Freitag, 30. Januar 2009

Katholisch Getaufte unter den Neugeborenen

Die rote Linie in der nachfolgenden Grafik zeigt an, wie sich der Anteil der katholisch getauften Neugeborenen in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Seit dem Jahr 1960 sank der Anteil der katholisch getauften Kinder von 38 auf 28 Prozent im Jahr 2007. Die Daten stammen von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Statistischen Bundesamt.

Gott ist nicht im Sturm, im Erdbeben oder im Feuer

Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb. Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

1. Könige 19, 8-13.

Phoenix Talk: Will der Papst zurück ins Mittelalter?

Philipp Gessler, Hans-Joachim Meyer, Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und Günther B. Ginzel im Phoenix-Talk, moderiert von Gaby Dietzen:

Ginzel: "Es steht im Kontext einer theologischen Ausrichtung von Papst Benedikt. Das hat jetzt erstmal, würd ich sagen, man muß unterscheiden, es gibt einerseits diesen unglaublichen Skandal über einen Rechtsextremisten im Bischofsmantel, sozusagen.
Dietzen: "Aber nicht, aber er ist ja kein katholischer Bischof, im eigentlichen Sinne."
Ginzel: "Ähm, ich meine diese Feinheiten kapiert sowieso ein Nicht-Katholik nicht."
Dietzen: "Das ist das Problem."
Ginzel: "Das ist auch nicht mein Problem."

Jaschke: "Die Gespräche werden seit Jahren geführt. Der politische Kontext spielt da keine große Rolle. Man kann auch nicht sagen, daß alle Lefevbrianer Rechte sind. Das ist eine Mischung. Natürlich gibt es von Lefevbre her diese Nähe zu Le Pen und ähnlichen Leuten, die wir nicht gut finden. Aber es gibt auch Leute, die von der Liturgie so fasziniert sind und vom Lateinischen und von der klaren Form der Tridentinischen Messe und so weiter. Es ist eine gewisse Mischung darin."
Dietzen: "Das müssen wir unseren Zuschauern erklären, diese Tridentinische Messe, das heißt: lateinische Messe."
Jaschke: "Ja, man kann auch die neue Messe, wenn man so sagen will, auf Latein feiern, aber die Tridentinische Messe, ist die Messe, die seit dem Konzil von Trient über Jahrhunderte hindurch gefeiert wurde, immer auf Latein natürlich, mit dem Rücken zum Volk, in einem Ritus, der sehr streng ist, manche haben ihn wunderbar gefunden, andere haben gesagt, wir verstehen das alles nicht so recht und das übt eine Faszination auf bestimmte Menschen aus. Und ich finde es eigentlich gut, daß man, wenn es um die Riten geht, da wieder Großmut zeigt und Schritte zur Versöhnung [geht] ..."

Meyer: "... für mich existiert Glaube und Kirche in dem Prozeß der Geschichte und man kann das davon überhaupt nicht lösen und, äh, da hätten alle, vorher, schon alle Alarmglocken läuten müssen. Es ist sicherlich richtig, daß will ich ausdrücklich unterstreichen, nicht jeder Reaktionär ist ein Antisemit, da gibt es eindrucksvolle Gegenbeispiele, das werden sie mir zugeben. Also, man kann jetzt nicht sagen, der hätte ja vorher wissen müssen, daß es Antisemiten sind, das stimmt, weiß Gott nicht. Aber, daß, jedenfalls von ..."
Ginzel: "... aber das theologische Weltbild, ..."
Meyer: "... im Kern ..."
Ginzel: "... da sind wir uns doch einig."
Meyer: "... daß zwischen der Ablehnung des zweiten Vaticanums und ihrem Geschichtsbild, dem Geschichtsbild, von dem diese Leute leben, das sie für wichtig halten, daß es da einen Zusammenhang gibt, das scheint mir doch ziemlich offenkundig. Es ist richtig, daß einige derjenigen, die sich gerne dazu bekennen, zur Piusbruderschaft, daß es denen im wesentlichen um den vertrauten Gottesdienst geht. Wobei man ja hinzufügen sollte, ähm, gerade in Deutschland ist, äh, ja viel getan worden, um auch zu zeigen, daß, äh, die erstarrte Form des Tridentinums nicht mehr geeignet war und daß natürlich auch Dinge zusammengeschoben wurden, die ja so nicht zusammen paßten. Man muß ja nur einen Namen wie Romano Guardini nennen, den großen Beweger, gerade in dieser Hinsicht. Ähm, aber sicherlich ist es, wenn man so will, eine Sache auch der christlichen Barmherzigkeit, solchen, die an einer Form hängen, zu sagen, darum kann es jetzt nicht gehen."

