Montag, 17. November 2008

Monsignore Feulner am Hochaltar von St. Clemens

Am Sonn­tag­mittag be­such­te ich die Messe, die Mon­signore Feulner la­tei­nisch und in der or­dent­lich­en Form des rö­misch­en Ri­tus am Hoch­al­tar von St. Clemens fei­er­te. Un­ge­fähr drei­ßig Gläu­bige hatten sich zu die­ser un­ge­wohn­ten Zeit in der Kirche ver­sammelt. Ge­­sun­gen wur­de das Or­di­na­rium der Missa de Angelis, soweit es den so­ge­nann­ten Eier­no­ten des Got­tes­lo­bes zu ent­neh­men war. Den Gläu­­bigen war an­zumerken, wie un­­ge­wohnt das Singen des Chorals war. Die Existenz eines Graduale Romanum schien manchen zu überraschen. Ein Proprium gab es nicht. Die Lesung und das Evangelium waren auf Deutsch.

Ich fin­de es gut, daß hier ve­rsucht wird, dem La­tei­nisch­en in der Kir­che wie­der mehr Gel­tung zu ver­schaffen, muß aber sa­gen, daß mich sowohl das La­tei­nische als auch die ge­mein­same Orien­tie­rung von Prie­ster und Ge­mein­de in der or­dent­lich­en Form der Messe etwas be­frem­det haben. Nicht, weil es mir un­ge­wohnt wäre, sondern, weil es mir in dieser Form weniger or­ganisch er­scheint als in der außer­or­dent­lich­en Form. Daß die Für­bitten, der laute Canon und der Frie­dens­gruß für mich schwie­rig sind, will ich nur bei­läufig be­mer­ken.

Anders als ur­sprüng­lich an­ge­nommen, wird Mon­signore Feulner die la­tei­nische Messe nur ein­mal im Mo­nat lesen. St. Clemens steht damit neben der Kirche zu den Zwölf Aposteln, die von mir in einer ersten Aufzählung unterschlagen wurde, die aber monatlich Messen in beiden Formen des römischen Ritus auf Latein anbietet. Allen, die eine or­dent­liche Messe suchen, die Latein und Choral entdecken wollen und ihre Scheu vor der außer­or­dent­lichen Form des römisch­en Ri­tus nicht über­win­den können, empfehle ich, in vier Wochen mit dabei­zu­sein. Gerade mit Blick auf den Choral wird sich bis dahin einiges getan haben.

Kommentare:

Gregor Kollmorgen hat gesagt…

"...muß aber sa­gen, daß mich sowohl das La­tei­nische als auch die ge­mein­same Orien­tie­rung von Prie­ster und Ge­mein­de in der or­dent­lich­en Form der Messe etwas be­frem­det haben. Nicht, weil es mir un­ge­wohnt wäre, sondern, weil es mir in dieser Form weniger or­ganisch er­scheint als in der außer­or­dent­lich­en Form."

Das kann ich, offen gestanden, nicht nachvollziehen. Es sei denn, du meinst, die ganze ordentliche Form sei nicht wirklich organisch entstanden, wofür es ja wie bekannt gute Gründe gibt. Aber warum gerade die Orientierung, die doch für eine Reform der Reform von so entscheidender Bedeutung ist? Bist du sicher, daß es nicht vielleicht doch das Ungewohnte ist? Warst du mal,z.B., in St. Peter in München? Nichts kommt einem natürlicher vor als wie dort die neue Messe am alten Hochaltar gefiert wird.

Für mich ist jedenfalls der Umstand, daß hier am Hochaltar gefeiert wird, viel bedeutender und erfreulicher als nur das Latein, das wir glücklicherweise auch noch in St. Bernhard, St. Matthias und wahrscheinlich auch noch in anderen Kirchen in Berlin haben. Wenn sich doch andere Priester daran ein Beispiel nähmen. (Übrigens ganz interessant für mich, ich hatte nämlich damals, als die Kampagne zum Erhalt von St Clemens startete, der Erzbischof dort ein Pontifikalamt feierte, und auch Bilder der Kirche aus der Zeit des sel. Clemens August gezeigt wurden, ein etwas meckeriges email geschrieben, das sei ja alles sehr schön, aber wie schade daß doch wieder ein Volksaltar alles verhunze. Daraufhin hatte ich erstaunlicherweise eine sehr aufgeschlossene antowrt bekommen, man sei sich dessen bewußt und für andere Lösungen durchaus offen. Vielleicht ist das ja ein erster Schritt.)

Tiberius hat gesagt…

Wenn die Messe am Hochaltar gefeiert wird, dann ist der Volksaltar ein hinderlicher Fremdkörper. Ich denke, daß wir uns darin einig sind.

Was ich über organische Anlage der gemeinsamen Orientierung und des Lateins in der heiligen Messe sagte, entsprang meinem persönlichen Empfinden und nicht der Überlegung. Ich gestehe deshalb gerne zu, einen ganz anderen Eindruck zu gewinnen.

Ich will versuchen, an dieser Stelle den Gründe nachzugehen, die mich zu meinem Eindruck führten. In der gebotenen Kürze kann ich jedoch nicht mehr als eine Skizze bieten.

