Donnerstag, 10. April 2008

Bekenntnisse

“O Wahrheit, Wahrheit, wie innig schmachtete mein Herzinnerstes schon damals nach Dir, wenn mir diese Menschen immer wieder, immer anders gewendet, mit dem bloßen Stimmenschall und in vielen großmächtigen Büchern ihr Getön von Dir machten! Und das war das Geschirr, in dem sie mir, dem Menschen voll Hunger nach Dir, statt Deiner nur Sonne und Mond vorsetzten, die schönen Werke Deiner Hände gewiß, doch eben bloß Dein Werk, nicht Du, und auch sie nicht Deine erstigen; denn erstiger als die sichtbar körperhaften Werke, so herrlich sie leuchten am Himmel, sind Deine geistigen. Aber auch sie, diese ursprünglichen, meinte ich nicht, wenn mich hungerte und dürstete: das warst Du selbst, o Wahrheit, in der es keinen Wandel gibt noch Beschattung im Umlauf der [Gestirn-]Bewegung. Und das was man weiter in jenem Geschirr auftischte waren scheinschöne Attrappen, so daß es immer noch besser war, seine Liebe gleich an die Sonne dort zu hängen, die wenigstens auch fürs Auge hier ein Wahres ist, als an jenes Falsche, Ausgeburten des vom Augentrug berückten Geistes. Und gleichwohl, Dich darin vermeinend, aß ich, nicht eben gierig, da es in meinem Munde nicht nach Deiner Wirklichkeit schmeckte - denn dies Chimärische warst ja auch nicht Du -, und statt mich daran zu nähren, zehrte es mich aus.”

Augustinus - Bekenntnisse

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