Montag, 31. August 2009

... ein Modell versöhnter Verschiedenheit

Auszug aus einem Gespräch des Evangelischen Pressedienstes mit Landesbischöfin Margot Käßmann zum zehnjährigen Amtsjubiläum am 4. September:

"... für mich wäre es ein Modell versöhnter Verschiedenheit zu sagen, wir erkennen uns gegenseitig als Kirchen an. Wir erkennen unsere jeweiligen Ämter an und können deshalb das Abendmahl als Symbol der Einheit miteinander feiern." Sie wisse, dass dies für die Katholiken zurzeit kein gangbarer Weg sei, aber für sie wäre es einer, sagte Käßmann. Ökumene bedeute jedoch nicht Gleichmacherei: "Ich möchte nicht katholisch werden, und ich verlange von keinem katholischen Christen, dass er lutherisch wird."

Liebe Frau Landesbischöfin Käßmann,
je länger ich über Ihren Vorschlag nachdenke, desto einleuchtender scheint er mir. Ja, ein gemeinsames Abendmahl feiern, natürlich, als Symbol der Einheit. Warum nur bin ich nicht drauf gekommen? Danke! Nun aber ist der Groschen gefallen und gemeinsam wollen wir zur Tat schreiten. Frau Landesbischöfin, ich lade Sie ein, ganz herzlich, zu einem Abendmahl mit Wein und Brot und selbstverständlich sollen Wurst und Käse auch nicht fehlen. Ist ja schließlich nicht bei armen Leuten hier. Feiern wollen wir und essen - und ein Symbol der Einheit setzen.

Pax et bonum!
Tiberius

p.s. Den Katechismus haben Sie ja wohl zurückgeschickt.

Sonntag, 30. August 2009

Neu in meiner Leseliste aus der Blogozese

Shantyman schreibt "...auf dem Weg zur Kanzel" über sein Theologiestudium und das Taxifahren.


Florian schreibt "Alles, was mir so durch den Kopf geht": Schule, Kirche, Ministrantendienst.


Braut des Lammes schreibt über ihr Leben als geweihte Jungfrau im Erzbistum Berlin.



Paul Miller schreibt im Breviarum Pauli über den Weg zur Heiligkeit im Alltag als Ehemann und Familienvater.


Paul Nichols veröffentlicht Comics und Cartoons auf seinem Catholic Cartoon Blog.



Erzbischof Dr. Robert Zollitsch schreibt seit kurzem den
"Offiziellen Blog der Deutschen Bischofskonferenz". Herzlich willkommen!

Der Katholik schreibt auf seinem Zweitblog "Donum Vitae" über das Geschenk des Lebens und den Schutz des ungeborenen Lebens.

Martin schreibt auf
Ecclesia Catholica aus der Sicht eines Leipziger Katholiken.


Ilka D. Amann schreibt, wenn auch sehr sporadisch, seit 2007 das Blog "einmal katholisch bitte"


Ephippiatus schreibt seit Februar einen gleichnamigen Blog.



Sarah hat gerade begonnen auf ihrem Blog "Gewissensfragen" zu schreiben.



Die junge Familie Cassian schreibt auf "Glaube, Hoffnung, Liebe".



Benita schreibt über "Literatur und Leben", was mir sehr gut gefällt.



Amicas "Magnificat Anima Mea" lese ich schon lange. Keine Ahnung warum Sie nicht in meiner Blogroll war.


Maria Magdalena schreibt seit März über Faszination und Frust in der Kirche. Empfehlenswert.


Die Notizen eines Erzkonservativen werden von Ghislieri herausgeeben. Er schreibt über Kirche, Politik und Familie.

Theresia Benedicta berichtet über bewegende Erfahrungen mit der Kirche auf "Pange Lingua".


Auch Pro Catholica ist neu in der Liste. Seit April ist es jedoch still geworden.



Tom schreibt über seine Streifzüge durch die Welt der Klöster und Kirchen auf "Refektorium".


Spero firmiert seit Juni unter dem Titel "Rheinisch-Katholisch"



"Schlicht gesagt katholisch" ist auch neu dabei.




Benedikt schreibt den Blog "Speculum", der anscheinend auch von Raistlin und Nikodemus gelesen wird.


Sponsa Agni schreibt einen gleichnamigen Blog, der mir gut gefällt. Wie Braut des Lammes ist sie eine virgo consecrata.


