Dienstag, 3. Februar 2009

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein

Ingo Zamperoni vom ARD Nachtmagazin im Gespräch mit Pater Eberhard von Gemmingen, noch, Radio Vatikan.


Zamperoni: Sie reden von einer Kommuni­ka­tions­panne, deutsche Bisch­öfe von Schlam­perei. Das Ganze er­weckt den An­schein, das ent­weder Papst Benedikt keine Ahnung hat, was im Va­tikan so vor sich geht oder das er diese Vor­gänge dul­det. Beides klingt gleich ver­heerend.

Gemmingen: Nun gut, wenn sehr oft so was vorkäme, dann könnte man das strukturell in den Griff kriegen. Aber jetzt haben wir ja einen Sonderfall, und in dem Sinne hoffe ich das Papst Benedikt, äh, etwas Konsequenzen zieht für die Organisation und für die Öffentlichkeitsarbeit. Also ich hoffe jedenfalls, daß wir aus dem Schaden lernen.

Zamperoni: Aber ausgerechnet ein deutscher Papst, der das Dritte Reich auch noch erlebt hat, hätte doch wissen müssen, welche Wellen ein Bischof schlägt, der den Holocaust leugnet, oder?

Gemmingen: Das hätte er eigentlich schon wissen müssen. Ich kann mir auch denken, daß er es gewußt hat. Aber er, - Papst Benedikt ist eben ein Theologe, ein Denker, ein Professor und kein Politiker. Ich glaube, er überblickt noch nicht so ganz, was päpstliche Aussagen, päpstliche gute Ideen, nämlich die Lefevbre Leute zu versöhnen, was das alles für Folgen haben kann in der Welt.

Zamperoni: Aber bei solch katastrophalen Auswirkungen, da wird einem doch der Verdacht fast nahe gelegt, daß er da nicht der richtige Mann ist für diesen Posten.

Gemmingen: Also, äh, das würde ich nicht sagen. Es gibt Päpste, die mehr Denker sind, Päpste, die mehr Politiker sind etc, etc. Sondern es kommt mehr drauf an, daß sein Stab in Ordnung ist und in dem Stab scheint wirklich etwas nicht ganz in Ordnung zu sein, oder nicht mehr in Ordnung zu sein. Ich hoffe, daß da ein bißchen Ordnung geschaffen wird.

Zamperoni: Wenn da keine Ordnung im Stab ist, bekommt Papst Benedikt denn überhaupt noch mit, was außerhalb der Mauern des Vatikans passiert?

Gemmingen: Das bekommt er schon mit, äh, da bin ich ganz sicher. Es ist höchstens die Frage, wie energisch er zugreift, denn ich denke natürlich, Papst Benedikt so als Persönlichkeit wird sagen, dem Jesus ist der Wind auch schon entgegengeblasen kein Wunder, wenn er uns auch entgegenbläst.

Zamperoni: Da riskiert er aber, bei allem Respekt, diese Kirche, die er eigentlich retten möchte, zu spalten, denn da gibt es ganz schön viel Unmut über das, was da jetzt passiert ist, in den Gemeinden.

Gemmingen: Ja, das ist richtig. Ich kann auch wirklich verstehen, wenn die Basis sich fragt, den Kopf schüttelt, was haben wir für einen Papst, ist das überhaupt noch unser Papst, sind wir noch Papst, das kann ich schon verstehen, und deswegen wünsche ich mir eben auch, das aus dem Vatikan Signale kommen, Zeichen, deutliche Aussprache, wie auch schon Kardinal Lehmann gefordert hat, das, äh, sich jemand entschuldigt und vor allem, das klare Positionen sind. In der katholischen Kirche muß man Vaticanum zwei annehmen, muß man Antisemitismus verurteilen, muß man den Dialog mit den Juden suchen und pflegen, vor allem die Einheit der Christen, alles das muß klar auf den Tisch gelegt werden, damit die Menschen wissen, die Leute in der Kirche wissen, was Benedikt wirklich bewegt und umtreibt.

