Donnerstag, 30. Juni 2011

SHELL? Das SPAR ich mir!

Spar wirbt mit der Möglichkeit, Sonntag vormittags an aus­ge­wähl­ten Shell-Tank­stell­en ein­kaufen zu gehen. Kirch­gänger und äl­te­re Frauen, hier salopp "Mutti" genannt und im Hintergrund zu sehen, ge­hö­ren, wie das Wer­be­pla­kat nahe­legt, nicht zur Ziel­gru­ppe die­ses An­ge­bots. Die Bot­schaft scheint klar: Man­che haben, was man braucht, um bei Spar und Shell ein­kau­fen zu gehen - das richtige Lebensgefühl, vermute ich - und andere, die wie ich sonntags regel­mäßig in die Kirche gehen - haben es nicht. Gott sei Dank ist niemand ge­zwun­gen bei Shell und Spar ein­zu­kaufen.

Zur Facebook-Gruppe "SHELL? Das SPAR ich mir!" geht es hier entlang.

De mortuis nil nisi ... - Nachruf des Diözesanrates

Aus dem Nachruf des Diözesanrates der Berliner Katholiken zum Tod von Kardinal Sterzinsky:

"... In einer Zeit, die kirchenpolitisch geprägt ist vom Streit zwischen konservativem Rückfall in die Zeit vor dem 2. Vatikanischen Konzil und entschiedenem Eintreten für die Verheutigung des Glaubens, vertrat er eindeutig liberale Positionen. Kirche war für ihn nicht Ort der Durchsetzung einer Norm, sondern - wie er es einmal in einem Gespräch mit dem Vorstand des Diözesanrats formulierte - "Ort der Freiheit und Ermöglichung von Leben". ...

... Laute Medienpräsenz war nicht sein Metier, leibhaftig Solidarität zu zeigen dagegen schon eher. Er ging hin und nahm auf Konventionen kaum Rücksicht. So auch 2008 bei der Verabschiedung von Theodor Clemens, Bischof der Herrnhuter Brüdergemeine. Sterzinsky kam zum Gottesdienst in den Rixdorfer Kirchensaal an einem Sonntagmorgen(!), vorzeitig zurückgereist vom Katholikentag in Osnabrück, auf dessen Abschlussgottesdienst er verzichtete.

Er suchte nicht die große Bühne, sondern den nachhaltigen Effekt. Dass die Katholiken - global eher ein schwieriger Partner in der Ökumene - bei den Kirchen in Berlin und Brandenburg als verlässlicher Bündnispartner gelten, ist entscheidend sein Verdienst. Im Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg, dessen Vorsitzender er von 1997 bis 2003 war, genoss er höchstes Ansehen. Für die Finanzkrise, die 2003 über das Erzbistum hereinbrach, hat er Verantwortung übernommen und sich entschuldigt. Diese Demut ehrt ihn.

Er kannte keine Berührungsängste mit Andersdenkenden, auch nicht mit ideologischen Weltanschauungsgegnern, wenn es um die gerechte Sache ging. Im Frühjahr 2010 trat er zusammen mit Frank Bsirske sowie Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen in öffentlicher Veranstaltung der Gewerkschaft ver.di "Für eine Zukunft ohne Atomwaffen" ein. Im August 2009 traf er sich mit Lothar Bisky, damals Parteivorsitzender DIE LINKE, zum Sommergespräch am Teupitzer See.

Georg Kardinal Sterzinsky, hochbelesen und gebildet, war vermutlich für die zentrale Herausforderung einer Kirche in säkularer Gesellschaft, nämlich angstfrei und wertschätzend den Dialog mit den Anderen zu führen, spirituell und intellektuell besser aufgestellt, als viele in unserer Kirche, die ängstlich den "Heiligen Rest" schützen wollen. Deshalb wird er uns fehlen und deshalb werden wir ihn vermissen.
"

Zum Tod von Kardinal Sterzinsky

Heute in den frühen Morgenstunden verstarb Seine Eminenz Georg Kardinal Sterzinksy, Kardinalpriester der Heiligen Römischen Kirche. Beten wir für den Verstorbenen: Requiem aeternam dona ei, Domine, et lux perpetua luceat ei. - Der Herr schenke ihm die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm. Ein Kondolenzbuch wird heute ab 12.00 Uhr in der Kathedrale St. Hedwig ausliegen.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Pastor Aeternus - einfach zur Auffrischung

