Sonntag, 31. August 2008

Pro Missa Paulina

Salve Phil!

Ich finde es gut, daß Du hier Orte ausweisen willst, an denen man den Neuen Ritus würdig feiert. Leider dürfen dort nur Team-Mitglieder kommentieren. Das finde ich sehr schade.

Nach den Erfahrungen des heutigen Sonntags kann ich Dir schon mal sagen, daß Du hier ganz bestimmt nicht fündig wirst.

Da Du selbst einräumst, daß die liturgische Praxis oft unwürdig ist, würde ich es begrüßen, wenn Du nicht nur auf die Polemiken gegen diese Mißstände hinweist, sondern auch auf die Mißstände selbst.

In meinen Augen kann die ordentliche Form des Ritus in ihrem derzeitigen Zustand Apologetik gut vertragen. Ich würde mich deshalb freuen, auf Deinem Zweitblog auch dazu mehr zu lesen.

Falls Du schon mal eine Messe in der außerordentlichen Form besucht hast, würde mich zudem interessieren, was Dich diese so kategorisch ablehnen läßt.

Vale!
Tiberius

Kommentare:

Phil hat gesagt…

Wie kann ich Dich zu einem Tiemmitglied machen? Ich würde mich freuen, wenn man gemeinsam Orte sammelt, an denen die Liturgie würdig gefeiert wird.

Ich werde sicherlich noch die Kommentare frei geben, es ist eigentlich auch nicht mein Stil.... ich habe bloß schon vor einem Jahr mal die schmerzliche Erfahrung gemacht, daß, wenn man zum Neuen Ritus steht, eine gewisse Spezies von traditionsliebenden Katholiken (längst nicht alle!) von sowas angezogen werden wie eine Frau mit gutem Geschmack von Fahrenheit Eau de Toilette.... das alles endete dann nur damit, daß der Neue Ritus von diversen Seiten diffamiert wurde, von einer der Personen offen gelogen wurde und mir das katholischsein abgesprochen wurde. Deshalb überlege ich, erstmal für eine gewisse Basis zu sorgen, bevor ich den Blog für Diskussionen freigebe.

Die Polemiken, auf die ich mich berief, waren nicht konkret auf gewisse Mißstände angespielt. Eine Karikatur zeigt eine fette, häßliche Frau, die anscheinend (wie schwirrende Fliegen um sie andeuten) stinkt und eine Schärpe mit der Aufschrift "Miss Novus Ordo" trägt. Das ist eine Unverfrohrenheit, weniger, weil damit Leute wie ich, die den Neuen Ritus mögen, beleidigt werden, sondern mehr, weil man sich fragt, inwiefern es den Zeichnern hier um Christus und die Kirche geht - würde es ihnen darum gehen, würden sie aus Gehorsam gegenüber dem Urteil der Kirche etwas mehr .... höflichkeit walten lassen.
Aber keine Sorge, den Mißbräuchen im Neuen Ritus werde ich schon auch Platz widmen. Das einzige, was mich hier abhält, ist, daß es hier ohnehin genügend Leute gibt, die darauf hinweisen. Auf die Fehler im Traditionalismus weist aber kaum einer hin.

