Dienstag, 24. Februar 2009

Klein-Hadersheim in den fünfziger Jahren

Zu meinem großen Be­dau­ern, ver­wech­seln man­che Tradi­tio­na­list­en die Tra­di­tion der Kir­che mit ihren ei­gen­en Ge­wohn­hei­ten. Sie wollen mit der Messe nicht nach Gol­go­tha, zwei­tau­send Jahre in der Zeit zurück, son­dern nur bis Klein-Haders­heim in den fünf­ziger Jahren. Bet­sing­messe be­vor­zugt. Das litur­gi­sche Ideal der Kirche, die Schätze der Litur­gie und die Spiri­tuali­tät der Messe sind ihnen heute so fremd wie damals. Es zählt allein: "Das haben wir schon immer so ge­macht". Die Früchte dieser Hal­tung kennen sie nicht.

Am Sonn­tag nach der hei­li­gen Messe, in den Gän­gen des Instituts, eine alte Frau, Jahr­zehn­te bei der Pius­bru­der­schaft, gibt sich empört: "Die la­tei­nisch­en Ge­sänge sind viel zu lang. Müssen die immer so lang sein? Ich finde das nicht mehr gut. Ich lang­wei­le mich dabei. Das gehört in ein Klo­ster, nicht in eine Kir­che. Ich ver­stehe die la­tei­nisch­en Gesänge nicht. Wir haben immer auf deutsch ge­sun­gen, 70 Jahre lang. Ich will wieder deutsch singen. Wenn wir eine Unter­schrif­ten­liste machen, dann werden sie schon sehen."

Würde man diese Frau fragen, nach der litur­gisch­en Be­we­gung des frühen zwan­zig­sten Jahr­hun­derts, nach der neuen Messe und nach Kir­chen­volks­be­we­gun­gen, Pro­test wäre ga­ran­tiert. Ein Gra­du­ale Ro­ma­num hat sie sicher nie ge­sehen, ein Missale Ro­ma­num, egal, wel­chen Jahr­gangs, wohl auch nicht. Haupt­sache vorne wird ge­be­tet und hinten wird ge­sungen. An­schei­nend kann auch sie den Schritt von der An­we­sen­heit zur Teilnahme, wenn überhaupt, dann nur in Aktionismus denken.

Was wird wohl sein, wenn sie er­kennt, wie ähnlich sie denen ist, die sie aus tiefstem Herzen ablehnt?

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