Weil ich heute schon mal so in Fahrt bin und der ein oder andere vielleicht geneigt ist, das, was der Heilige Vater kraft seines Amtes, für alle Gläubigen verbindlich erklärt, mit einem verschmitzten Augenzwinkern lächelnd abzuwinken, zitiere ich aus dem schönen Konzilsdekret Pastor Aeternus:

Wenn der Römische Papst in höchster Lehrgewalt spricht, das heißt: wenn er seines Amtes als Hirt und Lehrer aller Christen waltend in höchster apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche festzuhalten, so besitzt er aufgrund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte. Diese endgültigen Entscheidungen des Römischen Papstes sind daher aus sich und nicht aufgrund der Zustimmung der Kirche unabänderlich. Wenn sich jemand — was Gott verhüte — herausnehmen sollte, dieser unserer endgültigen Entscheidung zu widersprechen, so sei er ausgeschlossen.

Pfarrer-Initiative, Häresie und Exkommunikation

Ich weiß natürlich, daß man mit dem Hinweis auf das Kirchenrecht nur mehr ein müdes Lächeln ernten kann - zumindest bei denen, die es betrifft. Der kürzlich erfolgte Aufruf der "Pfarrer-Initiative" in Österreich scheint mir jedoch geeignet, einen solchen Hinweis doch noch einmal anzuführen. Ich zitiere also aus zwei canones des Kirchenrechtes, zuvor jedoch aus dem Aufruf von etwa 300 österreichischen Pfarrern, die sich der "Pfarrer-Initiative" angeschlossen haben, und aus einem apostolischen Schreiben:

Aufruf der "Pfarrer-Initiative", 19. Juni 2011, Nr. 7: "... Wir werden deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. ..." Dem gegenüber das apostolische Schreiben Ordinatio Sacerdotalis Papst Johannes Pauls II., der schon am 22. Mai 1994 schreibt: "... Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, [...], daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben. ..."

Soweit zu den Schreiben, jetzt aber zum Kirchenrecht. Im Canon 751 heißt es: "Häresie nennt man die nach Empfang der Taufe erfolgte beharrliche Leugnung einer kraft göttlichen und katholischen Glaubens zu glaubenden Wahrheit oder einen beharrlichen Zweifel an einer solchen Glaubenswahrheit; ..." Erstaunlich, nicht wahr? Wer hätte denn gedacht, daß schon der beharrliche Zweifel und nicht erst die Leugnung einer Glaubenswahrheit häretisch ist. Nun kann man sicher darüber streiten, wie beharrlich man eigentlich sein muß, um tatsächlich auch als beharrlich zu gelten. Ich finde aber, daß man den Verfechtern der Frauenordination zumindest eine gewisse Ausdauer nicht absprechen kann.

Was aber geschieht mit dem Häretiker? Dazu Canon 1364: "Der Apostat, der Häretiker oder der Schismatiker ziehen sich die Exkommunikation als Tatstrafe zu, ...." Das scheint recht einfach zu sein, wie aber - und das ist für mich viel wichtiger - soll ich mich verhalten, wenn ich den begründeten Verdacht habe, daß mein Pfarrer oder gar mein Bischof sich die Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen haben könnten? Kann ich die Sakramente dann noch guten Gewissens bei ihm empfangen? Die Sonntagspflicht bei ihm erfüllen?

Dienstag, 28. Juni 2011

Not particularly religious, interested, spiritual?!


Abgesehen davon, daß er mich an einen verschollenen Bekannten erinnert, eine großartige komödiantische Szene von Mitchell & Webb. Gefunden beim hochwürdigen Herrn Alipius.

Gesegnete Brote in Magdeburg und andernorts

In der Internetzeitung "Die Freie Welt" berichtet Hedwig von Beverfoerde von der Antwort auf ihren Leserbrief zum Fronleichnamsfest. In der Zeitung war von einem "gesegneten Brot" die Rede, welches Katholiken zu Fronleichnam durch die Strassen tragen würden. Neben einem freundlichen Dank für ihren Einwand, es würde sich nicht um "gesegnetes Brot" handeln, sondern um Jesus Christus selbst in der Gestalt des Brotes, erhielt sie auch eine Presseinformation des Bistums Magedburg. Dort heißt es über das Fest: "An Fronleichnam feiern die Katholiken in besonderer Weise die Gegenwart des Gottessohnes in den Zeichen des Abendmahls, im gesegneten Kelch und Brot. Als Ausdruck dieses Glaubens wird dabei seit dem 13. Jahrhundert ein solches gesegnetes Brot - eine Oblate - in einem wertvollen Behältnis allen sichtbar durch die Straßen getragen."

Auf der Suche nach dem Ursprung dieses Textes habe ich mich mit Google auf die Suche nach dem letzten Satz gemacht. Dabei habe ich festgestellt, daß die hier angebotene Erläuterung des Festes eine nicht unerhebliche Verbreitung im Wortlaut genießt. Im Gemeindebrief der Magedeburger Domgemeinde, in der Mitmachzeitung "Mein Südhessen", auf der Seite der Münchner Pfarrei Fronleichnam, textgleich auch auf der Seite des Bonner Münster und der Katholischen Landjugendbewegung im Bezirk Ahaus, unter Willis Besserwisserseite, der Online-Enzyklopädie Enzyklo und - hier ist wahrscheinlich die Quelle des "gesegneten Brotes" - im Kathweb-Lexikon des St. Benno Buch- und Zeitschriftenverlages. Wem das nicht genug ist, der kann sich auch die Erläuterung des Fronleichnamsfestes auf kath.de zu Gemüte führen.

Ich möchte diesen Beitrag gerne mit den Worten Bischof Heinrichs beschließen, gesprochen zu Fronleichnam dieses Jahres: "Dieses Fest Fronleichnam ist für viele dunkel und geheimnisvoll geblieben." Mehr gibt es dazu leider nicht zu sagen.

Heiligenfeste - Bäumchen wechsel dich

Nach dem neuen liturgischen Kalender verschiebt sich das Fest des heiligen Johannes Maria Vianney auf das Fest des heiligen Dominikus am 4. August. Der heilige Dominikus weicht dafür aus und erhält einen anderen Festtag, den 8. August, vormals auch bekannt als Festtag des heiligen Johannes Maria Vianney. Wer kann sich das erklären?

Den Reformern muß hier echt der Schuh gedrückt haben - und möchte man nicht ausrufen: Das wurde aber auch mal wirklich Zeit, daß die beiden Heiligen ihre Feste tauschen? Schwer vorstellbar. Wer aber weiß, vielleicht sollten wir Heiligenfeste in Zukunft öfter tauschen, um sie dem grauen Immerwieder des liturgischen Jahres zu entreißen.

Sonntag, 26. Juni 2011

Sophie: Literatur und Leben

Schön, daß Sophie mal wieder von sich hören läßt. Erst langes Schweigen und jetzt gleich vier nachdenkliche und schöne Beiträge, die ich gerne weiterempfehle: Persönliche Gedanken über den alten Ritus, Volkserzieher, Zölibat und Frauenpriestertum, Deutschlektion.

Samstag, 25. Juni 2011

Freitag, 24. Juni 2011

Mittwoch, 22. Juni 2011

Diamantenes Priesterjubiläum des Heiligen Vaters

Anlässlich des 60. Jahrestages der Priesterweihe von Joseph Ratzinger im Freisinger Mariendom durch Kardinal Michael Faulhaber hat die vatikanische Kleruskongregration zu 60 Stunden Anbetung aufgerufen. Jede Diözese soll zwischen dem 29. Juni und dem 1. Juli Eucharistische Anbetungen veranstalten, bei denen um mehr Priesterberufungen gebetet wird. Dabei soll in verschiedenen Kirchen jeder Diözese insgesamt 60 Stunden lang in dieser Intention gebetet werden: für jedes Priesterjahr des Papstes eine Stunde."

Wo das angeboten und ermöglicht wird, sollten wir natürlich direkt dran teilnehmen. Daneben haben wir uns gedacht, es wäre doch ein schönes Zeichen als Blogoszese der Weltkirche sozusagen, wenigstens am 29. Juni eine 24stündige virtuelle Gebetsaktion durchzuführen. Dabei wollen wir nicht nur um Priesterberufungen beten, sondern auch in den Anliegen des Hl. Vaters, und vor allem Gott, dem Herrn, danken, dass er Seiner Kirche diesen Priester geschenkt hat - und ihn so mit unseren Gebeten durch seinen Jubiläumstag begleiten.

Nähere Informationen gibt es auf Elsas Nacht(b)revier.

Die Pfarre Südstadt oder - Schweinfurt ist überall

Über Sponsa Christi bin ich auf die Bilderarchive der Pfarre Maria-Enzersdorf-Südstadt gestoßen. Eine repräsentative Auswahl der Bilder kann man sich auf ihrem Blog anschauen. Ein gutes halbes Jahrhundert stand das Gebiet der Pfarre unter der Obhut von Pfarrer Dr. Franz Jantsch. Diese Aufgabe übte er bis zu seinem Ableben aus. Im Jahr 2006 verstarb er mit 96 Jahren. Sein Erbe wird bewahrt. Das zugrunde gelegt, hätte die offene Schweinfurter St. Michaels Gemeinde noch mehr als 20 Jahre Zeit auf ihrem Weg.