Kommentare:

Elsa Laska hat gesagt…

>>In der katholischen Kirche muß man Vaticanum zwei annehmen, muß man Antisemitismus verurteilen, muß man den Dialog mit den Juden suchen und pflegen, vor allem die Einheit der Christen,>>
Hn? Wat is?
Haben wir seit 2005 etwa ANDERE Themen gehabt und jetzt dringenden Nachholbedarf? Vaticanum Zwei, das allererste was ich höre! Muss ich mich unbedingt mal schlau drüber machen... *eyesroll

Antisemitismus verurteilen? Der Hl. Vater sollte jetzt doch dringend mal nach Auschwitz fahren!
Einheit der Christen? Mit w e m hat denn der Hl. Vater vier Jahre lang geredet? Mit Zoroastrianern ?

Das muss der Mann doch besser wissen als ich, er macht doch die Nachrichten darüber?

Herr, hilf uns, steh uns bei!

Tiberius hat gesagt…

Wer solche Freunde hat, ...

In Anbetracht der Fragen, muß man aber auch sagen, daß die Redaktion des Nachtmagazins ihr Geschäft versteht. Fragen, die so von Unterstellungen und Wertungen triefen, lassen sich nicht einfach beantworten.

Für den, der seine Fragen vom Teleprompter ablesen muß, wäre es unangenehm in ein sachliches Gespräch verwickelt zu werden.

Wie zum Beispiel durch die einfache Feststellung: "Ihre Frage geht von einem Sachverhalt aus, den es so nicht gibt. Bitte stellen sie eine andere Frage."

Um die geistige Beweglichkeit des Fragenden zu prüfen ließe sich auch höflich eine Neuformulierung der Frage erbitten. Das reicht oft schon, um das "Storyboard" ins wanken zu bringen.

Wenn das Gespräch jedoch aufgezeichnet und geschnitten wird, bleibt dem Befragten nur das Wohlwollen des Regisseurs.

Fidelis hat gesagt…

Da hat sich mal wieder eine Welle der Empörung aufgebaut, auf der jetzt jeder Gutmensch in den Medien mitschwimmen will. Das war auch bei der "Regensburger Rede" schon so, als die deutschen Medien das Zitat genauso wie die Islamisten in Arabien aus dem Zusammenhang gerissen haben, nur um sich mal wieder über den Papst empören zu können.

Was der Pater von Gemmingen sagt finde ich auch ziemlich peinlich für einen Kirchenvertreter. Der hat offensichtlich Angst anzuecken und klare Position zu beziehen.

Ich kann es zwar nicht beurteilen, glaube aber nicht, daß in den Gemeinden vor Ort so eine riesige Empörung der Katholiken wegen dieser Lapalie vorhanden ist, wie das in den Medien dargestellt wird..

Und welche "kathastrophalen Auswirkungen" meint der Moderator in dem Gespräch? Habe ich irgendetwas versäumt?

Tiberius hat gesagt…

Ja, wenn es nicht Golgatha wäre, dann würde man sich freuen, daß die Apostel vorneweg laufen.

Elsa Laska hat gesagt…

@tiberius: *lachtränen ...

du hast recht, es ist sicher nicht einfach, sich bei solchen fragen in einem interview eindeutig zu äußern. aber pater von gemmingen ist doch medienprofi, dachte ich eigentlich.

Lupambulus Berolinen. hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Stanislaus hat gesagt…

Das Nachtmagazin habe ich auch gesehen und wollte es erst zusätzlich zu den Tagesthemen auf meinen Blog setzen, habe es dann aber doch gelassen.

So langsam kann ich das Geschwafel nicht mehr hören!

Erst waren es "Extremisten", die über die Regensburger Rede erbost waren, jetzt auf einmal vergleicht man diese "Extremisten" mit dem empörten Judentum ...

Stanislaus hat gesagt…

P. Eberhard ein Medienprofi???
Als ich in Rom studierte, habe ich hin und wieder auch Radio Vatikan gehört. Der Mann brachte es tatsächlich bei den Nachrichten fertig, sich in einem Satz dreimal zu versprechen.