Dienstag, 18. März 2008

Hier bin ich, erster Teil

Könnte Moses von sich sagen "hier bin ich", wenn er den Gott leugnete, der von sich sagt "ich bin, der ich bin"? Und ist das "ich" des Moses nicht eine Trennung von der Welt, an die er über das "hier" gebunden ist? Und verlangt damit das "ich" des Moses nicht, neben einem "du", das "hier" ist, nach einem anderen "du", das nicht "hier" ist, einem "du" jenseits der Welt? Und steht hinter jedem "ich" und "du" nicht ein "wir"?

Mich erschüttert, wie drei Worte einen ganzen Kosmos beschreiben, und wie der Mensch Gott schon bekennnen muss, wenn er auch nur von sich selbst sprechen will.

Tiberius


Weiter zum zweiten Teil.

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Elberfelder Bibel, Exodus 3, 3-4:
"Und Mose sprach: Ich will doch hinzutreten und dieses große Gesicht sehen, warum der Dornbusch nicht verbrennt. Und als Jehova sah, daß er herzutrat, um zu sehen, da rief Gott ihm mitten aus dem Dornbusche zu und sprach: Mose! Mose! Und er sprach: Hier bin ich."

Elberfelder Bibel, Exodus 3, 14-15:
"Und Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und zu ihnen spreche: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie zu mir sagen werden: Welches ist sein Name? was soll ich zu Ihnen sagen? Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der ich bin. Und er sprach: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: "Ich bin" hat mich zu euch gesandt."

Kommentare:

Elsa hat gesagt…

Aber, oder vielmehr auch:Und, besteht die Bedingung für Moses Aussage "Hier bin ich" nicht auch in dem vorausgehenden göttlichen Anruf (Beim Namen gerufen sein)?

Tiberius hat gesagt…

Das ist ein interessanter Hinweis.

Ich denke folgendes:

Das "Sein", das "ich sein" als auch das "hier sein" sind Qualitäten, die der Mensch, hier Moses, durch Gott erhält, bevor er von Gott gerufen wird. Der Satz ist also wahr, bevor der Mensch Gott antwortet.

Das Anworten des Menschen setzt das Rufen Gottes voraus. Ohne den Ruf Gottes an den Menschen gibt es kein Rufen des Menschen zu Gott. Die Anwort des "ich bin hier", sprich, des Menschen, setzt das Wissen um das "ich bin ich" voraus. Hier ist der Mensch auf die Offenbarung angewiesen: Gott ruft den Menschen, jeden Menschen, bei seinem Namen.

Und wenn der Mensch hört und versteht, dann antwortet er: "Hier bin ich".

Elsa hat gesagt…

Etwas Ähnliches, jedoch nicht ganz so konkret, findet man in Karl Rahners Auffassung von Mystagogik, fiel mir eben auf, weil ich mich gerade damit beschäftigte.
Wird es mehr Meditationen von dir speziell über Altestamentliches geben? Das wäre schön.

Tiberius hat gesagt…

Vielen Dank für Deine Kommentare! Ich freue mich darüber.
Danke auch für den Hinweis auf Rahner und die Mystagogik. Ich habe die dazu bei Wikipedia angeführten Quellen gelesen und halte den Ansatz für sehr vielversprechend.
Das Alte Testament und auch Texte aus der Umwelt des Alten Testaments werden mich in Zukunft sicher häufiger beschäftigen.
An einem Austausch von Gedanken bin ich dabei sehr interessiert.

P.S. Bitte entschuldige, daß ich Dir erst jetzt antworte. In den letzten Tagen hatte ich leider keine Zeit für meinen Computer.

Elsa hat gesagt…

Es ist oft gut, keine Zeit für den Computer zu haben :-)
Ich bin selbst eine begeisterte Leserin des Alten Testamentes, finde es sehr schade, dass oftmals darüber hinweg gegangen wird zugunsten des Neuen Testamentes und empfinde gerade auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen dort unter anderem in Hiob oder den Feindpsalmen etwa (versus dem weichgespülten Gott des Humanismus und der (Hippie)-Liebe) als etwas, was uns zeigen kann, dass unser Glaube nicht auf eine platte Formel, die ebensogut New Age oder Esoterik oder auch Buddhismus sein könnte, reduziert werden kann, sondern einen Ernstfall zu Gott darstellt. Über einen Austausch bei dir freue ich mich!