Manchem Bischof, dem ansonsten kein "heißes Eisen" zu heiß ist, scheint nur ein Eisen wirklich heiß zu sein, und zwar so heiß, daß er es bereitwillig nur denen um die Ohren haut, die wirklich darauf bestehen. Es heißt, - Vorsicht: Kirchendisziplin. - Ich weiß natürlich, daß das ein böses Wort ist, aber bitte, versucht es als Chance zu sehen, denn wen es jetzt geschaudert hat, der kann sich vielleicht einmal "einfühlen", wie es mir geht, wenn ich das "Reenactment" von Da Vincis Abendmahl in einer Kirche oder auch das Altarsakrament als "Flying buffet" erleben darf.

Freitag, 17. Juni 2011

Mattusek in Höchstform! Ich brech zusammen!

Papst freut sich über Rottenburger Reformeifer

Was ist da passiert? Der Bischof von Rottenburg bezeichnet eine Reform der Kirche in einer Rede nicht nur als möglich, sondern auch als notwendig und erhält für seine Äußerung einen wohlwollenden Brief aus Rom, in dem der Kardinalstaatssekretär versichert: „Ich habe Deine Rede in einer Übersetzung genau durchgelesen und nicht verfehlt, sie dem Heiligen Vater einzuhändigen, und beeile mich nun, Dir mitzuteilen, dass Seine Heiligkeit von dem Inhalt Deiner Ausführungen mit der größten Freude Kenntnis genommen hat… Darum glaubt der Heilige Vater Deinen Eifer mit der gebührenden Anerkennung auszeichnen und Dich durch Seine Autorität ermuntern zu sollen, in der begonnenen Arbeit fortzufahren.“ ...


Weiter geht es hier auf Sendezeit.

Eine Rückkehr zur Gregorianik ist notwendig

Maestro Don Pablo Colino, Leiter des Chores der Römischen Philharmonie, über das gegenwärtige Elend der Musica Sacra im Gespräch mit der Zeitung La Repubblica: "Es ist von grundlegender Wichtigkeit, zur Verbreitung einer direkten Kenntnis des Gregorianischen Chorals zurückzukehren und gleichzeitig die Ausbildung von Musikern sowie Orchester- und Chorleitern zu verfeinern. Nichts geht ohne didaktische Strenge und ohne die Kenntnis der Gregorianik, Mutter der Musica Sacra, ja ich würde sogar zu sagen wagen: der ganzen Musik, auch der zeitgenössischen."

Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Größere Teile des Interviews finden sich auf kath.net.

Eine Anmerkung noch zu einem der Leserkommentare dort: Gerne wird darauf verwiesen, das letzte Konzil habe dem Choral nur dort den ersten Platz einräumen wollen, wo die Voraussetzungen zum Singen bereits gegeben seien. Das ist falsch. Der Choral hat den ersten Platz bereits. Er ist der eigentliche Gesang der römischen Liturgie, und wo es möglich ist, soll er den diesen Platz auch einnehmen. Wollen oder sollen - ein gewaltiger Unterschied.

Jetzt gibt es heute natürlich viele Priester und Kirchenmusiker, die mit dem Choral nichts anfangen können, weil er so vorkonziliar und ungereimt daherkommt. Da will man die Voraussetzungen auch gar nicht erst schaffen.

Andere wiederum, und die sind mir noch lieber, sind große Befürworter, und nicht nur das, sie sind Fachleute des Chorals. Sie schrauben die Voraussetzungen hoch, toben sich auf dem Feld der Theorie aus. Bevor auch nur eine Note gesungen werden kann, müssen sie älteste Handschriften konsultieren. Wochen wird an einem Stück gerungen, feinste Akzente in Rhythmik und Melodik bezwungen und wenn dann am Ende auch noch gesungen werden soll, stellt man fest, daß ja die Sänger nicht da sind, all die Finessen umzusetzen. Ach, bleibt nur mehr Aufwand und mehr Probenzeit. Ein ganzes Messproprium zu singen, ist da natürlich schon nicht mehr drin. Ist aber auch egal, etwas so Edles wie den Choral bietet man ohnehin lieber konzertant an.

Wer so denkt, - ich bin hier mal so frei - hat vom Choral nicht viel verstanden. Der Choral ist kein Ausstellungsstück. Er ist nicht dazu da, hier und dort mal einen Akzent zu setzen, auch wenn unsere Kirchen mit ihrer Kunst zunehmend nach diesem eher musealen Ausstellungskonzept eingerichtet werden. Den Choral, einen Plural gibt es nicht, kann man nicht kennenlernen, wenn man die Verbindung zur römischen Liturgie aufgibt. Wichtig vor allem ist, daß der Choral gehört, gesungen und gebetet wird. Wenn jemand das Graduale Romanum solo, sicher rauf und runter singt, und es ihn gelüstet, nach der Messe darüber zu meditieren, wie man vor 1000 Jahren wirklich gesungen hat, dann sag ich: soll er doch.

Die Probleme der "historischen Aufführungspraxis" wird er nicht lösen, wenn sie aber dazu führen, daß es keine "Aufführungspraxis" mehr gibt, dann ist es eine Sache von der wir uns leider trennen müssen.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Missa Hercules Dux Ferrariae zu Fronleichnam

Fronleichnam ist kein Feiertag in Berlin. Eine Prozession gibt es an diesem Tag, soweit ich weiß, nur auf der Ebene des Erzbistums. In St. Afra wird Fronleichnam erst am Sonntag gefeiert, dafür dann mit einer Prozession auf dem Gelände des Stiftes, einmal um die Kirche und mit Stationen an Altaren ringsherum. Wirklich auf die Straße haben wir uns in den letzten Jahren nicht getraut. Mitten im Wedding müßte mit den verschiedensten Reaktionen gerechnet werden. Hier Vorsorge zu treffen, übersteigt die Kräfte des Instituts. Mit einem Zug von zwei- bis dreihundert Gläubigen könnte ich mir das Ganze jedoch in den nächsten Jahren gut vorstellen.

In diesem Jahr singt das Palestrina Ensemble Berlin die Missa "Hercules Dux Ferrariae" von Josquin des Prez. Ein Stück mittelalterlicher Spiritualität von wirklich urwüchsiger Kraft und Schönheit. Nächstes Wochenende proben wir von Freitag Abend bis Sonntag Nachmittag, Samstag den ganzen Tag. Bis dahin hat jeder seine Stimme gelernt - so der Plan. Wer in Berlin ist, sollte Fronleichnam ruhig mal vorbeischauen. Zum einfach reinschnuppern wird es mit der Prozession vielleicht ein bißchen viel. Für alle, die aber ohnehin schon höhere Dosen gewöhnt sind, wird es sicher schön.

Dienstag, 14. Juni 2011

Montag, 13. Juni 2011

Warum nicht den Pfingstmontag abschaffen?

Ostern, Weihnachten und Pfingsten sind die drei höchsten Feste der Kirche. Bis vor einigen Jahrzehnten hatte jedes dieser Feste eine Oktav, das heißt man feierte das Fest nicht einen Tag oder Sonntag, sondern, weil man es der Größe des Festgeheimnisses für angemessen hielt, feierte man ganze acht Tage am Stück. Früher als der Kirchenkalender mit seinen Festen auch die arbeitsfreien Tage des Lebens markierte, hatte man demnach zu Ostern, Weihnachten und Pfingsten acht Tage frei. Von diesen acht Tagen ist uns heute nur einer geblieben: der Ostermontag, der zweite Weihnachtsfeiertag und der Pfingstmontag.

Nun hat es Papst Paul VI. vor etwa vierzig Jahren gefallen, die Oktav des Pfingstfestes mit dem neuen Kalender abzuschaffen. Nur der Pfingstmontag ist geblieben. Sicher hat jeder den freien Tag irgendwie liebgewonnen, wenn er darin nicht das vorkonziliare Relikt erblickte, das er im Grunde ja immer noch ist. Da der Tag aber nur frei ist, weil er nach einem Hochfest liegt, spräche doch eigentlich nichts dagegen, ihn an ein anderes Hochfest - wie zum Beispiel Christi Himmelfahrt - dranzuhängen. Der Bundesbürger hätte den lang ersehnten Brückentag zwischen Wochenende und Vatertag und die Kirche einen weiteren Feiertag von hoher gesellschaftlicher Relevanz.

