Freitag, 28. Dezember 2012

Dienstag, 25. Dezember 2012

Auf dem Weg nach Bethlehem

Den Tag zu Heiligabend habe ich damit verbracht, ein kleines Problem mit viel zu großem Aufwand zu lösen. Ich erspare die Details, doch zeitweise schien es so, als stünde mir eine formatierte Festplatte und ein neu aufgesetztes System ins Haus. Sicher nichts, was mich in besondere Weihnachtsstimmung versetzen könnte. Nach Mittag, die Lage sah schon weitgehend hoffnungslos aus, war ich noch schnell zum Alex gefahren, um wenigstens die neueste Version meines Betriebssystems zu erstehen. Eine solche Arbeit macht man sich nicht ohne Not ein zweites Mal. Die beiden ortsansässigen Elektronikmärkte hatten schon geschlossen. Ich fand es leider erst heraus, als ich vor der Tür stand. Meine Versuche, die Öffnungszeiten am Heiligabend vorab telefonisch zu erfragen, wurden von einer Bandstimme mit den Worten abgewiesen, man könne aufgrund eines technischen Notfalls nicht ans Telefon gehen. Ja, einen "technischen Notfall" hatte ich auch. Geschlagen mußte ich wieder abziehen. Über den Weihnachtsmarkt am Alex, auf dem die Buden bereits verrammelt wurden, fuhr ich die Münzstrasse mit dem Fahrrad hoch Richtung Brunnenviertel. Auf der Brunnenstrasse, kurz vor der Bernauer, wunderte ich mich dann kurz. Vor der Synagoge sah es aus, als ob die Heilige Nacht in diesem Jahr auf einen Freitag gefallen sei. Wenn aber nur zur Nittel Nacht geladen war, von der ich bis dato gar nicht wußte, daß es sie überhaupt gibt, wünsche ich den zahlreichen Gästen, wenigstens gut Schach und Karten gespielt zu haben. Der nächste Karfreitag kommt bestimmt.

Frohe Weihnachten!

Allen Lesern wünsche ich eine frohe und gesegnete Weihnachtszeit: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens!

Sonntag, 23. Dezember 2012

Einfache Sätze immer wieder sagen. Teil X.

Durch Jammern und Klagen kommt kein Stein auf den anderen.

Freitag, 21. Dezember 2012

Doku-Trailer "Marsch für das Leben 2012"

Falls mal wieder einer fragen sollte, was der "Marsch für das Leben" ist: Der Marsch für das Leben ist die größte öffentliche Veranstaltung zum Thema Lebensrecht in Deutschland. Einmal im Jahr treffen sich Menschen aus ganz Deutschland in Berlin, denen das Recht auf Leben am Herzen liegt - und jedes Jahr werden es mehr. Vor einigen Jahren waren es wenige Hundert, die sich zum Umzug trafen. Dieses Jahr waren es mehr als 3000. Wenn jeder nächstes Jahr nur einen mitbringt, dann sind es schon 6000, und im folgenden Jahr bringt wieder jeder einen mit und wieder und wieder und wieder - und wenn es dann irgendwann 100.000 sind, die auf die Straße gehen, wird man sicher nicht mehr oft gefragt: was denn eigentlich der "Marsch für das Leben" ist.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Montag, 10. Dezember 2012

Einfache Sätze immer wieder sagen. Teil IX.

Normal und anders geht nicht.

Aktion Solidarität statt Selbsttötung

Vor einer Woche ging das neue Gesetz zur Sterbehilfe in die erste Lesung des Bundestages. Die Aktion Solidarität statt Selbsttötung hat vor dem Berliner Reichstag dazu eine Kundgebung abgehalten und zum Schutz von Alten, Kranken, Behinderten, Ausgebrannten, Depressiven und Dementen aufgerufen, die Hilfe zum Leben brauchen - nicht zum Sterben. Hier ein bewegendes Video der Aktion. Bitte weiterverbreiten!  


Freitag, 7. Dezember 2012

Äh, was für ein Marsch? Leben? Kenn ich nicht.

Wow! Anruf in der Redaktion eines katholischen Regionalsenders: "Wollen sie nicht einen Beitrag über den Marsch für das Leben in Berlin bringen." "Den was? Marsch für das Leben? In Berlin? Was soll das sein. Kenn´ ich nicht!" "Das ist ein Umzug von vorwiegend christlichen Lebensschützern, der jedes Jahr in Berlin stattfindet." "Äh, nein, das tut mir Leid. Noch nie davon gehört. Wir sind ein (katholischer) Lokalsender." "Oh, das wusste ich nicht. Sie berichten dann also nur über lokale Ereignisse." "Na ja, wir berichten auch über größere Ereignisse aus aller Welt, aber die müssen dann schon so groß sein, dass man davon gehört hat." ...

Dienstag, 27. November 2012

Freitag, 9. November 2012

Stellungnahme des Instituts St. Philipp Neri

Hier eine aktuelle Stellungnahme des Instituts St. Philipp Neri zur Berichterstattung im Medienmagazin "Der Spiegel". Ich kenne das Institut seit knapp fünf Jahren und kann sagen, in diesem Punkt ist es für mich über jeden Zweifel erhaben. Es wäre schön, wenn die Stellungnahme Verbreitung findet. 

"DER SPIEGEL hat das Institut St. Philipp Neri in Verbindung zu kreuz.net gebracht und dabei auch gleich versucht, das Erzbistum Berlin, in dem wir unsere Heimat haben, und Papst Benedikt, dem wir unsere Gründung verdanken, in eine erfundene „Sympathisantenszene“ einzubeziehen. Solche Mutmaßungen entbehren jeglicher sachlichen Grundlage. 

Wir mussten lange suchen, bis wir herausfanden, wie DER SPIEGEL wohl darauf kommt, das Institut hätte kreuz.net mit Anzeigen unterstützt: In der Frühzeit der Institutswebsite – damals hatte sich der Charakter von kreuz.net noch nicht voll ausgebildet – gab es für einige Zeit einen formlos vereinbarten Linkaustausch zwischen beiden Webauftritten: Verweist Du auf meine Seite, verweise ich auf Deine Seite. Als dann unübersehbar wurde, daß das Institut und kreuz.net unvereinbare Kurse verfolgten, hat das ISPN den Linkaustausch beendet. Nicht gestern, nicht letztes Jahr, sondern bereits 2007 - das ist belegbar. Später sind dann das Institut St. Philipp Neri und einzelne Mitglieder wiederholt Opfer von Attacken seitens kreuz.net geworden, wie jede Recherche dort offenlegt. 

Wer die Veröffentlichungen des Instituts im Internet oder in den Printmedien betrachtet, kann die tiefere Ursache dieser Gegensätze leicht erkennen: Schwerpunkt der Institutsarbeit ist es, die Wahrheit des Glaubens und die Schönheit der Tradition herauszustellen. Kreuz.net dagegen lebt davon, daß es Mißstände und Fehlentwicklungen oder das, was es dafür hält, rücksichtslos attackiert und dabei alle Gebote der christlichen Nächstenliebe und des bürgerlichen Anstands missachtet. Deshalb gibt es auch keine inhaltlichen Übereinstimmungen: Die kreuz.net-Themen sind nicht unsere Themen. 

Wir distanzieren uns ausdrücklich von dem rechtsextremen Einschlag und dem menschenverachtenden Tonfall auf kreuz.net. Das ist mit dem christlichen Menschenbild der Kirche unvereinbar."

Sonntag, 4. November 2012

Wer nicht zahlen will, muss büßen?

Ein sehr schöner Überblick zu den erbarmungswürdigen Winkelzügen der Deutschen Bischofskonferenz in Punkto Kirchensteuer findet sich bei der Herder Korrespondenz: hier.

Gefunden bei Sankt Irenäus.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Sophia Kuby zur Europa-Initiative "Einer von uns"