Dietzen: "Nun hat nicht jeder die Wahrheit für sich gepachtet und Herr Gessler, helfen sie uns, so ein Papst, dessen Entscheidungen gelten ja als unfehlbar, was der Papst einmal gesagt hat, darf er morgen, dürfte er morgen, sich hinstellen, uns sagen, das tut mir aber Leid, da habe ich einen Fehler gemacht, kann er das sagen?"
Gessler: "Also, die Unfehlbarkeit ist tatsächlich auf ganz bestimmte, sozusagen, groß proklamierte Aussagen begrenzt. Unfehlbar, in diesem Sinne, ist nur das Konzil. Ähm, ...
Jaschke: "... mit dem Papst zusammen."
Gessler: "... mit dem Papst zusammen, na gut, zum Konzil gehört ja der Papst.

Meyer: "... die neue Liturgie, wie sie im Ergebnis des zweiten Vatikanischen Konzils, ähm, entwickelt worden ist und jetzt allgemein gültig ist, das ist die, die ordentliche Liturgie, das andere ist die außerordentliche. Öhm, und - da war für uns, jedenfalls haben wir das klar gesagt, für uns ist das der entscheidende Punkt, daß die, das was aus dem vielfältigen und tiefen Nachdenken über die Liturgie überhaupt und dann aus den Beschlüssen des zweiten Vatikanischen Konzils hervorgegangen ist, das der, der authentische Ausdruck, der authentisch liturgische Ausdruck der katholischen Kirche. Gleichwohl, hat es natürlich Leute gegeben, die sich auch in anderer Hinsicht dann ermutigt fühlten, das ist, das ist ja gar nicht, man muß in Deutschland mal, das zu lesen, was, äh, was das Feuilleton dazu schreibt, die durchaus, äh, wo es durchaus Leute gibt, die die Neigung haben, da nun ein Signal gegen das zweite Vatikanische Konzil herzudeuten. Äh, daher bin ich ja besonders entsetzt darüber, denn das muß man ja auch in Rom gelesen haben, also hätte man um so vorsichtiger sein müssen, um so mehr darauf bedacht, daß ein solcher Eindruck nicht entsteht.
Jaschke: "Das sind aber keine Rechtsradikalen im Feuilleton, sondern Ästhetizisten, die aus einem gewissen Ästhetizismus heraus, Verlust der Form und so weiter, dann solche schönen Artikel schreiben in der FAZ.
Meyer: "Aber Leute, die natürlich alles, was auch mit Gemeinschaft und mit Fortschritt und mit Solidarität zu tun hat am liebsten überhaupt nicht, und wenn überhaupt, dann nur mit spitzen Fingern anfassen, also da gibt es, da gibt es natürlich in ihrer Grundhaltung in der Gesellschaft und in ihrer, äh, ästhetisierenden Auswahl dessen, was für sie im Glauben wichtig ist und in der Kirche, da gibt es, äh, sagen wir mal, mindestens Gleichzeitigkeiten, ich würde sagen, es gibt Zusammenhänge.
Jaschke: "Aber ein Mosebach ist doch kein Rechter, meine Güte"
Gessler: "Ich glaube, darüber kann man streiten."
Meyer: "Darüber kann man sicherlich streiten."

Donnerstag, 29. Januar 2009

Zurück ins Mittelalter - Was will der Papst?

Philipp Gessler, Hans-Joachim Meyer, Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und Günther B. Ginzel im Phoenix-Talk: Was treibt den Papst? Wohin führt er seine Kirche? Man weiß es einfach nicht ...

