Montag, 10. November 2008

Drei Tage mit dem Opus Dei in Kreuzweingarten

Über das Wochen­ende bin ich mit dem Opus Dei in Kreuz­wein­garten. Drei Tage Ex­er­zitien, das heißt drei Tage Schwei­­gen, Be­­sinnung und Ge­bet.

Fast vier­zig Männer sind zu­sammen­ge­kommen, die Jüng­sten En­de zwan­zig, die Äl­tes­ten über sieb­zig. Viele sind ver­hei­ra­tet. Nicht alle sind ka­tho­lisch. Die mei­sten kommen aus Berlin und Köln. Andere sind schon seit vie­len Jah­ren dabei. Für mich ist es das er­ste Mal.

Über die Tage ver­gegen­wärtigt ein Priester des Opus Dei in geist­lichen Be­trach­tungen die Wahr­heiten des Glaubens über die Be­ziehung von Gott und Mensch. Er spricht von Frei­heit und Liebe, von Sünde und Ver­gebung, von Tod und Auf­erstehung. Er spricht von der Würde des Menschen und von seiner Hei­ligung durch die Nach­folge Christi.

In Vorträgen werden auch Fragen der christ­lichen Lebens­führung erörtert. Es geht um das Leben des Laien in Ehe, Familie und Beruf. Tu was für deine Ehe, heißt es da zum Beispiel. Halte deine Frau nicht für selbst­verständlich. Sprich mit ihr. Hör ihr zu. Nimm Rücksicht auf sie. Schenk ihr Zeit. Schenk ihr Auf­merksamkeit und Ver­ständnis. Alles Dinge, die weder neu noch ungewöhnlich sind, die aber helfen und immer wieder helfen, wenn man sich nur daran erinnert.

Den größten Teil des Tages ver­bringen wir ohne Betrach­tung oder Vor­trag schwei­gend mit uns selbst. Für viele ist die Stille unge­wohnt. Sie macht uns hör­bar, was der All­tag, von dem sich die Gedanken langsam lösen, leicht ver­schluckt. Sie wirft den Menschen auf sich selbst zurück. Die Existenz drängt sich als Frage auf zu der nur Gott die Antwort ist.

Es ist gut, bei sich zu sein, wenn man die Antwort kennt.

Kommentare:

curioustraveller hat gesagt…

Hm, interessant. Das Opus Dei war Thema meiner (konfessionskundlichen) Abschlussarbeit am Theologischen Seminar. Wollte vom üblichen "Opus-Dei-Bashing" wegkommen, aber trotzdem auf die Unterschiede zwischen dem Werk und protestantischen Kirchen/Gemeinden hinweisen. Fand es trotzdem sehr interessant, auch ein Interview mit dem Pressesprecher in Köln. In manchen Fragen (z.B. angewandter Ethik) stehe ich tatsächlich näher an der traditionellen katholischen Kirche als an der evangelischen...

Tiberius hat gesagt…

Nach dem, was ich erlebt habe, kann ich sagen, daß das Opus Dei - auch wenn manche es anders glauben wollen - nicht anders als katholisch ist.

Das Wirken des Opus Dei ist auf die Bedürfnisse des Laien zugeschnitten, der sein Leben heiligen, das heißt sich Gott hingeben will, ohne den Laienstand zu verlassen.

Das Leben des Laien vollzieht sich in Arbeit, Ehe und Familie. Diese als Berufung zu entdecken, scheint mir das wesentliche Anliegen des Opus Dei zu sein. Es macht - wenn man so will - seine besondere Spiritualtität aus.

Das Opus Dei fordert von den Laien nichts, was die Kirche nicht schon immer von den Laien gefordert hätte: Lebe dein Leben so, daß Du es Gott als reines und makelloses Opfer darbringen kannst.

Auch wenn es sich nicht ausschließen muß, entscheidend ist hier das, was Gott gefällt, und nicht, was den Menschen gefällt. Es ist die Güte und nicht der Erfolg, der für das Opus Dei zählt.

In Fragen der evangelischen Ethik bin ich nicht ausreichend informiert, um gleich den Stab darüber zu brechen, bin aber der Meinung, daß sie den Erfolg der Arbeit durchaus anders bewertet.

Nebenbei bemerkt, der Hinweis auf die "traditionelle katholische Kirche" ist feinsinnig und leider nur allzu berechtigt.