Sehr gerne lese ich auch Vox Coelestis.




Zelatus schreibt von Zeit zu Zeit aus seinem Priesterseminar. Er kommt aus Berlin.


Deus semper Maior lebt "Zwischen den Kirchen". Das scheint einem klaren Blick durchaus zuträglich zu sein.

Fürbitten zur Totenmesse für Edward Kennedy

Eine Aufzeichnung dieser Sternstunde der Fürbitten findet sich auf Youtube.

Kiki Kennedy: "Teddy diente 47 Jahre und er rief uns alle auf, zu dienen. Und so sind diese Fürbitten, für die Arbeit seines Lebens, unser Gebet, für unser Land und die ganze Welt.

Kiley Kennedy: "Für das Engagement und die Ausdauer meines Großvaters, nicht für Werte, die abgenutzt sind, sondern für Werte, die sich niemals abnutzen. Daß die Armen vielleicht aus der politischen Mode, aber niemals ohne menschliche Bedürfnisse sind. Daß sich die Lebensumstände verändern, aber das Werk der Barmherzigkeit weitergeführt werden muß. Darum beten wir zum Herrn.

Grace Allen: "Für den Aufruf meines Großvaters, daß wir in unserer Nation den Wert eines Menschen nicht daran messen, was er nicht leisten kann, sondern daran, was er leisten kann, darum beten wir zum Herrn."

Max Allen: "Für das, was mein Vater den Grund seines Lebens nannte und was er so oft in allen Teilen des Landes sagte, daß jeder Amerikaner eine angemessene Krankenversorgung haben sollte, als fundamentales Recht und nicht als Privileg, darum beten wir zum Herrn."

Jack Kennedy Schlossberg: "Für eine neue Zeit der Hoffnung, wie sie mein Onkel Teddy vorhersah, in der wir unseren besten Idealen gerecht werden und das Buch der alten Politik schließen, von Rasse und Geschlecht, von Gruppe gegen Gruppe, von heterosexuell gegen homosexuell, beten wir zum Herrn."

Robin Lawford: "Für den Aufruf meines Onkels Teddy, das Versprechen zu halten, daß alle Männer und Frauen, die hier leben, seien sie auch fremd oder neu, aufrecht leben können, ohne Rücksicht auf ihre Hautfarbe oder ihren Geburtsort. Für Arbeiter ohne Arbeit, für Schüler ohne Schulgeld für das College und für Familien, die sich kein eigenes Haus leisten können. Für alle Amerikaner, die ein besseres Leben und ein besseres Land suchen, für all jene, die links liegen oder zurückgelassen werden, beten wir zum Herrn."

Kym Smith: "Für den Kampf meines Onkels gegen Gewalt, Haß und Krieg und seine Überzeugung, daß der Friede nur durch den Triumph der Gerechtigkeit bewahrt werden kann und daß wahrhaftigste Gerechtigkeit nur durch Werke des Friedens erreicht werden kann, beten wir zum Herrn."

Anthony Shriver: "Wie mein Onkel Teddy einst Tausenden und Millionen sagte, möge von uns gesagt werden, "auf dunklen Wegen und an hellen Tagen", in den Worten von Tennyson, die mein Bruder liebte und zitierte, die für uns nun eine besondere Bedeutung haben: Ich bin ein Teil von allen, die ich traf. Vieles wurde genommen, vieles blieb. Wir sind, was wir sind. Heldische Herzen, die im Gleichklang schlagen, ein starker Wille, zu streben und zu suchen und zu finden und sich nicht zu beugen. Darum beten wir zum Herrn."

Rory Kennedy: "Für die Freude meinen Onkel lachen zu hören, für das Licht seiner Gegenwart, seinen seltenen und erhabenen Beitrag zur Mitmenschlichkeit. Für sein Vertrauen, daß sein Vater und seine Mutter, seine Brüder und Schwestern, und alle die vor ihm gegangen sind, ihn im Himmel willkommen heißen werden. Und für all die kommenden Zeiten, wenn wir anderen an ihn denken werden, wie er uns liebevoll umarmte auf dem Boot, im Kreis seiner Familie, auf dem Weg zum Nantucket Sound."