Neue Chorhemden für die Schola St. Philipp Neri

Die augen­schein­lich ehr­wür­dige Firma Watts & Co, mit Sitz in Lon­don, kann wohl auf er­heb­liche Er­fah­rung in der Her­stellung litur­gischer Ge­wän­der ver­wei­sen. Seit dem Jahr 1874 stellt sie unter an­de­rem auch Chor­hem­den her. Nachdem die Schola St. Philipp Neri bis­lang nur auf­tra­gen konnte, was die Ako­ly­ten wohl­be­grün­det ab­ge­legt hatten, bahnt sich nun ein Ende dieser Sitte an. Die ersten Schritte sind be­reits ge­tan. Der Kon­takt zu Watts & Co ist auf­ge­nommen. Die Be­­stell­ung der Chor­hem­den, wie auf der neben­steh­en­den Abbil­dung zu sehen, wird bald fol­gen und wenn Gott will, dann werden die neuen Chor­­hem­­den bis Ostern auch ge­­lie­fert sein.

Nur eines erbitte ich vom Herrn

Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? Dringen Frevler auf mich ein, um mich zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde, sie müssen straucheln und fallen. Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht. Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich: Im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens, die Freundlichkeit des Herrn zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel. Denn er birgt mich in seinem Haus am Tag des Unheils; er beschirmt mich im Schutz seines Zeltes, er hebt mich auf einen Felsen empor.

Psalm 27, 1-5

Mittwoch, 28. Januar 2009

Dienstag, 27. Januar 2009

Kirchliche Vokalmusik am Institut St. Philipp Neri

Das Palestrina Ensemble Berlin und die Choralschola St. Philipp Neri haben eine CD veröffentlicht. Die CD läßt sich auf der Seite des Ensembles im Internet abrufen. Neben der vollständigen Christmette und dem Hochfest der Erscheinung des Herrn am Institut St. Philipp Neri sind verschiedene Konzerte und Messen des letzten Jahres zu hören. Gesungen werden der Choral sowie Werke von Tomás Luis de Victoria, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Giovanni Matteo Asola und William Byrd.

Die Aufnahmen sind zum größten Teil live im Konzert oder der heiligen Messe gemacht worden. Die Qualität der Aufnahme ist nicht mit der Qualität einer Studioproduktion zu vergleichen. Da ich mich in Teilen beteiligen durfte, möchte ich in Bescheidenheit darauf verweisen, daß es auch so ganz ordentlich geworden ist.

Drei Klangbeispiele habe ich auf dieser Seite eingebunden:

Victoria - "Tantum Ergo"


Palestrina - "Gloria" aus der Missa Papae Marcelli


Asola - Graduale "Omnes de Saba" vom Hochfest der Epiphanie


Wer das Palestrina Ensemble hören möchte, hat am Institut St. Philipp Neri Ostern die Gelegenheit. Die Schola singt dort jeden Sonntag und an den hohen Festen der Kirche.

Matin Mosebach über den Raum der Liturgie

Donnerstag, 22. Januar 2009

Sitzen, Hoffegen, Toilettenputzen, Abspannen

Vor einiger Zeit, in der Legende, an der Bar, ein junger Mann, vom Film. Mit einem halben Ohr höre ich ihn sagen, er wolle sich für ein paar Wochen in ein Kloster zurückziehen.
"Du gehst in ein Kloster?"
"Ja."
"Ach, und in welches?"
"Nach Osaka."
"Oh, warum das?"
"Streß, total Streß."

Etliche Wochen später, in der Legende, an der Bar, der gleiche Mann:
"Hey, wie war es eigentlich in deinem Kloster?"
"Das war total gut"
"Ach, und was hast du gemacht?"
"Morgens um fünf Uhr aufstehen, Viertelstunde Frühstück, danach drei Stunden vor einer weißen Wand sitzen, dann fünf Stunden Reis pflanzen, Mittagessen, dann Reis pflanzen, Hoffegen, Toilettenputzen, drei Stunden vor die weiße Wand, das schafft total, dann Essen, schlafen, am nächsten Morgen wieder raus, richtig gut."

Er sprach noch weiter und während er über die Vorzüge der Kontemplation und der schweren körperlichen Arbeit für die geistige Gesundheit schwärmte, konnte ich nicht aufhören, mich zu wundern, nicht, ob es sich gelohnt hätte, sondern ob es wirklich notwendig war, für ein solches Programm 14 Stunden lang, 12.000 Kilometer weit zu fliegen, von den Reisekosten ganz zu schweigen, und ich fragte mich, was wohl ora et labora auf Japanisch heißen könnte?

