Donnerstag, 17. September 2009

Zentralkomitee statt Katholischem Arbeitskreis

Aus einem Gespräch der Katholischen Nachrichtenagentur mit dem Politikwissenschaftler Antonius Liedhegener. Das ganze Gespräch gibt es beim Kölner Domradio.

KNA: Der­zeit gibt es Über­le­gun­gen zur Grün­dung eines Katho­lisch­en Ar­beits­krei­ses der CDU nach dem Pendant auf evan­ge­li­scher Seite.
Liedhegener: Das wäre ein Rückzug in ein katholisches Ghetto und würde dem Gestaltungsanspruch in einer zugegeben pluralen Gesellschaft nicht gerecht. Der Gedanke mag zwar zunächst naheliegen. Aber er passt nicht zum Selbstverständnis der Union. Die Wirkung des politischen Katholizismus in der jüngeren Geschichte beruht darauf, dass es ein dichtes, vielfältiges Netzwerk von Kontakten gab, mit Gremien wie dem ZdK, der Deutschen Bischofskonferenz, dem Katholischen Büro in Berlin. Darauf kommt es an. Diese Kontakte müsste die Union stärken.

KNA: Ist die Debatte auch eine Folge der Papstkritik Merkels?
Liedhegener: Angela Merkel als protestantische Kanzlerin - das ist ein echtes Thema der Unionsparteien. Die erfolgreichen Bundeskanzler Konrad Adenauer, Kurt Georg Kiesinger, Helmut Kohl waren Katholiken und waren fest verankert vor allem im rheinischen Katholizismus. Ludwig Ehrhard war Protestant, er blieb eine Episode in den 1960er Jahren. So bleibt jetzt eine Fremdheit. Aber Merkel hat in der Williamson-Affäre letztlich nur auf eine kirchliche Entwicklung reagiert: Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist die katholische Kirche immer auch Teil der Zivilgesellschaft. Damit misst sich ihr eigenes Handeln auch an jenen Maßstäben, die eine demokratische Gesellschaft ausmachen. Das heißt: am Bekenntnis zu den Menschenrechten und zur Menschenwürde, an der Ablehnung von Rassismus und Holocaustleugnung. Und darauf hat Merkel angemessen reagiert.

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Merkels Bataillone lassen keine Gelegenheit aus, ihren Angriff auf den Papst zu relativieren.
Die Unverschämtheit Merkels bestand darin, so zu tun, als müsse man den Papst über den Holocaust belehren. Merkel hat durch ihren lange vorbereiteten Angriff auf den Papst einer beispiellosen Haßkampange gegen ihn allerhöchste politische Legitimation gegeben.

In diesem Zusammenhang von einer angemessenen Reaktion zu sprechen ist schon ganz schön tapfer.

Elsa Laska hat gesagt…

Es sollte sich in einer demokratischen, pluralistischen Informationsgesellschaft auch mal allmählich herumgesprochen haben, dass die Kirche sich zuallererst, noch vor diversen demokratischen Parteivertretern und Lobbyisten jedenfalls, zu Menschenrechten, Menschenwürde, Ablehnung von Rassismus und Holocaustleugnung BEKENNT und zwar solange jedenfalls ich denken kann, pausenlos und immer wieder. Ganz sicher braucht die Kirche nicht Frau Merkel, um sich quasi neu in diesen Fragen zu osten.
Wer das wirklich meint, - achso ich seh grad, der Mann ist Politikwissenschaftler...
Damit hat sich quasi mein Kommentar erübrigt ...

Tiberius hat gesagt…

Ja, die Politikwissenschaftler ...

Da kann man leider nicht wirklich mehr erwarten.

Johannes hat gesagt…

Sire! Geben Sie Vereinigungsfreiheit! (Aber vielleicht sollten wir uns eher als Geheimgesellschaft gründen, wäre doch viel geschickter. So mit allem Drum und Dran, vor allem diesen schicken Fingerringen mit der letalen Dosis Strichnin (*Träum*)) Weia, mein Beichtzettel ist schon wieder einen halben Meter länger.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Das ist mal wieder typisch!
Wenn der Gedanke einer katholischen Profilierung aufkommt, fallen sofort Begriffe wie Ghetto, wobei auch immer sofort eine Prise Fundamentalismus unterstellt wird.
Si tacuisses!
Geheimgesellschaft... hm für sowas hab ich auch schon immer einen Faible gehabt...kodierte Botschaften, die nach dem Lesen sofort verbrannt werden müssen,... fehlt nur ein wohlklingender Name! Ring.. Mit Tiara und Schlüsseln... *g*

Tiberius hat gesagt…

Ein wohlklingender Name? Ich würde es Katholischer Arbeitskreis nennen.