Wichtig ist mir, zunächst festzuhalten, daß sich mein "weniger organisch" nicht auf die Entstehung sondern auf das Ergebnis der Form bezog. Ich hätte auch sagen können: die außerordentliche Form des römischen Ritus ist in meinen Augen stringenter und kohärenter als die ordentliche Form.

Die außerordentliche Form zielt nur auf das eine Ziel, den Gläubigen über mehrere Stufen, vom Choral bis zur Stille, auf den Empfang der Kommunion vorzubereiten. Es geht, was man nicht deutlich genug sagen kann, um Erfahren und nicht um Verstehen. Es geht um innere und nicht um äußere Teilhabe. Die Stille des Canons ist dann der natürlich Ausdruck größter Innerlichkeit.

Das Latein der außerordentlichen Form ist zum Hören, aber nicht zum Verstehen gut. Damit hat man fast zweitausend Jahre gut gelebt. Auch das Latinum erlaubt es nicht, der gesungenen Epistel oder dem gesungenen Evangelium zu folgen. Schon die Akustik läßt dies oft nicht zu.

Die neue und ordentliche Form des römischen Ritus hat hingegen viele Bestandteile, die verstanden und nicht allein erfahren werden wollen, so zum Beispiel die Episteln und Evangelien in deutscher Sprache.

Die außerordentliche Form will den Gläubigen vom Verstehen zum Erfahren leiten. Die ordentliche Form will beides leisten. Sie will Verstehen und Erfahren. Damit ist sie für mich weniger stringent.

Sie überfordert mich. Denn wenn es in der Messe um Verstehen geht, dann stört mich das Latein, welches ich nicht verstehe, und wenn es um Erfahren geht, dann wiederum das Deutsch, das ich verstehe und dem ich mich nicht entziehen kann.

Aus eigener Erfahrung muß ich deshalb sagen, daß ich nicht in der Lage bin, den Spagat der neuen Messe, zwischen Verstehen und Erfahren, mitzugehen und daß ich allein in der stringenteren, außerordentlichen Form in der Lage bin, den Leib Christi zu empfangen.

Was die gemeinsame Ausrichtung von Priester und Gemeinde zu Gott angeht, muß ich sagen, hatte ich erstmals den Eindruck, daß mir der Priester in der Messe den Rücken zukehrt, während ich in der außerordentlichen Form bislang immer den Eindruck hatte, wir würden in die gleiche Richtung schauen. Das hat mich selbst doch erstaunt.

In der außerordentlichen Form werden die Epistel und das Evangelium am Hochaltar gelesen. Der Priester behält seine Ausrichtung. Er wendet sich den Gläuigen vor der Kommunion so gut wie nicht zu. Seine Handlungen sind auf den Altar und das Kreuz fokussiert, beides liegt vor der Gemeinde und vor dem Priester. Notwendigerweise blicken also alle in die gleiche Richtung.

Mit der Verlesung von Epistel und Evangelium am Ambo, wie es in der neuen Form üblich ist, verkehrt sich die Ausrichtung des Priesters. Er wendet sich der Gemeinde zu. Die Gemeinde wendet sich ihm zu. Die Kohärenz der sinnlichen Form, der Zug der Menschen in das himmlische Jerusalem, wird aufgebrochen. Die gemeinsame Ausrichtung des Priesters und der Gemeinde zu Gott tritt nicht als Notwendigkeit, sondern als Möglichkeit auf.

Besonders schwierig habe ich die Fürbitten erlebt, die das Geschehen in der Messe zur Gemeinde - und, wenn der Priester am Hochaltar stehen bleibt, - in den Rücken des Priesters verlagern. Hier wirkt der Priester plötzlich gänzlich abseits und unbeteiligt.

Nikodemus hat gesagt…

In vieler Hinsicht gebe ich Dir Recht, Tiberius. Allerdings gilt, dass der ordentliche Ritus nunmal da ist. Man kann - wie Kardinal Ratzinger mal formulierte - nicht alle 20 Jahre eine Liturgiereform machen. Daher bin ich froh, wenn innerhalb des neuen Ritus Elemente zum Vorschein kommen, die ich persönlich für sehr wichtig halte. Mit das wichtigste ist mir dabei die Orientierung gen Osten, zum Hochaltar. Latein ist hübsch, aber in meinen Ohren nicht zwingend. Ich hoffe sehr, dass sich durch die Zulassung der außerordentlichen Form auch etwas in Bezug auf die ordentliche Form tut (ars celebrandi) - die Hoffnung stirbt zuletzt!

Lupambulus Berolinen. hat gesagt…

Woher es wohl kommt, dass du Probleme mit dem Friedensgrusz hast??? Und wie vertraegt sich die Andacht etc. pp. mit dem Fotografieren? Mysterium magnum!
Meinerseits jedenfalls ganz friedliche Gruesze aus Rom...

Tiberius hat gesagt…

Pax tecum, Lupambule!

Lupambulus Berolinen. hat gesagt…

Ut sit! Pax, quam mundus non potest dare (nec ferre). Grüße ins verschneite Berlin aus einem verregneten Rom.