Donnerstag, 17. September 2009

Leidenschaftlich glauben und leben - kfd verbindet

In dieser Woche veranstaltet der Katholische Frauenverband eine Aktionswoche unter dem Motto "leidenschaftlich glauben und leben - kfd verbindet". Das Programm verteilt sich auf das ganze Bundesgebiet. Am 20. September wird "an allen Aktionsorten eine Andacht mit gleichlautenden Texten und Liedern gefeiert werden. Die Texte dazu findet man hier, die Lieder hier. Verantwortlich zeichnet Isolde Niehüser aus der Bundesgeschäftsstelle des Verbandes.

Durch den regelmäßigen Besuch der heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus am Institut St. Philipp Neri bin ich mit den Gepflogenheiten und Verbindlichkeiten in deutschen Pfarrgemeinden nicht hinreichend vertraut. Ich lasse mir deshalb gerne helfen, wenn es gilt, die Form und den Inhalt dieser kfd-Andacht in das liturgische Handeln der Kirche einzuordnen.

Die Andacht beginnt mit einer "liturgischen Eröffnung" durch die "Gottesdienstleiterin". Sie spricht: "Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, der uns erschaffen hat und erhält, im Namen Jesu Christi, der sich uns zuwendet und mit uns geht und im Namen der Geisteskraft, die unsere Leidenschaft weckt und uns eint." Was bitte soll denn Geisteskraft heißen?

Noch vor Beginn der Aktionswoche zieht die Autorin des Eröffnungstextes ihr Resümee: "Die Frauen waren offen für neue Erfahrungen, interessiert an den Menschen, die etwas zu sagen haben und sicherlich lustvoll bei ihrer Entdeckungsreise an ungewöhnlichen Orten. In dieser Woche war spürbar: Die KFD ist eine starke Gemeinschaft, die etwas wagt." Verfügt die Autorin über prophetische Gaben oder ist sie am Ergebnis gar nicht interessiert?

Nach der Begrüßung werden die Aktivitäten der Aktionswoche noch einmal vorgestellt. Ich spare mir die Vorstellung. Dann erfolgt ein "Austausch mit den Nachbarinnen", gefolgt von dem Lied "Lasst uns miteinander gehn", mit den bewegenden Zeilen: "Wenn wir liebend unsre Welt gestalten, wenn Begegnung geschieht, werden wir vereint die Wunden heilen, teilen Last und Brot, teilen Last und Brot." Ist das Absicht mit dem "Brot"?

Zu meinem Erstaunen gibt es auch ein Tagesgebet, das mit den Worten endet: "Darum bitten wir dich mit der Kraft die vom Geist Gottes ausgeht und die in der Einheit mit Jesus Christus in uns lebt." Wir bitten mit der Kraft vom Geist Gottes? Ist das jetzt die heilige Zweifaltigkeit? Wo ist denn der Heilige Geist geblieben und was ist die Kraft, die vom Geist Gottes ausgeht? Gibt es hier irgendein Problem mit dem Heiligen Geist, von dem ich noch nichts weiß?

In der Lesung geht es dann um Frauen, die durch Christus geheilt wurden: Maria Magdalena, Johanna und Susanna. In den "Gedanken zur Predigt" wird darauf noch einmal Bezug genommen. Sie alle seien Jesus persönlich begegnet und wären von Krankheiten oder von Dämonen geheilt worden, bei denen es sich um "wohl damals unbekannte, vermutlich epileptische Krankheiten" gehandelt habe. Ist da wieder mal eine Begegnung fällig?

Und weiter: "Auch Frauen waren mit Jesus unterwegs, genauso wie die zwölf, die mit den Aposteln gleichgesetzt werden". Es gäbe einige Bibelstellen, die nahelegen, daß auch Frauen mit Jesus umhergezogen seien, mit nicht minderer Begeisterung und Leidenschaft. - Es gäbe einige Bibelstellen, die das nahelegen? Wie bitte? War und ist die Kirche nicht voll von Frauen, die Christus nachfolgen oder gibt es ein Problem mit der Untescheidung von Jüngern und Aposteln?

Nach den "Gedanken zur Predigt" nehmen sich die Besucher des "Gottesdienstes" bei den Händen und schaffen "ein Band der Verbundenheit über die Bänke und Stühle hinweg". Es folgt ein Moment der Stille und dann - die Fürbitten. Nichts dazu.

Nach dem "Vater unser", zu dessen Doxologie die Teilnehmer aufgefordert werden, die Arme für einen Moment ganz nach oben und langsam wieder herunter zu nehmen, folgt der Friedensgruß. Auch hier gibt es einen Hinweis der Leiterin: "Gottes Friede ist uns zugesagt. Wünschen wir einander den Frieden. Verlassen sie ihren Platz, gehen sie durch den Raum, gehen sie aufeinander zu." Hat sich der Handschlag zum Friedenskuß schon vollkommen verselbständigt?

Wer bis hier durchgehalten hat, hört dann noch den "Segen" und die "Sendung" der "Gottesdienstleiterin": "Lebendiger Gott, wir danken dir für Begegnungen, die uns fordern, für Erfahrungen, die uns bereichern, für dein Wort, das uns gegeben ist. Wir öffnen uns für die Geisteskraft" - schon wieder diese ominöse Geisteskraft - "die uns lebendig macht."

Bin ich hier einem Spaß aufgesessen? Ist das ein skurriler Einzelfall oder ist es vielleicht gar üblich? Gibt es Menschen, die einer solchen Veranstaltung ernsthaft beiwohnen? Lebe ich auf einer liturgischen Insel? Gibt es jemanden, der als Seelsorger für den Verband der katholischen Frauen bestellt ist? Fragen über Fragen. Die "Abschlussandacht" findet in zwei Tagen statt.

Kommentare:

Mcp hat gesagt…

Ich habe mit Interesse "durchgehalten" und mir den Text, weil er so bezeichnend für den Zeitgeist ist, sogar kopiert.

Ich überspitze jetzt:

Irgendwann wird Gott "gegendert". Erst geschlechtslos gemacht, um ihn dann als Frau wieder "auferstehen" zu lassen. Wirst es vielleicht noch erleben. Es wird ja schon versucht, in die Abbildungen aus der damaligen Zeit Frauen hineinzuinterpretieren, weil die Figuren „unstrittig“ weibliche Attribute hätten. Die „bösen Männer“ hätten nur alle Hinweise auf Frauen vernichtet.

Die klassische Legenden- und Mythenbildung. Zum Schluss gibt es dann die Bibel in gerechter Sprache „neu“ und endlich „wahr“ erzählt und nach „neusten“ Erkenntnissen neu übersetzt. Jetzt erst liegt das wahre Christentum offen. 2000 Jahre lang wurden wir nichts als belogen und betrogen.

Ich sage es nochmal, ich überspitze. Aber historisch betrachtet laufen solche Prozesse immer nach demselben Muster. Dein Text ist ein typisches Beispiel dafür, wie „neue Wahrheiten“ quasi unmerklich in das Gedankengut der Menschen sickern und nur ganz Sensibilisierte erkennen, das da etwas nicht stimmen kann. Die nennt man dann Konservative oder Reaktionäre. Die ewig Gestrigen halt.

:)

Sponsa Agni hat gesagt…

Du lebst auf einer liturgischen Insel! Das kann ich Dir sagen...

Sarah hat gesagt…

Ich bin noch bis Ende des Jahres KfD Mitglied und ich kann sagen: Nein, das ist kein Einzelfall. Die Aktionswoche wurde zwar bei uns scheinbar nicht "gefeiert" aber die Aktionen, die es gibt sind mindestens genauso gruselig. Das Schlimmste, und danach habe ich dann auch direkt meinen Wunsch auf Austritt erklärt, war eine Frühschicht in der Karwoche zum Thema Schöpfung, als wir dann am Gründonnerstag morgen alle in Erde packen sollten, damit wir mal fühlen können wie Erde sich anfühlt (kein Scherz und wir leben in einer Gemeinde in der es zu 80 % Einfamilienhäuser mit Garten gibt, also sollte jeder Erde kennen)bin ich fast zusammen gebrochen und dann trällerten wir halt noch so lieder wie "Die Erde ist schön.." Leider wirklich kein Scherz, aber das ist KfD live und in Farbe. Als emanzipierte Frau, die auch gerne "Laßt uns loben Brüder loben" und nicht die neue Version singt, kann man nur denken, dass diesen Frauen gewaltig etwas fehlt. Die Frage ist nur was.

Stanislaus hat gesagt…

Über die kfd muß man sich heutzutage gar nicht mehr wundern. Die leiden - wie viele Gruppierungen im katholischen Verbandswesen - darunter, daß ihnen der Nachwuchs ausbleibt. Und nun tun sie alles, um irgendwie welchen zu bekommen.

Sarah hat gesagt…

@Mcp: habe dazu gerade eine Einladung bekommen uns sie auch direkt "geblogt". http://sarahs-gewissen.blogspot.com/

Tiberius hat gesagt…

Mcp, ich könte mir vorstellen, wenn ich oben aufgeführtes Lese, daß diese Transformation unseres Herrn Jesus Christus über den Weg des "Bruder Jesus" geht, der erst transexuell wird nachdem er homosexuell werden durfte, um dann endlich als "Schwester Jesus" selbst erlöst zu werden. Bis dahin werden auch die Geheimnisse der Menschwerdung, von Tod und Auferstehung, auf ihre medizinischen Ursachen zurückgeführt worden sein.

Tiberius hat gesagt…

Sponsa Agni, das ist ja entsetzlich. Wie haltet ihr das aus?

Tiberius hat gesagt…

Sarah, was kommt den dann als nächstes: Steine meditieren, seinen Namen tanzen, Mutter Erde feiern, Donar Eichen pflanzen? Das können die ja gerne machen, aber das ist doch nicht katholisch. Wenn man es gut mit ihnen meint, dann muß man ihnen das doch sagen. Das ist doch total unbefriedigend, ja frustrierend.

Da wird heute das Geschlecht "gewechselt", wenn sich einer in seinem Körper nicht mehr zu Hause fühlt, aber, so groß das Unwohlsein auch sein mag, die Kirche wird nicht gewechselt. Als ob die Möglichkeit der Bekehrung eine Möglichkeit der Abkehr nicht begründen würde.

Braut des Lammes hat gesagt…

Diese Weibsen scheinen völlig wildgeworden und erweisen so einen Bärendienst. Zu solchen "Ich bind mir einen Schal um und nenn ihn Stola"-Veranstaltungen gehe ich aus Prinzip nicht.

Tiberius hat gesagt…

Stanislaus, das glaube ich aus. Nur, wenn ich mich haltlos im Zeitgeist tummeln möchte, dann brauche ich die Kirche und auch den katholischen Verband nicht. Auch außerhalb von Kreuzberg muß es doch Frauencafés und Frauenläden geben, wer das nicht gefällt, die kann ja dann Mitglied der Frauen Union werden. In meinen Augen wäre da für jeden was dabei.

Tiberius hat gesagt…

P.S: Nur um es noch mal gesagt zu haben, bevor es hier untergeht:

Credo ... in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem: qui ex Patre Filioque procedit. Qui cum Patre et Filio simul adoratur et conglorificatur: qui locutus est per prophetas. ... Amen

Tiberius hat gesagt…

Braut des Lammes, ja, das kann ich gut verstehen. Ich bin nicht das Heilige Offizium, aber wenn sich jemand katholisch nennt, der das Glaubensbekenntnis nicht mehr mitbeten kann, dann bekomme ich schon so meine Ahnungen. Wo ist der Hirte, der dieses Treiben mit der Autorität der Kirche als das benennt, was es ist? Ich wäre für jede bischöfliche Äußerung dankbar.

Vox Coelestis ...................... hat gesagt…

Hihi, ich stell mir gerade die kdf-Frauen meiner örtlichen Seelsorgeeinheit vor, wie die mit diesem "Gottesdienst"-Entwurf restlos überfordert sind ... ich stelle mir das nicht nur der Texte wegen als total peinliche Veranstaltung vor, sondern weil der verordnetet Feminismus häufig nicht mal einen, wie sagt man doch so hübsch? ... "Sitz im Leben hat".

