Donnerstag, 16. Oktober 2008

Propst Kelter kommentiert "Mensch, Benedikt"

Gefunden bei Azuriana: In der aktuellen Ausgabe des In­for­mations­dienstes der Selb­­stän­digen Evan­­ge­lisch-Lu­ther­isch­en Kir­che (SELK) kommentiert Propst Gert Kelter das Lied "Mensch, Benedikt" des pro­tes­tan­tischen Pfar­rers und Lieder­machers Cle­mens Bitt­linger. Kelter schreibt:

"... Ebenso wenig, wie die Confessio Augustana sich Kritik an unbiblischen Neuerungen und Missbräuchen verkneift, muss man sich auch heute im ökumenischen Dialog die kritisch-theologische Auseinandersetzung mit römisch-katholischer Lehre und Praxis im Sinne eines fehlgehenden 'Friede-Freude-Eierkuchen-Ökumenismus' versagen. Wenn das Ganze dann theologisch seriös, mit einem Mindestmaß an Verstehensbereitschaft der 'anderen Seite', dem Verzicht auf persönliche Verunglimpfung oder das Verwenden vorurteilsbehafteter antirömischer Stammtisch-Theologie geschieht, vor allem aber auf der Basis eines durchdachten und historisch-theologisch rechenschaftsfähigen kirchlichen Selbstverständnisses, ist auch der kritische Dialog mit Rom schon auf einem konstruktiven und verheißungsvollen Weg.

Und dies – leider – hat der Ökumenereferent des evangelischen Dekanates Darmstadt Land mit halber Stelle in seinem Lied 'Mensch, Benedikt' offensichtlich gar nicht vorgehabt. Der Applaus für ein papstkritisches Lied ist einem heute natürlich auch bei einem Katholikentag völlig sicher. Ein billiger Applaus, der nichts erwartet, als ein paar abgedroschene Allgemeinplätze über Verhütungspraktiken und die böse, böse Versagung der Anerkennung aller Protestanten als gut katholisch. Gemischt mit respektlosplumper Vertraulichkeit dem Bischof von Rom gegenüber und einer Attacke gegen die lateinische Messe, die Clemens Bittlinger, wie er singend einräumt (und das glaube ich ihm theologisch, vielleicht sogar philologisch unbesehen), 'kaum versteht', aber demnächst ständig feiern müsse (das bezweifle ich), hat man schnell die ökumenische Hymne von Darmstadt-Land zusammengerührt, und mit diesem Skandälchen ordentlich Publicity für die neue CD sicher.

Wirklich traurig ist es, dass dadurch leider der Eindruck entsteht, auch dies sei ein Beitrag zum neuentdeckten protestantischen Profil der 'Kirche der Freiheit' und ökumenische Theologie bewege sich evangelischerseits mittlerweile ungetadelt auf diesem Niveau.

Da das Bittlinger-Lied kein bisschen witzig oder gar satirisch ist, kommt nicht einmal zum Tragen, was der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland sehr richtig über die nötige Balance zwischen Respekt und Humor gesagt hat. Schade, dass Bittlinger sich nicht an das hält, was er in einem Interview über das Papst-Lied an Erwartungen an die 'andere Seite' richtete, als er dem Papst absprach, in seinen theologischen Überzeugungen noch 'etwas mit Christus zu tun' zu haben: 'Wenn ich es nötig habe, den Gesprächspartner erst einmal herabzusetzen und als 'nicht vollwertig' zu deklassieren, ist im Grunde kein echter Dialog mehr möglich.'

Ein gutes Signal wäre es, wenn vom Ratsvorsitzenden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland zu diesem Eklat ein distanzierender Kommentar erschiene und man einem Ökumenereferenten, der seine Aufgabe in dieser Weise meint erfüllen zu können, auch dienstrechtlich 'ans Bein pinkelt', wie Bittlinger sich im Blick auf den Papst auszudrücken beliebte. Der wird es sicher nicht tun, sondern möglicherweise im Sinne von Matthäus 5,44 für Bruder Clemens beten. Wahrscheinlich auf Latein. Und das hilft bestimmt auch."

Propst Gert Kelter ist Pfarrer der Heilig-Geist-Gemeinde in Görlitz, Mitglied der Theologischen Kommission und Ökumenereferent der SELK.

Kommentare:

Alipius hat gesagt…

Gut gebrüllt, Propst!

Tiberius hat gesagt…

Was mich abseits des Kommentars, der auf den Punkt ist, beeindruckt hat, ist das Erscheinungsbild des Herrn Propst. Da könnte sich der eine oder andere Priester durchaus eine Scheibe abschneiden.

Elsa Laska hat gesagt…

Es hätte mich auch gewundert, wenn man einen solchen durchaus geistreichen Kommentar (und streckenweise auch amüsant-spitzen) in Strickjacke und Bioschlappen zustandegebracht hätte ...
(Wie immer ist es gut, dass ihr mich nicht seht, während ich mich über anderer Leute Kleidung mokiere*gg*)

Lupambulus Berolinen. hat gesagt…

Die Klamotten von dem sind Amtsanmaßung. Das ist ein Laie wie du und ich.

Tiberius hat gesagt…

Anmaßend wäre es, zu behaupten, der vorangegangene Kommentar sei anspruchsvoller als Bittlingers "Mensch, Benedikt".

Lailath hat gesagt…

Dreht euch, wie ihr wollt. Der Probst hat recht. Ein Friede ist nicht, wenn man den "Gegner" diffamiert, um billigen Beifall zu bekommen. Friede ist nicht, wenn man in fehlverstandener Demokratie das Gegenüber madig macht...aber was ist Herzstand: wenn man sich traut, auch eine Meinung zu vertreten, die diese fehlverstandene Demokratie, die eigentlich Anarchie ist, als solche zu kennzeichnen.