Sonntag, 12. April 2009

Triduum Paschale am Institut St. Philipp Neri

Zum Gedenken an das Leid und den Tod des Menschensohnes versammelten sich Karfreitag mehr als hundert Gläubige in St. Afra. Nach einigen Gebeten, Lesungen und Wechselgesängen sangen der Priester, zwei Sänger und das Palestrina Ensemble die Johannes-Passion von Tomás Luis de Victoria. Der Priester sprach die großen Fürbitten. Er enthüllte den Heiland am Kreuz und stellte ihn zur Verehrung aus. Das Ensemble sang Victorias Improperien für zwei Chöre mit dem bekannten Kehrvers popule meus: "Mein Volk, was habe ich dir getan? Womit habe ich dich betrübt? Antworte mir!"

Unter den Heilandsklagen traten die Gläubigen einzeln vor, beugten ihr Knie und küssten die Füße des Gekreuzigten. Zu meinem Erstaunen hatte der Vorgang nichts von der Peinlichkeit, die man hinter der bloßen Beschreibung vermuten könnte. Eine tiefe innere Bewegung der Gläubigen war greifbar. Nicht wenige weinten oder kämpften mit den Tränen. Besonders ergriffen war ich von einem blinden Mann, den sein Vater an der Hand zum Kreuz führte. Er streckte die Hände nach dem Heiland aus, faßte die Füsse, küsste sie und weinte, umfing die Beine mit den Armen, schluchzte, tastete sich am Körper hoch und warf sich bekümmert an den Hals des Sterbenden - als wolle er ihn nicht mehr loslassen.

Die Ostervigilien begannen um halb zehn Uhr abends am Karsamstag. In einer feierlichen Prozession wurde die im Hof geweihte und am neuen Feuer entzündete Osterkerze in die dunkle Kirche getragen. Die Gläubigen, etwa hundert an der Zahl, entzündeten ihre Kerzen an der Osterkerze. Im Kerzenschein hörten sie die Lesungen der Priester und Diakonen und die Zwischengesänge der Schola. Ein Mann und eine Frau wurden getauft. Zum Gloria der Meßfeier gingen die Lichter in der Kirche an. Christus war auferstanden, der Tod überwunden. Das Alleluia erklang wieder. Im Anschluß an die Messe lud das Institut zu Wein und Osterbrot.

Nach einer kurzen Nacht, ging es dann heute morgen in die Messe zum Ostersonntag, einem levitierten Hochamt mit Priester, Diakon und Subdiakon. Das Ensemble sang die Missa O quam gloriosa von Victoria. Die österliche Zeit begann und nach dem 118. Psalm wird es zum Stufengebet nun wieder Vidi aquam heißen: Ich sah Wasser fließen aus der rechten Seite des Tempel, Alleluia, und alle, zu denen es kam, wurden heil, und sie werden sagen: Alleluia, Alleluia. Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.

1 Kommentar:

Elsa Laska hat gesagt…

Christus ist wahrhaftig auferstanden!

Lieber Tiberius, deine Schilderung von dem blinden Mann erinnerte mich an meinen Besuch beim Volto Santo in Manoppello, in den Abruzzen, erfreulicherweise blieb dieses santuario verschont von dem verheerenden Beben dieser Woche. Man führte einen Blinden zu diesem Tuchschleier hinter Glas heran und er küsste die Vitrine, unter halblaut gemurmelnden Gebeten. Das Zeichen des Kusses zur Verehrung ist hier in Italien fast alltäglich, ich selbst durfte neulich eine Reliquie der Hl. Maria Goretti küssend verehren und mir bleiben natürlich die Bilder der Trauermesse in L'Aquila im Kopf, wo viele Trauernde die Särge ihrer Angehörigen zum Abschied küssten.
Eine Form der Ehrerbietung, die vielleicht der germanischen Seele irgendwie doch suspekt vorkommt, die ich aber nur empfehlen kann. Die Seele geht mit.
Vielen Dank für deine Eindrücke.