Sonntag, 16. März 2008

Die Fähigkeit, in Bildern und Gleichnissen zu denken

Salve Elsa,

offenbar sind die letzten Reste der persischen Kultur mit der Eroberung des Sassanidenreiches durch die Araber untergegangen. Der selbsternannte Epigone dieser frühen Hochkultur legt dies durch seine Umgangsformen zumindest nahe.

Schätze menschlicher Kultur, die der fruchtbare Halbmond hervorbrachte, gingen unter dem Halbmond verloren. Die Fähigkeit, in Bildern und Gleichnissen zu denken, blieb davon nicht verschont. Vom vierfachen Sinn der Schrift will ich gar nicht sprechen.

Die Fähigkeit einen Satz zu bilden, der sowohl eine These als auch ein Argument umfaßt, verdanken wir, auch hier besticht das Zeugnis unseres Persers, wohl nicht den Persern, sondern dem Mut der Griechen bei Marathon und Plataiai.

Wer das eigene Schreiben mit der reinigenden Wirkung einer Darmentleerung vergleicht, wird vielleicht kein Verständnis dafür haben, daß ein anderer seiner Koprolalie sublimere Formen des Gesprächs vorzieht. Zum Glück gibt es keinen Zwang, dieser Therapie beizuwohnen.

Wer genötigt ist, den Beweis seiner kulturellen, zivilisatorischen und hier wohl auch persönlichen Überlegenheit aus den Anfängen der Menschheitsgeschichte zu gewinnen, kann von da bis in die Gegenwart nicht allzuviel vorzuweisen haben.

Die gegenwärtige Stellung der Frau wäre wohl auch kaum geeignet um nationale Chauvinismen zu befriedigen, das Versagen der iranischen Zivilgesellschaft, die das Regime in Teheran wie ein Naturereignis hinnimmt, wohl ebenfalls nicht.

Den Hinweis auf die indoiranische Abstammung ergänze ich gerne durch den homo habilis, der dem Europäer ein wohl noch entfernterer Vorfahr ist. Warum das jedoch die Kritik an bestimmten Traditionen verbietet ist mir genauso schleierhaft wie die Rolle der Gene dabei.

Meinem Selbstverständnis nach, und hier folge ich den von Matthäus überlieferten und hier bereits zitierten Worten, ist der Mensch frei, die Bindung an bestehende Formen der Gemeinschaft und der Tradition zu lösen, um in eine neue Gemeinschaft und eine neue Tradition einzutreten, die jedem offen steht, der sich zur Nachfolge Christi bekennt. Das ist eine Forderung, die sicher ebenso radikal und konfliktreich wie emanzipatorisch ist. Die Gewaltlosigkeit dieser Forderung ist dabei hinreichend durch das Blut christlicher Märtyrer bezeugt.

Dieses Konzept kann man ablehnen. Man kann darüber streiten. Wenn es aber gar nicht erst erkannt wird, ist jedes Wort im Streit zuviel. Wer nur sein eigenes Ego streicheln will, der soll andere da nicht mit hineinziehen.

Tiberius

Keine Kommentare: