Samstag, 16. August 2008

Das allerheiligste Sakrament des Altares

Vor einigen Tagen habe ich Herrn Pfarrer Olaf Polossek von der Gemeinde St. Marien-Liebfrauen einen Brief geschrieben. Eine Antwort habe ich bislang nicht erhalten. Ich finde es gut, wenn Pfarrer Polossek sich Zeit für seine Antwort nimmt. Ich habe derweil Zeit, ein Schreiben an den Dekan vorzubereiten. Das heißt, mich auch im Dekanat ein wenig umzusehen.

Bei meiner virtuellen Rundreise durch die Kirchen im Dekanat Lichtenberg stieß ich auf Beispiele, die zeigen, wie es geht, aber leider auch auf solche, die zeigen, wie es nicht geht: So stellt die Gemeinde Heilig Kreuz Berlin-Hohenschönhausen das eigene Gotteshaus auf ihrer Internetseite vor und geht dabei auf einzelne Elemente des Innenraums ein. Unter anderem wird auch das tabernaculum vorgestellt:

"Was ist das unter dem Kreuz? Das ist der Tabernakel, der Ort zur Aufbewahrung des Brotes, das uns an Jesu Abendmahl erinnert. Licht strahlt aus dem Inneren und macht deutlich, Jesus ist das Licht für die Welt. Das Licht darüber, das ewige Licht, weist auf die große Bedeutung dieses Brotes für die Christen hin. Es ist das Lebens-Mittel der Christen: Jesus Christus, das Brot des Lebens."

Nach diesem Abschnitt zu "Brot" und "Tabernakel" könnte man denken, daß der Verfasser, nach seinem bedenklichen Einstieg ("Aufbewahrung des Brotes, das uns an Jesu Abendmahl erinnert"), auf den letzten Worten - mit ein bißchen Wohlwollen - gerade noch die Kurve bekommen hat ("Jesus Christus, das Brot des Lebens"). Hätte er sich bloß nicht hinreißen lassen, die Bedeutung des "Brotes" weiter auszuführen:

"Das kann man nicht so einfach erklären und verstehen, aber dass das Brot etwas ganz Besonderes ist, nicht nur, wenn man hungrig ist, diese Erfahrung haben schon viele gemacht. Es ist unser Hauptlebensmittel. Frisch gebackenes Brot ist jedem anderen Lebensmittel in der Regel vorzuziehen und Brot hat man nie über!"

Nach dieser Erklärung dürfte wohl niemand an der Kommunion teilnehmen. Ist es denn so schwierig, von der wahrhaften Gegenwart Christi im allerheiligsten Sakrament des Altares zu sprechen?

Kommentare:

Elsa hat gesagt…

Vielleicht hat man einfach resigniert. Weil man Realpräsenz eben nicht erläutern, erklären, darlegen, herbeiargumentieren kann. Ich meine, es hilft sehr viel, wenn man durch die Form hilft, den Inhalt zu erfahren. Also wenn ich vom Allerheiligsten spreche anstatt von "gewandelter Hostie" oder "Brot", dann merke ich, wie sich meine innere Wahrnehmung ändert, meine innere Haltung. Du forderst diese Sorgfalt zu Recht ein.
Und weiter meine ich, wenn man schon auf Brot verweist in der heutigen Zeit, dann sollte man auch ruhig darauf hinweisen, wie wenig das industriell gearbeitete Brot noch mit einem echten LEBENS-Mittel in Zusammenhang steht. Dagegen ist die ungewandelte Hostie noch mit Sorgfalt (immer wieder die Sorgfalt) hergestellt, ohne Zusätze, reines Mehl und reines Wasser. Von diesem Punkt würde ich in meiner "Brotkatechese" dann ausgehen. Und natürlich hat man "Brot" über, ich weiß wovon ich spreche (italienisches Weißbrot, womöglich noch das toskanische OHNE SALZ).
Aber ich verzettle mich wieder ...
Eigentlich bin ich auch sauer. Ich hatte mir das sehr schwer gemacht vor meinem Eintritt, bin häufigst in die Anbetung, um mich mit dem protestantischen Gedanken "is nur Brot" irgendwie auseinanderzusetzen um mich davon zu lösen, und die katholische zu begreifen oder auch zu erfahren, und es war keine leichte Zeit, nur um dann immer wieder zu sehen, dass man es sich doch soooo einfach machen kann ...
Wir hatten übrigens eine beeindruckende Mondfinsternis heute.

Tiberius hat gesagt…

Liebe Elsa!