Am 11. Mai 2012 hat die Europäische Kommission offiziell eine europäische Bürger­ini­tia­tive zum Schutz des mensch­lich­en Le­bens re­gi­striert. Diese Bür­ger­ini­ti­at­ive, erst die fün­fte, die bis­lang über­haupt re­gis­triert wur­de, trägt den Titel „Einer von uns“ (ein­ge­reich­ter italie­nisch­er Ori­gi­nal­titel: Uno di noi).
Wie allgemein bekannt, gehören An­ge­legen­hei­ten, die un­mittel­bar den Schutz des mensch­lich­en Lebens be­treffen, wie etwa Bestimm­ungen zum Thema Abtrei­bung gemäß Lissa­bon-Ver­trag nicht in den Zu­ständig­keits­be­reich der EU. Nichts­desto­weniger spielt das Thema Schutz des mensch­lichen Lebens in zahl­rei­chen Zuständig­keits­be­rei­chen der EU – wie etwa in dem der For­schung, der Ent­wicklungs­zu­sammen­ar­beit zum Thema Gesund­heits­für­sorge oder aber im allgemeinen Bereich Finanzen – eine wichtige Rolle. Außer­dem schafft der Europäi­sche Gerichts­hof mit seinem jüng­sten Urteil zur Nicht-Paten­tier­bar­keit von Er­fin­dun­gen, die die Zer­störung men­schlicher Embry­onen oder die Ver­wen­dung mensch­licher embry­onaler Stamm­zellen im­pli­zieren, einen Schutz­standard, der aus Grün­den der Überein­stimmung inner­halb der euro­päi­schen Rechts­ordnung in allen anderen poli­tischen Tätig­keits­be­rei­chen der EU an­gewen­det werden soll. Hierzu gehören auch die oben ge­nann­ten Fragen des Schutzes des mensch­lichen Lebens.
Bei der Bürger­ini­tia­tive „Einer von uns“ geht es fol­ge­rich­tig um den recht­lichen Schutz der men­schlich­en Würde, das Recht auf Leben und die Inte­grität eines jeden Menschen von seiner Em­pfängnis an in denjenigen EU-Zuständig­keits­be­reichen, in denen ein solcher Schutz von Be­deu­tung ist: In der Anlage zu dieser Ini­tia­tive werden mehrere konkrete Bei­spiele für EU-Rechts­vor­schrif­ten genannt, die von der Euro­päisch­en Kommis­sion für einen Än­der­ungs­vorsch­lag vor­gesehen werden sollten: die Ver­ord­nung des Rates (EG, Euratom) Nr. 1605/2002 vom 25. Juni 2002 über die Haus­halts­ord­nung für den Gesamt­haus­halts­plan der Euro­päi­schen Ge­mein­schaften, in die ein neues „Kohärenzprinzip“ aufgenommen werden soll, das dafür sorgt, dass die EU keine Gelder mehr für For­schungs­vor­haben zur Verfügung stellt, im Rahmen derer menschliche Embryonen zer­stört werden oder die eine Zerstörung mensch­licher Embryonen vor­aus­setzen; der Vor­schlag für eine Ver­ord­nung des Euro­päi­schen Par­laments und des Rates über das Rahmen­pro­gramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ (2014-2020) (KOM [2011] 809 endgültig), in dessen Artikel 16 (Ethische Grund­sätze) ein neues, nicht von der EU zu unter­stütz­endes For­schungs­gebiet auf­ge­nommen werden soll, nämlich For­schungs­vorhaben, die men­schliche Embryonen zer­stören oder bei denen mensch­liche embry­onale Stamm­zellen ver­wendet werden, (welche wiederum durch die Zer­störung eben dieser Zellen gewonnen werden); sowie die Ver­ord­nung (EG) Nr. 1905/2006 des Euro­päisch­en Par­lam­ents und des Rates vom 18. Dezember 2006 zur Schaffung eines Finanzier­ungs­in­stru­ments für die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit, die geändert werden soll, um jede Form der Ent­wick­lungs­unter­stütz­ung zu ver­mei­den, die dazu ver­wen­det werden könnte, mittel- oder un­mittel­bar Ab­trei­bun­gen zu finan­zieren.
Die Orga­ni­sa­to­ren der Bür­ger­ini­tia­tive „Einer von uns“ haben nun bis Ende Mai 2013, also ein Jahr Zeit, um Unter­schrif­ten von Unions­bür­ger­innen und -bürgern zu sammeln. Die Initiative muss von min­destens einer Million Unions­bürgern unter­stützt werden, die aus min­destens sieben der 27 EU-Mit­glied­staaten zu stammen haben. In diesen sieben Mitgliedstaaten ist eine Mindest­anzahl an Un­ter­schrif­ten er­for­der­lich, damit die Eu­ro­päi­sche Kommission die Ini­tia­tive prü­fen und eine Mit­teilung ver­ab­schie­den kann, in der sie ihr be­absich­tig­tes Vor­gehen im Hin­blick auf die Bürger­ini­tiative darlegt. Die Kommission kann, ohne dazu ver­pflich­tet zu sein, anschließend einen Gesetzes­vorschlag machen, woraufhin das normale Gesetz­ge­bungs­ver­fahren seinen Lauf nimmt. Or­ga­nisa­tionen dürfen keine Bürgerinitiativen initiieren, doch haben sie die Mög­lichkeit, solche zu fördern bzw. zu unter­stützen. Anti-Ab­trei­bungs-NGOs und katholi­sche Orga­ni­sa­tionen werden er­war­tungs­gemäß eine wich­tige Rolle bei der erfolgreichen Um­setz­ung von „Einer von uns“ spielen. Zu erwar­ten ist ferner eine klare Unter­stütz­ung durch die Euro­päi­schen Bischofs­kon­fe­renz­en. (Quelle: europeinfos, Juni 2012)

Samstag, 22. September 2012

Marsch für das Leben in Berlin

Heute war der Marsch für das Leben in Berlin. Ehrlich gesagt, hatte ich gehofft, noch mehr bekannte Gesichter zu sehen. Das könnte daran liegen, daß viele es nicht nach Berlin geschafft haben, wahrscheinlicher ist jedoch, daß ich bei der großen Zahl der Teilnehmer einfach den Überblick verloren habe. Über 3000 waren heute dabei. Allen, die heute mitgelaufen sind, ein herzliches Dankeschön, und allen die es nicht nach Berlin geschafft haben: Kommt im nächsten Jahr! Es ist ein starkes Zeichen für den Lebensschutz, eine gute Gesellschaft und abgesehen davon - Berlin ist immer eine Reise wert. Seit ich dabei bin hat die Zahl der Teilnehmer jedes Jahr stark zugelegt. Das sollte auch so bleiben. Die Zahl der Gegendemonstranten sinkt von Jahr zu Jahr. Heute waren es nicht mehr als 50 die ihre Parolen brüllten. Es scheint so als wäre man von dem eigenen Unsinn langsam selbst ermüdet. Sei´s drum. Wir werden nicht müde. Nächstes Jahr bin ich wieder mit dabei.

Dienstag, 18. September 2012

Walter Kardinal Brandmüller in Aschaffenburg


Drei Damen mit Papst in Aschaffenburg

Einfache Sätze immer wieder sagen. Teil VIII.

Wenn es in Deinen Kopf passt, ist es nicht Gott.

Samstag, 1. September 2012

Frischer Wind fönt ungeduldigen Ökumenismus

Nachdem das Budgetrecht des Deutschen Bundestages nach Brüssel verabschiedet wurde, scheinen es einige Abgeordnete nach dem deutschen Volk auch auf das Kirchenvolk abgesehen zu haben. In der nächsten Woche erwarten wir also den ungeduldigen Aufruf der Herren Lammert, Thierse et al. zur Einheit der Kirche in Deutschland. Ein Gott, ein Volk, eine Kirche, oder so, soll es dort unter anderem heißen. Nichts genaues weiß man nicht. Der Frische Wind hat dazu schon mal einiges zusammengetragen, dem ich mich gerne anschließen möchte. Guckst Du hier: Schämen? Warum denn?

Die kräftige Nahrung der Frömmigkeit

"Angesichts der Fortschritte, welche die Musik in den letzten drei Jahrhunderten gemacht hat, im Besitze der reich entfalteten Harmonie, der Kenntnisse und Hilfsmittel, welche früher Niemand ahnte - kann man da noch behaupten, dass der Choral auch für unsere Zeit die eigentliche Musik der Kirche bleibt? Wir stehen nicht an, diese Frage voll und ganz zu bejahen. Freilich hat die Musik seit dem heiligen Gregor Fortschritte gemacht, und wenn die Kirche ihren gregorianischen Gesang hochzuschätzen fortfährt, so will sie keineswegs den Entwicklungsgang des musikalischen Genies aufhalten. Sind die nötigen Vorbedingungen gegeben, so mag der Kapellmeister immerhin bei besonders feierlichen Anlässen eine der grossen, imposanten Kompositionen aus der Schule Palestrinas oder auch eine minderwertige, vorausgesetzt dass sie nicht unkirchlich ist, zur Aufführung bringen. Das wird gleichsam ein Prunkgericht sein, mit Hilfe dessen man den äusseren Glanz des Festes heben mag; die kräftige Nahrung der Frömmigkeit, das wahre Brot der Andacht aber bleibt der gregorianische Gesang. Wer, wie wir, den seligen Beruf hat, täglich im Chor das Gotteslob zu singen und die Seele mit der heiligen Liturgie zu nähren, wird uns verstehen. Für Solche zumeist schreiben wir diese Zeilen, ihnen zu Lieb und Gewinn wollen wir Ursprung und Geschichte der altkirchlichen Melodien studieren. Für die berufenen Sänger des Gotteslobes, die Jünger der Liturgie und des betrachtenden Gebetes kann nach unserer Ansicht nichts den Choral ersetzen. Seine ernste Einfalt, welche gegenüber einer reich ausgestatteten Musik der Neuzeit als ein Mangel erscheinen könnte, erwirbt ihm im Gegenteil das grösste Anrecht auf unsere begeisterte Hochschätzung." 

Dom Joseph Pothier, Der Gregorianische Choral. Seine ursprüngliche Gestalt und geschichtliche Überlieferung, 1881.

Verschleppt, vergewaltigt, verstümmelt, ermordet

Die Reihe christlicher Kinder, die in Pakistan ermordet wurden, ist lang. Die Gründe sind durchaus vielfältig: Hass gegenüber Minderheiten, gescheiterte Zwangsbekehrungen zum Islam - 700 Mädchen sind jedes Jahr davon betroffen -, Menschenhandel, Sklaverei oder auch der Handel mit Organen. Einen gemeinsamen Nenner haben alle: christliche Kinder werden als Ware betrachtet. Der 14jährige Waiz Mashi wurde von jungen muslimischen Männern nach einer Diskussion über religiöse Fragen ermordet. Er wurde brutal niedergeschlagen und bewusstlos in einen Kanal geworfen. Die Leiche des 14jährigen katholische Waisen Sunil Yaqobb Masih wurde mit zahlreichen Verstümmelungen und fehlenden Organen aufgefunden und die 11jährige Rimsha Masih wurde auf der Grundlage falscher Blasphemievorwürfe inhaftiert. Die 18jährige Katholikin Maria Manisha aus Faisalabad wurde am 27. November 2011 von einem muslimischen Mann, Arif Gujjar ermordet, der sie, in der Absicht sie zu heiraten und zum Islam zu konvertieren, verschleppt hatte. Die Familie hat dem Mörder vergeben. Der christliche Jugendliche Sabir Bashir wurde im Oktober 2011 im Punjab-Distrikt Khanewal gefoltert und ermordet. Hintergrund war das so genannte „land grabbing“: Kriminelle versuchen in den Besitz des Ackerlandes von Christen zu gelangen, wobei es zu dem Angriff gegen Kinder kam. Mehrere Kinder wurden verletzt. Die 12jährige Anna - Name geändert - Tochter des Straßenkehrers Arif Masih aus Shahdra in der Nähe von Lahore wurde von einer Gruppe radikaler Islamisten verschleppt und acht Monate lang immer wieder vergewaltigt. Gedemütigt und traumatisiert und schließlich zur Bekehrung und Heirat mit einem Muslim gezwungen. Vier christliche Kinder wurden 2011 mit ihrer Mutter in der Nähe von Jehlum ermordet, weil sie sich geweigert hatten, ihr mehrheitlich von Muslimen bewohntes Dorf zu verlassen. Im Fall der jungen Katholikin Farah Hatim, die in der Stadt Rahim Yar Khan zur Eheschließung und zur Bekehrung zum Islam gezwungen wurde, versuchten mehrere Nichtregierungsorganisationen in Pakistan und im Ausland das Interesse der Vereinten Nationen auf den Fall zu lenken. Die Schwestern Rebbecca und Saima Masih aus dem Distrikt Jhung in der Nähe von Faisalabad wurden von einer Gruppe Muslime verschleppt und gezwungen zwecks einer Zwangsheirat mit dem reichen Muslim Muhammad Waseem zum Islam zu konvertieren. Die 12jährige Shazia Bashir wurde im Januar 2010 von ihrem Arbeitgeber misshandelt vergewaltigten und ermordet. Der Täter Chaudhry Naeem, ein reicher muslimischer Anwalt, wurde freigesprochen. Die Tat geschah vermutlich im Zusammenhang mit Verbindungen zum Handel mit Minderjährigen und deren Versklavung. Die 12jährige Lubna Masih wurde von einer Gruppe muslimischer Männer in Rawalpindi vergewaltigt und ermordet. Kiran George aus Sheikhupura starb am 10. März 2010 an Verbrennungen. Ahmad Raza, Muslim und Polizeibeamter, hatte sie mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt. Das junge Mädchen war als Sklavin an eine Frau verkauft worden, die junge Mädchen als Prostituierte oder Dienstmägde vermittelt.