Teddy III: "Für das mutige Versprechen meines Großvaters im letzen Sommer, daß die Arbeit erneut beginnt, die Hoffnung wieder wächst und der Traum weiterlebt, beten wir zum Herrn."

Luther als eine "positive Herausforderung"

Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst bezeichnet Bischof Franz-Josef Bode den Reformator Luther als "positive Herausforderung" für die beiden großen christlichen Kirchen. Es sei faszinierend, wie radikal Luther Gott in den Mittelpunkt gestellt und an die Wurzeln des Glaubens erinnert habe. Die Grundfrage Luthers, wie Gott sich dem Menschen zuwende, müsse auch heute immer wieder gestellt werden. Bode wird am 6. September in einer evangelischen Kirche über Luther predigen.

Wider Spiritualismus und Materialismus

"Mit seiner Spiritualität erhebt sich der Mensch über die Gesamtheit der Dinge und dringt in die tiefsten Strukturen der Wirklichkeit ein. Wenn er in sein Herz hineinsieht, das heißt, wenn er über sein eigenes Schicksal nachdenkt, dann entdeckt der Mensch, dass seine einzigartige Würde als Gesprächspartner Gottes, vor dem er seine Lebensentscheidungen trifft, ihn über die materielle Welt erhebt. In seinem inneren Leben bejaht er "die Geistigkeit und Unsterblichkeit seiner Seele" und weiß, dass er "sich selbst nicht nur als Teil der Natur oder als anonymes Element in der menschlichen Gesellschaft" betrachten darf.

Folglich hat der Mensch zwei unterschiedliche Merkmale: Er ist ein materielles Wesen, dass durch seinen Leib an diese Welt gebunden ist, und er ist ein spirituelles Wesen, dass offen ist für die Transzendenz und dafür, "eine tiefere Wahrheit" zu entdecken, durch die er "am Licht des göttlichen Geistes" teilhat. ... Weder der Spiritualismus, der die Wirklichkeit des Leibes verachtet, noch der Materialismus, der den Geist als bloße Manifestation der Materie betrachtet, werden der Vielschichtigkeit, der Gesamtheit und der Einheit des menschlichen Wesens gerecht."


Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden
- Kompendium der Soziallehre der Kirche

Samstag, 29. August 2009

Gedenken in getrennten Gottesdiensten

Die Berliner Zeitung "Der Tagesspiegel" berichtet über die Gottes­dienste, die dem Beginn des Zweiten Welt­krieges in beson­derer Weise gedenken wollen. Der Auf­hänger des Artikels und damit die eigent­liche Nach­richt ist jedoch nicht das Gedenken im Gottes­dienst, sondern die Abwesen­heit einer ökume­nischen Feier, die, so liest man, bei anderen An­lässen von über­regio­naler Bedeu­tung wie zum Beispiel der Leicht­athle­tik-Welt­meister­schaft oder dem Zusammen­tritt eines neuen Bundes­tages selbst­verständ­lich sei.

Wie es zu diesem Skandal kommen konnte, darf dann der Sprecher der Evange­lischen Kirche, Volker Jastrzembski, aufklären. Selbst­ver­ständlich hätte man gerne mit­einander gefeiert, nicht mitge­macht habe die katholische Kirche. Die erlaube es ihren Geist­lichen nicht, die Messe an einem Sonntag­vormittag für einen ökumenischen Gottes­dienst ausfallen zu lassen.

Die katholische Kirche ist also nicht nur restriktiv und selbstbezüglich, sie hat offenbar auch keinen Pressesprecher, der es erlaubt hätte, mit ihr statt über sie zu sprechen.

Mittwoch, 26. August 2009

Sonntagsausflug zu den Grabesrittern in Berlin

St. Mauritius. Die Gemeinde versammelt sich zur Heiligen Messe. Die Equestris S. Sepulcri Hierosolymitani der Hauptstadt, acht Herren und eine Dame, feiern mit. Die Herren tragen weiße Mäntel mit Ordenskreuz. Das Palestrina Ensemble singt die Missa Regina Coeli von Jacobus des Kerle und das Proprium St. Pius X.

Es ist die 40. Wiederkehr des Gründungstages der Komturei. Vor der Messe weist der Zelebrant die Gemeinde darauf hin, daß die Komturei St. Pius X. - auch wenn die nachfolgende Messe auf Latein sei - mit der gleichnamigen Priesterbruderschaft ganz selbstverständlich nichts zu tun habe. Das hier sei der neue Ritus, die Errungenschaft des Konzils, die gäbe es auch auf Latein, man könne unbesorgt sein.

Das Ensemble beginnt mit dem Introitus. Die Gemeinde steht auf. Es folgt das Kyrie. Mit dem Beginn des Gloria nimmt die Gemeinde Platz. Die erste Lesung. Graduale. Die zweite Lesung. Alleluia. Der Diakon tritt an den Ambo. Die Gemeinde steht auf. Das Evangelium wird in deutscher Sprache vorgetragen - mit etwas Wohlwollen könnte man sagen: gesungen. Am Ende kämpft der Diakon sich wacker durch den Text und die Noten. Es bleibt eine Prüfung für alle Beteiligten.

Die Predigt folgt. Sie beginnt mit einer kurzen Betrachtung der zweiten Lesung und gallopiert dann durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ritterordens vom Heiligen Grabe in Jerusalem nebst einer kurzen Vorstellung seiner einzelnen Gliederungen, weltweit und anderswo. Die rhetorische Ausgangsfrage nach der wesentlichen Leistung des Ordens in der Welt ist auch nach einer halben Stunde nicht beantwortet.

Mit dem Credo geht es weiter. Die Gemeinde bleibt sitzen, lauscht dem Ensemble und steht auch zum Offertorium nicht auf. Das lateinische Hochgebet fordert den Zelebranten nicht weniger heraus als das Evangelium den Diakon. Er stolpert ein paar Mal, aber er fällt nicht. Nach der Wandlung geben wir einander ein Zeichen des Friedens. Fast jeder hat jedem die Hand gegeben als der Priester aus dem Altarraum auf das Ensemble zusteuert. Er schreitet die Reihe ab und reicht jedem nochmal persönlich die Hand.

Die Communio wird mit dem Antiphon und einem deutschen Kirchenlied bestritten, nach dem verbreiteten Grundsatz: "Keine Messe ohne deutsches Kirchenlied." Vor mir stürmt ein Mitglied der Gemeinde an die Kommunionbank. An der Bank tritt er fest auf und stößt die zu einem Keil geformten Hände Richtung Kommunionhelfer. Der schaut verwundert auf die Haltung des Kommunikanten und spendet dann den Leib des Herrn.

Der Zelebrant stemmt das letzte lateinische Gebet und entschuldigt sich zu den Vermeldungen der Woche für die ungewohnte und lange Messe. Er bedanke sich für die Geduld der Gemeinde und - es sei ja nur einmal im Jahr - schön wäre es doch eigentlich auch gewesen, mit der Musik und so, auch wenn die Gemeinde keine Lieder gesungen habe. Die läßt es sich dann auch nicht nehmen, ihrem Gefallen mit einem Applaus Ausdruck zu verleihen.

Abends mit dem Rad durch Kreuzberg

Dienstag, 25. August 2009

In die Feier der Messe selbst eingebunden

Aus einer Gegenüberstellung im Pfarrbrief der Domgemeinde St. Hedwig, Erzbistum Berlin, Juni/Juli 2009. Wer die meisten Fehler findet, dem singe ich einen Introitus seiner Wahl:

"Außerordentlicher Messritus - Die Grundform der Messe ist stets die „Stille Messe“ eines Priesters, auf dessen Grüße der Ministrant oder die Gemeinde lateinisch antwortet. Die Gemeinde ist an der Feier der Messe kaum beteiligt. Oftmals ist sie mit anderen Frömmigkeitsformen beschäftigt: Frommes Zuschauen, Mitlesen der priesterlichen Texte aus einem Volksmessbuch, Singen von Kirchenliedern oder Beten des Rosenkranzes.

Ordentlicher Messritus - Die Grundform der Messe ist stets die „Messfeier der Gemeinde“ unter dem Vorsitz des Priesters und möglichst vieler Dienste des Diakons und der liturgischen Laiendienste. Die Gemeinde ist in die Feier der Messe selbst eingebunden. Ihr stehen die Antworten und besondere Anteile an den Messtexten zu, besonders der Gesang des Sanctus."

Mittwoch, 19. August 2009

Dienstag, 18. August 2009

Bürgerliche Skandale von Schuld und Vergebung

Es wäre schön, der Bürger könnte sich entscheiden, was ihm heute noch der größere Skandal ist, daß Menschen Sünder sind oder daß Sünden vergeben werden.

