Donnerstag, 30. April 2009

Erste Konzertreise nach Thüringen und Hessen

Über Kreuzberg und Fried­richs­hain liegt die ge­spann­te Erwar­tung der all­jähr­lich­en er­sten Mai Fei­er­lich­kei­ten. Die Kräf­te er­tast­en die Fühlung zum Gegner. Das Katz und Maus Spiel beginnt. Die ersten Gäste der Wal­pur­gis­nacht rotten sich im Mauer­park zu­sammen während ich diese Zeilen schreibe. Nicht mehr lan­ge und die Live-Be­richt­er­statt­ung der ört­lichen Me­dien be­ginnt. Laßt also auch die Spiele be­gin­nen.

Ohne großes Be­dau­ern werde ich meinen Lo­gen­­platz auf der an­de­ren Seite des Land­­wehr­­ka­nals preis­­ge­ben, um ein wenig Singen zu fahren. Der Titel des neben­ste­hen­den Pro­gramms darf dabei durch­aus als Kon­zes­sion an die Er­war­tun­gen einer Dan Brown ver­wöhn­ten Öffen­t­lich­keit ge­le­sen werden - das Pro­­gramm nicht. Wer die Ge­le­­gen­­heit hat, eines der Kon­­zerte zu be­­such­en, der soll­te es sich nicht ent­­ge­hen lassen und die klassi­sche Vo­kal­­po­ly­­pho­nie live er­­le­­ben. Es lohnt sich. Wir sin­gen am Frei­tag, den 1. Mai, um 17 Uhr im Dom zu Nord­hausen, am Sam­stag, den 2. Mai, um 19 Uhr im Klo­ster Frau­en­berg bei Fulda und am Sonn­tag, den 3. Mai, um 15 Uhr in der Wall­fahrts­kirche Hül­fens­berg.

Dienstag, 14. April 2009

Apostel zwischen Duldungsstarre und Mutanfall

Aus einem Vortrag von Dr. Alexander Kissler im Mai des letzen Jahres. Dr. Alexander Kissler ist Autor und Kulturjournalist. Der insgesamt lohnende Vortrag zu der Frage "religiös aber gottlos?" ist auf Gloria.tv zu sehen:

"Es hilft alles nichts, aus dem Boom einer Religiö­sität wie sie der Reli­gions­moni­tor vor­stellt kann der Glaube kei­nen Honig saugen. Vielleicht ahnen die Re­prä­sen­tan­ten des Glaubens die herku­lische Her­aus­for­derung vor der sie stehen und vielleicht schwan­ken sie des­halb - so meine These - zwischen Duldungs­starre auf der einen Seite und Mut­anfall auf der anderen Seite. ...

Ersteres, die Duldungs­starre, ist der haupt­säch­lich an­zu­treffende Aggregats­zu­stand. Die meisten Gläubi­gen haben die For­derun­gen der Welt der­art in sich auf­ge­sogen, daß Glaube und Welt kaum zu unter­schei­den sind. Man sieht fünf Bilder in der Regional­zeitung. Auf jedem Bild sieht man jeweils vier Herren im Blouson. Einer von diesen zwanzig Blouson­trägern ist der Orts­pfarrer. Das ist also die Unter­scheid­bar­keit - die optische Unter­scheid­bar­keit.

Die meisten Gläubi­gen haben diese For­der­ung so sehr in sich auf­ge­so­gen, daß sie kein Ver­hält­nis mehr zur Welt haben - wie soll­ten sie auch? Sie sind ja Welt. Und Christen sind dann jene ver­spreng­ten Tar­taren, die "Laut geben", die "be­troffen sind", wenn sie sich "her­aus­ge­for­dert sehen", wenn sie "Stellung be­zieh­en" und die dann so reden, wie man eben redet - im poli­tisch­en All­tags­ge­schäft.

Sie freu­en sich, daß man sich für ihre Mei­nung inter­essiert und über­sehen leider, daß man sich nur für ihre Mei­nung, nicht für ihren Glauben inter­essiert. Die Mikro­fone sind weit ge­öffnet, wenn Kardi­näle und Bischöfe die Asyl­poli­tik kommen­tieren, den Klima­wandel, die Fußball-Europa­meister­schaft. Jovial geben sie Auskunft und freuen sich nach jedem Lacher, den sie provo­zieren, daß sie end­lich in der Mitte der Gesell­schaft ange­kommen sind, auf Augenhöhe mit den Staats­ministern und General­sekretären.

Ver­loren­ge­gan­gen ist dabei das Be­wußt­sein, daß sie doch eigent­lich ein Stachel sein sollten, ein Stachel im Fleisch der Selbst­zufrie­denen und nicht deren Pausen­clown."

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Bild: K-TV, Alexander Kissler, auf dem Vortrag in Altötting, Mai 2008.

Sonntag, 12. April 2009

Triduum Paschale am Institut St. Philipp Neri

Zum Gedenken an das Leid und den Tod des Menschensohnes versammelten sich Karfreitag mehr als hundert Gläubige in St. Afra. Nach einigen Gebeten, Lesungen und Wechselgesängen sangen der Priester, zwei Sänger und das Palestrina Ensemble die Johannes-Passion von Tomás Luis de Victoria. Der Priester sprach die großen Fürbitten. Er enthüllte den Heiland am Kreuz und stellte ihn zur Verehrung aus. Das Ensemble sang Victorias Improperien für zwei Chöre mit dem bekannten Kehrvers popule meus: "Mein Volk, was habe ich dir getan? Womit habe ich dich betrübt? Antworte mir!"

Unter den Heilandsklagen traten die Gläubigen einzeln vor, beugten ihr Knie und küssten die Füße des Gekreuzigten. Zu meinem Erstaunen hatte der Vorgang nichts von der Peinlichkeit, die man hinter der bloßen Beschreibung vermuten könnte. Eine tiefe innere Bewegung der Gläubigen war greifbar. Nicht wenige weinten oder kämpften mit den Tränen. Besonders ergriffen war ich von einem blinden Mann, den sein Vater an der Hand zum Kreuz führte. Er streckte die Hände nach dem Heiland aus, faßte die Füsse, küsste sie und weinte, umfing die Beine mit den Armen, schluchzte, tastete sich am Körper hoch und warf sich bekümmert an den Hals des Sterbenden - als wolle er ihn nicht mehr loslassen.

Die Ostervigilien begannen um halb zehn Uhr abends am Karsamstag. In einer feierlichen Prozession wurde die im Hof geweihte und am neuen Feuer entzündete Osterkerze in die dunkle Kirche getragen. Die Gläubigen, etwa hundert an der Zahl, entzündeten ihre Kerzen an der Osterkerze. Im Kerzenschein hörten sie die Lesungen der Priester und Diakonen und die Zwischengesänge der Schola. Ein Mann und eine Frau wurden getauft. Zum Gloria der Meßfeier gingen die Lichter in der Kirche an. Christus war auferstanden, der Tod überwunden. Das Alleluia erklang wieder. Im Anschluß an die Messe lud das Institut zu Wein und Osterbrot.

Nach einer kurzen Nacht, ging es dann heute morgen in die Messe zum Ostersonntag, einem levitierten Hochamt mit Priester, Diakon und Subdiakon. Das Ensemble sang die Missa O quam gloriosa von Victoria. Die österliche Zeit begann und nach dem 118. Psalm wird es zum Stufengebet nun wieder Vidi aquam heißen: Ich sah Wasser fließen aus der rechten Seite des Tempel, Alleluia, und alle, zu denen es kam, wurden heil, und sie werden sagen: Alleluia, Alleluia. Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.

Freitag, 10. April 2009

Crucifixus etiam pro nobis