Quelle: Fidesdienst

Freitag, 31. August 2012

Woelki besucht "Haus der Wannsee-Konferenz"

Berlin (PEB) - Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat am 30. August 2012 das "Haus der Wannsee-Konferenz" besucht. Dr. Norbert Kampe, der Leiter der Gedenkstätte, führte Kardinal Woelki durch das Haus. Der Kardinal zeigte sich tief beeindruckt von dem Ort, an dem am 20. Januar 1942 die "Endlösung der Judenfrage" besprochen wurde. Das Protokoll der Konferenz, von Adolf Eichmann angefertigt, ist einer der wichtigsten Belege für den Holocaust gegen dessen Leugner.

Angesichts aktueller antisemtischer Übergriffe betonte Kardinal Woelki die Notwendigkeit der Gedenkstättenarbeit. Sie trage dazu bei, auch künftige Generationen mit der Geschichte zu konfrontieren und die perverse Pseudo-Logik des Antisemitismus zu entlarven. Das Erzbistum Berlin entsendet im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz einen Vertreter in den Trägerverein der Gedenkstätte. Dem bisherigen Vertreter Prälat Roland Steinke folgt die Leiterin des Katholischen Büros Berlin-Brandenburg, Dr. Martina Köppen, nach.

Bildunterschrift: Dr. Martina Köppen, Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, Dr. Norbert Kampe, Prälat Roland Steinke (v.l.), Foto: Walter Wetzler

Ein Beitrag für Choralforscher

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, einen Blick in das vor einem Jahr neu erschienene Graduale Novum aus der ConBrio Verlagsgesellschaft zu werfen. Ich verstehe zu wenig von Neumen und Handschriften, um die Fortschritte der Forschung darin richtig einschätzen zu können. Der Beitrag für die liturgische Praxis dürfte jedoch eher gering ausfallen. Meine Empfehlung für die Messe bleibt das Graduale Romanum von ´62, zum einen, weil es auf der verbindlichen Editio typica beruht, und zum anderen, weil es einfach besser gesetzt ist.

Donnerstag, 30. August 2012

Ein guter Zeitpunkt für ein unterstützendes Gebet

Soeben beginnt im ZDF die Sendung "Maybrit Illner" (Livestream). Das Thema ist: Zwei Männer und ein Baby – gleiches Recht für Homo-Ehen? Freifrau Hedwig von Beverfoerde wird die Position der Kirche vertreten. Sie ist die Sprecherin der bundesweiten Initiative Familienschutz. Im Ring trifft sie auf Volker Beck und Lilo Wanders. Es könnte also schrill und auch absurd werden. Ein Gebet für Frau von Beverfoerde muß demnach wohl kein Fehler sein.

Jesus is on the floor - Der Herr im Altarsakrament

Gefunden bei Braut des Lammes

Mittwoch, 29. August 2012

Verstärkung aus dem Priesterseminar

Zu Maria Himmelfahrt war unsere Schola unverhofft stark. In absoluten Zahlen war der Zuwachs nicht besonders hoch, bei einer Gruppe von vier Mann jedoch bereits deutlich spürbar. Ein Seminarist aus einem diözesanen Priesterseminar hatte sich uns zum Singen angeschlossen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, nicht nur, weil er wirklich talentiert war, sondern auch, weil ich mir für unsere künftigen Priester zwei Dinge ganz besonders wünsche: die Liebe zum Choral und die Aufgeschlossenheit für den alten Ordo.

Dienstag, 28. August 2012

"Wende Andritzki" - Erstaufführung im Erzbistum

Berlin (PEB) - Das Theaterstück "Wende Andritzki" wird am 1. und 2. September 2012 im Erzbistum Berlin aufgeführt. Eine Theatergruppe, bestehend aus katholischen Schülern und Studenten des Bistums Dresden-Meißen, wird unter der Leitung von Kaplan Adam R. Prokop den Kampf des sorbischen Priesters und Märtyrers Alois Andritzki gegen den Nationalsozialismus darstellen. 

Aufgrund anhaltender Proteste gegen das Naziregime wurde er im Konzentrationslager Dachau im sogenannten "Pfarrerblock" inhaftiert. Es folgte eine lange Zeit härtester Haftbedingungen, aber auch des unbeirrten Festhaltens an seinem Priestertum und einer christlichen Lebenshaltung. Schließlich erkrankte Andritzki an Typhus und wurde am 3. Februar 1943 durch eine Giftspritze ermordet. Am 13. Juni 2011 wurde er seliggesprochen. In seiner sorbischen Heimat wird er als Märtyrer und Widerstandskämpfer in hohem Maße verehrt. 

Aufführungen: Sonnabend, 1. September 2012, 19.00 Uhr, Pfarrkirche Ss. Eucharistia, Ruhlsdorfer Straße 28, Teltow; Sonntag, 2. September 2012, 16.00 Uhr, Kirche St. Thomas Morus, Hohe Kiefer 113, Kleinmachnow. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten. Weitere Informationen: http://www.andritzki.de/

Alleluia zum Fest des heiligen Augustinus

Latein zum Fest des heiligen Augustinus?

Wie allseits bekannt, feiert die Kirche heute das Fest des heiligen Augustinus, eines bekanntermaßen großen Freundes der lateinischen Sprache. Angenommen, man würde dem Heiligen zu Ehre eine lateinische Messe nach den erneuerten Büchern feiern wollen - wie würde man wohl das Alleluia singen, welches Ruf vor dem Evangelium genannt wird, wenn dabei auch der vom Konzil bevorzugte Choral zum Einsatz kommen sollte? 

In der Erzabtei Beuron wird der Alleluia-Ruf zum heutigen Fest in folgender Weise niedergelegt: "Halleluja. Halleluja. Einer ist der Vater, der im Himmel. Einer ist euer Lehrer, Christus. Halleluja." Das ist gestückelt aus Matthäus 23, 9b und 10b. Im Original der Vulgata müßte es demnach wie folgt lauten: "Unus enim est Pater vester qui in caelis. Magister vester unus est Christus." 

Ein großartiger Text. Ein entsprechender Alleluia-Ruf ist jedoch weder im Graduale Romanum von 1974 noch in einem seiner Vorgänger verzeichnet. Im Graduale von ´62 findet sich für das Fest des Heiligen Augustinus ein Alleluia-Ruf, der auf folgende Worte des Psalms 89, 21 lautet: In veni David servum meum: oleo sancto meo unxi eum. Zu deutsch: "Ich habe David, meinen Knecht, gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt." 

Dieser Alleluia-Vers der alten Meßordnung hat vor den Vätern der liturgischen Erneuerung aus guten Gründen keine Gnade gefunden haben - ohne gute Gründe wäre eine Änderung ja schließlich unsinnig gewesen. Bedauerlich für einen wie mich, dem das seltsame Faible der Konzilsväter für den Choral nicht abgeht, ist nur, das hier eine der ältesten Choralmelodien entfernt wurde ohne einen Ersatz zu leisten, vorausgesetzt natürlich, das eine einfache Psalmodie den Choral nicht ersetzen kann.

Um sich einen Eindruck vom Verlust zu verschaffen, empfehle ich, die Worte "Halleluja. Halleluja. Einer ist der Vater, der im Himmel. Einer ist euer Lehrer, Christus. Halleluja" zu sprechen oder recte tono, das heißt auf einem Ton, zu singen, und danach im Vergleich das alte Alleluia anzustimmen. Da mancher die Noten nicht zur Hand hat, habe ich den alten Vers mit den mir beschränkten Mitteln und Fähigkeiten aufgezeichnet und zu einem kleinen Video verarbeitet, welches sich hier einsehen und anhören läßt: Alleluia zum Fest des heiligen Augustinus.

Montag, 27. August 2012

Proprium und Ordinarium der Meßgesänge

Die psalmodischen Teile des Meßgesangs haben wechselnde Texte; in der Regel hat jede Messe ihren eigenen Text zum Introitus, Graduale, Alleluja (bzw. Tractus), Offertorium und zur Communio. Man nennt sie daher in neuerer Zeit das Proprium und scheidet es in das Temporale, Proprium de Tempore (Feste des Herrn), und Sanctorale, Proprium de Sanctis (Feste der Heiligen). Die andere Gruppe verändert ihren Text nie; man pflegt sie deshalb dem Proprium als Ordinarium Missae gegenüberzustellen; sie umfaßt das Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei

Der gegensätzliche Charakter des Propriums und des Ordinarium Missae offenbart sich auch in ihrer liturgischen Stellung, wie in der Art ihrer Ausführung. Die Gesänge des Proprium gehören schon zur Meßordnung Gregors des Großen, sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Messe, so daß es eine Messe ohne Introitus, ohne Graduale, ohne Alleluja (bzw. ohne Tractus), usw. nicht gibt, abgesehen von den letzten Tagen der Karwoche, die liturgisch auf eigenen Fuß gestellt sind. Geringer ist die liturgische Bedeutung der Stücke des Ordinarium Missae; es ist erst allmählich ausgebaut worden, und von dem gregorianischen Sakramentar angefangen bis auf das Meßbuch des Konzils von Trient ist für viele Messen vorgeschrieben, das Gloria oder das Credo auszulassen. 

Die Bedeutung des jedesmaligen Festes spiegelt sich viel besser in den wechselnden Stücken des Propriums ab, von denen gleich der Introitus mit einer oft dramatischen Lebendigkeit in des Gedankenkreis des Festes einführt. Auch musikalisch galten die Stücke des Ordinarium zunächst als minderwertig. Nur das Proprium steht in den ältesten liturgischen Gesangbüchern, es bildet den eisernen Bestand des Meßgesangs von Gregors Zeit bis zur Gegenwart. Das Ordinarium dagegen hat eine sehr wechselvolle Geschichte zu verzeichnen. In Rom wurde es zuerst, wie im einzelnen noch wird ausgeführt werden, nicht von der Schola gesungen, sondern von den am Altare assistierenden Geistlichen oder vom ganzen Volke, wie es besonders in Gallien beliebt war. 

aus: Peter Wagner, Einführung in die Gregorianischen Melodien, Leipzig 1911

Herzliche Glückwünsche zum ersten Jahrestag

Heute jährt sich zum ersten Mal die Amtseinführung unseres Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki. Ich wünsche dem Kardinal alles Gute und Gottes Segen für sein Wirken in Berlin. Auf viele Jahre!

