Dienstag, 5. August 2008

Freiheit in Theorie und Praxis

"Meine These lautet nicht, wie einige meiner Kritiker behauptet haben, der Determinismus sei mit Sicherheit falsch (oder gar: ich könnte dies beweisen). Sie lautet nur: daß die Argumente, die zu seinen Gunsten vorgebracht werden, nicht schlüssig sind; und daß, wenn der Determinismus je zu einer allgemein akzeptierten Überzeugung werden und Eingang in unser gewöhnliches Denken und Verhalten finden würde, die Bedeutung und Verwendung bestimmter, für das menschliche Denken zentraler Konzepte und Wörter obsolet werden würden oder radikal verändert werden müßten. Die Tatsache, daß diese elementaren Wörter und Konzepte nach wie vor in Gebrauch sind, spricht nicht unbedingt für die These, daß der Determinismus falsch sei, wohl aber für die Hypothese, daß viele, die sich dazu bekennen, wenn überhaupt, nur selten praktizieren, was sie predigen, und daß ihnen (wenn meine These zutrifft) sonderbarerweise kaum auffällt, wie wenig ihre wirklichen Überzeugungen, soweit sie in ihrem Tun und Reden zum Ausdruck kommen, ihrer Theorie entsprechen."

Isaiah Berlin - Freiheit. Vier Versuche.

Kommentare:

Mcp hat gesagt…

Determinismus und der "freie Wille" ist ein sehr spannendes Thema. Vor allem für Katholiken, die, so mein Eindruck, die letzten „Mohikaner“ sind, wenn es darum geht das Konzept der Verantwortung fürs eigene Leben zu verteidigen, eben weil sie der Meinung sind, dass der Mensch über diese Freiheit verfügt. Andere haben längst aufgegeben. Es ist so bequem daran zu glauben, dass entweder irgendwie alles schicksalhaft deterministisch oder doch wenigstes irgendwie krankhaft - durch Umstände bestimmt - respektive therapierbar ist. Die Hauptsache, man kann die Schuld für nicht ergriffene Chancen oder missratene Taten in andere Schuhe schieben und sei es in die, des Laplaceschen Dämons.

Obwohl, den Berlin mag ich eigentlich nicht. Der ist mir zu liberal.

Tiberius hat gesagt…

Stimme in jedem Punkt überein.