Dienstag, 19. August 2008

Yin und Yang

Luis Gutheinz erkennt die Dreifaltigkeit Gottes im Taiji-Symbol von Yin und Yang. Er denkt die Einheit von Yin und Yang als das absolute Liebesgeheimnis von Vater, der Yang ist, Sohn, der Yin ist, und Heiligem Geist, der die einigende Linie zwischen Yang und Yin ist. Im Taiji-Symbol stünden diese beiden aber auch für Mann und Frau. Gutheinz erkennt sofort, hier entsteht Handlungsbedarf:

"Es sei an dieser Stelle ein kleiner theologischer Exkurs zur heiklen Frage des Priestertums der Frau gewagt, ohne dem Magisterium der katholischen Kirche provokativ vorausgreifen zu wollen: Wenn im "Yin-Yang-He"-Denkmodell die zweite göttliche Person (das Wort des Vaters, der Sohn, und so Jesus Christus) mit "Yin" bezeichnet werden könnte, wobei Yin auch Yang enthält, und wenn in der Anwendung des "Yin-Yang-He"-Denkmodells auf die menschliche Lebenswelt der Mann als "Yang" und die Frau als "Yin" bezeichnet werden (wobei wiederum im Yin auch Yang, und im Yang auch Yin enthalten ist), dann drängt sich die Schlußfolgerung auf, daß auch Frauen im kirchlichen Bereich sichtbare Repräsentantinnen Jesu Christi sein können. Somit wäre aus dieser theologischen Sicht ein Priestertum sowohl von Männern wie von Frauen als dynamische Gegenwart des Einen Jesus Christus eine vollständigere Repräsentation. Der Theologe darf solche Ideen in einem echten "sentire com ecclesia" vortragen, die konkreten Entscheidungen jedoch liegen beim Magisterium und der Leitungsvollmacht der Kirche."

Ich hingegen denke, daß die Übertragung der Dreifaltigkeit Gottes auf das Taiji-Symbol nicht verlustfrei möglich ist, und daß das, was hinzukommt, Beifang ist. Zudem ging ich bislang davon aus, daß alle Christen - in unterschiedlicher Vollkommenheit - Repräsentanten Christi sind. Aber immerhin ist Luis Gutheinz Professor für Dogmatik an der Fu Jen Catholic University in Taipei. Ein Hinweis auf seine Ordensgemeinschaft ist hier wohl nicht notwendig.

Quelle: Luis Gutheinz SJ, "Ein Blick in die Werkstatt der chinesischen Theologie", in: Stimmen der Zeit, 9/2007, S. 619-631, hier S. 626f.

Kommentare:

Phil hat gesagt…

Immerhin liegen die konkreten Entscheidungen immer noch in den Händen der Kirche.

Ich finde die Gegenüberstellung Yin/Yang und Dreifaltigkeit ziemlichen schwachsinn. Gott ist keine Vereinigung aller Gegensätze. Es gibt auch keine fließenden Übergänge zwischen den drei Personen der Heiligen Dreifaltigkeit.

Tiberius hat gesagt…

Absolut richtig, der Widerspruch ist für jeden Sonntagsschüler einsichtig! Warum ein Professor für Dogmatik - ein Priester und Jesuit - diesen Widerspruch nicht erkennen kann, bleibt mir ein Rätsel.