Dienstag, 3. Juni 2008

Wissen, Glauben und Gewißheit

Im deutschen Sprachgebrauch gibt es eine, wie ich finde, unglückliche Verbindung von Wissen und Gewißheit, von Glauben und Ungewißheit, aus der viele einen Vorrang des Wissens vor dem Glauben ableiten. Dieser Umstand weist auf einen eklatanten Mangel an begrifflicher Schärfe oder auf einen tief verankerten wissenschaftlichen Positivismus.

Viele glauben, es gäbe außerhalb des Wissens keine Gewißheit. Im Grunde aber ist genau das Gegenteil der Fall. Es ist das Wissen, das nach Gewißheit strebt und von der Ungewißheit lebt, von der Vorläufigkeit, die sich immer wieder aus Neue beweisen muß. Der Glaube aber bietet, was sich das Wissen gar nicht leisten kann. Eine Gewißheit, die sich der Vorläufigkeit und dem Beweis entzieht.

Wenn wir also einer Sache, von der wir sagen, daß wir sie wissen, absolut sicher sind, dann haben wir den Bereich des Wissens mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits verlassen und sollten uns ruhig eingestehen, daß wir in diesem Fall nicht wissen, sondern glauben.

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