Sonntag, 6. Dezember 2009

Sonntag, 29. November 2009

Introitus Dominica Prima Adventus: Ad te levavi

Eine besinnliche und segensreiche Adventszeit!

In den kommenden Wochen wird es auf diesem Blog etwas stiller werden. Vielleicht noch stiller als die letzten Wochen. Neben einigen anderen Dingen werde ich die Fastenzeit nutzen, um mich - soweit es meinem privaten Vergnügen dient - auch des Internets zu enthalten, Hoch- und Herrenfeste ausgenommen. Kurz vor Weihnachten zieht es mich dann auch schon wieder für ein paar Wochen in die USA.

Ich wünsche allen eine besinnliche und segensreiche Adventszeit!

Samstag, 28. November 2009

Vor der heiligen Messe am Institut St. Philipp Neri

Mit zehn Gerechten über den Atlantik

Seit einigen Tagen bin ich wieder in Berlin. In Bloomington verging die Zeit wie im Flug. Ein Vergleich, der, läge man meinen Rückflug zugrunde, eine ganz andere Bedeutung erhielte. Nicht nur die Stunden des Fluges, auch die Stunden des Aufenthaltes schienen endlos. Ein gutes Buch hätte helfen können, wenn ich dazu nach einem schweren Abschied noch die Muße gehabt hätte. Wahrscheinlich wäre es zu hoch gegriffen, wenn ich behauptete, seit dieser Reise zu den intimen Kennern des Flughafens Newark zu zählen. Daß ich jedoch das Terminal C weit über meine Bedürfnisse erschlossen habe, kann ich mit Sicherheit sagen.

Das stundenlage Warten vor dem Abflugschalter machte mich für alle neuen Eindrücke dankbar und senkte auch den Anspruch diese zuzulassen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt schien es, als hätte ich für jede Erscheinung des Flughafens eine passende Schublade gefunden, und stand kurz davor, meine Aufmerksamkeit einem einheimischen Nachrichtensender zuzuwenden. Ein Los, das zum Glück von einer Gruppe Satanisten-Rocker abgewandt wurde, die mit mir im gleichen Flugzeug reisen sollte. Ob ihres Auftritts begann in einer nebenstehenden Frauengruppe, aus der mich noch kurz zuvor die Worte "Ja", "Sonntag" und "Bibelkreis" angeweht hatten, eine Dame mit gesenkter Stimme über die Symbole des Lügenvaters auf den Kutten der Rocker zu dozieren.

Mir taten die Rocker leid. Sie waren Ende dreissig bis Anfang vierzig, beleibt und von oben bis unten tätowiert. Ich stellte mir vor, wie bedauerlich es wäre, das rebellische Verhalten der Jugend bis ins hohe Erwachsenenalter perpetuieren zu müssen, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Während sich die Gemüter der Damen an den Schätzen des Malleus Maleficarum gütlich taten und verschiedene Ober- und Unterteufel sortierten, sprach ich für die Jünger Satans ein Gebet, hoffte auf zehn Gerechte an Bord und verkniff mir den Hinweis an die Damen, beim Verlassen des Flugzeugs besser nicht zurückzuschauen.

Freitag, 13. November 2009

Dienstag, 20. Oktober 2009

Welcome home und - hoffentlich - gute Reise!

Die schönste Nachricht des heutigen Tages kam aus Rom: Die Kirche wird unter ihrem Dach Strukturen schaffen, die es vielen konservativen Anglikanern ermöglichen wird, in die volle und sichtbare Einheit mit Rom zurückzukehren. Ich hoffe, daß viele hunderte und tausende von diesem Angebot Gebrauch machen werden. Gott sei Dank für diesen Schritt! Welcome home!

Ab morgen werde ich für einige Wochen in Amerika sein. Ich freue mich sehr darauf. Hoffentlich habe ich nicht zuviel im Koffer und der amerikanische Zoll läßt mich mit einem Berg von Mitbringseln passieren. Die Kamera, die ich für diese Reise bestellt hatte, wurde leider nicht geliefert. Zum Glück habe ich einen guten Ersatz gefunden. Ich melde mich sobald ich kann.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Interview der Mainpost mit Michael Sell

Aus einem Inter­view der Main­post mit Michael Sell, dem ehe­ma­li­gen Stadt­pfarrer von Hammel­burg, und mit Alfred Ruppert, einem ehema­li­gen Pfarr­ge­mein­de­mit­glied:

Mainpost: "Herr Sell, wie fühlt sich ein Pfarrer am Tag nach seiner Suspendierung."
Michael Sell: "Es ist sehr emotional. Es ist auch hier eine Ach­ter­bahn­fahrt, weil na­tür­lich gestern hier ein toller Gottes­dienst, der nicht Gottes­dienst war, eine So­li­da­ri­täts­be­kun­dung der Ge­mein­de, die ein­fach gesagt haben, ja wir ver­stehen das, was du machst, wir ver­stehen deinen Schritt, und heute na­tür­lich alles, was auf einen Ein­prasselt, viele Inter­views, viel Inter­esse, auch viel Medien­inter­esse, aber auch ganz viele An­rufe, die zu einem stehen. Es ist ein­fach sehr emo­tional, aber auch ein sehr schö­ner Tag."

Mainpost: "Wie verlief gestern das Gespräch mit Bischof Friedhelm in Würzburg."
Michael Sell: Sehr fair und es war ein sehr gutes Ge­spräch. Er war wirklich sehr auf­ge­schlossen. Er war na­tür­lich per­sönlich be­troffen. Das ist klar. Aber er war jetzt in kein­ster Weise böse, oder daß er mir Vor­würfe ge­macht hat, sondern er hat Ver­ständ­nis sig­na­li­siert. Er konnte natür­lich nicht anders als mich zu sus­pen­die­ren, aber es war ein Gespräch in einer sehr guten Atmo­sphere.

Mainpost: "Wie geht es ihnen jetzt nach neun Monaten, daß sie jetzt offiziell zu Frau und Kind stehen zu können."
Michael Sell: Das ist sehr schön, das befreit, es ist wunderbar jetzt offiziell zur Liebe und zum Leben stehen zu können.

Mainpost: "Herr Ruppert, welche Konsequenz ziehen sie aus der Suspendierung des Hammelburger Stadtpfarrers Michael Sell."
Alfred Ruppert: "Ja, ich bin heute aus der Kirche ausgetreten und bin auch nicht mehr Mitglied des Pfarrgemeinderates auch meine Tätigkeit als Mitglied eines Ausschusses im Diözesanrat Würzburg habe ich aufgekündigt. Es reicht mir einfach. Ich hab die Schnauze voll. Ich habe jetzt seit dreissig, vierzig Jahren, erlebe ich immer wieder wie unsere Mutter Kirche, die sich aber nicht wie eine Mutter benimmt, wie sie einfach über Schicksale hinweggeht, wie sie Leid erzeugt, das man durchaus vermeiden könnte, wenn man ein bißchen mehr die Botschaft Jesu Christi ernst nehmen würde, denn die ist Liebe und nicht irgendwelche Kirchengesetze, die - die heutzutage nicht mehr in die Landschaft passen."

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Tag der offenen Gebetshäuser in Berlin Kreuzberg

Unter dem Motto "Mehr als nur Steine" öffnen in Berlin Kreuzberg am 18. Oktober 2009 sechs unter­schied­liche "Glau­bens­ge­mein­schaf­ten" ihre Häuser für einen in­ter­re­li­giö­sen Dia­log.

Eröffnet wird der "Tag der offenen Ge­bets­häu­ser" um 13.00 Uhr im Kul­tur­zen­trum Ana­to­lisch­er Ale­vi­ten in der Wal­de­mar­str. 20, in Ber­lin-Kreuz­berg. Auf einem ge­mein­sa­men Weg werden die ver­schie­de­nen Gottes­häu­ser be­sucht und durch die je­wei­li­gen Glau­bens­ge­mein­schaf­ten vor­ge­stellt. Weitere Sta­ti­on­en sind die Sy­na­go­ge Fraenkel­ufer, die Moschee der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), die Emmaus-Kirche, der "Isla­mische Ver­band Wohl­tä­ti­ger Projekte" mit der neuen Moschee am Gör­litz­er Bahn­hof.

Den Abschluss bildet um 19.00 Uhr die Kirche St. Marien-Liebfrauen in der Wrangelstr. 50, in Berlin-Kreuzberg. Dort ist in einem Konzert der Gruppe "Mu­si­ka­lisch­er Re­li­gions­dia­log" bei freiem Eintritt Musik aus den ver­schie­de­nen re­li­giö­sen Tra­di­tio­nen zu hören. Zur Ver­an­stal­tung hat Bun­des­tags­vize­prä­si­dent Wolf­gang Thierse zugesagt.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Ein paar vergnügliche Tage im Piemont

Wieder zurück aus Italien. Ein paar schöne Tage in Stresa am Lago Maggiore und bei Fiat zwischen Mailand und Turin. Das Wetter war nicht ganz so berauschend wie im letzten Jahr, die Fahrt von Berlin nach Stresa ein Plädoyer gegen den Individualverkehr. Die Tage auf der Teststrecke verliefen ruhig. Am Montag Redakteure, am Dienstag Prominente: Der Erfinder von "Wetten daß...", der neue Trainer der Blauen, eine königliche Hoheit von Bayern, der Fernsehmoderator von "Laß uns tanzen", der Bruder des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters nebst Gattin und andere mehr. Zeit genug, um ein paar Runden mit einem der neuen Zuffenhausener zu drehen. Aber keine Gelegenheit eine Kirche aufzusuchen. Auf dem Rückweg Halt in Attl und Altötting. In der Stiftskapelle unfreiwillig an einer Schülerführung teilgenommen und geflohen. Dann noch schnell der Muttergottes ein wichtiges Anliegen vorgetragen und weiter nach Berlin.

