Dienstag, 14. April 2009

Apostel zwischen Duldungsstarre und Mutanfall

Aus einem Vortrag von Dr. Alexander Kissler im Mai des letzen Jahres. Dr. Alexander Kissler ist Autor und Kulturjournalist. Der insgesamt lohnende Vortrag zu der Frage "religiös aber gottlos?" ist auf Gloria.tv zu sehen:

"Es hilft alles nichts, aus dem Boom einer Religiö­sität wie sie der Reli­gions­moni­tor vor­stellt kann der Glaube kei­nen Honig saugen. Vielleicht ahnen die Re­prä­sen­tan­ten des Glaubens die herku­lische Her­aus­for­derung vor der sie stehen und vielleicht schwan­ken sie des­halb - so meine These - zwischen Duldungs­starre auf der einen Seite und Mut­anfall auf der anderen Seite. ...

Ersteres, die Duldungs­starre, ist der haupt­säch­lich an­zu­treffende Aggregats­zu­stand. Die meisten Gläubi­gen haben die For­derun­gen der Welt der­art in sich auf­ge­sogen, daß Glaube und Welt kaum zu unter­schei­den sind. Man sieht fünf Bilder in der Regional­zeitung. Auf jedem Bild sieht man jeweils vier Herren im Blouson. Einer von diesen zwanzig Blouson­trägern ist der Orts­pfarrer. Das ist also die Unter­scheid­bar­keit - die optische Unter­scheid­bar­keit.

Die meisten Gläubi­gen haben diese For­der­ung so sehr in sich auf­ge­so­gen, daß sie kein Ver­hält­nis mehr zur Welt haben - wie soll­ten sie auch? Sie sind ja Welt. Und Christen sind dann jene ver­spreng­ten Tar­taren, die "Laut geben", die "be­troffen sind", wenn sie sich "her­aus­ge­for­dert sehen", wenn sie "Stellung be­zieh­en" und die dann so reden, wie man eben redet - im poli­tisch­en All­tags­ge­schäft.

Sie freu­en sich, daß man sich für ihre Mei­nung inter­essiert und über­sehen leider, daß man sich nur für ihre Mei­nung, nicht für ihren Glauben inter­essiert. Die Mikro­fone sind weit ge­öffnet, wenn Kardi­näle und Bischöfe die Asyl­poli­tik kommen­tieren, den Klima­wandel, die Fußball-Europa­meister­schaft. Jovial geben sie Auskunft und freuen sich nach jedem Lacher, den sie provo­zieren, daß sie end­lich in der Mitte der Gesell­schaft ange­kommen sind, auf Augenhöhe mit den Staats­ministern und General­sekretären.

Ver­loren­ge­gan­gen ist dabei das Be­wußt­sein, daß sie doch eigent­lich ein Stachel sein sollten, ein Stachel im Fleisch der Selbst­zufrie­denen und nicht deren Pausen­clown."

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Bild: K-TV, Alexander Kissler, auf dem Vortrag in Altötting, Mai 2008.

Kommentare:

Elsa Laska hat gesagt…

Hm. Naja, wenn man sich so anschaut, was sie jetzt wieder mit Bischof Mixa treiben ... dann muss ich schon sagen, nein, dass man der Stachel sein soll ist wenigstens bei den famous 3M nicht verlorengegangen ... Oder?

Tiberius hat gesagt…

Mit Bischof Mixa bin ich vor vier Wochen im Aufzug zusammengestoßen. Ein freundlicher Mann mit einer Portion Altherrenwitz, die sich etwa wie folgt Ausdruck verlieh: "Oh, ein Aufzug, guten Tag! Jetzt geht es nach oben, da werden die Bäuche dick, runter werden dafür dann die Hälse lang." Mixa war gerade auf dem Weg zu einem Interview.

Ich persönlich habe auch von Bischof Hanke einen guten Eindruck gewonnen. Meißner, Mixa, Marx sind sicher unverzagter als viele andere in der Deutschen Bischofskonferenz. Müller, der vierte im Bunde, ist mir persönlich weniger nah.