Samstag, 27. September 2008

Freien Zulaß zu allem, kein Hindernis in den Weg

“Der Unsinn der Emanzipa­tions­be­stre­bungen liegt in der Be­wegung, in der Agi­tation. Durch die­se vor allem ver­leitet, fangen, wenn von Motiven der Eitel­keit, des Männer­fanges abgesehen wird, bei der großen imitato­rischen Veran­lagung der Frau­en auch solche zu stu­dieren, zu schrei­ben u.s.w. an, die nie ein origi­näres Ver­lan­gen danach ge­habt haben; denn da es eine große An­zahl von Frauen wirklich zu ge­ben scheint, die aus einem ge­wissen inneren Be­dürf­nis heraus die Eman­zipa­tion suchen, wird von die­sen auf jene das Bildungs­stre­ben in­duziert und so das Frauen­studium zur Mode, und eine lächer­liche Agita­tion der Frau­en unter sich läßt schließ­lich alle an die Echt­heit dessen glau­ben, was der guten Haus­frau so oft nur Mittel zu De­mon­stra­tions­zwecken gegen den Mann, der Tochter so oft nur osten­tative Kund­gebung gegen die mütter­liche Gewalt ist. Das prak­tische Ver­halten in der gan­zen Frage hätte demnach, ohne daß diese Regel (schon ihres fließ­enden Charakters halber) zur Grund­lage einer Gesetz­gebung ge­macht werden könnte und dürfte, folgendes sein: Freien Zulaß zu allem, kein Hin­dernis in den Weg derjenigen, deren wahre psychische Be­dürf­nisse sie, stets in Gemäßheit ihrer körperlichen Be­schaffen­heit, zu männ­licher Beschäf­tigung treiben, für die Frauen mit männlichen Zügen. Aber weg mit der Partei­bildung, weg mit der unwahren Revolu­tionierung, weg mit der Frauen­bewegung, die in so vielen wider­natürliches und künst­liches, im Grunde verlo­genes Streben schafft.”

Otto Weininger - Geschlecht und Charakter

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