­bilisierung und die Einleitung wirksamer Präventions­maß­nahmen haben wir im Erz­bistum deswegen ein Präventions­schulungs­programm gestartet. Denjenigen von Ihnen, die sich noch nicht zu einer Präventions­schulung angemeldet haben, stehen nun neue Termine zur Ver­fügung.

Des Weiteren bitte ich Sie darum, die Ansprech­par­tner für Hinweise auf sexuellen Miss­brauch durch Kleriker, Ordens­an­gehörige oder andere Mit­arbeiter­innen und Mit­ar­bei­ter im kirchlichen Dienst in ent­sprechen­der Weise (Homepage, Pfarrbrief, Aushang) dauer­haft bekannt zu geben. Ich freue mich darüber, mit Pater Josef Schulte OFM einen zweiten Ansprech­partner gewonnen zu haben. Somit steht den Be­troffenen auch ein männ­licher Ansprech­partner und Seel­sorger zur Verfügung und sie haben somit die Mög­lich­keit, ent­sprechend ihrer Situation zu wählen, wem sie sich an­ver­trauen möchten. Bitte er­mutigen Sie Betroffene, diese Unter­stützungs­mög­lich­keit in Anspruch zu nehmen."

Keine Kommentare: