Montag, 12. Januar 2009

Una sancta, catholica et apostolica Ecclesia

Vor zwei Jahren besuchte ich erstmals die auf der anderen Seite des Südsterns gelegene Johannes Basilika. Kurz vor Beginn der Messe eilte ich in die Kirche und nahm in einer der hinteren Bankreihen Platz. Vor mir saßen mehr als zweihundert Gläubige, was mich sehr erstaunte. Eine katholische Kirche mit derartigem Zuspruch mitten in Kreuzberg zu finden, hatte ich nicht erwartet. Ich wußte noch nicht, daß es die polnische Gemeinde Berlins war, die hier ihre Messen feiert, wurde aber durch das erste Kirchenlied belehrt und konnte nun auch die volle Kirche besser deuten.

Auch wenn ich in St. Johannes seitdem keine Messe mehr besuchte, suche ich doch die Kirche ab und an zum Beten auf. Sie ist schön und nah. Da sie wie fast alle Kirchen Berlins hauptsächlich auch verschlossen ist, bin ich darauf angewiesen, daß mich Mitarbeiter des Gemeindebüros durch die Sakristei in die Kirche schlüpfen lassen. Was mir in den Bürozeiten zum Glück noch nie verweigert wurde. Es ist ein Geschenk für mich, allein in dieser großen Kirche beten zu dürfen.

Vor kurzem sprach mich nun ein Mann in der Sakristei an. Er hatte weiße Haare, ein blasses Gesicht mit einer großen Nase und eine Jacke in ausgewaschenem Bordeaux. Da ich mich lange in der Kirche aufgehalten hatte und fürchtete, die Mitarbeiter der Gemeinde um ihren pünktlichen Feierabend gebracht zu haben, rechnete ich mit einer Rüge. Der Mann aber sprach mich freundlich an. Von dem jedoch, was er sagte, verstand ich kein Wort. Bei mir ging es ihm nicht anders. Er sprach Polnisch. Ich sprach Deutsch.

Eine Verständigung schien unmöglich. Da ich seinen Gesten entnahm, daß er mich in der Kirche hatte singen hören, sagte ich Gregorianik, worauf er nach einem langgezogenen Wohllaut mit großer Bewegung Gregoriana sagte. Er schaute mich an und sagte es immer wieder, mal wehmütig, mal sehnsuchtsvoll, und auch ich sagte es und gemeinsam freuten wir uns, daß wir ein gemeinsames Wort gefunden hatten, weil es in unseren Sprachen ähnlich klang.

Er hielt inne und blickte, wie auf der Suche nach einer alten Erinnerung, nachdenklich und versonnen aus dem Fenster. Als er mich wieder ansah, strahlten seine Augen und mit schöner Stimme sang er die ersten Worte des Glaubensbekenntnisses: "Credo in unum deum". Darauf brach er ab und ich sang weiter: "Patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae", und gemeinsam sangen wir bis zum "Amen". Mit Freude und Dankbarkeit erfüllt verließ ich St. Johannes, denn obwohl wir der Sprache des anderen nicht mächtig waren, hatte uns die Kirche erlaubt, das zwischen uns geknüpfte Band, in ihrer Sprache zum Ausdruck zu bringen.

Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

najdobrze!

Du erlaubst, daß ich´s in meine Gregorianiklinkliste aufnehme.

Tiberius hat gesagt…

Ist gern erlaubt.