Da werden Kinder von der Kommunion ausgeschlossen, solange sie den Unterschied von Brot und Leib Christi nicht kennen können und dann wird das tabernaculum zum Brotkasten und die Bedeutung des dort aufbewahrten "Brotes" wird mit dem Verweis auf die allgemeine Bedeutung von Brot für den Menschen "verdeutlicht".

Deinen Hinweis auf die Diskrepanz zwischen dem "Brot hat man nie über" des Autors und der industriellen Fertigung von Wegwerfbroten in einer Überflußgesellschaft finde ich sehr angebracht. Ganz sicher ist auch die Sorgfalt bei der Herstellung der Hostien ein Zeichen für die Liebe zum Herrn.

Es mag sich ja als Wortspielerei ganz charmant anhören, daß Brot des ewigen Lebens als Lebens-Mittel zu bezeichnen. Der substanzielle Unterschied zwischen dem Allerheiligste und dem, was wir Lebensmittel nennen, wird dadurch nicht deutlich.

Die Kirche hat mit der Lehre von der Transsubstantiation eine Brücke zum Verständnis der Wandlung und der Realpräsenz gebaut. Die Akzidenzien bestimmen die Gestalt, die Substanz das Wesen. Die Akzidenzien bleiben gleich, die Substanz wandelt sich. Die Hostie ist Leib Christi ihrem Wesen nach: Christus ist in der Gestalt des Brotes gegenwärtig, das allerheiligste Sakrament des Altares ist der Leib Christi.

Um ein Beispiel zu bringen: Wenn ich eine Münze, sagen wir eine Tetradrachme, zum Bezahlen verwende, dann ist sie ihrem Wesen nach ein Zahlungsmittel. Wenn ich die gleiche Münze hunderte von Jahren später in die Vitrine eines Museums lege, dann ist sie kein Zahlungsmittel mehr sondern ein Ausstellungsstück. Die Gestalt der Münze ist gleich, das Wesen anders.

Es gibt in der Kirche, soweit es die Theologie betrifft, vieles zu verstehen - und die katholische Theologie ist eine großartige und unvergleichliche Anstrengung des menschlichen Geistes -, der Mittelpunkt der Kirche aber ist nicht dort, wo man Gott verstehen will, sondern dort, wo man ihn erfahren will. Schon allein deshalb, weil die Grenzen des Verstandes enger sind als die der Erfahrung.

In vielen christlichen Glaubensgemeinschaften tritt im Gottesdienst die Verkündung des Wortes, das Bedürfnis "Gott verstehen zu wollen", an die Stelle der Eucharistie, und damit an die Stelle des "Gott erfahren wollen". In meinen Augen ist das ein bedauerlicher Verzicht all derer, die hier die Chance zu einer wahrhaften Begegnung vergeben.

Wenn die Kirche, in der Frage der Eucharistie, wie übrigens auch in vielen anderen Fragen, ausweicht und wankelmütig wird, dann ärgert es mich. Wenn die Kirche die ihr anvertrauten Christen nicht mehr zu einem rechten Verständnis der Eucharistie führt, dann beraubt sie, wo sie schenken sollte.

Vale!
Tiberius

Elsa hat gesagt…

"Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir.
Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier.
Sieh, mit ganzem Herzen schenk ich dir mich hin,
weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin.

Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir,
doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.
Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an;
er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann.

Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz,
hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz.
Beide sieht mein Glaube in dem Brote hier;
wie der Schächer ruf ich, Herr, um Gnad zu dir."

Besser als der Hl. Thomas von Aquin kann man wohl nicht ausdrücken, um was es geht.

