Samstag, 7. Februar 2009

Die Mehrheit will die Aussöhnung

Dr. Gerald Goesche, Propst des Instituts St. Philipp Neri, zu Fragen der Aussöhnung zwischen Kirche und Piusbruderschaft im Gespräch mit Radio Vatikan.

Radio Vatikan: Herr Propst, wie uneins ist die Piusbruderschaft? Kommt es zu einer Spaltung in zwei Gruppen, eine, die mit Rom sprechen möchte, und eine andere, die Dialog ablehnt?

Propst Goesche: „Das ist ganz schwierig zu beurteilen. Ich habe aber festgestellt, dass die Aufhebung der Exkommunikation insofern gute Früchte hat, als Bischof Fellay sich so klar geäußert hat und so sehr auf Seiten des Heiligen Vaters steht wie bisher noch nicht. Auch Pater Schmidberger hier in Deutschland hat sich ähnlich vernehmen lassen. So dass ich mir vorstellen könnte, dass doch ein sehr großer Teil der Piusbruderschaft auf jeden Fall jetzt auch eine vollkommene Aussöhnung mit dem heiligen Stuhl und eine Regelung der Situation suchen wird. Ich glaube, dass Bischof Fellay da wirklich Führung übernommen hat ist ein neues Element, was sehr wichtig ist. Ich denke auch, dass die Mehrzahl der Gläubigen und der Priester, wenn sie in die Richtung geführt werden, eigentlich eine Aussöhnung mit Rom und eine vollkommene Ordnung der Situation wollen.“

Radio Vatikan: Es wird nun also in irgendeiner Form zum Austausch zwischen Piusbruderschaft und Vatikan kommen. Meinungsverschiedenheiten gibt es in einer ganzen Reihe von theologischen Themen, die sich auf Lehren des Konzils beziehen: Liturgie, Religionsfreiheit, Ökumene, interreligiöser Dialog, auch das Verständnis von Tradition. Gibt es darunter eine besonders harte Nuss?

Propst Goesche: „Ich glaube, der schwierigste Punkt ist tatsächlich das Verständnis der Tradition. Wenn man die Vorstellung hat, es hat irgendwann einmal ein ewiges Rom gegeben, 1950 oder sonst wann, wo alles in Ordnung war, hat man natürlich eine verzerrte Vorstellung von der Wirklichkeit, die schwer zu korrigieren ist, weil es fast mehr etwas Emotionales ist, und eine Perfektionsvorstellung, die eigentlich auch sehr moderne Züge hat. Bei der Liturgie gibt es, glaube ich, kein großes Problem, weil der alte Ritus, so wie er, zumindest an vielen Stellen in der Piusbruderschaft und anderswo in der Tradition gefeiert wird, sehr viel von ,Sacrosanctum Concilium’ aufgenommen hat. Da soll man sich nicht täuschen, auch da gibt es ein Erbe der liturgischen Bewegung, und viele Konzilsväter würden sich in der Liturgie, wie sie oft da gefeiert wird, sehr wohl fühlen und sagen: So ungefähr haben wir uns das vorgestellt. Ein weiteres großes Problem ist, dass Erzbischof Lefebvre Missionar war und ein großer Pragmatiker und immer einen kleinen Verdacht gegenüber allem allzu Intellektuellen hatte. Deswegen ist die Theologie in der Piusbruderschaft doch sehr beschränkt, und man kann mit der normalen akademischen Welt dann oft nicht so mithalten, wie man sich das wünschen würde. Da gibt es natürlich dann auch ein Kommunikationsproblem, wenn ich mit akademisch gebildeten Theologen spreche und im Grunde nur die eigenen Hausanstalten kenne.“

Radio Vatikan: Viele – hoffentlich alle - Katholiken haben die Einlassungen von Bischof Wiliamson mit Entsetzen zur Kenntnis genommen. Für viele war es überhaupt das erste Mal, dass sie von der Piusbruderschaft gehört haben. Wie hoch ist der Schaden für die Gemeinschaft?

Propst Goesche: „Da ist eine Eiterbeule, oder vielleicht sogar eine Pestbeule geplatzt. Man sieht, dass sofort da, wo der Papst die Arme ausstreckt, erstmal diese ungesunden Keime und dieses Bösartige ans Licht kommen - und das ist ja eigentlich ein großer Erfolg. Wie stark jetzt rechte oder sogar den Holocaust leugnende Tendenzen insgesamt vielleicht in Frankreich oder Amerika sind, das ist für mich schwer abzuschätzen, weil ich doch den deutschen Raum besser kenne. Da, würde ich sagen, ist das im Grunde eine Minderheit. Die meisten sind doch enttäuschte und vielleicht auch frustrierte Katholiken, die sich vergaloppiert haben.“

Das ganze Interview läßt sich auf der Seite des Instituts St. Philipp Neri nachlesen.

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