Narzissmus aus psychotherapeutischer Sicht

Entwicklungsgeschichtlich finden sich bei narzisstischen Patienten oft traumatische Ereignisse (seelische Verwundungen) in der Kindheit, allerdings nicht so heftig und verheerend, wie beispielsweise bei den meisten Borderline-Patienten. So berichten narzisstisch Gestörte nicht selten davon, dass sie als Kind von ihren Eltern ohne Einfühlung, unterkühlt bis kalt und sogar boshaft behandelt wurden. Dabei zudem noch auf eine „besondere“, gerade für ein Kind schwer durchschaubare Weise.
Woher diese Ambivalenz (das elterliche hin- und hergerissen sein) stammt, wird unterschiedlich ausgelegt. Zum einen mag es auch daran liegen, dass viele narzisstische Menschen Kraft ihrer erblichen Eigenschaften und damit von Anfang an über gewisse seelische, geistige oder körperliche Besonderheiten verfügen. Beispiele: überragende Intelligenz, musikalisches oder künstlerisch-gestalterisches Talent, körperliche Attraktivität u. a. Das führt dazu, dass die an sich unzugänglichen, verschlossenen auf jeden Fall emotional unterkühlten Eltern neben ihrem gemütlosen, zumindest aber nicht einfühlsamen Erziehungsstil doch auch immer wieder Bewunderung empfinden – mit den entsprechenden „Wechselduschen“ in puncto Zuwendung, Liebe und Fürsorge.
Die innerpsychischen Folgen dieser aber letztlich für das Kind frustrierenden Erfahrung ist die Ausbildung von „schwerem psychischem Schmerz“, wie es die Psychotherapeuten nennen. Und einem sich später daraus entwickelnden Hass, auf jeden Fall aber Neid auf die anderen, deren Liebe und Unterstützung aber gerade umso dringender benötigt würde. Das heißt: Aus einer ambivalenten Kindheitserfahrung wird letztlich ein ambivalentes Verhältnis zu den anderen schlechthin.
In der psychoanalytischen Fachsprache hört sich dies wie folgt an: Diese partielle Idealisierung des Kindes durch die Eltern führt zu einer Hypertrophie der talentierten Selbstrepräsentanz bei gleichzeitiger Leugnung der abhängigen und „wertlosen“ Selbstrepräsentanz, die voll mit Neid, Hunger und Wut ist. Oder auf einen Satz gebracht: Ein „grandioses Selbst“, das seinen Halt durch konstante Bewunderung zu sichern sucht.
Auf sexueller Ebene äußert sich dies beispielsweise in einem zur Schau gestellten unrealistischen sexuellen Selbstbewusstsein, das aber andererseits durch eine tiefe und natürlich ebenfalls unbewusste Schuld belastet ist. Die Folge beim Erwachsenen ist dann häufig die Kombination aus erotischem Charme und Hypersexualität, hinter denen sich aber tiefe, schuldgeplagte Kastrationsängste mit Phasen von Impotenz und/oder eine oral determinierte starre Homosexualität verbergen.
Der berufliche Werdegang eines narzisstisch Gestörten ist durch dieses grandiose Selbst nicht selten durch ein übersteigertes berufliches Engagement geprägt. Allerdings kann hinter dieser „Pseudo-Sublimierung“ eine nagende Langeweile lauern. Das kann dann allerdings in der Realität auch zu großen Leistungen in Wissenschaft, Kultur, Politik u. a. führen.


Samstag, 25. August 2012

Die Meßgesänge in Spätantike und Mittelalter

Der älteste Musikschriftsteller, der sich ausführlich über den liturgischen Gesang seiner Zeit ausspricht, Aurelianus von Réôme im 9. Jahrhundert, stellt im letzten Kapitel seiner Musica disciplina die verschiedenen Formen des Meßgesanges zusammen und bespricht sie in der Reihenfolge, wie sie in der Messe auftreten. Seine Darlegung lautet: "Das Meßoffizium besteht zunächst aus den Antiphonen, welche Introitus genannt werden. Sie haben den Namen davon erhalten, daß sie beim Eintritt des Volkes in die Basilika gesungen werden, und sie dauern so lange, bis sowohl der Pontifex, wie die übrigen geistlichen Würdenträger nach ihrer Reihenfolge in ungestörter Ordnung in die Kirche eingezogen sind und den ihnen zukommenden Platz eingenommen haben. Dann wird die Litanei gesungen, in der Gott und Christus um Erbarmen für das Volk angefleht werden, worauf der Priester, die Engel nachahmend, der Gott im Himmel Ehre, den Menschen auf der Erde Frieden verkündigte, eben dieses Lied mit heilkündender Stimme beginnt. Hierauf wird das von den Stufen, von denen aus es gesungen wird, Graduale genannte Responsorium gesungen. Bei den Alten pflegten die Singenden wie die Sprechenden auf solch erhöhten Stufen Platz zu nehmen; darum heißt es von Esdras: er stellte sich auf die hölzernen Stufen, die er hatte verfertigen lassen, um von ihnen aus zum Volke zu reden. Daher spricht man auch von den Psalmi graduum, die nach der buchstäblichen Erklärung deshalb so heißen, weil sie von den Stufen (gradus) aus gesungen wurden. Das Alleluja haben wir von den Juden übernommen, deren Sprache das Wort angehört. Es bedeutet: Lobet Gott, und wurde aus Ehrfurcht in keine Sprache übersetzt; sehr passend wird es vor dem Evangelium gesungen, damit die Gemüter der Gläubigen zur Aufnahme des Wortes des Heiles durch dieses Lied vorbereitet werden. Offertoria aber heißen diejenigen Gesänge, welche die Kirche dem Herrn zur Darbringung der Opfergaben singt. Es geschieht dies in Nachahmung der alten Väter, an welche die Vorschrift erging: wenn ihr ein Mahl und festliche Tage begehet, so sollt ihr Posaunen über euer Opfer erklingen lassen, und der Herr wird euer eingedenk sein. Bei der Austeilung der heiligen Kommunion wird zunächst das Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis gesungen, damit die Gläubigen, die am Fleische und Blut des Herrn teilnehmen, dasjenige, was sie im Munde empfangen, mit der Modulation ihrer Stimme preisen, um den in körperliche Speise verwandelten, den sie kosten, zu ehren, der, wie die Kirche lehrt, herniederkam, um gekreuzigt zu werden, zu sterben und begraben zu werden. Im Anschluß daran wird noch ein anderer Gesang vorgetragen, der Communio heißt, damit, solange das Volk die himmlische Segnung empfängt, sein Geist durch süßen Gesang zu erhabener Betrachtung emporgehoben und darin festgehalten werde."
Das sind die Gesangstücke der Messe des 9. Jahrhunderts in Gallien und in Rom, denn zu Aurelians Zeit ist die in Gallien herrschende Liturgie die römische. Den Tractus erwähnt er nicht, weil er die Stelle des Alleluja vertrat; er existierte aber schon im 9. Jahrhundert. Ebenso ist das Sanctus übergangen, wohl deshalb, weil es seinem Ursprunge gemäß, der noch in seiner ältesten Melodie zu erkennen ist, zur Praefatio gehört, an welche es sich unmittelbar anschließt. Das Credo dagegen war als Meßgesang der römischen Liturgie des 9. Jahrhunderts noch nicht einverleibt und ist überhaupt der jüngste Gesang der Messe. Sonst aber ist deren musikalische Aufführung, wie sie Aurelian schildert, älter als das 9. Jahrhundert; sie ruht auf den liturgischen Maßnahmen Gregors des Großen (+604) und ist mit dessen Festsetzung der Meßliturgie unzertrennlich verbunden.

aus: Peter Wagner, Einführung in die Gregorianischen Melodien, Leipzig 1911

Freitag, 24. August 2012

Hirntod oder nicht tot. Leseempfehlung FAZ

Ein guter Artikel aus der FAZ. Ich habe nicht gewußt, was sich im Vorfeld einer Organtransplantation abspielt. Hier wird es anschaulich erklärt: Hirntod.

Montag, 20. August 2012

Alte Kirchen in Berlin und Brandenburg, Teil I.

Die Dorfkirche in Alt-Wittenau ist nur eine von etwa 50 alten Dorfkirchen in Berlin und Brandenburg. Sie wurde 1483 erbaut und zählt schon zu den jüngeren Alten Kirchen. Sehr wahrscheinlich wurde sie der Heiligen Anna oder dem Heiligen Nikolaus geweiht. Heute ist das in Vergessenheit geraten. Nach der Reformation übernahm dann ein Freiherr oder Fürst das Kirchenpatronat.
Das Video entstand in den Abendstunden am Freitag. Die Sonne wurde schnell weniger und die Mückenschwärme schnell mehr. Die eine oder andere Kamerafahrt wäre unter anderen Umständen vielleicht noch etwas gleichmäßiger verlaufen. Die Musik wurde freundlicherweise vom Organisten und Regens Chori des Instituts St. Philipp Neri zur Verfügung gestellt. Die Komposition aus "Ach, wie nichtig, ach wie flüchtig" von Georg Böhm erklingt auf einem Sampleset der Schnittger-Orgel in Zwolle von Sonus Paradisi für die Hauptwerk-Software.
Die Folge wird in einer Serie fortgesetzt - soweit Interesse daran besteht.

Montag, 13. August 2012

Bayreuther Mensch-Körper-Maschine-Kosmos

Am Donnerstag fuhren wir für eine Vorstellung nach Bayreuth: Tannhäuser. Die Inszenierung war schlecht bis mitleiderregend: Postmoderne trifft Spätromantik. Die Details sind andernorts schon ausgeführt. Wir waren der Musik wegen dort. Das Festspielhaus hat eine bemerkenswerte Akustik. Die Sänger waren gut. Christian Thielemann stand am Dirigentenpult. Alles in Ordnung soweit. Um 2 Uhr in der Nacht waren wir zurück. Das nächste Mal übernachten wir vielleicht noch einmal in der Nähe, wenn es denn ein nächstes Mal gibt. Wagner kann man - das hat sich wohl mittlerweile herumgesprochen - auch anderswo und oft auch besser hören.

