Dienstag, 12. August 2008

Von guten Kriegsgründen

"Es ist leicht für einen Staatsmann, sei es im Kabinett, sei es in der Kammer, mit dem populären Winde in die Kriegstrompete zu stoßen und sich dabei an seinem Kaminfeuer zu wärmen oder von dieser Tribüne donnernde Reden zu halten und es dem Musketier, der auf dem Schnee verblutet, zu überlassen, ob sein System Sieg und Ruhm erwirbt oder nicht. Es ist nichts leichter als das, aber wehe dem Staatsmann, der sich in dieser Zeit nicht nach einem Grunde zu Kriegen umsieht, der auch nach dem Kriege noch stichhaltig ist."

Otto von Bismarck - Gedanken und Erinnerungen

Kommentare:

Mcp hat gesagt…

Bei aller Wertschätzung für Bismark würde ich diese Rede, die er Ende 1850 vor dem preußischen Landtag hielt und die seine einzige pazifistische Rede bleiben sollte, nicht überwerten. Österreich hatte gerade mit Krieg gedroht, weil Preußen die „Deutsche Union“ gründen wollte, also die kleine deutsche Lösung anstrebte, die Österreich aus dem zukünftigen Deutschen Reich herauskatapultiert hätte. Preußen konnte sich, 1848 immer noch in den Knochen und militärisch nicht vorbereitet, zu diesem Zeitpunkt einen Krieg gegen Österreich schlicht nicht leisten. Bismark, ganz Realpolitiker, hielt diese Rede um die national besoffenen Abgeordneten, nach der Olmützer Punktation, im Zaume zu halten. Wenn die Rede für etwas spricht, dann für Bismarks Realitätssinn. Pazifistische Neigungen hingegen waren dem Fälscher der Emser Depesche, dem „der Krieg wie eine Badekur“ bekam, mit Sicherheit fremd.

Tiberius hat gesagt…

Danke für den Kommentar! Ich stimme zu. Bismarck ist als Zeuge für eine pazifistische Position denkbar ungeeignet.

Was mir an dem Zitat gefällt, ist die Verachtung gegenüber denen, die andere für ihr populäres Reden bluten lassen. So freut es mich natürlich, wenn im Bundestag der Bau von Mädchenschulen in Afghanistan als großer Erfolg gefeiert werden kann. Ich bin aber nicht bereit, dafür zu töten oder zu sterben.

Mir gefällt auch der Sinn des Politikers Bismarck für die Bedeutung der öffentlichen Meinung. Ein Anlaß für einen Krieg ist schnell gefunden und schließlich auch vergessen, die Gründe müssen jedoch länger tragen, auch nach einem Sieg. Auch 1850, im Grunde seit 1789 waren Kriege nicht mehr ohne eine Mobilisierung der öffentlichen Meinung zu führen.

Wie wichtig die Inszenierung von politischen Ereignissen ist, sieht man nicht nur an internationalen Gipfeltreffen wie der G8, die vor dem Strandkorb in Heiligendamm nur noch das Bild machen, das dem Bürger, neben all den Prozessen, die er nicht verfolgen kann, auch etwas sichtbares an die Hand gibt.

Wir sehen das auch im Konflikt zwischen Russland und Georgien. Beide Seiten haben die Eskalation des Konfliktes nicht ausreichend inszeniert. Es fehlt eine international beachtete Dramaturgie, die eine Eskalation auch im Auge des Betrachters zwingend macht. Deshalb, unabhängig davon, was wirklich war, wirken die gegenseitigen Vorwürfe von Kriegsgräueln standardisiert. Das internationale Publikum ist dafür zu anspruchsvoll.

Russland hat gegenüber Georgien den Vorteil, erst auf den Plan getreten zu sein, nachdem die internationale Aufmerksamkeitsschwelle überschritten wurde. Eine Prise Bismarck im Vorfeld hätte Georgien nicht geschadet.

Über den Hinweis auf die kriegsbegeisterten, deutschen Abgeordneten von 1850 freue ich mich, weil Bismarck letztlich wie auch Saakaschwili mit einem von der Innenpolitik vorgegebenen Handlungsrahmen zu kämpfen hatte. Oft genug muß der, der an der Spitze steht, dahin laufen, wo es die Masse gerne haben will oder er steht bald nicht mehr an der Spitze.

Mcp hat gesagt…

Ja, Saakaschwili hat nicht das Format eines Bismark. Außerdem scheint er in eine wohlaufgestellte Falle der Russen getappt zu sein. Wie weiland Napoleon III. bezüglich der Emser Depesche. Einzig seine Gefangennahme fehlt noch. Aber hier beweist sich, dass die Russen eben doch keine Preußen sind. Zchinwali ist kein Sedan. Judoka Putin kann zwar brutal zuschlagen, aber vom Säbel zur feinen Klinge zur wechseln, ist offensichtlich nicht sein Ding. Die Russen genießen so die kurze Stunde des Siegers - es sei ihnen von Herzen gegönnt - aber man wird sie wieder demütigen.