Dienstag, 18. November 2008

Sprechgesang soll Gott Jugendlichen näherbringen

In der ka­tho­lisch­en Ju­gend­kir­che SaM soll man am 19. No­vem­ber mit Gott spre­chen, strei­ten und rap­pen kön­nen. Nach An­gabe des Erz­bis­tums Ber­lin wird der "Vor­sprech­ter­min" Gott und Ju­gend­liche näher brin­gen - kul­tu­rell, sprach­lich und me­dial. Zu den dargebotenen Interpreten gehören Sido und die Fantastischen Vier.

Helmut Jansen, Re­fe­rent für die Ju­gend­kir­che, er­klärt, daß es nicht darum gehe, pro­fane Songs christ­lich zu verein­nahmen, "son­dern den Lebens­welten Jugend­licher die Kir­chen­türen zu öff­nen". Mit Gott zu jammen heiße, un­ver­stellt und in­tensiv in ei­nen Dia­log zu tre­ten.

Die Ju­gend­kir­che SaM ver­steht sich als An­sprech­part­nerin für "eine un­be­fan­gene und kri­tische Aus­ei­nan­der­setz­ung zum Thema Glaube 2008". " Sie freue sich auf je­den Ein­zelnen mit sei­nen Ideen, Ge­dan­ken und Fra­gen. Ihr gehe es nicht um "Ja, und Amen".

Kommentare:

Theolobias hat gesagt…

Mit Sido und den Fantastischen Vier Jugendlichen Gott näher bringen? Viel Erfolg ...

Ok, die christliche Popularmusikszene ist in der katholischen Kirche (noch) nicht so ausgeprägt - aber hat man wirklich keine geeigneteren säkularen Künstler für diesen Zweck finden können?

*kopfschüttel*

Tiberius hat gesagt…

Salve Theolobias!

Danke für Deinen Kommentar.

Ich kann den Versuch, Jugendliche auf diesem Weg in die Kirche zu locken, nur als Ausdruck größter Verzweiflung der Jugendseelsorge verstehen.

Die Defizite, die in der Selbstfahrung von Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen liegen, müssen abgebaut werden. Das ist im Sinne der Kirche. Gott als Person zu begegnen setzt schließlich den Zugang zum eigenen Person sein voraus. Ich habe also nichts dagegen, wenn die Kirche Jugendlichen ermöglicht, sich selbst zu erfahren. Das kann in einem Kletterparcours sein, in einer Freizeit oder einem Konzert.

Ich finde es jedoch bedenklich, wenn sie die Orte der Gotteserfahrung zu Orten der Selbsterfahrung profanisiert. Denn sie beraubt sich damit selbst um das Heilige. Ich wüßte also keinen vernünftigen Grund, warum ein Kletterparcours in einer Kirche stehen sollte und nicht davor. Das gleiche gilt für Discos und Konzerte.

Den Empfehlungen des Alten Testaments folgend, würde ich ganz anders, die Jugendlichen in die Wüste schicken. In der Weite und Stille, die wir in Kirchen finden, einige jüngere Kirchenbauten lasse ich dabei außen vor, ist mit Sicherheit die Frage nach Gott zwingender als in den Liedtexten der Fantastischen Vier.

Ohne Gott ist die Stille brutaler und fürchterlicher als das was ein Rapper wie Sido in dieser Hinsicht auf die Beine stellen kann. Die Stille ist ein großes Abenteuer. Ist es nicht das, was junge Menschen suchen?

Vale!
Tiberius

p.s. Was meine Präferenzen zur sakralen Musik betrifft, so dürften diese eigentlich kein Geheimnis sein.

Theolobias hat gesagt…

Salve Tiberius!


Ich stimme Dir da weitgehend zu - abgesehen davon, daß ich als Protestant natürlich eine (nicht komplett) andere Beziehung zu Sakralbauten habe, und abgesehen davon, daß ich es durchaus für möglich halte, daß Gott auch auf dem Wege der Popularmusik erfahren werden kann. Ich selbst jedenfalls erlebe das ständig und bewege mich ja auch viel in dieser Szene.