Montag, 17. August 2009

Dienstag, 4. August 2009

Gut, daß wir gesprochen haben!

Ortsvorstandssitzung. Ein Weinlokal in Mitte. Ich komme von der Arbeit. Vor dem Eckhaus sitzen Gäste in der Abendsonne. Der Vorstand tagt im Keller. Auf dem Weg zur Treppe laufe ich am Tresen vorbei. Den Mann hinter der Bar beachte ich nicht. Ich bin spät dran, habe eine Stunde Zeit und keine Lust, etwas zu bestellen.

Das Gewölbe ist dunkel. Der Vorstand sitzt um einem langen Tisch, der Vorsitzende in der Mitte, etwa fünfzehn andere um ihn herum. Nach einer kurzen Begrüßung setze ich mich etwas abseits an das kurze Ende des Tisches und überblicke die Anwesenden. Viele Gesichter sind mir bekannt, nur wenige vertraut.

Links neben mir sitzt der Leiter des Gesprächskreises Innere Sicherheit. Er ist Anfang dreißig. Die Haut ist blaß, das dunkle Haar nach links gekämmt, der Nacken ausrasiert. Das Gesicht umrahmt ein dünner Bart. Der Blick geht hart in die Runde. In seinen Fingern hält er einen dicken Stapel Papier.

Den Bericht des Vorsitzenden habe ich verpaßt. Der Wahlkampfleiter des Kreises ist zugegen. Es wird über Termine gesprochen: Was wird wo und wann, von wem, an welchem Tag gemacht. Eine Übersicht wird herumgereicht. Die Termine werden einzeln angesprochen.

Am gegenüberliegenden Ende des Tisches meldet sich ein älterer Herr zu Wort. "Lieber Dieter, Deine Veranstaltung soll doch im Café Y. stattfinden. Bitte versteh das jetzt nicht als Kritik, aber zu unserer letzten Veranstaltung war dort so wenig Platz, daß die Hälfte der Gäste draußen bleiben mußte."

Dieter Sch., ehemaliger Vorsitzender des Ortsverbandes, atmet heftig. Also man hätte ja, und das Café, und sowieso. Und wie käme er denn eigentlich. Man habe doch, nein, kein Problem, das ganze Café. Ja, er, für den Fall, gemietet, aber doch. Das sei noch immer, wie immer. Er habe Erfahrung. Der Wahlkampf, die Erfahrung, die Organisation, das Café, kein Problem, ja, kein Problem.

Die Sitznachbarn beschwichtigen Sch. Die Aufregung bleibt. Der Herr von der anderen Ecke des Tisches windet sich. Er habe es doch nicht so gemeint. Dieter sei mal wieder voll eingestiegen. Ausdrücklich hingewiesen habe er darauf, ja darum gebeten, das nicht als Kritik aufzufassen. Ein kurzer Wortwechsel. Der Wortschwall verebbt. Die Sitzung kann fortgesetzt werden.

Wir sind immer noch bei den Terminen. Die Termine sind bis November eingeteilt. Jede Woche bekommt einen Termin.

Der Leiter des Gesprächskreises Innere Sicherheit meldet sich. Er beugt sich weit über den Tisch. Er habe da mal eine Frage. Die Termine seien ja jetzt auf die Wochen verteilt. Was aber wäre denn nun, wenn der Gesprächskreis Innere Sicherheit, der ja immer besonders aktiv sei, noch eine Veranstaltung machen wollen würde. Müßte der dann bis Dezember warten. Da würde er sich aber ungerecht benachteiligt fühlen.

Der Ortsvorsitzende versucht ein freundliches Gesicht. Aktivitäten wolle man ganz sicher nicht bremsen. Je mehr, desto besser. Ob er denn schon einer Veranstaltung im Blick habe. Ja, läßt uns der Fragesteller wissen, da sei noch nichts geplant. Da er aber im November sein letztes Staatsexamen ablege, werde er auch sicher keine Zeit dafür haben. Erst im Dezember könne er dann die rege Arbeit seines Gesprächskreises wieder aufnehmen.

Ich verlasse das Lokal nach einer Stunde. Die Sitzung geht weiter. Draußen scheint die Sonne. Gut, daß wir gesprochen haben.