Freitag, 18. Juli 2008

Zu Besuch im Erzbistum H.

Für ein paar Tage nun in meiner Heimatstadt, mit dem Wunsch, neben dem elterlichen Heim, auch eine lateinische Messe zu besuchen. In dieser Frage ortsunkundig, einen Blick auf die Internetseite des Erzbistums H. geworfen. Kein Hinweis auf eine Messe im außerordentlichen Ritus. Kein Hinweis auf eine lateinische Messe im ordentlichen Ritus. Auf einer Gemeindeseite den Hinweis auf ein "Choralamt" entdeckt. In der Hoffnung, zumindest soviel Latein wie Gregorianik in der Messe zu hören, zum Telefon gegriffen. Herr Müller meldet sich.
"Guten Tag Herr Müller, mein Name ist Tiberius, ich verbringe die nächsten Tage in H. und möchte eine Heilige Messe in lateinischer Sprache besuchen. Sie bieten am Sonntag ein Choralamt an. Können Sie mir vielleicht weiterhelfen."
"Meinen Sie vielleicht eine Messe nach dem Missale von 1962? So etwas gibt es im Erzbistum H. nicht."
"Ich bin da nicht festgelegt, auch eine lateinische Messe im ordentlichen Ritus wäre mir recht. Um was handelt es sich denn bei der im Pfarrbrief für Sonntag angekündigten Choralmesse?"
"Oh, da muß ich mal schauen. Ja, die Choralmesse, das ist eine Gemeindemesse mit gregorianischem Choral, jeden dritten Sonntag im Monat. Soweit ich weiß ist die Schola jedoch im Urlaub, Ferienzeit, sie wissen schon."
"Das ist aber schade! Können Sie mir denn vielleicht noch andere Möglichkeiten in H. nennen?"
"Ja", Herr Müller wechselt den Tonfall von freundlich zu vertraulich, "das ist schwierig. Eine lateinische Messe finden sie nicht mal im Dom. Sie müssen wissen, das Erzbistum hat wenig übrig für das Lateinische. Mittlerweile werden ja überall auf der Welt die Messen lieber in Englisch als in Latein gefeiert. Ich kann Ihnen nur die Nummer eines Dominikanerkloster in H. geben. Vielleicht können die ihnen weiterhelfen. Falls nicht, dann sind Sie am Sonntag gern gesehen. Es ist nicht so schlecht bei uns. Der Pfarrer macht seine Sache ganz ordentlich. Er schreibt nicht mal eigene Hochgebete."
Hoffnungsvoll erneut zum Hörer gegriffen. Leider mehrfach an der Faxweiche der Dominikaner gescheitert. Endlich meine Anfrage über das Kontaktformular der Internetseite abgeschickt. Jetzt auch auf der Internetseite des Erzbistums einen Ansprechpartner für mein Anliegen gesucht. Auf gut Glück bei der Abteilung für Seelsorge angerufen. Frau Meier am Apparat.
"Ja, guten Tag. Mein Name ist Tiberius, ich werde die nächsten Tage in H. sein und möchte eine Messe in lateinischer Sprache besuchen."
Frau Meier scheint ob dieser Anfrage betroffen, vielleicht auch verwirrt.
"Ich verbinde sie mit der Pressestelle."
Nach ein wenig Musik, die Stimme des Pressesprechers und ein etwas mißtrauisches "Guten Tag", dann aber ein durchaus hilfsbereites "ich schaue mal die Pfarrbriefe durch". Leider ohne Ergebnis.
"Gibt es denn im ganzen Erzbistum sonntags keine Messe mit Choral?"
Der Pressesprecher ratlos: "Ich glaube in der Gemeinde St. XY wird so was manchmal gemacht. Im Pfarrbrief steht aber nichts. Da müssen Sie dann wohl anrufen."
"Alles klar, das probier ich mal. Vielen Dank!"
Während des Gesprächs mit dem Pressesprecher auf der Seite des Erzbistums, neben dem englischen und dem französischen, auch einen philippinischen und einen ghanaischen Gottesdienst gefunden. Jetzt liegt auch die freundliche Absage der Dominikaner im Postfach. Letzte Chance, Anruf im Gemeindebüro St. XY. Doch auch hier: gleiche Frage, gleiche Antwort.
"Guten Tag, mein Name ist Tiberius ..."
"Messe, Latein, Choral, nein. Am nächsten Sonntag singt der Ephata-Togo Chor."
Jetzt bin auch ich verwirrt: Heiliger St. Philipp Neri, was ist ein Ephata-Togo Chor? Ohne Halt versinke ich in tiefes Grübeln, der Erdkreis und die Jahrhunderte ziehen an mir vorbei, ratlos bleibe ich zurück. Die Verbindung von römisch-katholisch und ephata-togo will sich mir einfach nicht erschließen.

