Sonntag, 18. Oktober 2009

Interview der Mainpost mit Michael Sell

Aus einem Inter­view der Main­post mit Michael Sell, dem ehe­ma­li­gen Stadt­pfarrer von Hammel­burg, und mit Alfred Ruppert, einem ehema­li­gen Pfarr­ge­mein­de­mit­glied:

Mainpost: "Herr Sell, wie fühlt sich ein Pfarrer am Tag nach seiner Suspendierung."
Michael Sell: "Es ist sehr emotional. Es ist auch hier eine Ach­ter­bahn­fahrt, weil na­tür­lich gestern hier ein toller Gottes­dienst, der nicht Gottes­dienst war, eine So­li­da­ri­täts­be­kun­dung der Ge­mein­de, die ein­fach gesagt haben, ja wir ver­stehen das, was du machst, wir ver­stehen deinen Schritt, und heute na­tür­lich alles, was auf einen Ein­prasselt, viele Inter­views, viel Inter­esse, auch viel Medien­inter­esse, aber auch ganz viele An­rufe, die zu einem stehen. Es ist ein­fach sehr emo­tional, aber auch ein sehr schö­ner Tag."

Mainpost: "Wie verlief gestern das Gespräch mit Bischof Friedhelm in Würzburg."
Michael Sell: Sehr fair und es war ein sehr gutes Ge­spräch. Er war wirklich sehr auf­ge­schlossen. Er war na­tür­lich per­sönlich be­troffen. Das ist klar. Aber er war jetzt in kein­ster Weise böse, oder daß er mir Vor­würfe ge­macht hat, sondern er hat Ver­ständ­nis sig­na­li­siert. Er konnte natür­lich nicht anders als mich zu sus­pen­die­ren, aber es war ein Gespräch in einer sehr guten Atmo­sphere.

Mainpost: "Wie geht es ihnen jetzt nach neun Monaten, daß sie jetzt offiziell zu Frau und Kind stehen zu können."
Michael Sell: Das ist sehr schön, das befreit, es ist wunderbar jetzt offiziell zur Liebe und zum Leben stehen zu können.

Mainpost: "Herr Ruppert, welche Konsequenz ziehen sie aus der Suspendierung des Hammelburger Stadtpfarrers Michael Sell."
Alfred Ruppert: "Ja, ich bin heute aus der Kirche ausgetreten und bin auch nicht mehr Mitglied des Pfarrgemeinderates auch meine Tätigkeit als Mitglied eines Ausschusses im Diözesanrat Würzburg habe ich aufgekündigt. Es reicht mir einfach. Ich hab die Schnauze voll. Ich habe jetzt seit dreissig, vierzig Jahren, erlebe ich immer wieder wie unsere Mutter Kirche, die sich aber nicht wie eine Mutter benimmt, wie sie einfach über Schicksale hinweggeht, wie sie Leid erzeugt, das man durchaus vermeiden könnte, wenn man ein bißchen mehr die Botschaft Jesu Christi ernst nehmen würde, denn die ist Liebe und nicht irgendwelche Kirchengesetze, die - die heutzutage nicht mehr in die Landschaft passen."

Kommentare:

Paul Miller hat gesagt…

Wie war doch gleich der Unterschied zwischen Amor und Caritas?!

Arminius hat gesagt…

Ob die Kirche dem Ruppert wohl jemals interessiert hat? Bei aller Trauer um den Verlust eines Priesters: Rupperts Austritt kann für die Kirche nur ein Gewinn sein.

Sarah hat gesagt…

@ Paul Miller: Wenn Amor weg ist, wird man leider sehen ob es Caritas (Agape) oder Philia oder gar nur Eros ist.

...aber, wie soll ich den Unterschied den Jugendlichen bei uns im Glaubenskreis erklären, wenn erwachsene Theologen den Unterschied nicht kennen....Schlimmer noch, wie soll ein laisierter Priester später seinem Kind erklären, dass allein in IHM, in Jesus Christus, in Gott allein, die Erfüllung zu finden ist?

Stanislaus hat gesagt…

*gähn*

Vox Coelestis hat gesagt…

Und da tönte doch unser aller Küng Kong gerade noch groß rum, wieviele seiner Art- und Folgegenossen seinetwegen in der Kirche blieben. Doch den Herrn Ruppert konnte selbst das nicht mehr halten ...

Küng Kong sollte endlich austreten, damit noch mehr von dieser Art ... ;-)

PS Tiberius hat Post.

Tiberius hat gesagt…

Ich wünsche Michael Sell alles Gute! Die Aussage: "... jetzt könne er endlich zur Liebe und zum Leben stehen", verstehe ich nicht. Wer weiß aber auch, wie er sein vorheriges Priesterdasein verstanden hat.

Wenn man Leute wie Alfred Ruppert hört, könnte man denken, die Kirche wolle dem armen Mann ans Hemd oder Schlimmeres. Ohne seine Ausfälle wäre der Bericht wohl nicht rund gewesen. Sells Bericht von dem Gespräch mit Bischof Friedhelm war der Mainpost wohl nicht abwertend genug.