Mittwoch, 30. September 2009

Neu in der Blogozese - Schutzpatronin Caecilia

Bevor ich mich für zehn Tage nach Italien ab­setze, um dort auf der Alfa Romeo Test­strecke ein paar Runden zu drehen, möchte ich "Caecilia - Notizen zur kath­olischen Kirchenmusik" vorstellen. Caecilia wird als die Patronin der Kirchen­musik verehrt. Das Blog wird von einem Kirchenmusiker geführt. Neben Vox Coelestis ist das dann der zweite in der Blogozese.

Montag, 28. September 2009

Elsa schreibt an die Amadeu Antonio Stiftung

Die Amadeu Antonio Stiftung hat den Aufruf zur Demonstration gegen den Berliner Schweigemarsch "1000 Kreuze für das Leben" unterstützt. Der Schweigmarsch hat auf die täglich hundertfache Tötung von ungeborenen Kindern aufmerksam gemacht. Die Gegendemonstration hatte es sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele der mitgeführten Kreuze zu entwenden und in die Spree zu werfen. Dabei wurden die Schweigenden und Betenden beschimpft und beleidigt (siehe auch die vorangegangenen Beiträge: hier und hier).

Elsa hat an die Stiftung einen Brief geschrieben, den sie auch auf ihrem Nacht(b)revier veröffentlicht. Im folgenden gebe ich dessen Wortlaut wieder Ich unterstützte diesen Brief und hoffe, daß sich viele anschließen. Die 55 Cent sind gut investiert:


An die
Amadeu Antonio Stiftung
Linienstraße 139
10115 Berlin
info@amadeu-antonio-stiftung.de


Sehr geehrte Damen und Herren,

auf Ihrer stiftungseigenen Internetseite "Mut gegen rechte Gewalt" werden regelmäßig Initiativen und Projekte vorgestellt, um die "langfristige Stärkung einer demokratischen Kultur" zu unterstützen.
Anlässlich der Kundgebung christlicher Lebensschützer, dem Schweigemarsch "1000 Kreuze für das Leben", fand sich auf der Seite Mut gegen rechte Gewalt die Ankündigung zu einer Gegenaktion mit dem Titel "1000 Kreuze in die Spree" verschiedener Aktions-Bündnisse. Als Rechtfertigung für den Aufruf, eine friedliche Kundgebung von betenden Christen massiv zu stören, wurde angegeben, die Teilnehmer des Trauermarsches seien "antifeministisch" und hätten als "fundamentale Christen" ein "völkisches Familienverständnis".

Während des Schweigemarsches, zu dem verschiedene namhafte Politiker sowie die Vertreter der beiden großen Kirchen Grußworte ausrichten ließen, wurden Demonstranten angepöbelt, beschimpft, bespuckt, eine behinderte Sportlerin - die Paralympics-Siegerin Michaela Fuchs - beleidigt und eine Frau verhöhnt und niedergebrüllt, die über ihr Post-Abortion-Trauma sprach. Außerdem wurden Kreuze entwendet und entsprechend dem Motto der Gegendemonstration in die Spree geworfen.
Die Amadeu-Antonio-Stiftung bekennt sich zu ihrem Ziel, eine zivile Gesellschaft zu fördern, die anti-demokratischen Tendenzen entschieden entgegentritt. Dieses Ziel ist uneingeschränkt zu bejahen.

Darum hätten wir auch gerne gewusst
a) wie der Aufruf zur Gewalt gegen einen Schweigemarsch friedlicher, betender Christen mit dem Ziel der Stiftung, der Stärkung einer demokratischen Kultur, vereinbar ist?
b) Bedeutet Mut gegen rechte Gewalt für die gemeinnützige Amadeu-Antonio-Stiftung Mut zu linker Gewalt?
c) Wie kommt die Stiftung dazu, einen gewaltfreien Schweigemarsch betender Christen unter "rechte Gewalt" einzuordnen - rechte Gewalt, wie sie zu dem Mord an Amadeu Antonio führte?
d) Wie steht eine gemeinnützige Stiftung zu der Tatsache, dass unter ihrem Namen ein Aufruf zur Schändung des zentralen Symbols einer religiösen Gemeinschaft erfolgen darf?

Über eine Antwort würden wir uns freuen, behalten uns jedoch vor, sie zu veröffentlichen. Diese Anfrage geht auch an Freunde und Förderer der Stiftung, wie etwa Wolfgang Thierse.

Mit freundlichen Grüßen nach Berlin

Sonntag, 27. September 2009

Samstag, 26. September 2009

1000 Kreuze für das Leben - oder in die Spree

Eben komme ich vom Schweigemarsch zurück. Die Kundgebung zu Beginn war sehr bewegend. Eine junge Frau erzählte wie sie ihr Kind in der elften Woche abgetrieben hat. Wie man sie zu dieser Entscheidung gedrängt und wie man sie alleingelassen hat und wie schwer es für sie ist, mit dieser Entscheidung zu leben.

Die Gegendemonstranten standen mit im Publikum und skandierten "Heul doch", "Stell dich nicht so an" oder auch die mittlerweile gängigen Phrasen "Hätt´ Maria abgetrieben, wärd ihr uns erspart geblieben", "Religion ist heilbar" usw. Ich werde noch ein Video Online stellen.

Wieder zuhause, klingt das Erlebte in mir nach: Die Trauer um den Verlust ungeborenen Lebens auf der einen und die Verhöhnung der Trauernden, die Lust an der Provokation auf der anderen Seite. Es ist bedrückend, zu sehen, wie unmenschlich Menschen im Namen der Menschlichkeit auftreten können.

Mich macht das traurig.

Donnerstag, 24. September 2009

Mittwoch, 23. September 2009

Meldungen aus der Blogozese

Peter Winkel­johann schreibt "Angulo Juans Blog". Er stu­diert katho­lische Theo­logie. In seinen Bei­trägen ver­ar­bei­tet er seine Er­­fah­­run­gen mit dem Ja­­kobs­­weg.
Aus Rom schreibt Bruder Lukas "Gotteslob". Das Blog gefällt mir aus­ge­sprochen gut, sowohl der Form als auch dem In­halt nach.

Austritte aus der Kirche erschrecken Bischöfe

Seit ein paar Tagen rauscht es im Blätterwald. Die Bischöfe sind alarmiert. Immer mehr Menschen erklären, keine Kirchensteuer mehr zahlen zu wollen. Nach der Auffassung der Bischöfe schließt das vom Empfang der Sakramente aus und heißt im Amtsdeutsch der Kirche: Kirchenaustritt. Was aber macht man mit denen, die sich bereits selbst aus freien Stücken vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen haben?

Wenn neun von zehn Katholiken sonntags nicht mehr in die Messe gehen, dann ist die Frage berechtigt, was diese Menschen in der Kirche hält. Man muß sich wundern, warum manche der Kirche weiter ihre Steuer entrichten, obwohl sie sich schon lange innerlich abgewandt haben. Liegt es an dem bürokratischen Aufwand, ein Formular auszufüllen und bei einer staatlichen Stelle einzureichen? Ist es das gute Gefühl um Weihnachten, dem armen Kind auf dem Misereor-Plakat geholfen zu haben?

Müßten nicht eigentlich viel mehr Menschen, wenn sie sich ehrlich machen, aus der Kirche austreten? Mich wundert, daß überhaupt noch Kirchensteuer gezahlt wird, die deutschen Bischöfe wundern mich nicht.

"Politisch Unpolitisches" zu diesem Thema: Austrittswelle.

Dienstag, 22. September 2009

Die Blogozese hört nicht auf zu wachsen

Conservare ist "ein einfaches katholisches Weblog für die Evangelisation, für das Leben und die Kirche" und jetzt in meiner Leseliste. Herzlich Willkommen in der Blogozese!

Spekulationen zum Ende des großen Schismas

Der russisch-or­tho­doxe Erz­bisch­of Hilari­on Alfeyev be­such­te Papst Benedikt XVI. am 18. Sep­tem­ber. An­ge­sichts des Treffens spe­ku­liert die römische Nach­rich­ten­agen­tur Zenit auf schnelle Schritte zur Über­win­dung des "großen Schismas": "Das Ende der Spal­tung kann schneller und un­er­war­te­ter kommen, als viele glauben", schreibt Zenit.

Sister Act - eine himmlische Karriere

Gestern Abend schaltete ich im Fernsehen über Sister Act, die Geschichte einer schwarzen Sängerin, die als Zeugin eines Mordes zum Schutz in einem Kloster untergebracht wird. Dort belebt sie - gegen den Widerstand der strengen Mutter Oberin - den angestaubten Nonnenchor mit unterhaltsamen Gospel Einlagen. Der Chor des Klosters hat Erfolg. Er darf auch vor dem Heiligen Vater auftreten, der gerade zu Besuch in San Francisco ist: Der Chor vor dem Altar, der Heilige Vater auf der Empore und junge Leute, die sich fröhlich in den Bänken wiegen.

Es gab eine Zeit - zwischen meiner Kommunion und meiner Firmung -, da habe auch ich mit dem Gedanken geliebäugelt, der Gottesdienst könne von etwas mehr guter Unterhaltung profitieren. Es würden mehr kommen und sie wären lieber da, vor allem die Jüngeren, so wie ich. Nur, damals kam ich nicht zur Messe, um Gott in einem Ereignis kosmischen Ausmaßes zu begegnen. Das auch nur zu denken, wäre mir befremdlich gewesen. Daß die Feier der Messe eine innere Haltung erfordert, die nachgerade nicht auf Unterhaltung angelegt ist, habe ich erst Jahre später erkennen dürfen.

Montag, 21. September 2009

Gläubige ob der fehlenden Nachfolge enttäuscht

Pastoralreferent Matthias Fuchs verläßt seine Seel­sor­ge­ein­heit. in der Erzdiözese Freiburg. Einen Nach­folger gibt es nicht. Die Heil­bronner Stimme berichtet: Nach einer stimmungs­vollen Abschieds­feier, "die er in Form einer Predigt bei der abendlichen Eucharistie­feier maßgeblich mit­gestaltet hat", erklärt Fuchs, daß viele Gemeinde­mit­glie­der ob der fehlenden Nach­folge ent­täuscht und auch wütend seien. "Obwohl es eigent­lich der Part des Pfarrers ist, die Predigt beim Gottes­dienst zu halten, hat Fuchs diese Aufgabe bei seinem Abschied selbst über­nommen." Der "Geistliche" nutzte die Stunde, "um Visionen zu entwerfen, wie eine moderne Kirche aussehen könnte". Am Ende des Gottes­dienstes verabschiedete Dekan Knobelspieß den Pastoral­referen­ten.

Sonntag, 20. September 2009

Lohmann sagt: Mitmachen und einmischen!

Der katholische Publizist Martin Lohmann wirft der CDU vor, daß sie ihr christliches Fundament vernachlässigt. Mit der Internetzeitung "Die Freie Welt" spricht er über das Programm der Union und über Angela Merkel, aber auch über die Möglichkeiten, das politische Engagement von Katholiken in der CDU zu stärken:

FreieWelt.net: "Was müsste geschehen, um die CDU für Katholiken und andere Christen wieder attraktiver zu machen?"

Martin Lohmann: "Vielleicht durch ein solches Signal. Vielleicht dadurch, dass sich katholische Christen klarer und hörbarer zu Wort melden. Vielleicht dadurch, dass Katholiken die Union unterwandern. Man sollte nicht mit Austritt drohen, sondern scharenweise eintreten in eine Partei, die das C im Namen hat und bei der man durch die Mitglieder und die handelnden Personen hören und sehen kann, dass Christen sehr viel anzubieten haben für eine zukunftssichere Politik mit Humanität und Qualität. Jammern alleine reicht nun wirklich nicht. Mitmachen! Mitmachen! Mitmachen! Einmischen! Einmischen! Einmischen! Wenn C-Profile in der Union verschwunden sind, dann braucht die Union vor allem kluge, tolerante und einsatzbereite C-Köpfe."

Das ganze Gespräch gibt es auf "Die Freie Welt".

Samstag, 19. September 2009

Sensation: In Limburg spukt es schon länger

Das Bistum Limburg feiert am 20. September das Kreuzfest unter dem Leitwort: "Christi Kreuz - der Christen Kraft". Der Bischof, Franz-Peter Tebartz-van Elst, lädt dazu alle Katholiken herzlich ein. In der Pressemitteilung heißt es zu seinem Einladungsschreiben: "Er erinnert an die Geschichte des Kreuzesfestes: Bischof Dr. Wilhelm Kempf hat das Bistumsfest 1959 initiiert. Im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils, wollte er die Vielfalt des kirchlichen Lebens im Bistum erfahrbar machen und stellte die Verehrung der Kreuzesreliquie ins Zentrum des Bistumsfestes."

Das Zweite Vatikanische Konzil fand vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 statt. Wie kann also der Geist des Konzils drei Jahre vor dessen Beginn durch das Bistum gegangen sein? Wie kann der Schloßherr bleichgewandet mit den Ketten rasseln, wenn er doch noch quietschfidel an seiner Tafel sitzt? Wer schreibt in Limburg diese Geistergeschichten? Und liest der Bischof eigentlich auch mal die Pressemitteilungen seines eigenen Hauses?

Freitag, 18. September 2009

Drei Neue in meiner Leseliste

Seit jüngstem bloggt auch Christian in der Blogozese. Ich wünsche ihm viel "Geist und Feuer" dazu! Es wird sicher interessant. Unsere Gespräche schätze ich sehr.
Mit Interesse verfolge ich auch Alexanders "ultra montes - Jenseits der Berge". Alex­ander ist Student der Theo­logie und Priester­amts­kan­di­dat.
Da ich wohl kaum Ge­le­gen­heit be­kommen werde, den All­tag eines Frauen­klosters per­sön­lich kennen­zu­lernen, freue ich mich über die Ein­blicke, die das Blog "OP-Jugend" gewährt.

Und eben bekomme ich über Elsa noch einen vierten in die Liste. Marcus mit dem C. findet man jetzt auch unter "Sankt Irenäus, bitte für uns".

Donnerstag, 17. September 2009

Zentralkomitee statt Katholischem Arbeitskreis

Aus einem Gespräch der Katholischen Nachrichtenagentur mit dem Politikwissenschaftler Antonius Liedhegener. Das ganze Gespräch gibt es beim Kölner Domradio.

KNA: Der­zeit gibt es Über­le­gun­gen zur Grün­dung eines Katho­lisch­en Ar­beits­krei­ses der CDU nach dem Pendant auf evan­ge­li­scher Seite.
Liedhegener: Das wäre ein Rückzug in ein katholisches Ghetto und würde dem Gestaltungsanspruch in einer zugegeben pluralen Gesellschaft nicht gerecht. Der Gedanke mag zwar zunächst naheliegen. Aber er passt nicht zum Selbstverständnis der Union. Die Wirkung des politischen Katholizismus in der jüngeren Geschichte beruht darauf, dass es ein dichtes, vielfältiges Netzwerk von Kontakten gab, mit Gremien wie dem ZdK, der Deutschen Bischofskonferenz, dem Katholischen Büro in Berlin. Darauf kommt es an. Diese Kontakte müsste die Union stärken.

KNA: Ist die Debatte auch eine Folge der Papstkritik Merkels?
Liedhegener: Angela Merkel als protestantische Kanzlerin - das ist ein echtes Thema der Unionsparteien. Die erfolgreichen Bundeskanzler Konrad Adenauer, Kurt Georg Kiesinger, Helmut Kohl waren Katholiken und waren fest verankert vor allem im rheinischen Katholizismus. Ludwig Ehrhard war Protestant, er blieb eine Episode in den 1960er Jahren. So bleibt jetzt eine Fremdheit. Aber Merkel hat in der Williamson-Affäre letztlich nur auf eine kirchliche Entwicklung reagiert: Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist die katholische Kirche immer auch Teil der Zivilgesellschaft. Damit misst sich ihr eigenes Handeln auch an jenen Maßstäben, die eine demokratische Gesellschaft ausmachen. Das heißt: am Bekenntnis zu den Menschenrechten und zur Menschenwürde, an der Ablehnung von Rassismus und Holocaustleugnung. Und darauf hat Merkel angemessen reagiert.

Leidenschaftlich glauben und leben - kfd verbindet

In dieser Woche veranstaltet der Katholische Frauenverband eine Aktionswoche unter dem Motto "leidenschaftlich glauben und leben - kfd verbindet". Das Programm verteilt sich auf das ganze Bundesgebiet. Am 20. September wird "an allen Aktionsorten eine Andacht mit gleichlautenden Texten und Liedern gefeiert werden. Die Texte dazu findet man hier, die Lieder hier. Verantwortlich zeichnet Isolde Niehüser aus der Bundesgeschäftsstelle des Verbandes.

Durch den regelmäßigen Besuch der heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus am Institut St. Philipp Neri bin ich mit den Gepflogenheiten und Verbindlichkeiten in deutschen Pfarrgemeinden nicht hinreichend vertraut. Ich lasse mir deshalb gerne helfen, wenn es gilt, die Form und den Inhalt dieser kfd-Andacht in das liturgische Handeln der Kirche einzuordnen.

Die Andacht beginnt mit einer "liturgischen Eröffnung" durch die "Gottesdienstleiterin". Sie spricht: "Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, der uns erschaffen hat und erhält, im Namen Jesu Christi, der sich uns zuwendet und mit uns geht und im Namen der Geisteskraft, die unsere Leidenschaft weckt und uns eint." Was bitte soll denn Geisteskraft heißen?

Noch vor Beginn der Aktionswoche zieht die Autorin des Eröffnungstextes ihr Resümee: "Die Frauen waren offen für neue Erfahrungen, interessiert an den Menschen, die etwas zu sagen haben und sicherlich lustvoll bei ihrer Entdeckungsreise an ungewöhnlichen Orten. In dieser Woche war spürbar: Die KFD ist eine starke Gemeinschaft, die etwas wagt." Verfügt die Autorin über prophetische Gaben oder ist sie am Ergebnis gar nicht interessiert?

Nach der Begrüßung werden die Aktivitäten der Aktionswoche noch einmal vorgestellt. Ich spare mir die Vorstellung. Dann erfolgt ein "Austausch mit den Nachbarinnen", gefolgt von dem Lied "Lasst uns miteinander gehn", mit den bewegenden Zeilen: "Wenn wir liebend unsre Welt gestalten, wenn Begegnung geschieht, werden wir vereint die Wunden heilen, teilen Last und Brot, teilen Last und Brot." Ist das Absicht mit dem "Brot"?

Zu meinem Erstaunen gibt es auch ein Tagesgebet, das mit den Worten endet: "Darum bitten wir dich mit der Kraft die vom Geist Gottes ausgeht und die in der Einheit mit Jesus Christus in uns lebt." Wir bitten mit der Kraft vom Geist Gottes? Ist das jetzt die heilige Zweifaltigkeit? Wo ist denn der Heilige Geist geblieben und was ist die Kraft, die vom Geist Gottes ausgeht? Gibt es hier irgendein Problem mit dem Heiligen Geist, von dem ich noch nichts weiß?

In der Lesung geht es dann um Frauen, die durch Christus geheilt wurden: Maria Magdalena, Johanna und Susanna. In den "Gedanken zur Predigt" wird darauf noch einmal Bezug genommen. Sie alle seien Jesus persönlich begegnet und wären von Krankheiten oder von Dämonen geheilt worden, bei denen es sich um "wohl damals unbekannte, vermutlich epileptische Krankheiten" gehandelt habe. Ist da wieder mal eine Begegnung fällig?

Und weiter: "Auch Frauen waren mit Jesus unterwegs, genauso wie die zwölf, die mit den Aposteln gleichgesetzt werden". Es gäbe einige Bibelstellen, die nahelegen, daß auch Frauen mit Jesus umhergezogen seien, mit nicht minderer Begeisterung und Leidenschaft. - Es gäbe einige Bibelstellen, die das nahelegen? Wie bitte? War und ist die Kirche nicht voll von Frauen, die Christus nachfolgen oder gibt es ein Problem mit der Untescheidung von Jüngern und Aposteln?

Nach den "Gedanken zur Predigt" nehmen sich die Besucher des "Gottesdienstes" bei den Händen und schaffen "ein Band der Verbundenheit über die Bänke und Stühle hinweg". Es folgt ein Moment der Stille und dann - die Fürbitten. Nichts dazu.

Nach dem "Vater unser", zu dessen Doxologie die Teilnehmer aufgefordert werden, die Arme für einen Moment ganz nach oben und langsam wieder herunter zu nehmen, folgt der Friedensgruß. Auch hier gibt es einen Hinweis der Leiterin: "Gottes Friede ist uns zugesagt. Wünschen wir einander den Frieden. Verlassen sie ihren Platz, gehen sie durch den Raum, gehen sie aufeinander zu." Hat sich der Handschlag zum Friedenskuß schon vollkommen verselbständigt?

Wer bis hier durchgehalten hat, hört dann noch den "Segen" und die "Sendung" der "Gottesdienstleiterin": "Lebendiger Gott, wir danken dir für Begegnungen, die uns fordern, für Erfahrungen, die uns bereichern, für dein Wort, das uns gegeben ist. Wir öffnen uns für die Geisteskraft" - schon wieder diese ominöse Geisteskraft - "die uns lebendig macht."

Bin ich hier einem Spaß aufgesessen? Ist das ein skurriler Einzelfall oder ist es vielleicht gar üblich? Gibt es Menschen, die einer solchen Veranstaltung ernsthaft beiwohnen? Lebe ich auf einer liturgischen Insel? Gibt es jemanden, der als Seelsorger für den Verband der katholischen Frauen bestellt ist? Fragen über Fragen. Die "Abschlussandacht" findet in zwei Tagen statt.

Mittwoch, 16. September 2009

Zur Bundestagswahl: Ein Kröte mit viel Zuckerguß

Wenn es die CDU bei der kommenden Bundestagswahl schafft, das Ergebnis der letzten Bundestagswahl zu halten, dann wird Frau Merkel weiter regieren, gleich ob in einer großen oder einer bürgerlichen Koalition. Wenn man will, daß Frau Merkel weiter regiert, dann wird es sicher reichen, nur die Union zu wählen - obwohl auch eine Stimme bei der SPD nicht schaden muß. Wenn man weder Frau Merkel noch die Linke regieren sehen möchte, muß man leider andere Wege beschreiten.

Jesus von Nazareth: Solidarisch bis zum Tod

Über die Solidarität im Leben und der Botschaft Christi lese ich im Kompendium der Soziallehre der Kirche folgendes: "Der absolute Gipfel des hier entworfenen Panoramas ist das Leben Jesu von Nazareth, des neuen Menschen, der bis zum "Tod am Kreuz" (Phil 2,8) mit der Menschheit solidarisch war. ... Jesus von Nazareth lässt das Band zwischen Solidarität und Liebe vor den Augen aller Menschen sichtbar werden und in seiner ganzen Bedeutung erstrahlen."

Ich frage mich, ob man die Solidarität, einen Begriff des säkularen 19. Jahrhunderts, wirklich über den Kreuzestod mit der Liebe verknoten muß. Wird die Kirche nicht mehr verstanden, wenn sie von Nächstenliebe spricht? Wenn ich bedenke wie kürzlich selbst ein Erzbischof das Geschehen am Kreuz auf eben diese Solidarität verkürzte, scheint mir das Ganze eher der Verwirrung als der Klärung zu dienen.

Gott achtet die Freiheit seiner Geschöpfe

Gott ist Herr über seinen Ratschluß. Aber um ihn auszuführen, bedient er sich auch der Mitwirkung der Geschöpfe. Er gibt seinen Geschöpfen nicht nur das Dasein, sondern auch die Würde, selbst zu handeln, Ursache und Ursprung voneinander zu sein und so an der Ausführung seines Ratschlusses mitzuarbeiten. In seiner unendlichen Weisheit und Güte wollte Gott eine Welt erschaffen, die „auf dem Weg“ zu ihrer letzten Vollkommenheit ist. Dieses Werden bringt nach Gottes Plan mit dem Erscheinen gewisser Daseinsformen auch das Verschwinden anderer mit sich, mit dem Vollkommenen auch weniger Vollkommenes, mit dem physischen Guten auch das physische Übel. Den Menschen gewährt Gott die Möglichkeit, vernünftige, freie Ursachen zu sein, um das Schöpfungswerk zu vervollständigen und seine Harmonie zu ihrem und der Mitmenschen Wohl zu vervollkommnen. Gott ist auf keine Weise, weder direkt noch indirekt, die Ursache des moralischen Übels. Er läßt es jedoch zu, da er die Freiheit seines Geschöpfes achtet, und er weiß auf geheimnisvolle Weise Gutes daraus zu ziehen. Wenn auch das Böse dadurch nicht Gut wird.

Katechismus der katholischen Kirche

Samstag, 12. September 2009

Montag, 7. September 2009

Gott ist die erste Ursache und das letzte Ziel

Mit seiner Offenheit für die Wahrheit und Schönheit, mit seinem Sinn für das sittlich Gute, mit seiner Freiheit und der Stimme seines Gewissens, mit seinem Verlangen nach Unendlichkeit und Glück fragt der Mensch nach dem Dasein Gottes. Die Welt und der Mensch bezeugen, daß sie weder ihre erste Ursache noch ihr letztes Ziel in sich selbst haben, sondern daß sie am ursprungslosen und endlosen Sein schlechthin teilhaben. Auf diesen verschiedenen „Wegen“ kann also der Mensch zur Erkenntnis gelangen, daß eine Wirklichkeit existiert, welche die Erstursache und das Endziel von allem ist, und diese Wirklichkeit „wird von allen Gott genannt“ (hl. Thomas von Aquin, Summe der Theologie 1, 2, 3).

Katechismus der katholischen Kirche

Sonntag, 6. September 2009

Die Anhänger der "gelebten Ökumene" sind sauer

Vor einigen Wochen meldeten "Der Westen" und "Die Ruhrnachrichten", daß der ökumenische Weihnachtsmarkt in der Pfarrgemeinde Ergste bedroht sei, weil Pfarrer Peter Iwan es abgelehnt habe, die heilige Messe am Vormittag des ersten Advents für einen ökumenischen Gottesdienst ausfallen zu lassen. Er berufe sich dabei auf eine Verordnung der Kirche, die vorschreibt, ökumenische Gottesdienste nicht zu Zeiten zu veranstalten, zu denen üblicherweise Messen gefeiert werden.

Pfarrer Iwan habe den Samstag Abend oder den Sonntag Nachmittag vorgeschlagen. Die Organisatoren des Weihnachtsmarktes hätten jedoch beide Termine zurückgewiesen und festgestellt, ohne den ökumenischen Gottesdienst keinen Weihnachtsmarkt veranstalten zu wollen. Iwans Vorgänger Hans-Peter Riepe habe diese Verordnung nie erwähnt.

Zehn Jahren habe man den Weihnachtsmark veranstaltet und schon im letzten Jahr habe es irritierte Menschen in den Kirchenbänken gegeben. "Viele waren ins katholische Gotteshaus gegangen, im guten Glauben, die Ökumene zu feiern [!sic], wurden dann aber eines besseren belehrt: Es wurde eine Messe." Damals habe man keinen öffentlichen Aufstand gemacht, weil man dachte, der neue Pfarrer habe es nicht besser gewußt.

Die Anhänger der "gelebten Ökumene" im Ort sind sauer. Bernd Vickermann, der Initiator des Weihnachtsmarktes ist persönlich traurig. Thomas Gössling, der Pfarrer der evanglischen Gemeinde in Ergste spricht von einem Rückschritt. Immerhin seien in den neunziger Jahren 10.000 Euro für die Missionsarbeit in der Dritten Welt zusammengekommen.

Wie "Der Westen" Tage später berichtet, wächst der Druck, den die "aktiven Frauen und Männer" auf ihren Pfarrer ausüben. Bei einem Vortrag im Gemeindehaus St. Monika habe man ihm gesagt, daß er ein "Störenfried" sei. Er verteidigte sein Festhalten am Zeitpunkt der heiligen Messe, denn für die Verschiebung müsse es einen guten Grund geben. Er könne nicht erkennen, daß ein Weihnachtsmarkt hier Vorrang haben könne. Deshalb habe er auch keine Ausnahmegenehmigung beim Generalvikar des Bistums Paderborn beantragt. Das hat dann der Ergster Erich Pröpper getan, der evangelisch und ehrenamtlich in der katholischen Gemeinde tätig ist.

Am 4. September genehmigte daraufhin Generalvikar Alfons Hardt die Veranstaltung eines ökumenischen Gottesdienstes für den ersten Sonntag im Advent um 11.30 Uhr - die Ruhr Nachrichten berichten - einen früheren Zeitpunkt werde man von Seiten des Bistums nicht stattgegeben. Der "Arbeitskreis Adventsmarkt" ließ daraufhin verlauten, er sei mit dieser Regelung zufrieden und beginne jetzt mit der Vorbereitung. Der ökumenische Weihnachtsmarkt werde in jedem Fall stattfinden.

"Der Westen" berichtet von den Folgen der Auseinandersetzung. Der Vorstand des Stadtpfarramtes wünsche sich, daß "nach dem Finden von Kompromissen ... die hinter solchen Konflikten deutlich gewordenen Grundprobleme diskutiert und gelöst werden". Seine Konsequenzen aus dem Streit habe Arndt Büssing bereits gezogen. Er sei bereits vor zwei Wochen, nach dem ersten Bericht über die Auseinandersetzungen in Ergste, von seinem Amt als Mitglied des Pfarrgemeinderates zurückgetreten. Büsing ist Mediziner, Komponist und Autor des Buches „Regen über den Kiefern. Zen-Meditation für chronisch Kranke und Tumorpatienten“

Samstag, 5. September 2009

Ad multos annos! Kardinal Cordes wird 75

Paul Josef Kardinal Cordes vollendet heute sein 75. Lebens­jahr. Er ist seit 1995 Prä­sident des Päpst­lichen Rates "Cor Unum" in Rom. Cordes wurde am 5. Septem­ber 1934 im Sauer­land geboren. Nach dem Abitur studier­te er erst Medizin, wechsel­te dann aber zu Theo­lo­gie. Die Priester­weihe empfing er am 21. Dezember 1961. Die Bischofs­weihe erhielt er am 1. Februar 1976 durch Erz­bisch­of Johannes Joachim Degen­hardt. Am 2. Dezember 1995 wurde er zum Erz­bischof ernannt. Papst Benedikt XVI. berief ihn am 17. Oktober 2007 in das Kar­dinals­kollegium.

Dienstag, 1. September 2009

Der Mensch ist offen für das Unendliche

"Die Offenheit für die Transzendenz gehört zur menschlichen Person: Der Mensch ist offen für das Unendliche und für alles Geschaffene. Vor allem ist er für das Unendliche, also für Gott, offen, weil er sich mit seiner Intelligenz und mit seinem Willen über das Geschaffene und über sich selbst erhebt, sich von den Geschöpfen unabhängig macht, allem Geschaffenen gegenüber frei ist und nach der absoluten Wahrheit und dem absoluten Guten strebt. Er ist auch für den anderen, für die anderen Menschen und die Welt, offen, weil er nur dann Ich sagen kann, wenn er sich selbst in Bezug auf ein Du begreift. Er tritt aus sich und aus dem egoistischen Selbsterhaltungstrieb heraus, um mit dem anderen in eine Beziehung des Dialogs und der Gemeinschaft einzutreten."

Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden
- Kompendium der Soziallehre der Kirche

Montag, 31. August 2009

... ein Modell versöhnter Verschiedenheit

Auszug aus einem Gespräch des Evangelischen Pressedienstes mit Landesbischöfin Margot Käßmann zum zehnjährigen Amtsjubiläum am 4. September:

"... für mich wäre es ein Modell versöhnter Verschiedenheit zu sagen, wir erkennen uns gegenseitig als Kirchen an. Wir erkennen unsere jeweiligen Ämter an und können deshalb das Abendmahl als Symbol der Einheit miteinander feiern." Sie wisse, dass dies für die Katholiken zurzeit kein gangbarer Weg sei, aber für sie wäre es einer, sagte Käßmann. Ökumene bedeute jedoch nicht Gleichmacherei: "Ich möchte nicht katholisch werden, und ich verlange von keinem katholischen Christen, dass er lutherisch wird."

Liebe Frau Landesbischöfin Käßmann,
je länger ich über Ihren Vorschlag nachdenke, desto einleuchtender scheint er mir. Ja, ein gemeinsames Abendmahl feiern, natürlich, als Symbol der Einheit. Warum nur bin ich nicht drauf gekommen? Danke! Nun aber ist der Groschen gefallen und gemeinsam wollen wir zur Tat schreiten. Frau Landesbischöfin, ich lade Sie ein, ganz herzlich, zu einem Abendmahl mit Wein und Brot und selbstverständlich sollen Wurst und Käse auch nicht fehlen. Ist ja schließlich nicht bei armen Leuten hier. Feiern wollen wir und essen - und ein Symbol der Einheit setzen.

Pax et bonum!
Tiberius

p.s. Den Katechismus haben Sie ja wohl zurückgeschickt.

Sonntag, 30. August 2009

Neu in meiner Leseliste aus der Blogozese

Shantyman schreibt "...auf dem Weg zur Kanzel" über sein Theologiestudium und das Taxifahren.


Florian schreibt "Alles, was mir so durch den Kopf geht": Schule, Kirche, Ministrantendienst.


Braut des Lammes schreibt über ihr Leben als geweihte Jungfrau im Erzbistum Berlin.



Paul Miller schreibt im Breviarum Pauli über den Weg zur Heiligkeit im Alltag als Ehemann und Familienvater.


Paul Nichols veröffentlicht Comics und Cartoons auf seinem Catholic Cartoon Blog.



Erzbischof Dr. Robert Zollitsch schreibt seit kurzem den
"Offiziellen Blog der Deutschen Bischofskonferenz". Herzlich willkommen!

Der Katholik schreibt auf seinem Zweitblog "Donum Vitae" über das Geschenk des Lebens und den Schutz des ungeborenen Lebens.

Martin schreibt auf
Ecclesia Catholica aus der Sicht eines Leipziger Katholiken.


Ilka D. Amann schreibt, wenn auch sehr sporadisch, seit 2007 das Blog "einmal katholisch bitte"


Ephippiatus schreibt seit Februar einen gleichnamigen Blog.



Sarah hat gerade begonnen auf ihrem Blog "Gewissensfragen" zu schreiben.



Die junge Familie Cassian schreibt auf "Glaube, Hoffnung, Liebe".



Benita schreibt über "Literatur und Leben", was mir sehr gut gefällt.



Amicas "Magnificat Anima Mea" lese ich schon lange. Keine Ahnung warum Sie nicht in meiner Blogroll war.


Maria Magdalena schreibt seit März über Faszination und Frust in der Kirche. Empfehlenswert.


Die Notizen eines Erzkonservativen werden von Ghislieri herausgeeben. Er schreibt über Kirche, Politik und Familie.

Theresia Benedicta berichtet über bewegende Erfahrungen mit der Kirche auf "Pange Lingua".


Auch Pro Catholica ist neu in der Liste. Seit April ist es jedoch still geworden.



Tom schreibt über seine Streifzüge durch die Welt der Klöster und Kirchen auf "Refektorium".


Spero firmiert seit Juni unter dem Titel "Rheinisch-Katholisch"



"Schlicht gesagt katholisch" ist auch neu dabei.




Benedikt schreibt den Blog "Speculum", der anscheinend auch von Raistlin und Nikodemus gelesen wird.


Sponsa Agni schreibt einen gleichnamigen Blog, der mir gut gefällt. Wie Braut des Lammes ist sie eine virgo consecrata.


Sehr gerne lese ich auch Vox Coelestis.




Zelatus schreibt von Zeit zu Zeit aus seinem Priesterseminar. Er kommt aus Berlin.


Deus semper Maior lebt "Zwischen den Kirchen". Das scheint einem klaren Blick durchaus zuträglich zu sein.

Fürbitten zur Totenmesse für Edward Kennedy

Eine Aufzeichnung dieser Sternstunde der Fürbitten findet sich auf Youtube.

Kiki Kennedy: "Teddy diente 47 Jahre und er rief uns alle auf, zu dienen. Und so sind diese Fürbitten, für die Arbeit seines Lebens, unser Gebet, für unser Land und die ganze Welt.

Kiley Kennedy: "Für das Engagement und die Ausdauer meines Großvaters, nicht für Werte, die abgenutzt sind, sondern für Werte, die sich niemals abnutzen. Daß die Armen vielleicht aus der politischen Mode, aber niemals ohne menschliche Bedürfnisse sind. Daß sich die Lebensumstände verändern, aber das Werk der Barmherzigkeit weitergeführt werden muß. Darum beten wir zum Herrn.

Grace Allen: "Für den Aufruf meines Großvaters, daß wir in unserer Nation den Wert eines Menschen nicht daran messen, was er nicht leisten kann, sondern daran, was er leisten kann, darum beten wir zum Herrn."

Max Allen: "Für das, was mein Vater den Grund seines Lebens nannte und was er so oft in allen Teilen des Landes sagte, daß jeder Amerikaner eine angemessene Krankenversorgung haben sollte, als fundamentales Recht und nicht als Privileg, darum beten wir zum Herrn."

Jack Kennedy Schlossberg: "Für eine neue Zeit der Hoffnung, wie sie mein Onkel Teddy vorhersah, in der wir unseren besten Idealen gerecht werden und das Buch der alten Politik schließen, von Rasse und Geschlecht, von Gruppe gegen Gruppe, von heterosexuell gegen homosexuell, beten wir zum Herrn."

Robin Lawford: "Für den Aufruf meines Onkels Teddy, das Versprechen zu halten, daß alle Männer und Frauen, die hier leben, seien sie auch fremd oder neu, aufrecht leben können, ohne Rücksicht auf ihre Hautfarbe oder ihren Geburtsort. Für Arbeiter ohne Arbeit, für Schüler ohne Schulgeld für das College und für Familien, die sich kein eigenes Haus leisten können. Für alle Amerikaner, die ein besseres Leben und ein besseres Land suchen, für all jene, die links liegen oder zurückgelassen werden, beten wir zum Herrn."

Kym Smith: "Für den Kampf meines Onkels gegen Gewalt, Haß und Krieg und seine Überzeugung, daß der Friede nur durch den Triumph der Gerechtigkeit bewahrt werden kann und daß wahrhaftigste Gerechtigkeit nur durch Werke des Friedens erreicht werden kann, beten wir zum Herrn."

Anthony Shriver: "Wie mein Onkel Teddy einst Tausenden und Millionen sagte, möge von uns gesagt werden, "auf dunklen Wegen und an hellen Tagen", in den Worten von Tennyson, die mein Bruder liebte und zitierte, die für uns nun eine besondere Bedeutung haben: Ich bin ein Teil von allen, die ich traf. Vieles wurde genommen, vieles blieb. Wir sind, was wir sind. Heldische Herzen, die im Gleichklang schlagen, ein starker Wille, zu streben und zu suchen und zu finden und sich nicht zu beugen. Darum beten wir zum Herrn."

Rory Kennedy: "Für die Freude meinen Onkel lachen zu hören, für das Licht seiner Gegenwart, seinen seltenen und erhabenen Beitrag zur Mitmenschlichkeit. Für sein Vertrauen, daß sein Vater und seine Mutter, seine Brüder und Schwestern, und alle die vor ihm gegangen sind, ihn im Himmel willkommen heißen werden. Und für all die kommenden Zeiten, wenn wir anderen an ihn denken werden, wie er uns liebevoll umarmte auf dem Boot, im Kreis seiner Familie, auf dem Weg zum Nantucket Sound."

Teddy III: "Für das mutige Versprechen meines Großvaters im letzen Sommer, daß die Arbeit erneut beginnt, die Hoffnung wieder wächst und der Traum weiterlebt, beten wir zum Herrn."

Luther als eine "positive Herausforderung"

Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst bezeichnet Bischof Franz-Josef Bode den Reformator Luther als "positive Herausforderung" für die beiden großen christlichen Kirchen. Es sei faszinierend, wie radikal Luther Gott in den Mittelpunkt gestellt und an die Wurzeln des Glaubens erinnert habe. Die Grundfrage Luthers, wie Gott sich dem Menschen zuwende, müsse auch heute immer wieder gestellt werden. Bode wird am 6. September in einer evangelischen Kirche über Luther predigen.

Wider Spiritualismus und Materialismus

"Mit seiner Spiritualität erhebt sich der Mensch über die Gesamtheit der Dinge und dringt in die tiefsten Strukturen der Wirklichkeit ein. Wenn er in sein Herz hineinsieht, das heißt, wenn er über sein eigenes Schicksal nachdenkt, dann entdeckt der Mensch, dass seine einzigartige Würde als Gesprächspartner Gottes, vor dem er seine Lebensentscheidungen trifft, ihn über die materielle Welt erhebt. In seinem inneren Leben bejaht er "die Geistigkeit und Unsterblichkeit seiner Seele" und weiß, dass er "sich selbst nicht nur als Teil der Natur oder als anonymes Element in der menschlichen Gesellschaft" betrachten darf.

Folglich hat der Mensch zwei unterschiedliche Merkmale: Er ist ein materielles Wesen, dass durch seinen Leib an diese Welt gebunden ist, und er ist ein spirituelles Wesen, dass offen ist für die Transzendenz und dafür, "eine tiefere Wahrheit" zu entdecken, durch die er "am Licht des göttlichen Geistes" teilhat. ... Weder der Spiritualismus, der die Wirklichkeit des Leibes verachtet, noch der Materialismus, der den Geist als bloße Manifestation der Materie betrachtet, werden der Vielschichtigkeit, der Gesamtheit und der Einheit des menschlichen Wesens gerecht."


Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden
- Kompendium der Soziallehre der Kirche

Samstag, 29. August 2009

Gedenken in getrennten Gottesdiensten

Die Berliner Zeitung "Der Tagesspiegel" berichtet über die Gottes­dienste, die dem Beginn des Zweiten Welt­krieges in beson­derer Weise gedenken wollen. Der Auf­hänger des Artikels und damit die eigent­liche Nach­richt ist jedoch nicht das Gedenken im Gottes­dienst, sondern die Abwesen­heit einer ökume­nischen Feier, die, so liest man, bei anderen An­lässen von über­regio­naler Bedeu­tung wie zum Beispiel der Leicht­athle­tik-Welt­meister­schaft oder dem Zusammen­tritt eines neuen Bundes­tages selbst­verständ­lich sei.

Wie es zu diesem Skandal kommen konnte, darf dann der Sprecher der Evange­lischen Kirche, Volker Jastrzembski, aufklären. Selbst­ver­ständlich hätte man gerne mit­einander gefeiert, nicht mitge­macht habe die katholische Kirche. Die erlaube es ihren Geist­lichen nicht, die Messe an einem Sonntag­vormittag für einen ökumenischen Gottes­dienst ausfallen zu lassen.

Die katholische Kirche ist also nicht nur restriktiv und selbstbezüglich, sie hat offenbar auch keinen Pressesprecher, der es erlaubt hätte, mit ihr statt über sie zu sprechen.

Mittwoch, 26. August 2009

Sonntagsausflug zu den Grabesrittern in Berlin

St. Mauritius. Die Gemeinde versammelt sich zur Heiligen Messe. Die Equestris S. Sepulcri Hierosolymitani der Hauptstadt, acht Herren und eine Dame, feiern mit. Die Herren tragen weiße Mäntel mit Ordenskreuz. Das Palestrina Ensemble singt die Missa Regina Coeli von Jacobus des Kerle und das Proprium St. Pius X.

Es ist die 40. Wiederkehr des Gründungstages der Komturei. Vor der Messe weist der Zelebrant die Gemeinde darauf hin, daß die Komturei St. Pius X. - auch wenn die nachfolgende Messe auf Latein sei - mit der gleichnamigen Priesterbruderschaft ganz selbstverständlich nichts zu tun habe. Das hier sei der neue Ritus, die Errungenschaft des Konzils, die gäbe es auch auf Latein, man könne unbesorgt sein.

Das Ensemble beginnt mit dem Introitus. Die Gemeinde steht auf. Es folgt das Kyrie. Mit dem Beginn des Gloria nimmt die Gemeinde Platz. Die erste Lesung. Graduale. Die zweite Lesung. Alleluia. Der Diakon tritt an den Ambo. Die Gemeinde steht auf. Das Evangelium wird in deutscher Sprache vorgetragen - mit etwas Wohlwollen könnte man sagen: gesungen. Am Ende kämpft der Diakon sich wacker durch den Text und die Noten. Es bleibt eine Prüfung für alle Beteiligten.

Die Predigt folgt. Sie beginnt mit einer kurzen Betrachtung der zweiten Lesung und gallopiert dann durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ritterordens vom Heiligen Grabe in Jerusalem nebst einer kurzen Vorstellung seiner einzelnen Gliederungen, weltweit und anderswo. Die rhetorische Ausgangsfrage nach der wesentlichen Leistung des Ordens in der Welt ist auch nach einer halben Stunde nicht beantwortet.

Mit dem Credo geht es weiter. Die Gemeinde bleibt sitzen, lauscht dem Ensemble und steht auch zum Offertorium nicht auf. Das lateinische Hochgebet fordert den Zelebranten nicht weniger heraus als das Evangelium den Diakon. Er stolpert ein paar Mal, aber er fällt nicht. Nach der Wandlung geben wir einander ein Zeichen des Friedens. Fast jeder hat jedem die Hand gegeben als der Priester aus dem Altarraum auf das Ensemble zusteuert. Er schreitet die Reihe ab und reicht jedem nochmal persönlich die Hand.

Die Communio wird mit dem Antiphon und einem deutschen Kirchenlied bestritten, nach dem verbreiteten Grundsatz: "Keine Messe ohne deutsches Kirchenlied." Vor mir stürmt ein Mitglied der Gemeinde an die Kommunionbank. An der Bank tritt er fest auf und stößt die zu einem Keil geformten Hände Richtung Kommunionhelfer. Der schaut verwundert auf die Haltung des Kommunikanten und spendet dann den Leib des Herrn.

Der Zelebrant stemmt das letzte lateinische Gebet und entschuldigt sich zu den Vermeldungen der Woche für die ungewohnte und lange Messe. Er bedanke sich für die Geduld der Gemeinde und - es sei ja nur einmal im Jahr - schön wäre es doch eigentlich auch gewesen, mit der Musik und so, auch wenn die Gemeinde keine Lieder gesungen habe. Die läßt es sich dann auch nicht nehmen, ihrem Gefallen mit einem Applaus Ausdruck zu verleihen.

Abends mit dem Rad durch Kreuzberg

Dienstag, 25. August 2009

In die Feier der Messe selbst eingebunden

Aus einer Gegenüberstellung im Pfarrbrief der Domgemeinde St. Hedwig, Erzbistum Berlin, Juni/Juli 2009. Wer die meisten Fehler findet, dem singe ich einen Introitus seiner Wahl:

"Außerordentlicher Messritus - Die Grundform der Messe ist stets die „Stille Messe“ eines Priesters, auf dessen Grüße der Ministrant oder die Gemeinde lateinisch antwortet. Die Gemeinde ist an der Feier der Messe kaum beteiligt. Oftmals ist sie mit anderen Frömmigkeitsformen beschäftigt: Frommes Zuschauen, Mitlesen der priesterlichen Texte aus einem Volksmessbuch, Singen von Kirchenliedern oder Beten des Rosenkranzes.

Ordentlicher Messritus - Die Grundform der Messe ist stets die „Messfeier der Gemeinde“ unter dem Vorsitz des Priesters und möglichst vieler Dienste des Diakons und der liturgischen Laiendienste. Die Gemeinde ist in die Feier der Messe selbst eingebunden. Ihr stehen die Antworten und besondere Anteile an den Messtexten zu, besonders der Gesang des Sanctus."

Mittwoch, 19. August 2009

Dienstag, 18. August 2009

Bürgerliche Skandale von Schuld und Vergebung

Es wäre schön, der Bürger könnte sich entscheiden, was ihm heute noch der größere Skandal ist, daß Menschen Sünder sind oder daß Sünden vergeben werden.

Montag, 17. August 2009

Dienstag, 4. August 2009

Gut, daß wir gesprochen haben!

Ortsvorstandssitzung. Ein Weinlokal in Mitte. Ich komme von der Arbeit. Vor dem Eckhaus sitzen Gäste in der Abendsonne. Der Vorstand tagt im Keller. Auf dem Weg zur Treppe laufe ich am Tresen vorbei. Den Mann hinter der Bar beachte ich nicht. Ich bin spät dran, habe eine Stunde Zeit und keine Lust, etwas zu bestellen.

Das Gewölbe ist dunkel. Der Vorstand sitzt um einem langen Tisch, der Vorsitzende in der Mitte, etwa fünfzehn andere um ihn herum. Nach einer kurzen Begrüßung setze ich mich etwas abseits an das kurze Ende des Tisches und überblicke die Anwesenden. Viele Gesichter sind mir bekannt, nur wenige vertraut.

Links neben mir sitzt der Leiter des Gesprächskreises Innere Sicherheit. Er ist Anfang dreißig. Die Haut ist blaß, das dunkle Haar nach links gekämmt, der Nacken ausrasiert. Das Gesicht umrahmt ein dünner Bart. Der Blick geht hart in die Runde. In seinen Fingern hält er einen dicken Stapel Papier.

Den Bericht des Vorsitzenden habe ich verpaßt. Der Wahlkampfleiter des Kreises ist zugegen. Es wird über Termine gesprochen: Was wird wo und wann, von wem, an welchem Tag gemacht. Eine Übersicht wird herumgereicht. Die Termine werden einzeln angesprochen.

Am gegenüberliegenden Ende des Tisches meldet sich ein älterer Herr zu Wort. "Lieber Dieter, Deine Veranstaltung soll doch im Café Y. stattfinden. Bitte versteh das jetzt nicht als Kritik, aber zu unserer letzten Veranstaltung war dort so wenig Platz, daß die Hälfte der Gäste draußen bleiben mußte."

Dieter Sch., ehemaliger Vorsitzender des Ortsverbandes, atmet heftig. Also man hätte ja, und das Café, und sowieso. Und wie käme er denn eigentlich. Man habe doch, nein, kein Problem, das ganze Café. Ja, er, für den Fall, gemietet, aber doch. Das sei noch immer, wie immer. Er habe Erfahrung. Der Wahlkampf, die Erfahrung, die Organisation, das Café, kein Problem, ja, kein Problem.

Die Sitznachbarn beschwichtigen Sch. Die Aufregung bleibt. Der Herr von der anderen Ecke des Tisches windet sich. Er habe es doch nicht so gemeint. Dieter sei mal wieder voll eingestiegen. Ausdrücklich hingewiesen habe er darauf, ja darum gebeten, das nicht als Kritik aufzufassen. Ein kurzer Wortwechsel. Der Wortschwall verebbt. Die Sitzung kann fortgesetzt werden.

Wir sind immer noch bei den Terminen. Die Termine sind bis November eingeteilt. Jede Woche bekommt einen Termin.

Der Leiter des Gesprächskreises Innere Sicherheit meldet sich. Er beugt sich weit über den Tisch. Er habe da mal eine Frage. Die Termine seien ja jetzt auf die Wochen verteilt. Was aber wäre denn nun, wenn der Gesprächskreis Innere Sicherheit, der ja immer besonders aktiv sei, noch eine Veranstaltung machen wollen würde. Müßte der dann bis Dezember warten. Da würde er sich aber ungerecht benachteiligt fühlen.

Der Ortsvorsitzende versucht ein freundliches Gesicht. Aktivitäten wolle man ganz sicher nicht bremsen. Je mehr, desto besser. Ob er denn schon einer Veranstaltung im Blick habe. Ja, läßt uns der Fragesteller wissen, da sei noch nichts geplant. Da er aber im November sein letztes Staatsexamen ablege, werde er auch sicher keine Zeit dafür haben. Erst im Dezember könne er dann die rege Arbeit seines Gesprächskreises wieder aufnehmen.

Ich verlasse das Lokal nach einer Stunde. Die Sitzung geht weiter. Draußen scheint die Sonne. Gut, daß wir gesprochen haben.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Kathedrale Metamorphosen in Berlin St. Hedwig

Am Sonntag schaue ich noch in St. Hedwig vorbei. Aus der Kathedrale strömen die Besucher der 12 Uhr Messe. Auf den Stufen liegt eine junge Bettlerin mit ihrem Säugling. Sie streckt die Hände aus. Ihr Kinderwagen steht ein paar Meter weiter. Im Inneren verklingen die letzten Takte des Orgelnachspiels. Ein schwacher Applaus brandet auf. Ich setze mich auf eine Bank. Minuten verstreichen. Ein Mann in Soutane - vielleicht der Küster des Doms - hängt rote Kordeln vor die Gänge. Er winkt mir zu: Ich möge bitte hinter die Absperrung treten. Der Postkartenständer ist auf dem Weg. Der Tisch für die Auslage steht schon. Ein junger Mann sitzt daran. Auf einem Schild lese ich:"Die Unterkirche nur zum stillen Gebet betreten." Offen wie eine Grube liegt sie vor mir. Ich steige hinab und setze mich vor das Allerheiligste. Fast bin ich allein. Ein Mann schreitet um mich die einzelnen Kapellen ab. Er kommt aus Asien. Nach ein paar Runden dreht er ab und läßt mich allein zurück.

Oben ist es jetzt ruhig. Unten bin ich allein. Ich stehe vor dem Altar des Herrn. Ihm zu Ehren hebe ich an, den Hymnus Pange lingua zu singen. Er hat sechs Strophen. Bei den Worten "in supremae nocte coenae" geraten die Dinge oben in Bewegung. Ein junges Paar späht von der Treppe nach mir. Zu "fitque sanguis Christi merum" sehe ich den Küster die Treppe heruntereilen. Ich singe "tantum ergo Sacramentum" und verstumme als er neben mir zum Stehen kommt. Ein kurzes Gespräch entsteht. Der Ton ist freundlich, zuvorkommend. Ich möge doch bitte Verständnis haben. Er würde mir eine der Kapellen aufschließen. Dort könne ich mein stilles Gebet verrichten. Er meine es auch nicht böse. Oben aber wären jetzt Touristen, die durch meinen Gesang nicht behelligt werden sollten. Der Dom wird besichtigt. Ich lehne sein Angebot ab, höflich, und gehe - nachdenklich.

Freitag, 17. Juli 2009

Thomas Morus utopische Religionsfreiheit

"Daher ließ Utopos diese ganze Frage unentschieden und ließ es jedem einzelnen frei, was er glauben wolle; nur eines verbot er feierlich und streng: so tief unter die Würde der Menschen zu sinken, daß man meine, auch die Seele gehe mit dem Leib zugrunde oder die Welt nehme ohne jede Vorsehung aufs Geratewohl ihren Lauf. Deshalb glauben die Utopier, für Verfehlungen seien nach diesem Leben Strafen, für Tugendhaftigkeit Belohnungen festgesetzt; einen der entgegengesetzter Meinung ist, rechnen sie nicht einmal unter die Menschen, weil er das erhabene Wesen der Seele zur Niedrigkeit eines tierischen Körpers herabwürdigt."

Thomas Morus - Utopia

Donnerstag, 16. Juli 2009

Erzbistum Berlin: Draußen vor der Kirchentür

Heute habe ich auf dem Weg durch die Große Hamburger Straße am Hedwigskrankenhaus halt gemacht. Es war halb neun Uhr abends. Das Krankenhaus wird von Alexianern betrieben und hat eine eigene, große Kapelle. Ich fragte beim Pförtner, ob es möglich wäre, die Kapelle aufzusuchen. Er bat mich, da er es selbst nicht wisse, selbst zu schauen, ob die Kapelle offen sei.

In Berlin ist es nicht üblich, daß Kirchen und Kapellen außerhalb der Gottesdienstzeiten geöffnet sind. Es gibt ein Projekt mit dem Namen "Offene Kirche" an dem sich die verschiedenen Gemeinden des Bistums in unterschiedlichem Maße beteiligen. Die einen schließen montags von 9 bis 12 die Tore auf, andere mittwochs von 13 bis 15 Uhr oder freitags von 15 bis 18 Uhr wieder andere auch gar nicht.

Die Öffnungszeiten sind ein Flickenteppich. Statt zuverlässig zehn Berliner Kirchen jeden Tag zu öffnen, bieten die Kirchen im Bistum nach Gusto ein paar Stunden unter der Wochen zum Gebet, meist in der Zeit, die auch das Pfarrbüro besetzt ist. Schon wer zwischen neun und fünf Uhr einer Arbeit nachgeht, kommt auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Weg nach Haus kaum in den Genuß, sein Gebet in einer Kirche verrichten zu können. Die Krankenhaus-Kapelle war um halb neun Uhr verschlossen.

Im ganzen Bistum fällt aus diesem Schema nur eine Kirche ganz heraus: St. Clemens am Anhalter Bahnhof. St. Clemens ist zu jeder Tag- und Nachtzeit offen. Was nur möglich ist, weil dort Laien Tag und Nacht vor Ort sind und den Altar des Herrn bewachen. In Berlin kann eine unverschlossene Kirche nicht unbewacht bleiben. Wie mir der Pförtner sagte, hat man zuletzt sogar die Kerzen aus der Krankenhauskapelle entwendet.

St. Clemens wird, wie im übrigen auch das Institut St. Philipp Neri, von einem privaten Förderverein aus Spenden unterhalten und erhält keine finanziellen Zuwendungen aus der Kirchensteuer.

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Bild: St. Clemens, Stresemannstr. 66, 10963 Berlin.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Dienstag, 30. Juni 2009

Das Singen der Kirche kommt aus der Liebe

"In der Bibel Israels haben wir bisher zwei Hauptmotivationen für das Singen vor Gott festgestellt: die Not und die Freude, die Drangsal und die Rettung. Die Gottesbeziehung war wohl zu stark von der Ehrfurcht vor der ewigen Macht des Schöpfers bestimmt, als daß man es gewagt hätte, die Lieder für den Herrn als Liebeslieder für ihn zu sehen, obwohl in dem Vertrauen, das alle Texte von innen her prägt, letztlich Liebe verborgen ist - aber sie bleibt scheu und eben verborgen. ... Das Singen der Kirche kommt letztlich aus der Liebe heraus: Sie ist es zuallertiefst, die das Singen schafft. ´Cantare amantis est´, sagt Augustinus: Singen ist die Sache der Liebe."

Benedikt XVI. - Der Geist der Liturgie

Montag, 29. Juni 2009

Das Herz schreit nicht, wenn es singt und betet

Einmal im Monat singe ich am Sonn­tag­mittag in einer latei­nischen Messe der neueren Form. Der Priester spricht die Ora­tionen, die Präfa­tion und den Canon in Latein am Hoch­altar, die Lesungen und das Evan­ge­lium werden deutsch am Ambo gelesen. Da ich sonn­tags bereits in St. Afra singe und durchaus weiß, wie ich die ver­blei­ben­den Stunden des Tages noch herum­brin­gen könnte, hatte der Gedanke, in einer zweiten Messe zu singen, nicht wirklich etwas Zwin­gen­des für mich. Dennoch habe ich der Bitte gern ent­sproch­en, in der Hoffnung, einem größeren Kreis von Gläubigen den Choral zugäng­lich zu machen und den kon­tem­pla­tiven Vollzug der Messe zu er­leich­tern.

