Dienstag, 21. Februar 2012

Die Gemeinde meiner Kinder- und Jugendzeit

Am Sonntag besuchte ich die Gemeinde meiner Kinder- und Jugendzeit in Hamburg. Ich kam zum allseits bewährten Alleluia-Ruf der Osterlaudes kurz vor dem Evangelium. Die Kirche war wie gewohnt voll. Sie wird jetzt von ehemals drei Gemeinden besucht. In der Ecke neben dem Tabernakel hatte sich ein Frauenchor mit einem Keyboard aufgebaut. Schwarze Klamotten, bunte Schals. An der Seite waren noch ein paar Stehplätze frei.
Der Priester trug das Evangelium von der Heilung des Gelähmten vor. "Nimm Deine Bahre und geh umher ..." Das Alleluia erklang noch mal. Vor der Predigt nahm er noch drei Neue in den Kreis der Ministrantinnen auf, die sich hinter ihm in Mannschaftsstärke versammelt hatten. Applaus brandete auf. In der Predigt sprach der Pfarrer davon, wie uns der Glaube frei machen könne, wie auch wir manchmal gelähmt seien, wie wir uns solidarisieren, wie wir alte Strukturen aufbrechen müßten - genauso wie der Gelähmte - um endlich zu dem aufzubrechen "den wir Sohn Gottes nennen".
Nach der Predigt wurde gesungen. Ich habe nicht mehr den ganzen Text im Ohr, erinnere mich aber, daß es um Gott ging, der irgendwie unser Vater und unsere Mutter sei. "Herr wir bringen dir Brot und Wein", folgte. Zum Sanctus - ich denke doch, daß es das Sanctus war - sang die bunte Damenriege etwas in wager Mehrstimmigkeit, was für mich wie "Go, tell it on the mountain" klang, es aber wohl nicht war, da ich mich an die Textzeile "holy, holy, holy" nicht erinnern kann. Die Wandlung selbst traf mich überraschend hart. Das heißt vor allem schnell. Das "Sanctus" war noch nicht verklungen, da hörte ich schon "nehmet hin und esset alle davon".
Vor der Doxologie sprach der Priester ein schnelles "alle zusammen" . Mit dem souveränen Blick eines Motivationstrainers schaute er in die Runde. "Durch ihn und mit ihm und in ihm" also im Chor. Nach der Kommunion schritt das Gros der Gläubigen nachdenklich kauend in die Bänke zurück. Vor dem Schlußsegen schob der Pfarrer dann eine Besprechung zur Finanzierung zweier Glocken ein, die er eine Viertelstunde jovial-bittend und charmant moderierte. Vor allem aus der Damenriege tat sich eine Frau hervor, mit Fragen a la "können wir die Glocken dann auch immer läuten lassen" und "die Glocken könnten dann ja auch mal läuten".
Zum Schluß gab es dann doch noch den Segen und einen Applaus für die Darbietung des Chores. Eigentlich wäre für mich Quinquagesima gewesen. Vielleicht war es nur ein ganz normaler Sonntag.

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Ja - liturgische Normalität Anno Domini 2012!

Anonym hat gesagt…

Leider die deutschkatholische Realität... Schade um Deinen Quinquagesima-Sonntag! Ich versuche derartige (heimat)urlaubsbedingten Abstecher mittlerweile zu vermeiden und kenne das wehmütige Gefühl nach "verpaßten" Sonntagen.

L. A. hat gesagt…

Merci Tiberius,

auch/ und besonders für den Schluß.

Ja, Quintagesima,und äh, was genau macht ihr denn da so heute eigentlich :-)