Besuchertrend der Sonntagsmesse seit 1950

Die rote Linie in der nachfolgenden Grafik zeigt an, wie sich der Anteil der deutschen Katholiken, der die heilige Messe am Sonntag aufsucht, in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Die schwarze Linie zeigt an, wann, bei einer Fortsetzung des Trends, der letzte Katholik in Deutschland die Sonntagsmesse besuchen wird: Das wäre dann im Jahr 2022. Die Darstellung beruht auf Zahlen, die von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben wurden.

Die Verachteten erfahren das Heil

Hilf doch, o Herr, die Frommen schwinden dahin, unter den Menschen gibt es keine Treue mehr. Sie lügen einander an, einer den andern, mit falscher Zunge und zwiespältigem Herzen reden sie. Der Herr vertilge alle falschen Zungen, jede Zunge, die vermessen redet. Sie sagen: «Durch unsre Zunge sind wir mächtig; unsre Lippen sind unsre Stärke. Wer ist uns überlegen?» Die Schwachen werden unterdrückt, die Armen seufzen. Darum spricht der Herr: «Jetzt stehe ich auf, dem Verachteten bringe ich Heil.» Die Worte des Herrn sind lautere Worte, Silber, geschmolzen im Ofen, von Schlacken geschieden, geläutert siebenfach. Du, Herr, wirst uns behüten und uns vor diesen Leuten für immer erretten, auch wenn die Frevler frei umhergehen und unter den Menschen die Gemeinheit groß wird.

Psalm 12, 2-9.

Propst Dr. Goesche im Gespräch mit Gloria.TV







Propst Dr. Gerald Goesche steht dem Institut St. Philipp Neri vor, welches er im Jahr 2003 gegründet hat. Das Institut ist eine Gesellschaft päpstlichen Rechts mit Sitz in Berlin. Es hat sich der Pflege der überlieferten Liturgie und zeitgemäßen Pastoral verschrieben hat. In der Kirche St. Afra im Berliner Wedding bietet das Institut täglich die lateinische Messe in der alten Form des römischen Ritus. An den Sonntagen und Hochfesten der Kirche singt die Schola des Instituts zur Feier der Messe den gregorianischen Choral.

Dienstag, 20. Januar 2009

Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr redet

Wie für das geübte Auge unschwer zu erkennen, hat Seine Exzellenz, der Hochwürdigste Herr Bischof von sich, einem seiner Priester und zwei Laien ein Bild machen lassen. Das kurzärmelige Hemd zur Krawatte Ton in Ton ist die wohl freie Interpretation der fünften Partikularnorm des Codex Iuris Canonici 284, wie sie von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossen wurde, welcher vorzusitzen der Herr Bischof die Ehre hat. Ob dieser Stilsicherheit heißt es nicht bereits im Markus-Evangelium: "Und er fing an zu weinen."

Und alsbald krähte der Hahn zum zweiten Mal.

Und Petrus war unten im Hof. Da kam eine von den Mägden des Hohenpriesters; und als sie Petrus sah, wie er sich wärmte, schaute sie ihn an und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus von Nazareth. Er leugnete aber und sprach: Ich weiß nicht und verstehe nicht, was du sagst. Und er ging hinaus in den Vorhof, und der Hahn krähte. Und die Magd sah ihn und fing abermals an, denen zu sagen, die dabeistanden: Das ist einer von denen. Und er leugnete abermals. Und nach einer kleinen Weile sprachen die, die dabeistanden, abermals zu Petrus: Wahrhaftig, du bist einer von denen; denn du bist auch ein Galiläer. Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr redet. Und alsbald krähte der Hahn zum zweiten Mal. Da gedachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er fing an zu weinen.

Markus 14, 66-72.

Martin Mosebach berichtet von der Alten Messe

Montag, 19. Januar 2009

Liberalismus: Eros der Freiheit ohne Gott?

Sehr geehrter Herr Gärtner,

ich halte Ihr Urteil zu dem oben ge­schil­der­ten Sach­verhalt für zu­treffend.

Die im Kommentar­be­reich auf­gestell­te Be­haup­tung, daß Teile der christ­lichen Lehre eine Zumu­tung für den Ver­stand seien, muß ich als un­be­gründet zurück­weisen, wie auch die Be­hauptung, der Gott, der das Person-Sein umfasse, wider­spreche dem Gott der Ver­nunft und sei mehr noch als die­ser Quelle von Ge­walt.

