Samstag, 23. August 2008

Gebetshocker und Schellen

Gestern Abend in der Johannes-Basilika. Es sollte eine Eucharistische Anbetung stattfinden. Die Vorbereitungen liefen. Der Innenraum war hell erleuchtet. Im Altarraum war geschäftiges Treiben. Auf den vielen Bankreihen saßen drei oder vier Besucher. Eine kleine Gruppe von Männern und Frauen, hauptsächlich im Alter zwischen 40 und 60, hauptsächlich Frauen, trug Kisten mit Gebetshockern, Fellen, Meditationsdecken, Gitarren und Schellen in den Altarraum. Mitgebrachte Rucksäcke wurden hinter dem Volksaltar abgelegt. Einige hatten die Schuhe ausgezogen und liefen Barfuß. Ab und zu wurde ein kleines Schwätzchen gehalten. Neben dem Hochaltar wurde eine Projektionswand aufgebaut. Der Diaprojektor stand hinter dem Volksaltar. Die Stimmung erinnerte an eine Wandergruppe, die eine besonders schöne, aber strapaziöse Etappe gemeinsam bewältigen will. Die Kleidung der meisten unterstrich den Eindruck. Ein Diakon, der sich schnell noch eine Kutte über Jeans und Hemd geworfen hatte, ging zum Altar und bereitete die Monstranz vor. Das Licht wurde abgedunkelt. Dicht gedrängt zwischen Volks- und Hochaltar nahmen die Teilnehmer auf ihren Gebetshockern Platz. Kerzen brannten auf dem Boden. Zu Gitarren und Schellenklängen stimmte man sich mit gefühligen Liedern auf die Anbetung ein. Der Projektor warf die Texte an die Leinwand neben der Monstranz. - Mir wäre es lieber gewesen, wenn die Hocker und die Felle, die Gitarren und die Schellen sowie die Leinwand und der Projektor an einem anderen Ort zum Einsatz gekommen wären. Was mich aber zutiefst erschüttert hat, das war die Achtlosigkeit, mit der man sich hier im Altarraum bewegte.

Kommentare:

Mcp hat gesagt…

Ja.

KJ hat gesagt…

Randbemerkungen:
- Die adäquate Haltung vor dem leibhaftigen Herrn erscheint mir jedenfalls grundsätzlich das Knien, was mit diesen Höckerchen unmöglich ist.

- Grade die eucharistische Anbetung ist doch etwas sehr persönliches. Da ist mir Stille am liebsten und Konzentration. Je mehr mich davon abhält (und sei es Singen oder 'Impulse' während der Anbetungszeit), desto unwohler ist mir dabei.

- zur Bewegung im Altarraum:
1. Wir haben viel "als-ob" heute. In der Messe tut man so, als ob das Brot der Leib des Herrn sei ('Symbol'). Aber Symbole verehrt man eben nicht, wenn sie grade nicht gefragt sind.
2. Glaube wird in Beziehung aufgelöst. Und wenn ich grade keine bewußte Beziehung zum eucharistisch anwesenden Herrn habe...

Tiberius hat gesagt…

Salve KJ!
Ich verstehe nicht wie man aus der persönlichen Eucharistischen Anbetung ein gefühliges Gruppenereignis machen kann. Was die Stille und die Konzentration angeht, bin ich ganz Deiner Meinung. Deine Anmerkung zu den Bewegungen im Altarraum sind sehr treffend. In der Tat machten die Damen und Herren den Eindruck, als ob Christi Leib eine Lampe wäre, die man nach Bedarf an- und ausschalten könnte. Nebenbei bemerkt: in ihrem Aufzug hätte ich die Gruppe nicht mal in die Kirche gelassen, vom Altarraum ganz zu schweigen. Später habe ich erfahren, daß die Gruppe zu einer Bewegung gehört, die sich charismatische Erneuerung nennt. Ich hatte davon gehört, konnte mir darunter aber nichts vorstellen. Jetzt hoffe ich, daß mich mein erster Eindruck täuscht.
Vale KJ!
Tiberius

Gregor hat gesagt…

Ist das unsere Johannes-Basilika hier in Berlin, gleich neben der Nuntiatur? Ich dachte, da wäre jetzt die polnische Gemeinde? Klingt jedenfalls grauenhaft.

Mir war gar nicht klar, daß du Berliner bist. Komm doch mal bei uns in Schlachtensee zur alten Messe vorbei. Die nächsten Termine sind 14. September, 12. Oktober und
16. November 2008, jeweils um 8.30 Uhr; Zelebrant ist Kpl. Faustmann. Wenn du Fragen hast, kannst du mir gern schreiben unter gregor.kollmorgen [at] t-online.de

Tiberius hat gesagt…

Es ist die Basilika neben der Nuntiatur. Eine basilika minor und eine der schönsten katholischen Kirchen in Berlin. Sie steht der polnischen Gemeinde nur zur Verfügung. Das Hausrecht übt die Gemeinde St. Bonifatius aus. Dort hat auch die Berliner Gruppe der Charismatischen Erneuerung ihren Sitz.

Der Vorschlag mit der Messe ist gut. Es freut mich sehr, daß Kaplan Faustmann zelebriert. Sonntags um halb zehn bin ich jedoch im Institut St. Philipp Neri anzutreffen. Dort gibt es die Alte Messe jeden Sonntag um halb elf Uhr vormittags und jeden Tag um sechs Uhr nachmittags.

Ich werde versuchen, sobald es die Größe unserer Schola zuläßt, bei Euch am Schlachtensee vorbeizuschauen. Es sei denn, die Polen feiern ihre Messe bis dahin auf Latein. Dann bringt mich nichts von der Basilika weg.