Veni sancte Spiritus - Pfingstsonntag in St. Afra

Samstag, 11. Juni 2011

Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen

So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden? Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide. Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht und die starken misshandelt ihr. Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere. Meine Herde irrte auf allen Bergen und Höhen umher und war über das ganze Land verstreut. Doch keiner kümmerte sich um sie; niemand suchte sie. Darum ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn: Weil meine Herde geraubt wurde und weil meine Schafe eine Beute der wilden Tiere wurden - denn sie hatten keinen Hirten - und weil meine Hirten nicht nach meiner Herde fragten, sondern nur sich selbst und nicht meine Herde weideten, darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein.

Hesekiel 34, 3-10

Judas

Hätte der Herr nicht auch den Judas unter seine Apostel berufen - ich hätte den Weg in seine Kirche nicht gefunden.

Dienstag, 7. Juni 2011

Zollitsch tröstet und bestärkt Ordensobere

Zur Mitgliederversammlung der Deutschen Ordensobernkonferenz wurde Erzbischof Zollitsch gebeten, einen Vortrag zum "Ekklesiologischen Standort der Orden" zu halten. Ausgehend vom Zweiten Vaticanum, sprach Zollitsch über die nachkonziliaren Bemühungen zur Erneuerung des Ordenslebens, die Entwicklung der Ordenstheologie in Deutschland und über die Perspektiven für die Orden in der Kirche heute.

Das Zweite Vatikanische Konzil habe "die Orden ins Zentrum, in die Herzmitte der Kirche geholt". Die theologische Hochschätzung und ekklesiologische Aufwertung des Ordenslebens sei jedoch auf ein Ordensleben gestoßen, das sich in der Zeit nach dem Konzil - ausgehend von den westlichen Ländern - sowohl gesellschaftlich wie kirchlich zunehmend marginalisiert sah. Wie es vor dem Konzil aussah läßt Zollitsch offen.

Unterstützung hätten die Orden vor allem durch die Würzburger Synode erfahren. Dem Synodenbeschluß sei es gelungen, die eigentliche Krise des Ordenslebens deutlicher zu fassen. Der Nachwuchsmangel, die Austritte, die Überalterung und Arbeitsüberlastung der Orden, seien, so die Synode, nur Symptome, deren eigentliche Ursache die zu groß gewordene "Kluft zwischen einer klösterlichen Eigenwelt und der neuzeitlichen Gesellschaft" sei.

Wenn man dieser Einschätzung folgt, kann man aus dem anhaltenden Nachwuchsmangel und der Überalterung wohl nur schließen: Die Kluft ist immer noch zu groß. Die Bemühungen, die "klösterliche Eigenwelt" an die "neuzeitliche Gesellschaft" anzuschließen, waren nicht ausreichend oder sind, wie Zollitsch zu bedenken gibt, ins Leere gelaufen, weil die "wirklich bewegende Sicht des Konzils" auf das Ordensleben nicht auch theologisch wahrgenommen und bedacht wurde:

"Denn wo hört ein Theologiestudent im Rahmen seiner Ekklesiologie-Vorlesung etwas über das Ordensleben? Oder wo erfährt die Theologiestudentin bei ihren pastoraltheologischen Studien etwas über die Kirche, die auch in den Orden lebt und wirkt? In den theologischen Standardwerken über die Kirche und ihre Pastoral tauchen die Orden auch 50 Jahre nach dem Konzil gar nicht oder höchstens in einer Anmerkung auf."

Zollitsch tröstet und bestärkt die anwesenden Ordensvertreter, nicht zu unterschätzen, was sie gerade durch das Zweite Vatikanum in der Kirche seien: eine "göttliche Gabe" an die Kirche, ein "prophetisches Zeichen" dafür, daß es in der Kirche einen Vorrang der Gnade vor der Leistung gebe. Daran könnten weder zurückgehende Zahlen noch ein hoher Altersdurchschnitt, ja nicht einmal das Sterben einzelner Gemeinschaften etwas ändern.

Tröstender wäre es eigentlich nur noch, die Symptome der Krise, den Nachwuchsmangel und die Überalterung, endlich auch als Symptome des Erfolges zu erkennen, eines Erfolges, den wir bis jetzt nur noch nicht richtig wahrnehmen konnten, weil viele Ordensberufene bereits geschafft haben, was in Würzburg nur angeraten war, die "Kluft" - und darunter könnte man durchaus auch schon Kleidung verstehen - zwischen "klösterlichem Eigenleben" und "neuzeitlicher Gesellschaft" zu überwinden, wenn auch zu dem Preis, die "Kluft" zugunsten der "neuzeitlichen Gesellschaft" ganz aufgehoben zu haben.