Dienstag, 17. Februar 2009

Bischof Müller verlangt Treue zum Heiligen Vater

Der Regens­bur­ger Bischof Ger­hard Müller schreibt drei Unter­zeich­nern der Pe­ti­tion "Un­ein­ge­schrän­kte An­er­kennung des II. Vati­ka­nisch­en Kon­zils". In der Petition werde dem Papst unter­stellt, er wür­de Tei­len der Kir­che ge­statten, daß Kon­zil ab­zu­leh­nen und damit der Kir­che schaden. Diese Unter­stellung ent­behre jeg­lich­er Grund­lage und dis­qua­li­fi­zie­re die Unter­zeich­ner als katho­li­sche Theo­logen. Der Bischof sei ver­pflich­tet, das Recht der Theo­lo­gie­stu­den­ten auf eine wissen­schaft­lich kom­pe­ten­te Theo­lo­gie und die kirch­liche Ge­sinn­ung ihrer aka­de­misch­en Lehrers zu wah­ren. Müller for­dert die Unter­zeich­ner zu­nächst auf, sich von der Petition zu distan­zie­ren und beim Heiligen Vater schrift­lich um Ent­schul­di­gung zu er­such­en, um dann vor ihm das Glau­bens­be­kennt­nis und den Treue­eid per­sön­lich ab­zu­le­gen. Andern­falls würde er zum Wohl der Kirche von Regens­burg und der Ge­samt­kirche wei­tere Schritte ein­leiten.

Das Schreiben des Bischofs läßt sich hier auf der Internetseite des Bistums nachlesen.

Kommentare:

Nikodemus hat gesagt…

Schon ein wenig ambivalent... Ich finde es gut, dass der Bischof den Professoren auf die Finger guckt und auch den Theologiestudenten ein kirchlich orientiertes Studium gewährleisten will. Das ist absolut notwendig und wird viel zu wenig gemacht. Der Brief hat aber z.T. eine meines Erachtens zu scharfe Tonlage und die Prof's wegen der Unterschrift das Credo aufsagen zu lassen, finde ich etwas überzogen. Aber man weiß auch nicht, was dem u.U. schon vorausgegangen ist...

Tiberius hat gesagt…

Diese Einschätzung teile ich.

Die Vorwürfe, die Bischof Müller aus der Petition ableitet, welche er den Unterzeichnern zum Vorwurf macht, sind aus der Petition, wenn man denn will, durchaus herauszulesen. Naheliegend erscheinen sie mir nicht.

Um die Schärfe des Tonfalls besser verstehen zu können möchte man davon ausgehen, daß die Unterzeichner der Petition sich weit mehr zu schulden haben kommen lassen. Soviel, daß auch ein Büßerhemd nicht zuviel wäre.

Bislang hat der Regensburger Bischof, zu verschiedenen Gelegenheiten, eine Unversöhnlichkeit und Hartherzigkeit an den Tag gelegt, die mir mißfällt. Ich kenne ihn nicht persönlich, vermute aber hinter einem gewissen Rigorismus auch ein cholerisches Temperament.

Das Schreiben an die Öffentlichkeit zu geben, halte ich für verfehlt. In der Form demütigen die Forderungen des Bischofs die Unterzeichner. Wen aber soll das befriedigen? Wen zur Umkehr bringen?

Ich hätte das Schreiben erst veröffentlicht, nachdem die Theologen den Forderungen nicht nachkommen, um dann Maßnahmen des Bischofs der Öffentlichkeit verständlich zu machen.

Stanislaus hat gesagt…

Naja, der Bischof hat sein Schreiben veröffentlicht, nachdem die drei Professoren ziemlich zügig an die Öffentlichkeit gegangen sind, wo dieses Schreiben recht tendenziös wiedergegeben worden ist.

Gegen eine Klarstellung von Seiten des Ordinariats habe ich nichts einzuwenden.

Elsa Laska hat gesagt…

Ich hätte mir zwar nie Träumen lassen, dass ich einmal Bischof Müller gut finde, aber ich muss es an dieser Stelle doch mal sagen:
Während seine Kollegen im Amt bräsige Interviews geben, dem Hl. Vater in den Rücken fallen wo es nur geht und eifrig bemüht sind, jeglichen Dialog mit FSSPX zu verschleppen wo es geht (das sei nicht nötig, überflüssig, die FSSPX hätte ja auch gar noch nicht die Anstalten dazu gemacht, wollen nicht, und soweiter), hat Bischof Müller in dieser Sache bis jetzt wenigstens noch ein scharfes Profil gezeigt. Zu seiner Drohung gegenüber Zaitzkofen mag man stehen wie man will, man kann ihm aber nicht vorwerfen, er schaffe keine klar konturierte Position, wie so manch anderem, ich jedenfalls fand es sehr gut, dass er gleich nach Williamsons Äußerungen demonstrativ in die Synagoge marschiert ist, da haben die anderen noch herumgeheult und über Rom lamentiert.
Und jedenfalls erweckt der Brief nicht den Eindruck, er sympathisiere klammheimlich mit den Unterzeichnern, die sich im übrigen tatsächlich als katholische Theologen disqualifiziert haben - das muss man als Laie leider tatsächlich nach auch nur rein oberflächlicher Prüfung der Konzilstexte so sagen. (Und im Hinblick auf den Stellenwert der Aufhebung der Exkommunikation SOWIESO).

So, jetzt ihr wieder ...
:-)

Lupambulus Berolinen. hat gesagt…

Sabine Demel wird irgendwo zitiert, dass amn bei der Unterzeichnung einer Petition nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen könne, sondern schauen müsse, ob die Gesamttendenz stimmt. Recht hat sie! Gerade das macht die Unterschrift in diesem Falle jedem seriösen Theologen völlig unmöglich. Trotzdem lässt GLM - leider - einmal mehr die für das Bischofsamt geforderte prudentia vermissen.

Elsa Laska hat gesagt…

Mangelnde prudentia? Ja, hat er denn gefordert, dass sie das Credo auf Latein aufsagen müssen?

Tiberius hat gesagt…

Pressemeldung zum Gespräch von Bischof Gerhard Ludwig Müller mit der Fakultätsleitung am 20.02.2009, Bischöfliche Pressestelle:

Der Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, und die Leitung der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg stellen fest, dass es Recht und Pflicht des zuständigen Bischofs ist, für die Kirchlichkeit der Theologie Sorge zu tragen. Sie sind sich darüber einig, dass alle theologisch Lehrenden besondere Verantwortung für die wissenschaftliche Sorgfalt und das Wohl der Kirche haben.

Alle Professoren einschließlich der drei Unterzeichnenden lehnen eine Interpretation der Petition (www.petition-vaticanum2.org) ab, wonach dem Papst eine mangelnde persönliche und lehramtliche Integrität unterstellt wird. Es ist keine Frage, dass alle Lehrenden an einer katholisch-theologischen Fakultät ohne Einschränkung die Lehre der Kirche anerkennen, vor allem das II. Vatikanische Konzil und die Lehren der folgenden Päpste. Insbesondere die drei Unterzeichnenden unterstreichen ihre selbstverständliche Loyalität zum kirchlichen Lehramt.

Die Verantwortlichen bleiben bei dem Prinzip der internen Abklärung von Personalfragen.