Freitag, 22. August 2008

Katholiken, der Film



Zusammenschnitt aus dem Film Catholics (1973),
eine Fiktion der Zeit nach dem vierten Vaticanum,
nach der gleichnamigen Novelle von Brian Moore,
Regie: Jack Gold,
Trevor Howard als Abt,
Martin Sheen als Pater Kinsella, u.a.

via summorum pontificum

Kommentare:

Elsa hat gesagt…

Ich habe das Buch dazu gelesen, es heißt irgendwie anders, die Insel des Glaubens oder so ähnlich, wie auch immer, ich fand es belanglos, obwohl doch eigentlich die message nicht belanglos hätte sein sollen ...

Tiberius hat gesagt…

Bis gestern kannte ich den Titel überhaupt nicht. Zum Buch kann ich deshalb gar nichts sagen. Brian Moore, der Verfasser des zugrundeliegenden Textes, soll aber nicht gerade ein Apologet der Kirche gewesen sein.

Als ich den Filmbeitrag sah, war mein erster Eindruck, es würde sich um irgendeinen Traditionalisten-Werbespot handeln, den man aus einem alten Film und einer neuen Synchronisation gebaut hätte. Ich war baß erstaunt, als ich erkannte, daß auch der Text aus dem Jahre ´73 ist.

Was mich bewogen hat, den Film hier einzustellen, war die Beschreibung von Mißständen in einer damals zukünftigen Kirche, die für mich heute höchst gegenwärtig sind und sich auf einen Nenner bringen lassen: sozialer Aktionismus statt spiritueller Bewegung.

Die Selbstverständlichkeit mit der Pater Kinsella darauf hinweist, daß Priester ihre priesterliche Kleidung nur zu besonderen Anlässen tragen, paßt gut zu den Fragen des CIC 284, die mich hier schon beschäftigt haben.

Ich habe mich in letzter Zeit häufiger gefragt, welche innere Verfassung die Kirche 1970 gehabt haben muß, um einen derartig rasanten Wechsel der äußeren Formen durchführen zu können. Ich denke daß die Änderungen des Meßritus nicht die Ursache, sondern das Ergebnis des Verlustes von Spiritualität in der Kirche sind.

Ich denke, daß große Teile der Kirchenführung von den Erscheinungen der Zeit in hohem Maß verunsichert waren. Die Wohlstandsgesellschaft verlangte nicht nach Besinnung und Spiritualität, sondern nach Rausch und Materiellem: F*cken, Fressen, Fernsehen - und nach Italien in den Urlaub. Das ist das Credo der Wirtschaftswunderkinder, nicht Glaube, Liebe, Hoffnung.

In Deutschland kam wahrscheinlich auch noch die militärische, wirtschaftliche und moralische - und damit totale - Niederlage hinzu. Die totale moralische Niederlage des deutschen Volkes, in einem Wort: Auschwitz, wurde zu einer Niederlage der Moral umgeformt. Es wurde damit geradezu unanständig, moralisch sein zu wollen.

Die Kämpfe der Jungen gegen die "Unanständigkeiten" ihrer Zeit, Auschwitz immer im Hintergrund, richteten sich dann auch gegen die letzten Reservate der Moral: das Kleinbürgertum mit seiner kleinbürgerlichen Moral, die leider oft nichts anderes heißt als Mangel an Gelegenheit. Die Bourgeoisie, das Wirtschaftsbürgertum, kannte diesen Mangel nicht und - so mein Eindruck - das Bestreben der jungen Wilden war es, diesen Mangel für alle abzuschaffen, zuerst aber für sich selbst.

Elsa hat gesagt…

Das eigentlich Verrückte ist wirklich, dass das Buch und der Film aus den frühen Siebzigern sind. Und die Inhalte sind aktueller als je zuvor. Ja, die Handlung wird sogar immer glaubwürdiger. Durch den Zusammenschnitt entsteht allerdings ein Eindruck von Massiertheit der Themen, dem ist aber doch nicht so.
Wenn du möchtest, leihe ich dir das Buch gerne.