Kommentare:

KJ hat gesagt…

Danke für die lebensnahe Berichterstattung :). Hast du es mal bei den Petrusbrüdern versucht?

Tiberius hat gesagt…

Leider ist deren nächste Niederlassung weit mehr als hundert Kilometer entfernt. Latein gibt es hier nur ohne Rom. Das stellt für mich keine Option dar.

KJ hat gesagt…

In der Regel sind die Messen der Dompfarreien ja ganz besuchbar...

Missa sina roma sollte tatsächlich keine Alternative sein, da sind wir uns einig. Dumm nur, dass man lateinische Messen sine roma tatsächlich fast überall bekommt...

Elsa hat gesagt…

Fein, dass du wieder bloggst!
Die Pause war lang und fad :-)

Tiberius hat gesagt…

Mea culpa, liebe Elsa! Ich habe Dich, wenn auch nicht ganz so lang, so doch fast eine Woche, auch vermißt.

Scipio hat gesagt…

Vielleicht sollte das Effata to go heißen? Ist jetzt natürlich auch wieder nicht lateinisch... Und über die Bedeutung kann man nur spekulieren: Taufe zum Mitnehmen? "Öffne Dich" und werde mobil?

Tiberius hat gesagt…

"Taufe zum Mitnehmen"? Keine schlechte Idee. Das wäre sicher für den nächsten Katholikentag geeignet - von wegen heiße Eisen retten die Kirche.
Nach meinen Recherchen handelt es sich jedoch bloß um einen schwarzafrikanischen Gospelchor ...

Elsa hat gesagt…

Geh doch einfach das nächste Mal auf den WJT, da werden Teile der Messe in Latein gelesen und wird "irritierenderweise" auf kniende Mundkommunion bestanden, wie ich gerade las ...
*grunzt immer noch*

dilettantus in interrete hat gesagt…

Bis vor kurzen war in Hamburg der kleine Michel der Tipp, doch das müssen jetzt Jesuiten übernommen haben.

Ich gebe zu, wenn ich in Hamburg bin (jetzt hab ich schon zum zweiten Mal.... also wenn ich in H. bin), gibt es für mich oft sine Roma, aber dann auch sine Latinitate, meint ich bin beim Russen, Äthiopier oder Kopten. O.k. kein Latein, aber Kirchenslawisch, Bohairisch und Ge'ez sind doch auch nicht so schlecht.

Tiberius hat gesagt…

Salve Dilettantus!

Den kleinen Michel hatte man mir auch empfohlen. Da war nun diesen Sonntag die Aufführung des Ephata-Togo-Chores.

Die vorgeschlagenen Alternativen sind gut. Diesen Sonntag habe ich mich in der anfangs beschriebenen Gemeinde mit Rom ohne Latein begnügt. Das war nicht schlecht. Interessant war eine Begegnung im Anschluß an die Messe. Ich bin natürlich gleich über die Fraktion derer gestolpert, die ebensogern wie ich einer Messe nach dem Missale von 1962 beigewohnt hätten.

Von diesen wurde ich erneut darauf hingewiesen, daß die amtliche Seite der Kirche im Erzbistum H. sprich Hamburg, das Summorum Pontificum wo es nur geht hintertreibt. Das kann ich nun nicht aus eigener Erfahrung beurteilen, wundere mich aber, daß ein Erzbistum, das mit Stolz auf die Angebote von Messen verschiedener Landessprachen verweist, in einer Stadt, die als Tor zur Welt in hohem Maße von Internationalität geprägt ist, nicht in der Lage ist, der Katholizität, die alle Nationen umspannt, auch mittels ihrer eigenen lingua franca Ausdruck zu verleihen.

Vale!
Tiberius

Arminius hat gesagt…

Orte und Termine für die Heilige Messe im außerordentlichen Ritus findet Ihr bei introibo.net
Im Erzbistum Paderborn wird die Heilige Messe im außerordentlichen Ritus übrigens sogar im Hohen Dom gefeiert.