Dabei muß aber jedenfalls die Frage nach dem Wie gestellt werden, sonst verkommen solche Veranstaltungen in der Tat schnell zu bloßen oberflächlichen Unterhaltungsevents. Ich wage aber zu bezweifeln, daß sich die Musik von Sido und den Fantastischen Vier überhaupt für diesen "Zweck" gebrauchen läßt. Wenn, dann doch nur mit vielen Umwegen und argen Verbiegungen. Das zeugt m.E. auch von Hilflosigkeit. Da ist dann auch mir jede Woche im Kloster oder in der Wüste (so groß ist der Unterschied ja nicht) lieber.


Gott zum Gruße,

Tobias :-)


PS: Das OpenID-Feld auf Deinem Blog scheint nicht recht zu funktioneren - ich möchte mich eigentlich mit meinem WordPress-Account anmelden, bekomme aber immer die Fehlermeldung, daß ich dort nicht eingeloggt bin (was nicht der Fall ist). Daher auf diesem Wege noch Schleichewerbung und Referrer zugleich: www.theolobias.de

dilettantus in interrete hat gesagt…

Meine Erfahrung als Musiker ist, daß alles, was an "moderner" geistlicher Musik läuft, auf Jugendliche meist altbacken wirkt!

Theolobias hat gesagt…

Hallo dilletantus!


Daß es solche Versuche, "moderne" Musik zu machen, auch gibt, ist gar keine Frage, kenne ich. :-)

Ich bin jetzt allerdings seit einem guten Jahrzehnt als Musiker und Hörer in der christlichen Popularmusikszene unterwegs und erlebe das eher als Ausnahme denn als Regel. Wenn man mal ein paar Jahre lang hintereinander regelmäßig hunderte bis tausende kreischender Jugendlicher vor sich im Publikum hat, dann weiß man, daß solche "moderne" Musik durchaus auch als unverstaubt wahrgenommen werden kann (zumal meine eigene Teenagerzeit ja auch noch nicht so lange her ist ...).

Es gibt - im englischsprachigen Raum schon lange und in riesiger Zahl ("CCM"), in Deutschland mittlerweile aber auch - eine ganze Reihe junger professioneller Bands und Musiker, die ganz selbstverständlich die Art von Musik machen, mit der sie aufgewachsen sind und die sie tagtäglich im Radio, auf Konzerten etc. hören, und die ganz bewußt im kirchlichen "Raum" bzw. im weitesten Sinne mit "verkündigender" Funktion aktiv sind. Und solche Musiker wachsen mittlerweile stetig nach.

Das ist nur noch nicht überall so wirklich angekommen. Verzeih mir bitte, wenn ich falsch liege - aber mein Eindruck und meine Erfahrung ist z.B., daß man dem gerade im röm.-kath. Bereich, von ein paar erfreulichen Ausnahmen abgesehen, häufig noch mit Gleichgültigkeit bis Arroganz begegnet, so wie es in meiner eigenen Kirche vor vielleicht 20 Jahren noch war. Ich finde es jedenfalls erstaunlich, daß z.B. für die Zentralveranstaltungen des katholischen Weltjugendtag in Australien plötzlich Bands und Musiker aus dem Protestantismus eingeladen werden, um dort Musik zu machen, die die Jugendlichen bewegt.

Ich kann mir das eigentlich nur mit anderen Strukturen und teilweise differierenden theologischen Ansätzen in der Jugendarbeit erklären, denke aber, daß sich diese "Art" von Musik auch im katholischen Bereich mehr und mehr durchsetzen wird. Was man dafür allerdings braucht, ist der Mut, nicht nur eine Laienband mit schlechter Ausrüstung zu "ermutigen", alle paar Quartale mal ein Gottesdienstlied zu begleiten. Daß solche Musik dann "altbacken" wirkt, ist kein Wunder. Da braucht es schon auch mehr oder weniger professionelle Bedingungen.