Ich lehne die messe in der außerordentlichen Form nicht kategorisch ab, ich finde das Summorum Pontificum nicht nur eine liturgische Bereicherung. Vor einiger Zeit war ich beim Institut Philipp Neri bei einer Messe. Ja, sie war schön, und die Predigt war eine der besten, die ich je gehört habe. Über den Chor brauchen wir kaum ein Wort zu verlieren, der war fabelhaft.
Jedoch fand und finde ich die Einführung der Volkssprache vielleicht zu stark auf alles ausgedehnt - und da gibt es ja eben an gewissen Orten einen gegenteiligen Trend - , aber durchaus sinnvoll. Wenn die Lesungen auf Latein erfolgen und gesungen werden (nicht nur das Evangelium) ist das wunderbar ästhetisch, aber ohne ein Meßbuch und ohne gute Lateinkenntnisse ist die Lesung eben unverständlich. Und im Wortgottesdienst sollte es meiner Meinung nach schon verständlich zugehen.
Ich weiß, daß auch der Heilige Vater ein großer Freund des Schweigens während des Hochgebetes ist. Das Schweigen war vom Blättern in den Meßbüchern erfüllt, und jedenfalls ich fand dadurch diesen großen Moment der Messe weniger andächtig, als wenn ein Priester ehrfurchtsvoll das Hochgebet vorträgt.
Was ich auch nicht wirklich verstehe, ist, wieso zum Ende der Johannesprolog auch still verlesen wird. Eigentlich ist es sogar eine Sache, die man überlegen könnte, im Neuen Ritus auch einzuführen, ist doch der Johannesprolog für uns eine wirklich zentrale Stelle der Bibel (und eine wunderschöne). Aber wieso ihn still lesen? Wie gesagt: Ohne ein MEßbuch in der Hand weiß man nicht, was los ist, mit einem Meßbuch in der Hand ist die Gefahr, daß man mehr liest und blättert denn andächtig der Messe beiwohnt.

Auch, wenn ich hier einige Kritikpunkte aufgezählt habe, finde ich die wiedereinführung des Alten Ritus nicht nur eine Bereicherung des liturgischen Lebens der Kirche, sondern auch für den Neuen Ritus wichtig. Denn der Alte Ritus soll und wird immer eine Form von Urmeter bleiben. Was viele Zelebranten des Neuen Ritus vom Alten lernen können, ist, daß die eigene Kreativität vielleicht zu anderen Zeiten als zur Hl. Messe gefragt sind.

Gruß

Philipp

Tiberius hat gesagt…

Ich glaube, daß ich mittlerweile in der Lage wäre, auch kleinere Abweichungen in der Feier des außerordentlichen Ritus erkennen zu können. Diese Form des Ritus erlaubt es mir - so denke ich - auch die Feier des ordentlichen Ritus seiner Würdigkeit nach besser beurteilen zu können. Ich habe dabei den Eindruck, daß unsere Maßstäbe nicht weit auseinanderliegen.

Große Schwierigkeiten habe ich jedoch, das Unwürdige an mancher Messe als Abweichungen von der durch Paul VI. neu gefaßten Messe zu erkennen. Fast alles, was ich über den ordentlichen Ritus weiß, stammt aus der eigenen Anschauung. Damals, als ich jung war, hat es mich nicht berührt und ich bin einfach weggeblieben. Heute, nachdem ich verstanden habe, was die Messe ist, scheint mir vieles davon schrecklich.

Es wäre für mich gut zu wissen, welche Teile der liturgischen Praxis, ob zum Beispiel die Gitarre in der Kirche oder die Kinder um den Altar, von den Vorgaben Pauls VI. abweichen. Wenn Du diese Form der Messe liebst und ich sie auch lieben soll, dann mußt Du mir helfen, diese Form von den liturgischen Schrecklichkeiten zu unterscheiden. Gerade wer den Neuen Ritus liebt, sollte die derzeitige Praxis einer gründlichen Kritik unterziehen und auf Schlupflöcher in den Bestimmungen hinweisen.

Wenn es nur um mich ginge, dann bräuchte ich die Revision der ordentlichen Form des Ritus nicht. Ich habe, was ich brauche, in der Alten Messe gefunden. Dieses mehr, was ich für mich gefunden habe, ist kein Verstehen, sondern ein Erfahren, eine unmittelbare Begegnung mit meinem Gott in der Eucharistie. Das Verstehen wollen, das ich selbst nur schwer ablegen kann, weil es einen eher festen Platz in meinem Leben hat, hält mich davon ab, mich einer Erfahrung ganz zu öffnen, die weiter ist als mein Verstehen. Auch die Volkssprache kann sich für mich als Hinderniss erweisen, weil sie eher als das Lateinische geeignet ist, mich auf die Ebene des Verstehens zurückzuwerfen.

Im Vergleich zur Eucharistie sind die Predigten für mich nur Nebensache. Sie sind - im Gegenteil - für mich oft sehr belastend, weil sie eben oft belanglos sind. Oft wäre viel gewonnen, wenn der Priester nur einen kleinen Abschnitt aus dem Katechismus vorlesen würde, statt sich mit Flachheiten selbst zu verbreiten. Hier ist mein Anspruch - wenn schon, denn schon - an das eigene Verstehen höher.

Am Institut St. Philipp Neri bin ich mit der Qualität der Predigten zufrieden. Es ist dort übrigens üblich, das Evangelium, wenn die Predigt darauf Bezug nimmt, zuvor auch in deutscher Sprache zu verkünden. Das finde ich gut. Da die Predigt, die wie nichts anderes in der Messe auf Verständnis angelegt ist, ohnehin in der Mitte liegt, könnte ich mir vorstellen, die Lesung und das Evangelium auch auf deutsch zu hören. Das gregorianische Proprium und das Ordinarium sind für mich dabei unantastbar. Nach dem Credo brauche und möchte ich kein deutsch mehr hören.

Einer der Vorteile der Alten Messe ist für mich - anders als von dir beschrieben -, das ich auch ohne Schott immer weiß, was jetzt los ist und was gleich kommt. Das gilt wahrlich nicht für jede andere Messe. Deinen Eindruck des in den Meßbüchern Blätterns während des Hochgebets kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Dies mag der Fall sein, wenn viele Zuschauer die Messe besuchen. Ich habe das zu Anfang auch gemacht. Wer an der Messe wirklich teilnimmt, hat sich dafür schon zu weit gemacht. Was das heißt, habe ich besonders aus der Eucharistischen Anbetung lernen dürfen.

Zu dem von Dir beschriebenen Menschenschlag, den Du traditionsliebend nennst und den ich im Zusammenhang mit Liebe lieber nicht erwähnt sehen möchte, muß ich ein andermal ausführlicher schreiben, da ich nicht nur die Verbitterung und den Haß sehe, den ich ablehne, sondern auch die Verletzungen und den Schmerz, den diese Menschen zum Teil erlitten haben.

Die von Dir angeführten Beispiele sind dabei selbstverständlich indiskutabel und dienen in meinen Augen nur der Selbstvergewißerung dieser anderen. Man muß - so denke ich - nicht in allem einer Meinung sein, Respekt im Umgang ist für mich jedoch unverzichtbar. Ich kann deshalb gut verstehen, daß Du Deinen Kommentarbereich vor diesen unflätigen Angriffen schützen willst.

Zur Zeit bin ich sonntags durch die Schola in St. Afra sehr gebunden, da die Schola sehr klein ist. - Wer hier mitliest, wer die Gregorianik mag und wer "Alle meine Entchen" fehlerfrei vortragen kann, der sollte sich doch bitte dienstags um 18.45 Uhr am Institut St. Philipp Neri zur Schola-Probe einfinden. Sänger sind herzlich willkommen. Eine Frauen-Schola ist geplant. - Sollte die Schola also irgendwann größer sein, wäre ich neugierig genug, im Erzbistums Berlin nach Messen zu suchen, die Deinen Anforderung genügen.

Berlin hat viele Orientierungshilfen in Form von Stadtführern, Restaurantführer und vielen anderen, aber keine Hilfe für den, der eine Messe sucht, die würdig und angemessen ist. Ich selbst kann ein Lied davon singen. Wenn Du diese Lücke mit Deinem Blog Pro Missa Paulina schließen kannst, dann wäre das auch für mich ein großer Gewinn, denn auch mir geht es nicht nur um mich.

Meine erste und bislang einzige Empfehlung zur Feier der ordentlichen Form des römischen Ritus würde Dich in die Bismarckallee 2 führen und ist Dir sicher schon bekannt.