Eine der we­sent­lich­en Lei­stun­gen des Christen­tums - wenn man denn wie ein Ideen­ge­schich­tler sprech­en will - ist es, das Schöne, Wahre, Gute und Eine der Griechen, mit der Gottes­eben­bild­lich­keit des Alten Testaments, das heißt dem Person-Sein des Men­schen, unter der göttlichen Liebe, die wahrhaft christ­lich ist, zu vereinen.

Das Person-Sein des Men­schen eta­bliert das Indi­viduum als Subjekt der Sitt­lich­keit. Es ist unverzichtbar. Da das Person-Sein, wie die Liebe und das Wahre, eine Kate­gorie des Gött­lichen ist, muß der Gott, der Liebe und Wahrheit ist, auch Person sein. Mit einer Marienerscheinung hat das noch nichts zu tun.

Mit besten Grüßen
Tiberius

Freitag, 16. Januar 2009

Kardinal Ratzinger: Ein neues Lied für den Herrn

"Die Frage nach dem Wesen der Liturgie und nach den Maßstäben der Reform hat uns von selbst zur Frage nach der Stellung der Musik in der Liturgie zurückgeführt. In der Tat kann man von Liturgie gar nicht reden, ohne auch von der gottesdienstlichen Musik zu sprechen; wo die Liturgie verfällt, verfällt auch die Musica sacra, und wo Liturgie recht verstanden und gelebt wird, wächst auch gute Kirchenmusik."

"Der Glaube stammt vom Hören auf Gottes Wort. Wo aber Gottes Wort in Menschenwort übersetzt wird, bleibt ein Überschuß des Ungesagten und Unsagbaren, der uns zum Schweigen ruft - in ein Schweigen hinein, das schließlich das Unsagbare zu Gesang werden läßt und auch die Stimmen des Kosmos zu Hilfe ruft, damit das Ungesagte hörbar werde. Das bedeutet, daß Kirchenmusik, aus dem Worte und dem in ihm vernommenen Schweigen stammend, immer neues Hören auf die Fülle des ganzen Logos voraussetzt."

"Musik, die christlicher Liturgie dienen soll, muß dem Logos entsprechen, konkret: Sie muß in einer sinnvollen Zuordnung zu dem Wort stehen, in dem der Logos sich geäußert hat. Sie kann sich, auch als instrumentale Musik, nicht von der inneren Richtung dieses Wortes lösen, das einen unendlichen Raum freigibt, aber auch Unterscheidungslinien zieht. Sie muß ihrem Wesen nach anders sein als Musik, die in rhytmische Ekstase, in die rauschhafte Betäubung, in die sinnliche Erregung, in die Auflösung des Ich im Nirwana hineinführen soll, um nur ein paar mögliche Haltungen zu benennen."

Wo ein überzogener und (wie wir festellen konnten) gerade in einer mobilen Gesellschaft wie der unsrigen völlig unrealistischer Begriff von Gemeinde obwaltet, können nur Priester und Gemeinde als rechtmäßige Träger liturgischen Singens anerkannt werden. Der primitive Aktionismus und der platte pädagogische Rationalismus einer solchen Position ist heute wohl allgemein durchschaut und wird daher nur noch selten behauptet. Daß auch Schola und Chor zum Ganzen beitragen können, wird selbst dort kaum noch bestritten, wo man das konziliare Stichwort von der "tätigen Teilnahme" irrtümlich im Sinne eines äußeren Aktionismus auslegt. Allerdings bleiben Exklusiven bestehen, auf die wir gleich kommen werden. Sie gründen in einer ungenügenden Deutung des liturgischen Miteinander, in dem nie nur die gerade anwesende Gemeinde Subjekt sein kann, sondern diese nur als nach oben und von oben her synchron und diachron in die Weite der Gottesgeschichte hinein geöffnete Versammlung verstanden werden darf."

"Der Begriff der Stellvertretung ist eine der Grundkategorien des christlichen Glaubens überhaupt, der alle Ebenen der gläubigen Wirklichkeit betrifft und so gerade auch in der liturgischen Versammlung wesentlich ist. Die Einsicht, daß es sich um Stellvertretung handelt löst in der Tat die Konkurrenz des Gegenüber auf. Der Chor handelt für die anderen und schließt sie im Für in sein eigenes Handeln ein. Durch sein Singen können alle in die große Liturgie der Gemeinschaft der Heiligen und so in jenes innere Beten geführt werden, das unser Herz nach oben reißt und uns über alle irdischen Realisierungen hinaus zum himmlischen Jerusalem hinzutreten läßt."