Theolobias hat gesagt…

Oops - verzeih' den lateinischen Lapsus: dilettantus est, non dilletantus!

dilettantus in interrete hat gesagt…

Salve Theolobias!

Tja ich glaube eine Sache hast Du richtig erkannt: Die katholische Liturgie verträgt einfach kein: "und jetzt singt uns der Chor/spielt uns die Band ein Lied!"

Aber dann der Verkündigungsaspekt bzw. (Ich bin zum Teil evangelikal sozialisiert - alter CVJMer) das missionarische/evangelistische. Gibt es da eigentlich Untersuchungen?
Mir erschien es (1.) immer so, daß da christliche Bands christliche Zuhörer missionieren und (2.), daß diese Bands und Veranstaltungen völlig am mainstream vorbeigingen.

Das mit den Untersuchungen ist ernst gemeint, also. wenn was im Netz ist......

Theolobias hat gesagt…

Hallo dilettantus!

Gut, daß das beim röm.-kath. Liturgieverständnis nicht so einfach ist, sehe ich ein. Aber gerade in der Jugendarbeit müßte es - theologisch gesehen - ohne weiteres möglich sein, so eine "alternative" Musikkultur zu etablieren.

Was die Untersuchungen angeht - gute Frage! Ich glaube, von wirklich wissenschaftlicher Seite (also soziologisch betrachtet etc.) aus gibt es da noch nichts Umfangreicheres – das sollte man in der Tat nachholen. Was man aber im Netz durchaus finden kann, sind Nachberichte zu Konzerten und Festivals - die können, sofern sie einigermaßen gut geschrieben sind, auch schon oft sehr aufschlußreich sein.

Zu Deinem Eindruck, christliche Bands würden bei solchen Veranstaltungen immer Christen missionieren:

Es gibt ja auch den erbaulichen Aspekt von Musik und Botschaft (Lobpreis / Worship), der durchaus wichtig und legitim ist, und der Übergang zum missionarischen bzw. evangelisierenden Bereich ist da oftmals fließend. Diesen erbaulichen Charakter habe ich in den vergangenen Jahren in dieser Szene ganz klar im Vordergrund gesehen - ich habe so gut wie nie ein Konzert erlebt, wo eine Band im klassischen, gewissermaßen karikaturhaften Stil zur Bekehrung aufgerufen hätte. Ich glaube, das ist ein Zerrbild, das zum einen auf einer guten Portion grundsätzlicher Ablehnung der christlichen Botschaft entstanden ist (das Verhältnis der Gesamtbevölkerung zur klassischen Kirchenmusik ist da nicht wesentlich anders), zum anderen von einigen längst in die Tage gekommenen bzw. gar nicht mehr existierenden christlichen Bands tatsächlich einmal gefördert wurde (vor in den 80ern und 90ern im Hard Rock- und Metalbereich: "Stryper", "REZ Band", "Petra", "Mortification" etc.), was ich aber nicht pauschal abwerten würde: das "Missionieren" von Christen ist dort angemessen, wo zentrale Inhalte und Ausdrucksweisen des Glaubens verlorengegangen sind, was ja gerade in den Großkirchen der Fall ist - auch, wenn ich hier dann eher von Evangelisation sprechen würde.

Darüber hinaus muß man aber auch ganz klar zwischen einzelnen Veranstaltungen unterscheiden. So ist es zum einen nicht ganz unwichtig, welcher Veranstalter hinter einem Event steht und welche inhaltliche Ausrichtung er diesem verpassen will, zum anderen gibt es auch ganz natürlich gewachsene Veranstaltungen mit recht heterogenem Publikum, bis hin zu solchen, die explizit nach außen gehen und so auch gerade Nichtchristen erreichen. Ich habe beide Richtungen und das Mittelding immer wieder erlebt, gelungene Ansätze und mißlungene Ansätze und Ausführungen gesehen.