Samstag, 11. August 2012

Heilige Messe im Niemandsland des Nahverkehrs

Am Sonntag habe ich die heilige Messe in St. Bruder Konrad in Hamburg-Osdorf besucht. Die Kirche liegt etwa 10 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, im Niemandsland des Hamburger Nahverkehrs - mit freundlicher Genehmigung des Erzbistums Hamburg. Aus Schleswig-Holstein sind es dafür nur 100 Meter. Immerhin - durchaus ein Vorteil des Standortes - war es dieses Mal nicht notwendig, sich Zutritt zu einer Kaserne zu verschaffen, um an einer Messe teilnehmen zu können.
Trotz schlechter Verkehrsbedingungen hatten viele Gläubige den Weg nach Osdorf gefunden. Es gab sogar, was mich besonders freut, eine kleine Schola, die sowohl das Ordinarium als auch ausgewählte Teile des Propriums sang. Da ich weiß, wie schwer es sein kann, eine gute Schola aufzubauen, wünsche ich den Mitwirkenden viel Durchhaltevermögen und von Herzen gutes Gelingen! Das Proprium wird - meiner Erfahrung nach - erheblich leichter ab dem dritten Jahr.
Ich muß, das merke ich bei dieser Gelegenheit auch, sehr dankbar sein, daß vieles in St. Afra bereits selbstverständlich ist, was anderswo erst noch mühsam errungen wird - zur höheren Ehre Gottes.

Neue Typen, neue Modelle. Endlich Ruhe!

Dienstag, 7. August 2012

Kindergeburtstag bei den Großeltern

Am Wochenende feierten wir den zweiten Geburtstag meines Sohnes bei den Großeltern in Hamburg. Es gab ein Puky-Laufrad, Schleich-Tiere und Kuchen. Am Sonntag ging es früh zum Kinderbauernhof. Das Kind sagt seit Wochen kaum etwas anderes als "Opa", "Auto", "Be-Em-Weh". Automarken erkennt der Sproß fast sicher von einem Straßenende zum anderen. An keinem "Be-Em-Weh" dürfen wir vorbei, ohne ihn zumindest kurz in Augenschein genommen zu haben. Nur das Mitfahren will noch nicht so recht. Die halbe Stunde zum Bauernhof hat er geschrien wie am Spieß. Endlich angekommen, betraten wir das Ziegengatter. Nach einigen zärtlichen Rückenstreichlern, griff mein Sohn der Ziege erstmal beherzt und unvermittelt an den nassen Ziegenschwanz. Vom Händewaschen zurück lief der Kleine auf die nächste Ziege zu, stand nur kurz wie unschuldig da und tatschte ihr dann, bevor wir uns versehen konnten, schwungvoll wieder mitten auf den Anus. Den Versuch Ziegengatter haben wir nach dem erneuten Händewaschen erstmal abgebrochen und uns Hühnern, Eseln, Schafen und Schweinen zugewandt, deren Gatter nicht zu betreten war.

Hochzeit in St. Afra

Am vorvergangenen Samstag wurde am Institut geheiratet: Nach dem Eintreffen der Braut, ein deutsches Lied vorweg, ein Marienlied hinterher, dazwischen Ordinarium und Proprium der Brautmesse, kein Trara, kein Uff-Tatta, dafür Andacht und Gebet und Segen für das neue Paar - und eine kurze Ohnmacht in der zehnten Reihe, die jedoch mit einem Glas Wasser schnell kuriert werden konnte.
Nichts besonderes und wohl gerade deshalb doch. Es war keine neue Form erfunden worden und es mußte auch keine erfunden werden. Die Form war vorgefunden worden wie sie war - sicher ungeeignet, der Zeremonie den Stempel des Brautpaares aufzudrücken, um so besser aber geeignet, das Brautpaar im Verein mit Engeln und Heiligen daran zu erinnern, das wir dem Herrn nur dann ähnlicher werden können, wenn wir uns von Ihm in seiner Kirche prägen lassen.
Dem Brautpaar wünsche ich von ganzem Herzen Gottes Segen!

Mittwoch, 18. Juli 2012

Sonntagsspaziergang an der Berliner Mauer


Ich wohne nur einen Steinwurf von dem entfernt, was früher einmal die Berliner Mauer war. Heute ist nur ein kleiner Rest verblieben, ein Freiluftmuseum, das jedes Jahr etwa 300.000 Touristen anlockt, die sich einen Eindruck von den Grenzbefestigungen der "DDR" verschaffen wollen.

Meine erste Begegnung mit der innerdeutschen Grenze hatte ich Mitte der achtziger Jahre an einem Grenzstein bei Ratzeburg. Damals erklärte mir mein Vater, in dem Wachturm auf der anderen Seite säße ein Deutscher, der auf mich schießt, wenn ich weiter gehe. Ich habe nie verstanden, warum Deutsche auf Deutsche schießen sollen, und auch nie daran gezweifelt, daß diese Teilung selbstverständlich überwunden werden muß. Es bedrückt mich, in die Gesichter der Menschen zu schauen, die ihre Sehnsucht nach Freiheit mit dem Leben bezahlen mußten, nur weil es andere nicht ertragen haben. 

Das Video ist das Ergebnis eines sonntäglichen Spaziergangs mit einem neuen Kameraschlitten. Die Musik dazu habe ich bei meiner Frau geklaut.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Aus Hamburg

Heute morgen ging es zeitig los. Vater und Sohn besuchen Oma und Opa in Hamburg. Die Mutter singt in Zwickau Schumann-Lieder. Fronleichnam in Berlin fällt leider aus. Ich wäre zu gespannt, die diesjährige Feier mitzuerleben. Im letzten Jahr fielen mir bereits bedeutende Verbesserungen auf. Vor allem das lateinisch gesungene Ordinarium hat größtes Gefallen bei mir erregt. Interessant wäre es, zu sehen, ob sich der grassierende Gelenkrheumatismus der Berliner Katholiken diesjährig etwas gelegt hat. Ich persönlich finde ja, daß sich niemand schämen muß, die Knie vor Gott zu beugen. Sei´s drum. Regelrecht dankbar werde ich jedoch sein, das alles nicht miterleben zu dürfen, wenn in diesem Jahr die gleichen, hochnotpeinlichen Radio Paradiso-Hausfrauenmeditationen den Gendarmenmarkt, die Prozession und die umliegenden Straßen beschallen. Dafür konnte man sich nämlich wirklich schämen.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Donaukurier enttarnt Kreuz.net-Macher

Wer steckt hinter kreuz.net? Das Geheimnis um die Macher der Kreuz.net-Platform ist gelüftet. Einer Redakteurin des Donaukurier ist es gelungen, die Hintermänner zu enttarnen. Sie schreibt: "kreuz.net wird über den Server des US-Anbieters „Site5.com“ betrieben. Auch der E-Mail-Verkehr werde über diese Domain abgewickelt. Denselben Server nutze auch das österreichische Nachrichtenportal kath.net." Das, und die Tatsache, daß beide Portale ihre Meldungen fast gleichzeitig absetzen, sei ein Beleg dafür, daß kreuz.net und kath.net nicht nur "so gut wie in einem Boot" säßen, es lasse darauf schließen, daß hier auch die gleichen Personen am Werk seien. Wahrscheinlich hält es Frau Ingenthron auch für möglich, daß es sich bei Kai Diekmann und Hans Werner Kilz um ein und denselben Zeitungsmacher unter zwei verschiedenen Namen handelt. Da beide ihre Zeitungen etwa zur gleichen Zeit veröffentlichen und in Berlin sogar in der gleichen Druckerei herstellen lassen. Es widerstrebt mir, das so offen sagen zu müssen, aber so einen Schwachsinn habe ich lange nicht mehr gelesen.

Sonntag, 3. Juni 2012

Schwerer Verstoß gegen den priesterlichen Dienst

Berlin (PEB) - Am Sonntag, dem 3. Juni 2012 verlas Pfarrer Markus Brandenburg im Gottesdienst in der Kirche St. Marien Reinickendorf das folgende Proclamandum von Generalvikar Monsignore Tobias Przytarski: "Im März 2011 wurden Sie darüber informiert, dass der damalige Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Matthias Heinrich eine Untersuchung gegen Ihren Pfarrer angeordnet hat. Ihm wurde der sexuelle Missbrauch eines Jugendlichen in den 90er Jahren vorgeworfen. Mit Beginn des Verfahrens wurde dem Pfarrer die Ausübung des priesterlichen Dienstes untersagt. Ich bedaure, dass dem Vorwurf nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt nachgegangen wurde. Die mittlerweile durchgeführte Untersuchung hat ergeben, dass weder nach weltlichem noch nach kirchlichem Recht eine Straftat vorgelegen hat, wohl aber ein schwerer Verstoß gegen den priesterlichen Dienst. Unser Erzbischof hat deshalb disziplinarrechtliche Maßnahmen angeordnet und den Pfarrer aufgefordert, auf sein Amt zu verzichten. Der Pfarrer hat dem mit Schreiben vom 9. Mai 2012 entsprochen. Künftig wird Pfarrer Markus Brandenburg Ihr Seelsorger in St. Marien sein. Mehr als ein Jahr ist seit Beginn der Untersuchung bis zum heutigen Tag vergangen. Ich anerkenne und bedaure die für alle Beteiligten - auch für Sie als Pfarrgemeinde - entstandene schwierige Situation und wünsche allen Gottes Segen für einen fruchtbaren Neuanfang."

Samstag, 2. Juni 2012

Donnerstag, 31. Mai 2012

Einfache Sätze immer wieder sagen. Teil VII.

Wer das Gute fördert, macht das Böse zunichte.

Dienstag, 29. Mai 2012

August Froehlich, Blutzeuge für Christus, Teil 1


Das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar, am 31. Juli 1941. Das Lagertor am Morgen. Die Lagerkapelle spielt. Häftlinge ziehen in langen Reihen zur Arbeit. Einige werden heute sterben. Neuzugänge werden gebracht. Unter Stockschlägen und im Laufschritt werden sie vom Bahnhof zum Lager getrieben oder auf Lastwagen antransportiert. Auch Pfarrer August Froehlich aus Rathenow ist dabei. Mit Schlägen und Fußtritten werden die Gefangenen empfangen. Stundenlang müssen sie vor dem Lager stehen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, zum sogenannten Sachsengruß, bis sie ganz taub sind. Es gibt Ohrfeigen und Tritte. Die Personalien werden aufgenommen. Danach erst folgt der Einmarsch in das eigentliche Lager. Das Tor schließt sich hinter den Gefangenen. "Jedem das Seine" steht daran. Das Martyrium von Pfarrer August Froehlich beginnt. 

August Froehlich wird am 26. Januar 1891 in Königshütte/Oberschlesien geboren. Er ist das zweite von fünf Kindern. Die Familie ist wohlhabend. Froehlich ist ein verschlossenes, trotziges Kind. Die Schule fällt ihm schwer. Schon als kleiner Junge will er Pfarrer werden. Er fällt durch die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium und kommt auf eine Vorbereitungsschule in Breslau. Am Gymnasium in Liegnitz sticht er heraus durch seine Aufrichtigkeit und sein Gerechtigkeitsempfinden. Das Abitur besteht er erst im zweiten Anlauf. Nach dem Abitur tritt Froehlich in das fürstbischöfliche Seminar in Breslau ein. Er muß hart arbeiten. Die Professoren sind ihm wohlgesonnen. Fröhlich ringt mit seinen Schwächen. Er schreibt: "Wie dumm und aufbrausend bin ich, vom Unwillen bis zum Zorn. Wie nachlässig im Gebet, in Andacht und Betrachtung, ich ein Theologe!" Er steht kurz vor der Priesterweihe. Es ist Heilig Abend 1914 - da erreicht ihn die Einberufung nach Berlin.
Froehlich muß in den Krieg. Mit dem Kaiser Alexander Garde Grenadierregiment kommt er an die Ostfront und wird gleich schwer verletzt. Eine Kugel trifft ihn ins Gesicht. Froehlich wird gefangen genommen. Ein Russe sticht den Verwundeten mit seinem Bajonett in Hals und Bauch und läßt ihn liegen. Froehlich überlebt und gesundet. An der Westfront kämpft er bei Arras, an der Somme und an der Aisne am Chemin des Dames. Er erhält das Eiserne Kreuz erster Klasse und wird Anfang 1918 zum Leutnant befördert. Bei einem Fliegerangriff wird er erneut verwundet und im Lazarett mit der spanischen Grippe infiziert. Kurz vor Kriegsende stößt er wieder zu seiner Einheit. Nur noch jeder Dritte ist am Leben. Briten und Amerikaner greifen an. Trotz schwerer Verluste, Übermüdung und Kälte wird das Alexander-Bataillon nicht aus der Front gelöst. Es wird vollständig aufgerieben. Froehlich gerät in britische Kriegsgefangenschaft - aber er überlebt. Mit anderen Offizieren kommt er in das Lager Lofthouse Park bei Leeds in England. Ein halbes Jahr gibt es nur Hungerrationen. Jede Bewegung macht den Hunger stark. Tagelang verharren die Gefangenen auf ihren Pritschen liegend. Mit der Zeit wird es besser. Froehlich bekommt Lebensmittel-Pakete. Er teilt mit anderen und er teilt gern.


In Buchenwald stehen die neuen Häftlinge stundenlang mit dem Gesicht zur Bunkermauer, abwechselnd die Arme zum Sachsengruß erhoben oder die Knie gebeugt. Wenn es einem Blockführer Spaß macht, jagt er die Leute mit ihren Koffern bis zur völligen Erschöpfung auf dem Appelplatz herum oder zwingt sie, sich in ihren Zivilkleidern im Dreck zu wälzen. Im Laufschritt geht es zum Bad. Man entkleidet sich und wird geschoren. Ein heißes oder nach Laune eiskaltes Brausebad folgt, worauf man der Bekleidungskammer zur Einkleidung vorgeführt wird. Der Umweg dorthin geht nicht selten auch im Winter nackt über die Lagerstrasse und den Appellplatz was Hunderte der Opfer entweder sofort oder durch nachfolgende Lungenentzündung das Leben kostet. Ohne Rücksicht auf Größe und Eigenheiten erhalten die Neuzugänge ihre gestreiften "Klamotten" zugeworfen. Mancher hat Glück, wenn gerade neue Bestände eingetroffen sind; die meisten erhalten zerschlissenes Zeug, daß sie mühselig erst im Laufe der Zeit verbessern können. Die nächste Station ist die Effektenkammer. Dort werden die mitgebrachten Habseligkeiten sortiert, aufgezeichnet und in einen Sack gegeben. In der Häftlingsschreibstube wird der Zugang noch am gleichen Tag in die dortige Kartei aufgenommen und einem bestimmten Block zugewiesen. Jeder Holzblock hat zwei Flügel, die Steinblöcke sind zweigeschossig und haben vier Flügel, jeder Flügel besteht aus Tagesraum und Schlafraum, belegt mit 100 bis 200 Häftlingen. Die Betten stehen in 2 bis 3 Etagen übereinander. Froehlich kommt als Schutzhäftling in die K-Kompanie für "dienstunwürdige" Soldaten.

Ende 1919 wird Froehlich aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Die Familie empfängt ihn in Königshütte. "Wo ist die Mama?", ist seine erste Frage. Sie ist seit Sommer tot. Sein erster Gang führt an das Grab der Mutter. Fröhlich ist erschüttert. Er geht in sich, betet. Fünf Jahre war er nun Soldat. Kann er noch Priester werden? Er studiert weiter. Im Breslauer Dom wird er im Sommer 1921 zum Priester geweiht. Seine Primiz feiert er in der Barbara-Kirche, im von Polen besetzten Königshütte. Im September geht er nach Berlin, als Kaplan in die Pfarrei St. Eduard Neukölln. Er ist voller Freude und Eifer. Froehlich liebt es zu unterrichten. Die Kinder lieben seine Witze und Geschichten. Die zwanziger Jahre sind eine schwere Zeit. Viele haben alles verloren. Froehlich organisiert Brot, er teilt sein Essen, hilft mit Geld, wo er kann. Klatsch und Tratsch verschlechtern das Verhältnis zu seinem Vorgesetzten. Seine Predigten werden gegengelesen. Der Pfarrer stellt sich offen gegen ihn. Froehlich hadert mit seiner Berufung. Am Grab des Berliner Missionsvikars Eduard Müller findet er in mancher Stunde Trost. 
1924 verliert Froehlich seine Kaplanstelle in St. Eduard. Die Versetzung liegt nach einem Urlaub auf dem Tisch. Das schmerzt. Er wird Kaplan in St. Bonifatius in Kreuzberg. Das Verhältnis zum dortigen Pfarrer ist von Anfang an belastet. Froehlich läßt sich davon nicht beirren. Er wird Seelsorger für das polizeibekannte Jungenheim der Gemeinde und fordert den Stärksten gleich zur Kraftprobe. Die Jungen sind beeindruckt. Sie vertrauen dem Kaplan. Froehlich kümmert sich um sie, opfert seine Freizeit. Die Polizei muß nicht mehr kommen. 1928 wird Froehlich nach St. Marien in Spandau versetzt. Die Pfarrhelferinnen machen ihm das Leben schwer. Die Beichtvorbereitung wird ihm entzogen, den Pfarrhelferinnen zugesprochen. Froehlich schreibt an den Bischof, er habe nicht mehr das Vertrauen seines Pfarrers: bitte um sofortige Versetzung. Er geht nach St. Thomas in Charlottenburg. Eine gute Zeit. Später wird sein Pfarrer schreiben: "Von den 15 Kaplänen, die ich bisher gehabt habe, habe ich Kaplan Froehlich wegen seines großen Charakters und seiner ernsten Berufsauffassung besonders geschätzt."

Die K-Kompanie, der Froehlich zugewiesen wird, gehört zur Strafkompanie des Lagers Buchenwald. Ein Lager im Lager. Die Blocks sind doppelt umzäunt und verschlossen. Der Kontakt zu anderen Häftlingen ist verboten. Nur alle Vierteljahr darf Froehlich einen zensierten Brief an seine Angehörigen schreiben, nur alle Vierteljahr einen Brief empfangen. Wie alle Gefangenen der Straf- und K-Kompanie wird Froehlich in den Steinbruch kommandiert. Ein Himmelfahrtskommando. Ein Überlebender erinnert sich daran: "Wir arbeiteten täglich 12 Stunden im Steinbruch und außerdem drei bis vier Stunden im Gärtnereigelände. Im Steinbruch mußten wir Tag für Tag 52 bis 54 Loren, beladen mit 30 bis 40 Zentnern Steinen, eine Steigung von ca. 25° 500 Meter im Laufschritt in Holzschuhen bergauf ziehen, herunter ging es im Eiltempo. Dadurch bekamen wir alle wunde Füße, die wir im Revier nicht behandeln lassen durften. Dazu ständige Prügel von den SS-Posten, Kapos und Vorarbeitern. ... Die Pause für den ganzen Tag betrug eine halbe Stunde, allerdings ohne Essen und Trinken. Die Mehrzahl der Kameraden hatte Durchfall, durfte aber nicht austreten, und die eigene Hose war Ersatz für das Klosett. Oft warfen die uns begleitenden SS-Posten unsere Mützen 2-3 Meter von sich weg und befahlen, diese wieder zu holen. Dabei schossen sie viele nieder, um in den Genuß von Urlaub und Abschußprämien zu kommen. ... [eine] andere Liquidierungsmethoden war das "Fertigmachen", das heißt der Häftling wurde bis zum Wahnsinn gequält, worauf er, um seine Qualen zu beenden, durch die Postenkette lief [und erschossen wurde]. Diejenigen Häftlinge, die bei der Arbeit ohnmächtig wurden, begoß man mit Wasser, bis sie wieder zu sich kamen und weiterarbeiteten. ... Das war die Hölle vom Steinbruch im Konzentrationslager Buchenwald."

Fortsetzung folgt.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Einfache Sätze immer wieder sagen. Teil VI.

Wir leben in einer gefallenen Welt.

Freitag, 4. Mai 2012

Der gute Mensch von Saratow: Clemens Pickel

Bischof Clemens Pickel betreibt das Blog "Katholisch in Südrussland". Nach eigener Aussage "weder professionell, noch offiziell" - dafür aber authentisch, interessant und liebenswert. Eine absolute Empfehlung.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Mein Heiland in Hamburg am Kreuz


Das Bild zeigt den Altarbereich, in dem ich meine erste Kommunion und auch die Firmung empfing, bevor ich der Kirche für mehr als ein Jahrzehnt den Rücken kehrte, um mich ernsthafteren und vernünftigeren Dingen zu widmen. An die erste Ausstattung der Kirche habe ich so gut wie keine Erinnerungen. Die Umgestaltung erfolgte kurz vor meiner Einschulung Anfang der achtziger Jahre. Die kleine Kirche aus den Dreißigern wurde an der Josephseite geöffnet und im rechten Winkel erweitert, der Altar vom Osten in den Süden verlegt. An einen Hochaltar oder an Kommunionbänke - die es wohl gegeben haben muß - kann ich mich nicht erinnern, noch an irgendeinen anderen Schmuck. Was mir aber in Erinnerung blieb, waren die Züge des Gekreuzigten, der den ersten Altarraum überragte. Er durfte nach dem Umbau hängen bleiben, wo er war, und hängt nun über einem Taufstein, überlebensgroß, in einer Ausbuchtung der Kirche, die früher sein Altarraum war.
Ich kann mich gut erinnern, wie ich mit ihm, der mich so leidend, groß und männlich anschwieg, im Herzen haderte. "Wenn Du wirklich Gottes Sohn bist, wenn Du ein Kerl bist, und nicht nur ein Mensch, ein schwacher noch dazu", habe ich gedacht, "wenn Du, der Du da hängst, wirklich allmächtig bist, warum zeigst Du´s nicht, warum kämpfst Du nicht, warum steigst Du nicht herab? Bist Du etwa feige?" Es dauerte etwas länger, bis ich begriff, wieviel stärker und größer er gehandelt hatte. Er aber hat mich nicht gelassen. Er ist mir hinterhergegangen und hat mich eingefangen. Sein Nachfolger von der Südseite hätte das sicher nicht gekonnt. Mit dem war ich schon fertig als ich ihn das erste Mal sah. In meinen Augen hätte er, selbst wenn er gewollt hätte, nicht vom Kreuz herabsteigen können. Ein Weichei, von dem ich mir nicht einmal sicher war, ob er denn überhaupt ein Junge oder Mädchen sei.

Mittwoch, 25. April 2012

Ein Beispiel für viele und für alle

Wenn man den Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, glauben schenken darf, dann hat der Heilige Vater die seit einem Jahrzehnt anhaltende Unsicherheit des deutschen Episkopats in Bezug auf die richtige Übersetzung des pro multis allein durch einen katechetischen "Impuls" entschieden. Ich kann nur sagen, Dank sei Gott für unsere Bischöfe, seine gehorsamen und demütigen Diener, die sich noch so belehren lassen! Daran können sich wirklich alle ein Beispiel nehmen.

Samstag, 21. April 2012

Heute bei der Hertha im Olympiastadion

Für einen Fan von Hertha Berlin muß Lei­dens­fäh­ig­keit kein Nach­teil sein. Zwei zu null für die Gäste in der ersten Halb­zeit, ein An­schluß­treffer in der zwei­ten, eine gelb-rote Karte für die Hertha, be­stän­dig gefähr­liche Quer­pässe der Berliner und tolle Kon­ter­chan­cen für Kai­sers­lau­tern. In der Kabine, so schien es, hatte Rehagel die Parole aus­ge­ge­ben, bloß nicht das Zu­sammen­spiel der ver­schie­denen Mann­schafts­tei­le zu ver­su­chen, das würde eh´ nicht klappen - statt­dessen sollte ver­sucht werden, ei­nen der eigen­en Stür­mer so weit wie mög­lich in der geg­ner­isch­en Hälfte um­holz­en zu lassen, um es dann über  Stan­dard­si­tu­ation­en pro­bie­ren zu können. Für mehr als den An­schluß­treffer hat das jedoch nicht ge­reicht. Ich hatte trotz­dem Spaß. Für eine Dauer­karte wird es aller­dings nicht reichen.

Samstag, 14. April 2012

Erneuerter Chor- und Altarraum in St. Andreas

Der Altarraum der St. Andreas Kir­che wurde nach "Kriegs­zer­stö­run­gen" 1959 nach den Plä­nen des Bild­hau­ers Ewald Ma­ta­ré um­ge­baut. Der Altar im vor­­de­ren Be­­reich - vor den Ko­mmun­­ion­­schran­­ken - dürf­te spä­ter da­zu­ge­kommen sein. Da ich nicht er­kennen kann, welchen Sinn die Fern­seh­ba­lett ver­däch­ti­gen Treppen rechts und links des Al­ta­res haben, möchte ich an­neh­men, daß es auch weitere Ver­än­der­un­gen gegeben hat, die ein ur­sprüng­lich schlüssi­ges En­sem­ble auf­ge­broch­en ha­ben.

Salafistische Muslime verteilen den Koran

Ich denke, es kann nicht schaden, den Koran gelesen zu haben. Bedauerlich wäre es nur, wenn am Ende jeder einen hätte und doch sagen müßte, er wisse nicht was drin steht.

Maria mit dem Kinde in St. Andreas

Zu unserem Besuch im schö­nen Wupper­tal-Barmen hat­ten wir auch die Ge­legen­heit, eines der um­lie­gen­den Dörfer zu be­suchen. Neben Rhein­pro­me­na­de und Kö­nigs­allee la­gen auch eini­ge Kir­chen auf un­se­rem Weg. Die ne­be­nste­hen­de Dar­stell­ung der Gottes­mutter mit Kind gibt es in der vormals von Je­su­iten, heute von Do­mi­ni­ka­nern ge­nutz­ten Kir­che St. An­dre­as zu sehen. Sie hat mich für den 1959 neu ge­stal­te­ten Chor- und Altar­raum durchaus ent­schä­digt.

Montag, 2. April 2012

Kurioses aus Berliner Pfarrbriefen

"Die Kommunionhelfer freuen sich, der Gemeinde mitteilen zu können, dass wir drei neue Helfer bekommen. Am 31. März um 11 Uhr wurden durch Kardinal Woelki in der St. Hedwigs Kathedrale Frau Lioba H., Herr Angelo W.-S., und Herr Martin Z. für ihre Aufgaben geweiht."

Dienstag, 20. März 2012

Nächstes Wochenende in Wuppertal

Das kommende Wochenende werde ich mit meiner Familie in Wuppertal verbringen. Am Samstag sind wir zu einer Hochzeit eingeladen. Kann mir jemand für den Sonntag eine alte Messe dort empfehlen?

Mittwoch, 29. Februar 2012

Bewegte Bilder von den Benediktinern in Norcia


Gefunden bei Elsa

Einfache Sätze immer wieder sagen. Teil V.

Christus hat sein Blut für die Vielen vergossen - nicht gegen die Anderen.

Montag, 27. Februar 2012

"Die Versuchung gehört zum Menschen ..."



Pater Dr. Thomas Jatzkowski (ISPN) zum Evangelium des ersten Sonntags der Fastenzeit. Matthäus 4, 1-11: Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Muslimischer Imam "predigt" bei Jesuiten

Wie der Berliner Tagesspiegel berichtet, ist es eher "selten, dass ein Muslim in einer katholischen Kirche predigt". Die Berliner St. Canisius Gemeinde läßt Vertreter von Christentum, Islam und Judentum in der Sonntagsvesper zum Fasten sprechen. Den Anfang machte gestern der Imam der Ahmadiyya Muslim Jamaat Berlin.

Dienstag, 21. Februar 2012

Die Gemeinde meiner Kinder- und Jugendzeit

Am Sonntag besuchte ich die Gemeinde meiner Kinder- und Jugendzeit in Hamburg. Ich kam zum allseits bewährten Alleluia-Ruf der Osterlaudes kurz vor dem Evangelium. Die Kirche war wie gewohnt voll. Sie wird jetzt von ehemals drei Gemeinden besucht. In der Ecke neben dem Tabernakel hatte sich ein Frauenchor mit einem Keyboard aufgebaut. Schwarze Klamotten, bunte Schals. An der Seite waren noch ein paar Stehplätze frei.
Der Priester trug das Evangelium von der Heilung des Gelähmten vor. "Nimm Deine Bahre und geh umher ..." Das Alleluia erklang noch mal. Vor der Predigt nahm er noch drei Neue in den Kreis der Ministrantinnen auf, die sich hinter ihm in Mannschaftsstärke versammelt hatten. Applaus brandete auf. In der Predigt sprach der Pfarrer davon, wie uns der Glaube frei machen könne, wie auch wir manchmal gelähmt seien, wie wir uns solidarisieren, wie wir alte Strukturen aufbrechen müßten - genauso wie der Gelähmte - um endlich zu dem aufzubrechen "den wir Sohn Gottes nennen".
Nach der Predigt wurde gesungen. Ich habe nicht mehr den ganzen Text im Ohr, erinnere mich aber, daß es um Gott ging, der irgendwie unser Vater und unsere Mutter sei. "Herr wir bringen dir Brot und Wein", folgte. Zum Sanctus - ich denke doch, daß es das Sanctus war - sang die bunte Damenriege etwas in wager Mehrstimmigkeit, was für mich wie "Go, tell it on the mountain" klang, es aber wohl nicht war, da ich mich an die Textzeile "holy, holy, holy" nicht erinnern kann. Die Wandlung selbst traf mich überraschend hart. Das heißt vor allem schnell. Das "Sanctus" war noch nicht verklungen, da hörte ich schon "nehmet hin und esset alle davon".
Vor der Doxologie sprach der Priester ein schnelles "alle zusammen" . Mit dem souveränen Blick eines Motivationstrainers schaute er in die Runde. "Durch ihn und mit ihm und in ihm" also im Chor. Nach der Kommunion schritt das Gros der Gläubigen nachdenklich kauend in die Bänke zurück. Vor dem Schlußsegen schob der Pfarrer dann eine Besprechung zur Finanzierung zweier Glocken ein, die er eine Viertelstunde jovial-bittend und charmant moderierte. Vor allem aus der Damenriege tat sich eine Frau hervor, mit Fragen a la "können wir die Glocken dann auch immer läuten lassen" und "die Glocken könnten dann ja auch mal läuten".
Zum Schluß gab es dann doch noch den Segen und einen Applaus für die Darbietung des Chores. Eigentlich wäre für mich Quinquagesima gewesen. Vielleicht war es nur ein ganz normaler Sonntag.