Zum Punkt Erklären, Verstehen VS. Erfahren gebe ich dir völlig Recht.
Da ich ausgebildete Yoga-Lehrerin bin und leidlich mit indischer Philosophie vertraut (die imstande ist, verschiedene Wege zur Gotteserfahrung klar zu beschreiben und festzulegen, diese Wege sind bewährt und haben ihre Gültigkeit auch für katholische Christen - ein andermal darüber gerne mehr) (bitte nicht die Hände überm Kopf zusammenschlagen, ich erzähle keine esoterischen Märchen, ich belege dir das bei Gelegenheit), kam ich aus der Erfahrung her, d.h. es stellte für mich keine Schwierigkeit dar sondern eher Normalität, mich a) für eine religiöse Erfahrung zu öffnen b) eine solche für mich anzuerkennen, ohne sie zu werten und c)auch für die katholische Praxis zu konstatieren, dass die Katechese zwar hilfreich ist, aber eben nicht die Erfahrung in der Stillen Anbetung ersetzt, wenn ich der Realpräsenz auf den Grund gehen wollte.
Um ein alltägliches Beispiel zu nehmen, es ist doch im Leben überall so, dass wir (blödes Beispiel) noch so viel über einen Bungee Sprung erzählt bekommen können, erst wenn wir selbst springen, haben wir die entscheidende Erfahrung gemacht.
Insofern böte sich beim Sprechen über Tabernakel und Leib Christi, finde ich, doch wirklich an, zum Besuch der Stillen Anbetung einzuladen, den Leuten weniger Geschwafel um die Ohren zu hauen (selbst das mit Substanz-Akzidenz ist doch für jemanden, der sich nicht mit Philosophie beschäftigt hat, ein harter Brocken und so gut mir die Tetradrachme gefällt, so sehr hinkt der Vergleich eben doch (wegen den Jahrtausenden, die dazwischenliegen und der Profanität eben), sondern sie dafür zu interessieren, was denn bei der Stillen Anbetung bei ihnen selbst so geschehen könnte.Natürlich habe ich aber erst gar keine Lust, mich vor ein Stückchen "Brot" zu setzen und deshalb ist der oben zitierte Texte u.a. ja auch so unsäglich.
Zur Kirche, die schenken sollte: Hier habe ich den Eindruck, sie möchte den Menschen vor allem mehr Behaglichkeit und Wellness, Selbstbestätigung und Kurzweil schenken, als alte Glaubenswahrheiten. Die Ausnahmen sind natürlich da, glücklicherweise. Aber mein pauschaler Eindruck eben auch.

Lieben Gruß
Elsa

Tiberius hat gesagt…

Der Hinweis auf die stille Anbetung überzeugt mich. Es gibt in dieser Hinsicht, soweit ich das hier in Berlin beurteilen kann, eine sehr eingeschränkte Praxis. Eine wirkliche Ausnahme ist in dieser Hinsicht die Kirche St. Clemens in Berlin, die eine 24-stündige Anbetung anbietet.

Ich weiß nicht, wie es bei Dir ist, fände es aber gut, wenn die Kirchen zumindest zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 18 und 21 Uhr ihre Tore zur stillen Andacht öffnen würden. Es spricht in meinen Augen nichts dagegen, den Arbeitsweg für einen kurzen Besuch zu unterbrechen.

Ganz ohne Hilfe ist die Anbetung - wie auch das Gebet - für viele sicher unbefriedigend. Ich denke dabei an die Geschichte mit Eli und Samuel. Denn selbst wenn man den Ruf des Herrn hört, muß man diesen doch auch als solchen zu erkennen wissen. Hier hat der Priester ein leidlich wichtiges Betätigungsfeld - natürlich aber ist nichts so wichtig wie eine Pfarrgemeinderatssitzung.

Deinen allgemeinen Eindruck zum Selbstverständnis katholischer Pfarrgemeinden in Deutschland teile ich. Es scheint mir wie der Versuch, die Seele über den Körper gesund zu machen. Das Ergebnis ist oft, daß die körperlichen Bedürfnisse gepflegt werden während die seelischen unbefriedigt bleiben: Die Kirche wird nur noch als verlängerter Arm des Sozialstaates wahrgenommen.

Das Beispiel mit der Tetradrachme ist tatsächlich profan. Ich habe darin die Bedeutung des Glaubens nicht ausreichend gewürdigt und lasse deshalb den Heiligen Thomas in die Bresche springen. Da es wohl kaum jemand bis ans Ende der Sequenz schafft - zum Glück gibt es ja Bild-ab-Tasten - wünsche ich hier oben schon mal alles Gute!:

Lauda Sion Salvatorem,
Lauda ducem et pastorem
In hymnis et canticis.

Deinem Heiland, deinem Lehrer,
deinem Hirten und Ernährer,
Sion, stimm ein Loblied an!


Quantum potes, tantum aude,
Quia maior omni laude,
Nec laudare sufficis.

Preis nach Kräften seine Würde,
da kein Lobspruch, keine Zierde
seinem Ruhm genügen kann.


Laudis thema specialis
Panis vivus et vitalis
Hodie proponitur.

Dieses Brot sollst du erheben,
welches lebt und gibt das Leben,
das man heut‘ den Christen weist.


Quem in sacræ mensa cœnæ
Turbæ fratrum duodenæ
Datum non ambigitur.

Dieses Brot, mit dem im Saale
Christus bei dem Abendmahle
die zwölf Jünger hat gespeist.


Sit laus plena, sit sonora;
Sit iucunda, sit decora
Mentis iubilatio,

Laut soll unser Lob erschallen
und das Herz in Freude wallen,
denn der Tag hat sich genaht,


Dies enim solemnis agitur
In qua mensæ prima recolitur
Huius institutio.