Was den "Mainstream" angeht, so finde ich es einigermaßen schwer, den überhaupt zu definieren. Ist Mainstream das, was gerade in den Charts läuft? Wenn ja, dann habe ich da eine relativ große Bandbreite von Electropop/Dance über Folk, Pop, R'n'B, Rock, Punk bis hin zum HardRock. Ich glaube eher, daß das Ausdruck eines großen Nischenmarktes ist. Der echte Mainstream ist vermutlich die Pop- und Rockmusik und der HipHop beim etwas jüngeren Publikum.

Wenn das also Mainstream ist, dann würde ich sagen, daß - mal mit Ausnahme des HipHop, wo es definitiv noch Nachholbedarf gibt - die christliche Szene sich da von der säkularen nicht unterscheidet. Bedeutender ist da der qualitative Unterschied, was aber vor allem ein typisch deutsches Phänomen ist - gerade, weil diese Musikszene längst nicht überall als Chance für die Kirchen begriffen wurde, gibt es auch dementsprechend wenig finanzielle und ideelle Förderung, kaum Labels, die sich solcher Bands annehmen etc. Dementsprechend wenige Musiker gibt es auch in Deutschland, die einerseits auf ganz, ganz hohem Niveau Musik betreiben und zweitens womöglich auch noch davon leben können - aber es gibt sie! Ich selbst habe in den vergangenen Jahren regelmäßig auf Festivals und Konzerten mit einem guten Durchschnitt von einigen hundert bis einigen tausend Besuchern gespielt, im vergangenen Jahr eine Tour mit regelmäßig zwischen 300 und 1500 Leuten im Publikum – das sind Zahlen, die sich durchaus mit dem Besucheraufkommen auch im säkularen Bereich vergleichen lassen: die Durchschnittsbands in diesem Sektor haben oftmals mit weniger Leuten bei Tourneen zu kämpfen (die Tour einer Castingband wie Monrose etwa war ein finanzielles und besuchermäßiges Desaster, eine der in den vergangenen Jahren solidesten deutschen Rockbands, Die Happy, ist knapp daran vorbeigeschrammt, ich habe es selbst erlebt, etc.), was Ausdruck eines insgesamt schwieriger werdenden Musikmarktes ist. Darüber hinaus zählen auch z.B. Xavier Naidoo, die Söhne Mannheims etc. im Prinzip zur christlichen Musikszene, wenngleich sie so klug waren, aber auch das Glück hatten, im säkularen Bereich anzufangen und sich dort zu etablieren.

Ein Blick nach England etwa verändert diesen qualitativen Eindruck grundlegend. Und im Mutterland der Contemporary Christian Music USA ist die "christliche Szene" der Mainstream schlechthin. Bands und Musiker aus diesem Bereich haben dort mit den größten Marktanteil, die Szene dort ist längst etabliert, professionalisiert (mit allen negativen Nebenwirkungen!) und per definitionem Mainstream. Christliche Künstler haben dort in den vergangenen Jahren oft die zahlenmäßig mit erfolgreichsten Tourneen gespielt. Von da schwappt natürlich auch einiges zu uns herüber und hat hier Auswirkungen auf die christliche Musikszene: die größeren christlichen Musikfestivals wie die "Christmas Rock Night", das "Balinger Rockfestival", "Rock without limits" etc. haben regelmäßig amerikanische bzw. englische und australische Headliner - nicht anders als etwa bei "Rock im Park" etc.

Wenn Du mal einen ersten Überblick gewinnen möchtest: www.sound7.de (das ist so die bekannteste deutschsprachige Seite für die christliche Musikszene, wenngleich ich von der Qualität von Sound7 oft alles andere als angetan bin - aber das ist ein anderes Thema ...) und, im amerikanischen Bereich www.ccmmagazine.com ist z.B. eine gute Anlaufstelle.

Gruß, Tobias :-)


www.theolobias.de

dilettantus in interrete hat gesagt…

Hallo Theo!

Erstmals schonmal "danke" und wir hören voneinander.
Thomas