Mittwoch, 14. Januar 2009

Marius Reiser räumt seinen Lehrstuhl

Sehr geehrter Herr Professor Reiser,

Sie haben in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dargelegt, warum es unerträglich ist, an unseren Universitäten weiterhin beschäftigt zu sein. Ich schließe mich Ihrer Ausführung in allen Punkten an. Es ist unerträglich! Ihre Haltung hingegen ist bewundernswert.

Mit besten Grüßen
Tiberius

Montag, 12. Januar 2009

Lobet den Herrn! Singt ihm ein neues Lied!

Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien. Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, aus Schlamm und Morast. Er stellte meine Füße auf den Fels, machte fest meine Schritte. Er legte mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott. Viele werden es sehen, sich in Ehrfurcht neigen und auf den Herrn vertrauen. Wohl dem Mann, der auf den Herrn sein Vertrauen setzt, sich nicht zu den Stolzen hält noch zu treulosen Lügnern. Zahlreich sind die Wunder, die du getan hast, und deine Pläne mit uns; Herr, mein Gott, nichts kommt dir gleich.

Psalm 40, 1-6.

Weihnachten am Institut St. Philipp Neri

Um die Christmette am Institut St. Philipp Neri feiern und singen zu können, bin ich bis zum ersten Weihnachtsfeiertag in Berlin geblieben. Wie erwartet hat mich die Messe, die in der Form einer Missa Solemnis gefeiert wurde, das heißt mit Priester, Diakon und Subdiakon, sehr beeindruckt.

Vor dem Beginn gab es eine Anbetung mit Orgelspiel, Gebeten und Weihnachtsliedern. Zur Mitternacht wurde das Kind in die Krippe gelegt und von den Gläubigen auf würdige und ehrfurchtsvolle Weise verehrt.

Das Berliner Palestrina-Ensemble brachte das Ordinarium der Missa Brevis von Palestrina dar, die Schola das Proprium der ersten Messe des Weihnachtstages, dazwischen gab es deutsche Weihnachtslieder.

Die in der Nacht gesungene Missa Brevis von Palestrina läßt sich auf der Internetseite des Palestrina Ensemble Berlin anhören. Das Gloria, das Sanctus und das Agnus Dei habe ich von dort auf dieser Seite eingebunden.

Gloria


Sanctus


Agnus Dei

Una sancta, catholica et apostolica Ecclesia

Vor zwei Jahren besuchte ich erstmals die auf der anderen Seite des Südsterns gelegene Johannes Basilika. Kurz vor Beginn der Messe eilte ich in die Kirche und nahm in einer der hinteren Bankreihen Platz. Vor mir saßen mehr als zweihundert Gläubige, was mich sehr erstaunte. Eine katholische Kirche mit derartigem Zuspruch mitten in Kreuzberg zu finden, hatte ich nicht erwartet. Ich wußte noch nicht, daß es die polnische Gemeinde Berlins war, die hier ihre Messen feiert, wurde aber durch das erste Kirchenlied belehrt und konnte nun auch die volle Kirche besser deuten.

Auch wenn ich in St. Johannes seitdem keine Messe mehr besuchte, suche ich doch die Kirche ab und an zum Beten auf. Sie ist schön und nah. Da sie wie fast alle Kirchen Berlins hauptsächlich auch verschlossen ist, bin ich darauf angewiesen, daß mich Mitarbeiter des Gemeindebüros durch die Sakristei in die Kirche schlüpfen lassen. Was mir in den Bürozeiten zum Glück noch nie verweigert wurde. Es ist ein Geschenk für mich, allein in dieser großen Kirche beten zu dürfen.

Vor kurzem sprach mich nun ein Mann in der Sakristei an. Er hatte weiße Haare, ein blasses Gesicht mit einer großen Nase und eine Jacke in ausgewaschenem Bordeaux. Da ich mich lange in der Kirche aufgehalten hatte und fürchtete, die Mitarbeiter der Gemeinde um ihren pünktlichen Feierabend gebracht zu haben, rechnete ich mit einer Rüge. Der Mann aber sprach mich freundlich an. Von dem jedoch, was er sagte, verstand ich kein Wort. Bei mir ging es ihm nicht anders. Er sprach Polnisch. Ich sprach Deutsch.

