Sonntag, 16. März 2008

Nicht unter Erwachsenen

Salve Elsa!

Nach der von Dir vertretenen Ausgangsthese ist es einem Christen nach nicht verboten, Umgang mit Atheisten zu pflegen. Als Beleg führst Du eine Stelle aus der Schrift an, die auf den ersten Blick genau das Gegenteil zu fordern scheint. Im von Dir herausgestellten historischen Kontext wird erkennbar, daß das Verbot des Umgangs ein spezielles und kein allgemeines ist. Deine These wird damit nicht begründet, aber auch nicht widerlegt.

Deine Intention war es aber wohl nicht, eine hinreichende Begründung für den Umgang mit Atheisten zu liefern, sondern zu zeigen, das der Sinn der Schrift ohne Kenntnis des Kontextes nicht zu ermitteln ist und hier, in diesem Fall nicht zum tragen kommt.

Dem nachfolgenden Kommentar entnehme ich, neben einer Vielzahl von Kraftausdrücken und Schmähungen, das Deine Prämissen falsch sind. Es handele sich dabei um eine Lüge, die Du lebst, weil Du die Wahrheit nicht ertragen kannst. Einen wichtigen Beleg für diese These erhältst Du durch den Hinweis, daß Gott keinen Penis hat. Ob das ein Beitrag zum Leib-Seele-Problem werden sollte? Man weiß es nicht.

Sicher ist uns an dieser Stelle aber die Gelegenheit entgangen, mehr von dem zu hören, der die Wahrheit nicht nur glaubt, sondern vorgibt sie zu besitzen; eine Wahrheit, die so furchtbar ist, daß nur er sie ertragen kann.

Die Auslegung der Schrift wird dann mit der Begründung zurückgewiesen, das die Schrift dadurch ihren ursprünglichen Sinn und ihren gewalttätigen Charakter verberge, wie es auch im Islam der Fall sei. Als Beleg für den gewalttätigen Charakter wird Matthäus 10, 34 angeführt: "Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert."

Abgesehen davon, daß der Vergleich von Islam und Christentum nicht trägt, da der Islam eine Auslegung des Koran nur sehr begrenzt im Rahmen seiner selbst und der Hadithen erlaubt, was ihn von der Auslegung im historisch-sozialen Kontext unterscheidet, ist dem Kommentator offenkundig der Zugang zu Metaphern und Allegorien verwehrt.
Ich will diese Fähigkeit nicht gleich grundsätzlich absprechen, da er das Evangelium vielleicht einer falschen Textsorte zuordnet: handelt es sich doch um einen Text, der nicht wie ein Gesetzestext oder eine Pressemitteilung, sondern literarisch verstanden werden kann. Die Gleichsetzung von Krieg, Gewalt und Schwert wäre dann, gerade mit Blick auf den Kontext, nicht mehr zwingend.

In Deiner Antwort auf diesen Kommentar, forderst Du eine Mäßigung im Ton, die ich angesichts der oben bereits erwähnten Kraftausdrücke und Schmähungen im Folgenden unterstrichen habe.

Meine Vermutung war es, daß der offenkundige Mangel an Textverständnis eine konstruktive Auseinandersetzung unmöglich macht. Abgesehen davon, bin ich davon ausgegangen, daß jemand, der sich selbst das Wissen um die Wahrheit zuschreibt, und gleichzeitig meint, anderen den Glauben daran absprechen zu dürfen, nicht wirklich erkannt haben kann, wie furchtbar das Nichts ist.

Daraufhin hast Du den, sicherlich mildernd gedachten Umstand ins Feld geführt, aus seinem historisch-sozialen Kontext und seiner arabisch-islamischen Kultur, die ja auch seine Haltung zur Schriftauslegung erklären könnte, wäre ein abendländisches Textverständnis nicht möglich.

Dieser Hinweis wurde durch einen nachfolgenden Kommentator, der im Verlauf des Schriftwechsels leider keine Rolle mehr spielte, zu recht daraufhin ergänzt, daß die abendländische Tradition im Abendland selbst oft nicht mehr präsent ist.

Gegen Deine These, der Mangel an Textverständnis sei auf den historisch-kulturellen Kontext des Kommentators zurückzuführen, führt dieser an, daß eine Kritik seiner Kultur überhaupt nicht möglich sei, ohne auch die eigene, abendländische Kultur zu kritisieren, da letztere aus der ersteren hervorgegangen sei. Die Einflüsse zoroastrischen Denkens auf das Christentum sind dabei erstaunlich gut belegt, obwohl diese weder zuvor noch danach in Frage gestellt worden waren.