Da der Herr zum Tisch der Gnaden
uns zum ersten Mal geladen
und dies Mahl gestiftet hat.


In hac mensa novi Regis
Novum Pascha novæ legis
Phase vetus terminat.

Neuer König, neue Zeiten,
neue Ostern, neue Freuden,
neues Opfer allzumal!


Vetustatem novitas,
Umbram fugat veritas,
Noctem lux eliminat.

Vor der Wahrheit muss das Zeichen,
vor dem Licht der Schatten weichen,
hell erglänzt des Tages Strahl.


Quod in cœna Christus gessit,
Faciendum hoc expressit
In sui memoriam:

Was von Christus dort geschehen,
sollen wir fortan begehen,
seiner eingedenk zu sein.


Docti sacris institutis
Panem, vinum in salutis
Consecramus hostiam.

Treu dem heiligen Befehle
wandeln wir zum Heil der Seele
in sein Opfer Brot und Wein.


Dogma datur Christianis,
Quod in carnem transit panis
Et vinum in sanguinem.

Doch wie uns der Glaube kündet,
der Gestalten Wesen schwindet,
Fleisch und Blut wird Brot und Wein.


Quod non capis, quod non vides,
Animosa firmat fides
Præter rerum ordinem.

Was das Auge nicht kann sehen,
der Verstand nicht kann verstehen,
sieht der feste Glaube ein.


Sub diversis speciebus,
Signis tantum et non rebus,
Latent res eximiæ:

Unter beiderlei Gestalten
hohe Dinge sind enthalten,
in den Zeichen tief verhüllt.


Caro cibus, sanguis potus,
Manet tamen Christus totus
Sub utraque specie.

Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise,
doch der Herr bleibt gleicherweise
ungeteilt in beider Bild.


A sumente non concisus,
Non confractus, non divisus
Integer accipitur.

Wer ihm nahet voll Verlangen,
darf ihn unversehrt empfangen,
ungemindert, wunderbar.


Sumit unus, sumunt mille,
Quantum isti, tantum ille,
Nec sumptus consumitur.

Einer kommt, und tausend kommen,
doch so viele ihn genommen,
er bleibt immer, der er war.


Sumunt boni, sumunt mali,
Sorte tamen inæquali,
Vitæ vel interitus.

Gute kommen, Böse kommen,
alle haben ihn genommen,
die zum Leben, die zum Tod.


Mors est malis, vita bonis,
Vide paris sumptionis
Quam sit dispar exitus

Bösen wird er Tod und Hölle,
Guten ihres Lebens Quelle,
wie verschieden wirkt dies Brot!


Fracto demum sacramento,
Ne vacilles, sed memento
Tantum esse sub fragmento,
Quantum toto tegitur.

Wird die Hostie auch gespalten,
zweifle nicht an Gottes Walten,
dass die Teile das enthalten,
was das ganze Brot enthält.


Nulla rei fit scissura,
Signi tantum fit fractura,
Qua nec status nec statura
Signati minuitur

Niemals kann das Wesen weichen,
teilen lässt sich nur das Zeichen,
Sach‘ und Wesen sind die gleichen,
beide bleiben unentstellt.


Ecce panis Angelorum,
Factus cibus viatorum,
Vere panis filiorum,
Non mittendus canibus!

Seht das Brot, die Engelspeise!
Auf des Lebens Pilgerreise
nehmt es nach der Kinder Weise,
nicht den Hunden werft es hin!


In figuris praesignatur,
Cum Isaac immolatur,
Agnus Paschæ deputatur,
Datur manna patribus.

Lang im Bild war‘s vorbereitet:
Isaak, der zum Opfer schreitet;
Osterlamm, zum Mahl bereitet;
Manna nach der Väter Sinn.


Bone pastor, panis vere,
Jesu, nostri miserere,
Tu nos pasce, nos tuere,
Tu nos bona fac videre
In terra viventium.

Guter Hirt, du wahre Speise,
Jesus, gnädig dich erweise!
Nähre uns auf deinen Auen,
lass uns deine Wonnen schauen
in des Lebens ewigem Reich!


Tu qui cuncta scis et vales,
Qui nos pascis hic mortales,
Tuos ibi commensales,
Cohæredes et sodales
Fac sanctorum civium.

Du, der alles weiß und leitet,
uns im Tal des Todes weidet,
lass an deinem Tisch uns weilen,
deine Herrlichkeit uns teilen.
Deinen Seligen mach uns gleich!

stegi hat gesagt…

Also, dieser Olaf Polossek, sollte dringend mal ermahnt werden.
Wollen wir hoffen, dass die neue Generation Geistlicher wieder katholischer denken lernen.