Montag, 18. August 2008

Die Leute bekämpfen, bis sie bekennen.

Das Buch der vierzig Hadithe von Yahya ibn Sharaf al-Nawawi ist eine pointierte und kommentierte Auswahl aus der umfangreichen Hadith-Überlieferung. Es behandelt die zentralen Lehren des Islams und stellt - nach den Worten des Orientalisten Marco Schöller - eine Art "Katechismus des islamischen Glaubens" dar.

Al-Nawawi kommentiert unter anderem folgenden Hadith:

"H. Überliefert von ´Abd allah ibn ´Umar - Gott möge an ihnen beiden Gefallen haben! -, der sagte, daß der Gottgesandte - Gott segne ihn und gebe ihm Heil! - gesagt habe: Mir wurde befohlen, die Leute zu bekämpfen, bis sie bekennen, daß es keinen Gott gibt außer Gott und daß Muhammad der Gesandte Gottes ist, und bis sie das Pflichtgebet verrichten und die Armenabgabe leisten. Wenn sie das tun, dann sind ihr Blut und ihr Besitz vor mir gefeit - außer in den Fällen, in denen es einen Rechtsanspruch des Islams gibt - und sie müssen mit Gott, dem Erhabenen, abrechnen."

Nach al-Nawawi verweist die Befehlsform der Aussage auf eine uneingeschränkte Verpflichtung des Handelnden. Bekämpft werden die, die das Bekenntnis zu Gott und seinem Propheten wie das Pflichtgebet und die Armensteuer ablehnen. Verstöße gegen das Fastengebot sollten geahndet, jedoch nicht bekämpft werden. Die Unterlassung der Pilgerfahrt sei frei von Strafe, da ihr Zeitpunkt im Leben nicht festgelegt sei. Wer die beiden Bekenntnisse vorbringe, das Gebet verrichte und die Armengabe entrichte, der sei seines Lebens und seines Besitzes sicher, solange er nicht gegen andere Rechtspflichten des Islam verstoße. Wer diesen Vorgaben nur aus "vorsichtiger Verstellung" und aus "Angst vor dem Schwert" nachkomme, der müsse letztlich mit Gott abrechnen, dem nichts entgehe.

Der Verfasser, Yahya ibn Sharaf al-Nawawi, wurde Mitte Oktober 1233 in Nawa, im südlichen Syrien geboren. Um das Jahr 1250 begann er in Damaskus, nach einem kurzen Ausflug in die Medizin des Avicenna, das Studium der Hadith- und Rechtswissenschaften. Zu den Besonderheiten seiner Person soll die Geradlinigkeit, ja Sturheit in religiösen und rechtlichen Angelegenheiten sowie sein Fleiß und seine rasche Auffassungsgabe im Studium gehört haben. Vom Jahre 1267 an war al-Nawawi zehn Jahre Leiter einer der bedeutendsten Lehrstätten zum Studium der Hadithwissen- schaften in Damaskus. In diesen Jahren verfaßte al-Nawawi einen vielbändigen Kommentar zum Sahih von Muslim, der heute noch zu den wichtigsten und in vielen Fragen kaum überholten Werken der islamischen Rechts- und Hadithliteratur zählt. Zu den populärsten Büchern al-Nawawis zählt die Sammlung erbaulicher Hadithe zur richtigen Lebensführung unter dem dem Titel Die Gärten der Gottgefälligen und Das Buch der vierzig Hadithe. Al-Nawawi verstarb an seinem Geburtsort im Jahre 1277.

Quelle: Yahya ibn Sharaf al-Nawawi, Das Buch der vierzig Hadithe mit dem Kommentar von Ibn Daqiq al-´Id, übersetzt und herausgegeben von Marco Schöller, Frankfurt am Main 2007, S. 85-87, 323-341.

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