Das angeführte Argument gegen den mildernden Umstand könnte tatsächlich greifen, wenn man vollkommen ahistorisch und damit kontrafaktisch eine Gleichsetzung der Kulturen über die Zeit vornimmt, das heißt jede kulturelle Veränderung und Entwicklung außer acht läßt, wie auch die vielfältigen anderen Einflüsse, denen die Entstehung des Christentums zu verdanken ist.
Trotz dieser Schwäche, neige auch ich dazu, Deine These zu verwerfen und den Mangel der Person allein anzulasten, da wir es nicht mit einem iranischen Kaspar Hauser zu tun haben, obwohl die Umgangsformen den Verdacht nahelegen könnten.

Mit etwas Wohlwollen, das angesichts der herablassenden Art des Beitrags nur schwer aufzubringen ist, ließe sich diesem vielleicht noch die These abgewinnen, daß der Glaube auf einen Mangel an Wissen zurückzuführen ist. Eine These, die bedenkenswert ist, und mit einem Hinweis auf das christliche apriori des Glaubens widerlegt werden könnte.

Deine Antwort, Elsa, ist eigentlich schon der Abschied von einem Zeitgenossen, der nach Form und Inhalt seiner Aussagen kaum ernst zunehmen ist. Deinen Vorwurf der Frauenfeindlichkeit verstehe ich als den verzweifelten Versuch, das unflätige und rüpelhafte Verhalten wenigsten mit einem Grund zu versehen, um es verstehen zu können. Ein im Grunde sehr rationales Bedürfnis.

Der so Beschuldigte nennt den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit polemisch, irrational, hinterhältig und verzweifelt. Nach seiner Aussage sind das genau die Eigenschaften, die er Christen und auch Moslems immer schon zugeschrieben hat.
Wenn der Ton seiner Schreiben nicht auf einen latenten Priapismus schließen ließe, wäre ich sicherlich geneigt, den Grund für den rüden Umgangston allein in der Religions- und nicht in der Frauenfeindlichkeit zu suchen. Schön finde ich, daß auch hier wieder ein ahistorisch-kultureller Kontext, einen persönlichen und höchst gegenwärtigen Vorwurf entkräften soll. Anders kann ich mir den erneuten Hinweis auf das alte Persien nicht erklären.
Das ganze wird dann mit zwei Textstellen aus dem Korintherbrief garniert, die als Beleg für die Frauenfeindlichkeit des Christentums leider unkommentiert und damit wohl auch unverstanden bleiben, wie auch die erweiterte Passage von Matthäus 10, 34-39.

Ich habe in meinem Kommentar darauf hingewiesen, daß ich die Hochkulturen des alten Orients sehr schätze, und mich über die Manieren eines Menschen wundere, der vorgibt einer dieser Hochkulturen anzugehören. Es schien mir naheliegend, daß der, der sich hier Perser nennt, heute, nachdem das letzte persische Großreich vor 1400 Jahren unterging, zwar immer noch auf dessen Glanz verweisen kann, aber selbst nichts von dem bewahrt hat, was den Anspruch rechtfertigt, sich auch so nennen zu dürfen. Der kulturfremde Bezug auf die genetische Abstammung unterstreicht für mich nur, wie prekär dieser Anspruch tatsächlich sein muß.

Das ich den Menschen frei von Abstammung und Tradition nur nach Denken, Reden und Handeln beurteile, habe ich mit meiner Auslegung von Matthäus 10, 34-39 dargelegt. Leider ist das nicht mehr aufgegriffen worden. Statt dessen wurde der Vorwurf erhoben, ich wäre ein Verwirrter, ein Kreuzritter, der mangels Argumenten, unterschwellig fremdenfeindlich und intolerant, die Abstammung und Tradition seines Gegenüber kritisiert.

Was für ein bedauerliches Mißverständnis. Meine Kritik galt immer nur der Person, die glaubt, über jeden konstruktiven Gesprächsansatz hinweg, wie ein selbstherrlicher Barbar auftreten zu dürfen.

Aber, vielleicht haben wir einfach nicht unter Erwachsenen gesprochen.

Tiberius

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