Mittwoch, 13. Februar 2013

Die Zeit muß wieder alle Wunden heilen

Fünfzehn Kinder wurden heute mit unserer Tochter bestattet, alle in einem Sarg. Die Trauerfeier war in einer kleinen Friedhofskapelle. Der Sarg stand in der Mitte. Blumen und Gestecke lagen davor. An der Wand hing ein schlichtes Kreuz. Eine Frau mittleren Alters begrüßte uns freundlich. Sie trug schwarz und einen langen, lila Schal. In einer kurzen Ansprache rief sie die Schicksale der versammelten Eltern in Erinnerung. Sie sprach von den vielen Momenten, von Trauer und Verlust, von Hoffnung und Verzweiflung, die man durchlebt, wenn man ein Kind erwartet und verliert. Ich habe es erlebt. Sie hat es vorgelesen, in Teilen sogar doppelt. Auch Gott hat sie ein paarmal miterwähnt. Eine Randerscheinung. Zwei Bibelstellen haben daran nichts geändert. Im Mittelpunkt: Wie ich mich fühle, wie andere betroffen sind, wie wir gemeinsam traurig sein können. Kein Weg zu Gott soweit. - Die Zeit muß wieder alle Wunden heilen. - Ehrlich gesagt, mir wäre es lieber gewesen, sie hätte Gott da rausgelassen. Auf das bißchen Folklore hätte ich heute gut verzichten können wie auch auf die eingestreute Hausfrauenprosa. Eine Stunde neben dem Sarg meiner Tochter in Stille beten zu dürfen, das hätte mir gereicht.

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