Eine Verständigung schien unmöglich. Da ich seinen Gesten entnahm, daß er mich in der Kirche hatte singen hören, sagte ich Gregorianik, worauf er nach einem langgezogenen Wohllaut mit großer Bewegung Gregoriana sagte. Er schaute mich an und sagte es immer wieder, mal wehmütig, mal sehnsuchtsvoll, und auch ich sagte es und gemeinsam freuten wir uns, daß wir ein gemeinsames Wort gefunden hatten, weil es in unseren Sprachen ähnlich klang.

Er hielt inne und blickte, wie auf der Suche nach einer alten Erinnerung, nachdenklich und versonnen aus dem Fenster. Als er mich wieder ansah, strahlten seine Augen und mit schöner Stimme sang er die ersten Worte des Glaubensbekenntnisses: "Credo in unum deum". Darauf brach er ab und ich sang weiter: "Patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae", und gemeinsam sangen wir bis zum "Amen". Mit Freude und Dankbarkeit erfüllt verließ ich St. Johannes, denn obwohl wir der Sprache des anderen nicht mächtig waren, hatte uns die Kirche erlaubt, das zwischen uns geknüpfte Band, in ihrer Sprache zum Ausdruck zu bringen.

Sonntag, 11. Januar 2009

Tausende demonstrieren in Berlin für Israel

Auf dem Breit­scheid­platz de­mon­strierten heute etwa 3000 Men­schen für das Recht des Staa­tes Israel, die eigenen Bür­ger vor An­griffen aus be­nach­barten Terri­torien zu schützen. Zur De­mon­stra­tion auf­ge­rufen hatte die jüdische Ge­mein­de Berlin.

Die Kund­gebung wurde von ver­schie­denen Red­nern be­stritten. Die Wort­bei­träge von Walter Mom­per und Franz­iska Eich­städt-Bohlig ver­mittel­ten den Ein­druck, beide hätten sich in der Demonstration ge­irrt. Der Mann von der SPD und die Frau von den Grünen verknüpften den wohlfeilen Wunsch nach Frieden mit der pau­scha­len Ver­ur­teilung von Gewalt. Ein Ver­hand­lungserfolg - so der Tenor - wäre möglich, wenn Israel bloß stillhalten und der Hamas entgegenkommen würde. Die zum Teil phan­tasti­schen Aus­füh­rungen wur­den von den De­monstran­ten leb­haft zurück­ge­wiesen.

Hoffent­lich wird es sich eines Tages herum­sprech­en, daß nicht immer Haß die Ursache von Haß und nicht immer Ge­walt die Ur­sache von Ge­walt ist. Wenn dem so wäre, dann würde es in der Tat rei­chen, sei­ne Fein­de zu lie­ben, um in Frie­den zu le­ben.

Freitag, 9. Januar 2009

Berliner gehen für Israel auf die Straße

Die jüdische Gemeinde Berlin ruft alle Berliner auf, für das Selbstverteidigungsrecht Israels auf die Straße zu gehen.

Israel steht seit acht Jahren unter Beschuss der Hamas. Der Rückzug aus Gaza sollte Frieden bringen. Statt des Friedens kamen 10.000 Raketen aus Gaza auf Städte und Dörfer in Südisrael. Die Hamas bombardiert Zivilisten in Israel und macht Zivilisten in Gaza zur Geisel ihres Terrors. Die Hamas hat den „Waffenstillstand“ wiederholt gebrochen und im Dezember 2008 einseitig aufgekündigt. Israels Selbstverteidigung ist legitim und kein Verbrechen!

Wer Israel im Kampf gegen den Terror der Hamas unterstützen will, der kommt am nächsten Sonntag auf den Breitscheidplatz. Die Demonstration beginnt um 14 Uhr. Zu den Sprechern gehören Politiker von CDU und FDP, den Grünen und der SPD, voraussichtlich Frank Henkel, Markus Löning, Franziska Eichstädt-Bohlig und Walter Momper. Die Hatikwa singen Vivian Kanner und Maya Saban.

Dienstag, 6. Januar 2009

Die Gerechten welken, stürzen und verwehen nicht

Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht. Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen. Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.

Psalm 1, 1-6