Freitag, 13. Februar 2009

Die Kirche und ihre Kanzeln: Das Bistum Dresden

Auszug aus dem Manuskript einer Predigt in der katholischen Kathedrale Dresden, gehalten, heute Abend, halb neun Uhr:

"... Grosse Lehrer menschlicher Weisheit gibt es viele. Die Feindesliebe ist das ganz besondere Geschenk Jesu an die Menschheit, ... Keine Vergeltung? England und Amerika, die sich natürlich schon immer für christliche Nationen gehalten haben, antworteten darauf [gemeint sind deutsche Luftangriffe auf London und Coventry] mit der Ermordung von etwa 25 000 Menschen hier in Dresden ... Die anderen Kulturvölker stehen uns darin nicht weit nach. Ein tiefgläubiger Islam rächt sich nun in einem heiligen Krieg an dem Westen. Nach zweitausendjähriger christlicher Verfolgung weiß der Staat Israel nichts Besseres zu tun, als seinen Feinden mit Staatsterror zu entgegnen. ... Wenn die verblendeten, hasserfüllten Faschisten Europas durch diese Stadt marschieren wollen, ist uns das zuwider. ... Ähnlich steht’s mit Christen, bei denen der Wahnsinn des Antisemitismus noch in den Knochen steckt, wie zum Beispiel die jüngst irrsinnigerweise vom Vatikan rehabilitierte Sekte von Rechtsextremisten, die nichts aus der Geschichte gelernt haben. ... Wenn ich mir zuhöre, laufe ich Gefahr, mich davon zu überzeugen, es wäre vielleicht besser, mit der Religion, jeder Art von Religion, Schluß zu machen. ... Aber so denke ich nicht. Die Beweise für tätige Feindesliebe in all den großen Religionen der Welt sind mannigfaltig. ... Das Wort Sünde ist zwar nicht in Mode, nicht ganz zu Unrecht, denn die Kirche hat viel zu viele Menschen als Sünder verschreckt und abgewiesen. Erkennen wir aber, daß wir einzeln und gemeinsam in Sachen Liebe noch viel nachzuholen haben, dann ist das Ziel der Vollkommenheit nicht ausser Reichweite."

Offenbar hat die Kirche im Bistum Dresden-Meissen nicht einen Funken Selbstachtung.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Masochismus. Oh! Ja! Gibs! Mir! Hau! Mir! Noch! Einen! Rein! Tiefer! Fester!
Scheint aber nur so, tatsächlich sind da die Anhänger einer synkretistischen Mischreligion zugange, die tatsächlich den Anderen, gläubigeren Katholiken eine reinwürgen, natürlich nicht höchstpersönlich, sondern durch die protestantischen Bellos, die so blöd sind, sich vorschicken zu lassen.

Tiberius hat gesagt…

Mich stören vor allem folgende, zum Teil implizite Aussagen:

1. Jesus Christus ist ein Weisheitslehrer unter vielen.
Kein Wort vom Menschensohn. Die Diesseitigkeit der verkündeten Heilserwartung spiegelt sich zudem in der Vollkommenheit, die wir angeblich auf dem Weg der Liebe erreichen können, welche nur der Sünder noch nicht erreicht hat, vom Erlöser kein Wort.

2. Der Heilige Krieg des Islam ist kein Akt des Glaubens, sondern der Vergeltung.
Kein Wort davon, daß der Islam, vor dem ersten Kreuzzug, 400 Jahre Krieg gegen Christen in Nordafrika und Westasien führte.

3. Die Juden haben nichts gelernt. 2000 Jahre sind sie von Christen verfolgt worden. Heute sind sie selbst Verfolger und Terroristen.
Kein Wort von der Bedrohung des Staates Israel durch seine arabisch-islamischen Nachbarn.

4. Der Heilige Vater hat im Irrsinn rehabilitiert. Priester und Gläubige der Piusbruderschaft sind rechtsextreme Antisemiten.
Kein Wort von der Barmherzigkeit des Vaters, vom Leben des Sünders und vom Tod der Sünde oder auch nur von der Einheit der Kirche, von der Verantwortung des Einzelnen für seine Taten, nichts.

5. An den Religionen kann man Irre werden. Die Menschen aber gehen nicht irre. Sie zeigen das in allen großen Religionen.
Kein Wort von "keiner kommt zum Vater denn durch mich", stattdessen Weltethos"-Geschwurbel.

Warum die Kirche zuläßt, daß man von ihren Kanzeln predigt, was sie selbst verurteilt, ist mir unverständlich.

Abgesehen von dem politischen und historischen Unsinn, den Oestreich hier verzapft, und seiner Respektlosigkeit dem Heiligen Vater gegenüber, vertritt er doch auch theologisch eine Position, die in bedenklicher Nähe zu der, von der Kirche verworfenen, Selbsterlösung des Menschen steht.

Stanislaus hat gesagt…

Mh, mit dem Nahostkonflikt hadere ich auch sehr oft.

Anfangs stand ich auf israelischer Seite. 1996 dann war ich zwei Wochen dort, habe vor allem mit Palästinensern gesprochen. Meine Meinung hatte sich gewendet. Dann lernte ich in Rom eine junge Dame aus dem Libanon kennen. Meine Meinung verfestigte sich noch mehr.

Jetzt, wo Hamas und Co. mit Raketen schießen, die Israelis Gaza besetzen, in Deutschland Demonstrationen veranstaltet werden, auf denen "Tod den Juden" auf Transparenten zu lesen ist und israelische Fahnen polizeilich entfernt werden, denke ich mir fast: Mensch, walzt diese ewigen Kriegstreiber Hamas doch endlich mal platt, und Ruhe ist im Karton.

Ganz egal, auf welche Seite man sich schlägt. Ich weiß, daß sowohl arabische als auch israelische Jugendliche eigentlich Frieden wollen. Leider lassen sie sich von einigen Extremisten aus ihren Reihen immer wieder aufhetzen. Das tut weh.

Ich wüßte in der Tat auch kein Patentrezept, wie man diesem Konflikt beikommen könnte.