Da der litur­gi­sche Ka­len­der 1970 um­ge­stellt wur­de, pro­fi­tier­te ich ge­wöhn­lich nicht von dem, was wir am Morgen in St. Afra schon ge­sun­gen hatten. Die eigenen Teile des Sonn­tags: In­troi­tus, Gra­du­ale, Alle­lu­ia, Of­fer­to­ri­um und Co­mmu­nio, übte ich also doppelt ein. Unsere Schola bestand aus drei, eher unerfahrenen Laien. Halbe Samstage und große Mühen kosteten die Proben. Mit einem Blick auf das Ideal der lateinischen Choralmesse nahmen wir Abstriche in Kauf, die unseren eigenen Fähigkeiten geschuldet schienen. Schnell stellte sich jedoch heraus, daß auch andere, vornehmlich "pastorale Gesichtspunkte" gegen das Ideal sprachen.

Anders als im Graduale Romanum vorgesehen, sollte schon die erste Messe nicht mit dem Introitus beginnen. Man möge doch, erklärte der Priester, gemeinsam ein schönes, deutsches Lied singen, damit die Gläubigen auch schön mitfeiern können und sich nicht von der Messe ausgeschlossen fühlen, vielleicht auch mal ein schönes, deutsches Lied zur Opferung. Er selber singe die deutschen Lieder auch so gern. - Der Choral hatte kaum Fuß gefaßt, da war er auch schon auf dem Rückzug. Zur dritten oder vierten Messe war das Proprium dann fällig. Ich bekam einen kurzen Hinweis, daß es nicht gewünscht sei. Ein Vertreter des Bistums, so munkelte man, hatte sich befremdet gezeigt: Messe auf Latein, ja, das sei ungewöhnlich, am Hochaltar, schwierig, mit Proprium, klar bedenklich.

Ein neuer, alter, pensionierter Organist des Bistums kam dazu, der - im Gegensatz zu seiner Vorgängerin - auch Orgel spielen kann. Zu meinem Leidwesen paart sich seine hörbare Vorliebe für laute Orgeln mit einem ebensolchen Unverständnis für das gesungene Ordinarium der Messe. Was kein Widerspruch ist. Denn ist die Lautstärke der Orgel schon nicht alles, wie wenig ist sie dem Choral. Aus vollem Herzen singen heißt in unseren Breiten - leider nur zu oft -, unbändige Luftströme durch die Kehle pressen, während unzählige Orgelregister darüber wachen, daß auch kein falscher Ton zu hören ist, obwohl doch das Herz, gerade wenn es vor Liebe überlaufen will, weder schreit noch brüllt.

Montag, 22. Juni 2009

Andacht beim Jagdgeschwader 73 "Steinhoff"



Am Samstag feierte das Jagdgeschwader 73 den fünfzigsten Jahrestag seiner Aufstellung. Ein Freund hatte mich eingeladen. Gefeiert wurde in Rostock/Laage. Wir trafen gegen Mittag ein. Die Feier begann mit einer Andacht. Der Pfarrer, nach einer herzlichen Einladung zum Mitsingen, sang sein erstes Lied - allein. "Kumbaya my Lord, kumbaya ...". Die Ansprache trug er wie ein Prediger vor. Vom Kommodore, der uns zum Geschwaderfest eingeladen habe, schlug er einen Bogen zu Gott, der den Menschen in sein Gnadenreich einlade. Das nächste Lied war dann auch "Amazing Grace". Im Übrigen: ein erneutes Solo des Pfarrers. Ich freute mich auf Sonntag.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Der Gott des Alten Testamentes

Heute, nach dem Blick in Otto Kaisers "Der Gott des Alten Testamentes", beschleichen mich ganz ökumenische Gefühle.

Der moderne Mensch, schreibt Kaiser treffend, wolle von der Theo­logie auf dem Feld der Re­li­gion und Sitt­lich­keit nicht über­redet, sondern - wer hätte es gedacht - mit Grün­den über­zeugt werden. Die moder­ne Sub­jek­ti­vi­tät stehe in der Spannung, aus sich selbst heraus sein zu wollen und es letzt­lich doch nicht zu können, weil sie weder über die ihr selbst vor­ge­ge­bene eigene Existenz noch über deren natür­liche Voraus­setz­ung ver­fügt. Die Aufgabe der Theo­logie sei es, zu er­wei­sen, "daß der Glaube an Gott als den Grund von Welt und Existenz die Sub­jek­ti­vi­tät nicht knechtet, sondern von ihren Wider­sprüchen be­freit und daher voll­endet".

Die christliche Kirche - zumal in ihrer protestantischen Ausformung - besäße nur eine geringe Anziehungskraft, weil sie in dem Ruf stünde, keinen lebendigen Zugang zur Transzendenz zu vermitteln. Es gelänge ihr immer weniger, die in ihrer Tradition kristallisierte Erfahrung des Umgangs mit Gott, so zu vertreten, daß die Menschen durch ihre Riten und Reden die Welt und ihr Leben als von Gott gegeben, gehalten und gefordert erfahren. Die zweite Aufklärung habe nicht nur im Protestantismus, sondern zunehmend auch im Katholizismus dazu geführt, "den von der ersten Aufklärung bewahrten Glauben an die Unsterblichkeit der Seele als eine vermeintlich mit dem modernen Verständnis des Menschen als einer psychophysischen Ganzheit unvereinbare Vorstellung preiszugeben".

Wenn dem Vollzug der christlichen Riten und Reden gleichzeitig die Fähigkeit fehle, die Gegenwart Gottes als des Heiligen zu repräsentieren, dann bleibe das Eintreten des Gottesreiches eine - für den Nichttheologen - kaum nachvollziehbare Spekulation. Zwischen die Auferstehung Jesu und die Auferstehung des Christen schiebe sich ein eschatologisches Irgendwann, während "Jesus in einer hochkomplizierten Trinität verschwindet oder gar als Bruder Jesus seine Gottheit abstreift und von ihm nichts als ein Vorbild sozialen Verhaltens übrig bleibt". In diesem Fall werde aus der christlichen Erlösungsreligion ein platter Moralismus, der seine religiösen Züge einem postpubertären Rigorismus verdankt.

Gerade letz­terer Ge­danke drängte sich mir öfter auf, in den Wochen der Ab­stimm­ung über die Stellung des Re­li­gions­unter­rich­tes an Ber­liner Schu­len. "Keine Werte ohne Gott", dröhnte es von den Pla­ka­ten. Als ob es um den Er­halt eines morali­schen Insti­tu­tes ginge, welches ein Mindest­maß an gesell­schaft­lich­er Kon­for­mi­tät zu ge­wäh­ren helfe.

Montag, 15. Juni 2009

Theologien des Alten Testaments

In der Hoffnung, das Alte Testament etwas besser ausleuchten zu können, bin ich über Erhard S. Gerstenbergers "Theologien im Alten Testament" gestolpert. Gerstenberger ist Professor Emeritus für evangelische Theologie an der Universität Marburg. Das Buch stammt aus dem Jahr 2001.

Gerstenberger stellt fest, daß die Einheit des Gottesglaubens nur in der Perspektive liegen könne, aus der wir die Texte des Alten Testaments betrachten. Da ihm eine solche Perspektive nicht verfügbar oder vertretbar erscheint, spricht er lieber, ganz befreit, von den Theologien des Alten Testamtents.

"Die Mannigfaltigkeit der Theologien", preist Gerstenberger, "öffnet uns den Blick für andere Völker, Zeiten und Gottesvorstellungen, sie enthebt uns dem Zwang, ängstlich im Auf und Ab der Geschichte und der Theologien nach der einen, geschichtslosen, unwandelbaren, absolut verpflichtenden Vorstellung und Richtlinie zu suchen."

Gerstenberger sieht sich vor allem durch die Veränderung des zeitgeschichtlichen Kontextes herausgefordert. In der Bibel sei die Erde Mittelpunkt des Universums. Heute habe sich das Universum unendlich ausgedehnt und besitze keinen Mittelpunkt mehr. In der Bibel sei die Natur auf den Menschen hingeordnet. Heute hingegen werde sie vom Menschen ausgebeutet.

"Die Welt ist wahrhaftig eine andere geworden als zur Zeit der Bibel (obwohl es damals schon Umweltzerstörung gab)." Darum sei sie neu zu interpretieren, sei der Mensch neu zu definieren, würden die alten Texte im Dialog mit uns heute andere Aussagen machen als noch vor fünfzig Jahren, erst Recht vor 3000 Jahren.

"Der Mensch, der sich auf einer vom wilden Urmeer getragenen Erdscholle unter einem glockenartigen, von Gottheiten besetzten oder regierten Firmament vorzufinden glaubt, muß doch anders über das Ganze denken als ein Mensch, der sich auf einem undenkbar winzigen Stäubchen Erde, verloren in einer Galaxie namens Milchstraße, irgendwo am Rande eines unfaßbar ausgedehnten Universums weiß."

Leider kann ich schon zu Gerstenbergers Opus nicht mehr sagen. Ich habe es dann mal freundlich beiseite gelegt.

Was willst Du hier, Elija?

"Was willst Du hier?", fragt Gott den Elija in der Höhle des Gottesberges. - Vierzig Tage und vierzig Nächte war Elija zum Horeb gepilgert. Er war müde. Ausgezehrt und kraftlos hatte er seine Reise durch die Wüste begonnen und auf dem Weg nur Wasser und Brot zu sich genommen. -

Sicher wäre es auch um andere Gott geweihte Orte öfter gut bestellt, wenn die Besucher dieser Orte, auf die gleiche Weise befragt, nicht weniger begehrten als es Elija tut oder aber in der Wüste pilgernd fasten müssten, bis sie erfahren, was dem Menschen Gottes Stärke ist.

Dienstag, 2. Juni 2009