Mittwoch, 13. August 2008

St. Marien-Liebfrauen - CIC 284

Sehr geehrter Herr Pfarrer Polossek,

Sie sind verantwortlich für die Gemeinde St. Marien-Liebfrauen im Erzbistum Berlin und auf der Internetseite ihrer Gemeinde mit einem Bild vertreten. Ich wende mich an Sie, weil ich davon ausgehe, daß Sie für den Internetauftritt ihrer Gemeinde verantwortlich sind und weil ich Sie darauf aufmerksam machen möchte, daß Ihr öffentliches Erscheinungsbild als Kleriker von den Vorgaben der Kirche abweicht. Die Abweichung betrifft die von Ihnen getragene Kleidung.

Im Canon 284 des Codex Iuris Canonici heißt es:

"Die Kleriker haben gemäß den von der Bischofskonferenz erlassenen Normen und den rechtmäßigen örtlichen Gewohnheiten eine geziemende kirchliche Kleidung zu tragen."

Die Partikularnorm Nr. 5 der Deutschen Bischofskonferenz zu Canon 284 CIC legt zur Kleidung des Geistlichen folgendes fest:

"Der Geistliche muss in der Öffentlichkeit durch seine Kleidung eindeutig als solcher erkennbar sein. Von dieser Bestimmung sind die Ständigen Diakone mit Zivilberuf ausgenommen. Als kirchliche Kleidung gelten Oratorianerkragen oder römisches Kollar, in begründeten Ausnahmefällen dunkler Anzug mit Kreuz."

Im Interesse unserer Heiligen Mutter Kirche möchte ich Sie bitten, Ihr Erscheinungsbild zumindest in den Veröffentlichungen Ihrer Gemeinde zu korrigieren oder mir mitzuteilen, warum Sie sich nicht an die Weisungen der Deutschen Bischofskonferenz und das Kirchenrecht gebunden fühlen.

Mit freundlichen Grüßen

Tiberius

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Na ja, im Pfarrgemeinderat führen offenbar die Weiber das Regiment. Da muss der Herr Pfarrer wohl kuschen.

Tiberius hat gesagt…

Es war nicht meine Absicht, den Pfarrer zu beleidigen. Ich wünsche mir von Herzen, daß er mit seinem ganzen Erscheinungsbild ein Zeichen für die Kirche setzt. Wenn seine Entscheidung auf einen Mangel an Stärke zurückzuführen ist, dann will ich ihn stärken und nicht schwächen. Den Frauen in seiner Gemeinde habe ich nichts anzulasten.

Elsa hat gesagt…

Du weißt ja, wie man Dokumente in Word als SERIENBRIEFdokumente abspeichert? *gg*

PS.:Mein Desktop ist ganz herrlich so.

Anonym hat gesagt…

Zwischen Erscheinungsbild und Weiberherrschaft gibt es, nach meiner Erfahrung, einen signifikanten, vielleicht sogar unbewussten, Zusammenhang. Die römische Kleiderordnung wird nicht ohne Grund als unzeitgemäß empfunden. Sie ist, wie das Priesteramt, männlich. Ich will daraus auch keinen Konflikt konstruieren, nur eine Anmerkung loswerden. Gerade weil sie so typisch ist, für unsere Zeit. So wie Ihre vorauseilende Entschuldigung an das weibliche Geschlecht, dass Sie ja gar nicht angegriffen haben, sondern ich. Also stände mir die Entschuldigung zu, nicht Ihnen. Gott sei Dank, dass wir eine virtuelle Elsa haben, die wohl gemeinsam mit meiner realen Muse, die wohl die trefflichste Entschuldigung für die Gesicht gewordenen Kafkaesken des Feminismus sind. Der Rauch des …, aber lassen wir das und hoffen, der Herr Pfarrer findet aus eigener Kraft auf den rechten Pfad zurück.

Elsa hat gesagt…

War das jetzt ein Kompliment oder eine subtile Beleidigung? *gg*

Im Ernst, ich habe eine andere These für die (angeführte) Unzeitgemäßheit römischer Kleidung.
Ein katholischer Geistlicher im Hemd mit ungebügelter Knopfleiste sieht EVANGELISCH aus, und das ist scheinbar seit einiger Zeit von einer diffusen Mehrheit gewünscht.

Ich erlaube mir noch anzumerken, dass meine persönliche Präferenz in puncto Priesterkleidung bei der Soutane liegt. Besonders männlich finde ich diese Kleidung nicht. Wobei, auf einer subtilen Ebene allerdings wieder schon...
Aber bevor ich mich jetzt um Kopf und Kragen schwätze ...

:-)

Tiberius hat gesagt…

Salve!

Auch wenn ich auf die Begriffe "Weiberregiment" und "Weiberherrschaft" gerne verzichte, der Hang zur Entmännlichung des Priesterstandes mißfällt mir nicht weniger als Ihnen. Von den priesterlichen Attributen ist - zu meinem Bedauern - oft nur noch die Gewaltlosigkeit geblieben. Männliche Attribute wie Mut, Selbstbeherrschung, Rationalität und Dominanz spielen kaum eine Rolle.

Ebenso bedaure ich, daß dort, wo neben dem Gewaltverzicht des Priesters Harmoniebedürfnis an die Stelle der Konfliktbereitschaft tritt, auch die Leidensfähigkeit, die ja ein wichtiges und im Grunde genommen weibliches Attribut des Priesters ist, nicht mehr gefordert wird.

Priester sein heißt für mich, auch wenn es abgedroschen klingt, einen Unterschied zu machen. Die priesterliche Kleidung ist ein Zeichen dieses Unterschiedes. Sie ist ein Teil der Botschaft. Sie macht den Menschen als Priester und als Hirten erkenntlich. Sie macht ihn als solchen ansprechbar.

Sich erkennen zu geben, ein Zeichen zu setzen, Zeugnis abzulegen, erfordert manchmal Mut und manchmal sogar Leidensfähigkeit, birgt aber immer große Chancen. Dieses Zeichen zu verweigern deutet auf einen Mangel an Mut und Führungsbereitschaft.

Für manchen Priester mag es schwierig sein, immer im Mittelpunkt zu stehen. Zu den Mißverständnissen, die durch die ordentliche Form des römischen Ritus in dieser Hinsicht entstehen können, möchte ich hier keine Stellung nehmen. Denen, die sich von der Spitze entfernen und unter die Herde drängen, möchte ich aber zurufen: Habt Mut voranzugehen!

Der Gehorsam des Priesters und die Einheit mit Rom sind für mich eine unverhandelbare Selbstverständlichkeit.

Was die konkrete Form der priesterlichen Kleidung angeht, verlasse ich mich im Übrigen gerne auf Elsas stilsicheres Urteil.

Vale!
Tiberius

Anonym hat gesagt…

Natürlich, liebe Elsa, war dies keine subtile Beleidigung, sondern ein Hohelied auf ihr Geschlecht. Das „virtuelle“ bezog sich auf das Internet, mit meiner Muse verkehre ich normal. Na ja, „normal“, ich liebe sie. Insofern ist „Normalität“ eine ernsthafte Frage an die Philosophie, die allerdings seit über 3000 Jahren darüber nur herumdruckst und nimmer zu Potte kommt. Jedenfalls macht Liebe verrückt. Ich weiß, wovon ich rede, doch manchmal hat auch ein Liebestrunkener lichte Augenblicke. Genau dann, wenn Frau und Kinder sicher und selig schlafen, entsteht dieser Blog. Dann halte ich Nachtwache. Gut, meistens.

Nun denn liebe Frau Elsa, lieber Herr Tiberius, die Hauptsache ist doch, dass wir Männer, Männer sein dürfen. Priester sind das – sollten sie sein – was dem angeblich „schwanzgesteuerten“ Männerbild in Gänze widerspricht. Genau deshalb ist der katholische Priester die Hassfigur der Moderne schlechthin. Genau deshalb versucht man dieses Amt zu diskreditieren, indem man einzelne Sünder als allgemeine Erscheinung verabsolutiert. Doch ist die männliche Askese unverzichtbarer Bestandteil katholischer Religion.

Meine Eltern haben zu ihrer Goldenen Hochzeit 125 Kindeskinder, Enkel und sonstige „Brut“ präsentiert. Das war ein nervig, schönes Gewimmel. Ich will, nein, ich werde sie übertreffen. Nur ein Depp fragt jetzt, was beides miteinander zu tun hat. Tiberius hat darauf ausführliche Antwort erteilt. Die luderige Kleiderordnung ist das Symptom einer Krankheit, die meine Kirche wie eine evangelische Seuche befällt. Jeder katholische Hauptfeldwebel muss dafür Dienstverrichtung außer der Reihe verhängen. Am besten mit der Zahnbürste usw… Tiberius weis darüber sicher Bescheid.

Aber klar, ich überlasse die Auswahl meiner Kleidung, gottergeben wie ich bin, selbstverständlich dem Geschmack meiner Frauen. Glücklicherweise habe ich nur eine Frau und eine Tochter. Und, ich bin auch kein Priester.

Elsa hat gesagt…

Schön, das freut mich jetzt aber, dass Sie mir ein Kompliment machen wollten. Wenn Sie bislang erst eine Tochter haben, dann müssen Sie sich allerdings sputen, wenn Sie noch auf die 125 plus x Nachkömmlinge kommen möchten :-). Das sollte eine Ermutigung sein, keine Kritik.

>>Doch ist die männliche Askese unverzichtbarer Bestandteil katholischer Religion. >>
Sexuelle Enthalsamkeit ist in jeder bekannten Religion ein Wesenselement, außer vielleicht im hinduistischen Tantrazweig, aber dort wird der Sex auch nicht zur Triebbefriedigung oder Fortpflanzung ausgeführt, sondern als eine spirituelle Technik, die, (und hier treffen wir eben doch wieder auf den Verzicht und die Zurückhaltung), dafür sorgen soll, dass der Mann die sexuelle Energie während des Aktes zurückhält, um sie zu sublimieren. So oder so also: Verpuffung soll vermieden werden, Sublimation erfolgen, eh ... jetzt hab ich den Faden verloren, weil Tiberius mich wahrscheinlich streng anschaut, ob des exotischen Themas, das ich hier auf seinem orthodoxen Blog aufschlage :-/
:-)
Zurück zum äh, Thema. Kleidung ist tatsächlich wichtig. Wenn ich die äußere Form nicht gewillt bin einzuhalten, folgt ein innerlicher Verlust auf den Fuß. Das ist überhaupt keine großartige philosophische Erkenntnis, sondern das sagt mir jedenfalls schon die Erfahrung meines Lebensalltags in auch banalen Dingen.
Daneben ist ein katholischer Priester mit wenigstens römischen Kragen ein erfreulicher Anblick, nicht wegen des Kirchengesetzes, sondern weil es einfach gut aussieht (Okay, ich bin hier auch korrumpiert durch die italienische
bellezza-Besessenheit, natürlich ...).

Beste Grüße an die Herren.

dilettantus in interrete hat gesagt…

Ich darf in diesem Zusammenhang nochmals hierauf verweisen:

http://heiligenbildchen.blogspot.com/2008/06/von-der-notwendigkeit-der-soutane.html

Elsa hat gesagt…

Lieber dilettantus (*gg*),
der Link ist unvollständig und funktioniert deshalb nicht!
*hüstelt leise*
:-)

dilettantus in interrete hat gesagt…

Cara Elsa - scusi!

E eccola:
http://heiligenbildchen.blogspot.com/2008/06/von-der-notwendigkeit-der-soutane.html

*fragt sich heimlich, ob bei strengen Frauen "scusate" angemessener sei*

Elsa hat gesagt…

*lach*
aber es ist immer noch das gleiche, nach dem üblichen Geeumel steht dann -xyz/ von der notwend
und dann bricht es (nach dem d von notwend) ab. Du machst deinem Namen alle Ehre :-)
Oder sieht jemand anders den Link vollständig? Dann müsste ich Scusi sagen ... Es könnte natürlich auch am Firefox liegen, den ich nutze ...
:/

Tiberius hat gesagt…

Liebe Elsa,
so wir es hoffentlich gehen: Von der Notwendigkeit der Soutane.
Tiberius

Elsa hat gesagt…

Benissimo. Jetzt funktionierts.
Den Eintrag kannte ich schon, aber er illustriert hervorragend das Thema.