Samstag, 11. Februar 2012

Kommunisten wie Berufsverbrecher

Bei einer Recherche bin ich über folgendes Zeitzeugnis gestolpert. Benedikt Kautsky berichtet von den kommunistischen Kadern im KZ Buchenwald:

"Für die Häftlinge, die sich an der Lagerverwaltung beteiligten, ergab sich ständig eine Reihe von schwer lösbaren Problemen, denn sie hatten die Befehle der SS entgegenzunehmen und durchzuführen. Sie wirkten also dem Lager gegenüber sozusagen als der "verlängerte" Arm der SS, andererseits vermochten sie gerade dadurch, daß die SS sich vielfach um die Ausführung ihrer Befehle im einzelnen nicht mehr kümmerte, und sich bei dem sprunghaften Anwachsen der Lager seit 1938 sich nicht mehr kümmern konnte, die Brutalität vieler Befehle wesentlich abzumildern, wenn sie es nicht vorzogen, sie noch zu verschärfen.
Für die Leiter der Häftlingsautonomie ergab sich daher eine große Machtfülle - erstaunlich groß für jeden, der die inneren Verhältnisse eines deutschen Konzentrationslagers nicht beobachten konnte - und mit der Macht kamen alle Versuchungen, die die Macht mit sich bringt. Blockälteste und Capos waren Herren über Leben und Tod der ihnen anvertrauten Häftlinge und sie haben in zahlreichen Fällen von dieser Macht Gebrauch gemacht. Mir ist kein Fall bekannt geworden, daß einer dieser Häftlingsfunktionäre von der SS zur Verantwortung gezogen worden wäre, weil er einen Mithäftling zu Tode brachte. Gerade wegen dieser Macht war es daher das denkbar größte Interesse der Häftlinge, daß sie ausgeübt wurde von Personen, die sie nicht für ihre eigenen Zwecke mißbrauchten.
Wo dies geschah, wurden die Verhältnisse unerträglich. Die SS hatte in verschiedenen Lagern verschiedene Methoden, aber im wesentlichen konnte man in dieser Hinsicht die Lager in zwei Gruppen einteilen: solche, in denen kriminelle Häftlinge (im Lagerjargon Berufsverbrecher oder nach der Farbe ihrer Abzeichen "Grüne" genannt), und solche, in denen politische Häftlinge (nach ihrem Abzeichen "Rote" genannt) die Lagerverwaltung in Händen hatten.
Man mußte ein gehöriges Maß an Robustheit und innerer Unbedenklichkeit mit sich bringen, um sich auf diese Weise zu einem Werkzeug der SS herzugeben. Mit den Kriminellen, bei denen diese Eigenschaften als selbstverständlich anzusehen sind, teilten von den Politischen - sofern es echte Politische waren und nicht irgendwelche Verbrecher, denen die SS aus irgend einem Grund den roten Winkel verliehen hatte - nur die Kommunisten diese Eigenschaften, und ich habe mehr als einen von ihnen so völlig in der Gedankenwelt des Lagers aufgehen sehen, daß er in seiner Wirkung gegenüber seinen Mithäftlingen von einem Berufsverbrecher nicht mehr zu unterscheiden war."

"Unrecht kann sie hart gemacht haben, ..."



Pater Dr. Thomas Jatzkowski (ISPN) zum Evangelium von Sexagesima. Lukas 8, 4-15: Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist's gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen, damit sie es nicht sehen, auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören. Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Das Leid vor Augen, die Verheißung im Ohr

Ich finde es bemerkenswert, daß der Tractus von Sexagesima, der ja an die Stelle des Alleluia gerückt ist, den Alleluia-Ruf der Ostervigil anklingen läßt. Allein schon deshalb möchte ich den Sonntag Sexagesima nicht missen. Darauf, daß dieser Alleluia-Ruf, einer der wenigen Überlebenden des reformierten Liturgiegebrauchs, an vielen Orten das ganze Jahr über zu hören ist, könnte ich hingegen verzichten.

Dienstag, 7. Februar 2012

Personalveränderungen im Erzbistum Berlin

Berlin (PEB) - Erzbischof Rainer Maria Woelki hat mit Wirkung zum 1. März 2012 die folgenden Personalveränderungen bekannt gegeben:
Der bisherige Generalvikar Prälat Ronald Rother wird neuer Dompropst an St. Hedwig. Die Ernennung erfolgt nach Wahl durch das Domkapitel. Der bisherige Dompropst Dr. Stefan Dybowski hat auf das Amt verzichtet. Er bleibt Leiter des Dezernates Seelsorge und wird stellvertretender Generalvikar.
Weihbischof Dr. Matthias Heinrich wird Offizial und Bischofsvikar für außergerichtliche Ehesachen und das Dispenswesen. Als Leiter des Dezernates Personal folgt ihm Msgr. Hansjörg Günther nach. Er wird auch zweiter Stellvertreter des Generalvikars. Bereits im Januar hatte Erzbischof Woelki Msgr. Tobias Przytarski als neuen Generalvikar angekündigt. Neuer Regens und Ordinariatsrat im Dezernat Personal wird der bisherige Diözesanjugendseelsorger Domvikar Matthias Goy.

Samstag, 4. Februar 2012

"Die Liebe macht uns dankbar ..."



Pater Dr. Thomas Jatzkowski zum Evangelium von Septuagesima. Matthäus 20, 1-16: Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg. Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Montag, 30. Januar 2012

Den Krieg hat sie überstanden ...

Auf der Suche nach einem Originalschauplatz für eine historische Dokumentation stoße ich auf folgende Wikipedia-Zeilen:

"Im Innern der Kirche ist nur wenig von der alten Einrichtung erhalten. Der Altarraum wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil umgebaut. Der Hochaltar wurde abgerissen und durch einen einfachen Volksaltar ersetzt. Von den Heiligen-Statuen die sich auf dem Hochaltar befanden, steht nur noch der Heilige Georg, jedoch im Eingangsbereich. An der Stelle, an der sich der Hochaltar befand, wurde ein neues rundes Buntglasfenster eingelassen. Der Umbau der Kirche wurde mit der Altarweihe durch Joachim Kardinal Meisner 1986 vollendet."

Manchmal komme ich einfach nicht mehr mit.

"Katholisch, ledig, jung, sucht ..."

Am 18. Februar findet in Berlin der KathKlub statt. Eine Party für gläubige Katholiken beiderlei Geschlechts, die ledig sind und einen Partner fürs Leben, respektive, das gemeinsame Leben in Christus suchen. Auf dieser Seite bin ich nun bereits bedient und kann nur Gutes davon sagen, werde also nicht in den Genuß kommen, selbst einmal an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen und kann dementsprechend nicht davon berichten. Wer Interesse hat, der findet weitere Informationen unter www.kathklub.de. Das Projekt verfolgt keine finanziellen Ziele und wird vom Berliner Dominikanerkloster St.Paulus unterstützt. Der Veranstaltungsort wird den Teilnehmer nach der Anmeldung mitgeteilt.

Samstag, 28. Januar 2012

Zum vierten Sonntag nach Erscheinung



Pater Dr. Thomas Jatzkowski (ISPN) zum Evangelium des vierten Sonntags nach Erscheinung. Matthäus 8, 23-27: "Und er stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, sodass auch das Boot von Wellen zugedeckt wurde. Er aber schlief. Und sie traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf, wir kommen um! Da sagt er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da wurde es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?"

Dienstag, 24. Januar 2012

"Das Gebet ist die marmorne Basis von allem ..."


Lange genug hat es gedauert. Jetzt soll er doch einmal veröffentlicht werden. Hier ein kurzer Beitrag zum Institut St. Philipp Neri in Berlin. Es war ein ganzes Stück Arbeit. Ich hoffe, er gefällt.

Montag, 23. Januar 2012

Karwoche für Choralsänger in Berlin

In den letzten Jahren habe ich das Triduum besonders eindrücklich erlebt. Die Karliturgie, die Osternacht und der Ostersonntag sind für mich etwas ganz besonderes am Institut St. Philipp Neri. Dieses Jahr kommen auch die Karmetten dazu. Sie werden morgens von Gründonnerstag bis Karsamstag gesungen. Am Morgen des Karsamstag singt dann das Palestrina Ensemble Berlin die von Victoria vertonten Teile der Karmetten und das berühmte Miserere von Gregorio Allegri.

Für das Institut ist es ein starkes Programm und eine große Herausforderung. Herren, die Erfahrung im gregorianischen Psalmgesang haben, sind deshalb eingeladen, das Institut zu unterstüzten, die Reise nach Berlin auf sich zu nehmen und die Karwoche gemeinsam auf besonders tiefe geistliche und musikalische Weise zu erleben.

Beginn ist am Karmittwoch um 16 Uhr mit einer kleinen Stärkung, einer geistlichen Einführung und der Möglichkeit des gegenseitigen Kennenlernens. Die erste Probe ist um 20 Uhr. Dabei werden auch die weiteren Zeiten bekanntgegeben. Propst Dr. Goesche führt in den spirituellen Charakter der Karwoche und des Stundengebetes ein. Die musikalische Leitung übernimmt Professor Jochen Großmann von der Universität der Künste Berlin, ein ausgewiesenen Kenner der Gregorianik.

Für die Teilnahme an den Proben, geistlichen Einführungen und Mahlzeiten erbittet das Institut einen Beitrag von 35 Euro. Wer von Karmittwoch bis Karsamstag am Institut ein Einzelzimmer bewohnen möchte, zahlt 70 Euro. Wer ein Appartement allein bezieht, zahlt 80 Euro, und wer auch den Ostersonntag am Institut mitfeiern möchte, der erhält für 15 Euro eine Übernachtug dazu. Anmeldeschluß ist der 28. Februar 2012. Die Kapazitäten sind begrenzt. Eine frühzeitige Anmeldung empfiehlt sich.

Einen ersten Eindruck von dem Choral-Pensum, kann man sich für den Gründonnerstag, den Karfreitag und den Karsamstag verschaffen.

Sonntag, 15. Januar 2012

Gesprächsfetzen am Abend

Der Müll muß raus. Es ist dunkel. Ich laufe aus der Haustür links.
"Finnsd Du die gud, die N.N.?"
Unter dem Hausvorsprung unterhalten sich zwei Jugendliche. Einer wohnt im Haus.
"Ja, finnd isch schon gudd."
"Fannd nisch N.N. die auch gudd?"
Ich gehe über den Parkplatz zu den Müllcontainern.
"Ja, der alte Hurensohn."
"Ja, walla, Allah soll ihn töten, den Hurensohn."
Ich schließe die Haustür auf und bin wieder weg.
Schöner Religionsunterricht.

Freitag, 6. Januar 2012

Herzlichen Glückwunsch, Kardinal Woelki!

Berlin (PEB) - Papst Benedikt XVI. hat heute in Rom Erzbischof Dr. Rainer Maria Woelki zum Kardinal ernannt. Das Konsistorium für die Kreierung zum Kardinal ist für den 18./19. Februar 2012 in Rom vorgesehen. Für Erzbischof Woelki ist die Ernennung Ehre und Ermutigung zugleich: "Dass der Heilige Vater mich in das Kardinalskollegium berufen hat, ist für mich, aber auch für das Erzbistum Berlin und die katholische Kirche in Deutschland eine große Ehre. Damit würdigt Papst Benedikt nur wenige Monate nach seinem Besuch im Erzbistum Berlin auch die Bedeutung von Berlin als der deutschen Hauptstadt und Sitz der Bundesregierung. Ich nehme es auch als Ermutigung für alle Katholiken, die in der Diaspora leben. Ich muss gestehen, dass ich die Ernennung so kurz nach den ereignisreichen ersten Monaten in Berlin nicht erwartet hatte. Es ist kein Zufall, dass Kardinäle rot tragen, es soll mir eine stete Mahnung sein. Die rote Farbe erinnert an das Blut der Märtyrer, an die, die als Zeugen für ihren Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Christus gestorben sind. "Nos sumus testes", habe ich mir zum Wappenspruch gewählt, daran wird mich künftig auch das Kardinalsrot erinnern."

Donnerstag, 5. Januar 2012