Sonntag, 10. August 2008

Auf dem Standesamt

Vor einigen Tagen war ich zu einer Eheschließung eingeladen. Die Feierlichkeiten fanden außerhalb Berlins, auf einem alten Landgut statt. Die Sonne brannte. Der Himmel war blau. Ein leichter Wind wehte. Die grünen Wälder und Wiesen der Mark lagen ausgebreitet vor uns. Wir standen vor einem Rosenpavillon. Bäume spendeten uns Schatten. Ein Teich kühlte die Sommerluft.

Es war eine kleine Gesellschaft um das zukünftige Ehepaar: Eltern, nahe Verwandte und engste Freunde. Die Stimmung war erwartungsvoll. Erfrischungsgetränke wurden gereicht. Eine Standesbeamtin kam dazu. Wir nahmen auf Bänken Platz. Ein roter Teppich lag zwischen uns. Ich saß auf der Seite des Bräutigams. Musik wurde eingespielt. Die Zeremonie begann.

Die Braut schritt an der Hand ihres Vaters über den Teppich zum Rosenpavillon. Auf der Hälfte des Weges machte sie eine kurze Pause für die Fotografen. Im Pavillon sprach die Standesbeamtin mit den zukünftigen Eheleuten. Nur ein paar Worte wehten in die letzte Reihe: "Und ich frage sie", "willst du", "diese Frau", "diesen Mann". Es war kein "nein" zu hören. Die Ringe wurden ausgetauscht. Es gab einen langen Kuß. Die Gäste klatschten. Die Zeremonie schien beendet. Mann und Frau wandten sich zum Gehen. Blütenblätter sollten den Weg zieren. Da war die Stimme der Standesbeamtin zu vernehmen: "Gehen sie bitte nicht weg. Ich bin vom Gesetzgeber dazu verpflichtet, sie hier noch eine Unterschrift leisten zu lassen."

Ein kleiner Hund sprang über die Wiese. Der Rosenpavillon, das Hochzeitskleid mit Schleppe, die Ringe, das Ja-Wort und der Kuß fielen auseinander. Ich sah einen kleinen Schalterraum, ein vergittertes Fenster, gelbes Neonlicht, Aktenordner, Formulare, Stempel. Irgendetwas stach mich in der Nase. "Hier wird also die Ehe geschlossen", wunderte ich mich.

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