Braut des Lammes hat gesagt…

Tiberius: ich bin kein Kirchenrechtler, aber wäre da - neben mahnenden Worten des Bischofs - nicht viel eher der jeweilige Pfarrer oder Rektor zuständig, der die Abhaltung eines solchen Unfugs in seiner Kirche schlichtweg untersagen kann?

Tiberius hat gesagt…

Braut des Lammes, Du hast Recht. Schon der Pfarrer könnte untersagen, daß eine solche Veranstaltung in seiner Kirche stattfindet. Es sei denn, das Bistum fällt ihm in den Rücken, und genehmigt die Veranstaltung, weil es die schlechte Presse fürchtet. Danach kann man sich als Pfarrer gleich versetzen lassen. Es glaubt einem eh keiner mehr was. Kann man sich da heute noch sicher sein?

Allein in den Händen der Bischöfe liegt die ganze Lehrgewalt. Wenn die Bischöfe nicht mehr sagen, was katholisch ist und was nicht, weil sie niemanden verprellen wollen, warum sollte es dann ein einfacher Priester tun?

christian hat gesagt…

Wortgottesdienst? Wo die Sprache dann derart mit Füßen getreten wird...

"Entdecke den Pinguin in dir" ("Pinguin" als Metapher für Nonne, wie in den Witzen, die man sich auf dem Pausenhof erzählt hat?)

"Lasst uns miteinander gehen" (bitte ankreuzen a) ja b) nein c) vielleicht - sorry, aber man fühlt sich irgendwie in die Pubertät zurückversetzt).

"Gott eröffnet Leben" (aha, ein neuer Laden mit tollen Gratis- und Rabattangeboten, Impulsen und Schöpfungstänzen).

Nebenbei: Auch Papst Johannes Paul II. hat von Gott als Mutter gesprochen, weil Gott in der Bibel auch weibliche Eigenschaften zukommen.

curioustraveller hat gesagt…

"Geisteskraft" - öh, da hat wohl jemand die so genannte "Bibel in gerechter Sprache" gelesen - da wird der Begriff verwendet. Da schau her, und ich dachte immer, der Heilige Geist wäre die dritte Person der Dreifaltigkeit...

Und wenn ich den Rest des Gottesdienstablaufes lese - es waren unter anderem Gottesdienste dieser Art, die mich die Flucht aus der (evangelischen) Kirche antreten ließen...

Tiberius hat gesagt…

Dritte Person der heiligen Dreifaltigkeit. Ja, das dachte ich bis jetzt auch.

Danke für den Hinweis auf die Bibel in gerechter Sprache. Ich muß zugeben, daß ich dieses Werk bislang nur als Titel zur Kenntnis genommen habe.

Elsa Laska hat gesagt…

Allmählich komme ich mir vor wie eine dumme Gans. Wozu um Himmels Willen habe ich mir eigentlich soviel Stress mit dem Katholischwerden gemacht? Ich hätte Wicca und Yogini bleiben, mein Geld mit Vorträgen bei der kfd verdienen können und ein paar Chakrenausgleiche bei interessierten katholischen Frauen vornehmen können.
Ich bin wohl selten naiv. Und es langt nichtmal für eine liturgische Insel. Obwohl ich mich schon auf die nächste Hl. Messe in Campocavallo jedenfalls freue.

Johannes hat gesagt…

Nun ja, ich hätte Stadtverordneter notabene Stadtrat bleiben können, wäre heute mit einiger Wahrscheinlichkeit hauptamtlicher Dezernent mit Gehaltsklasse B6. Aber immerhin hab ich meine kleine liturgische Insel. Ist zwar nur eine Alltagsmesse, aber ich bin glücklich hier sein zu dürfen. Den Schmock mit der Geistkraft gibts schon seit ein paar Jahren, seit wer entdeckt hat, daß die jüdische Ruach weiblichen Geschlechts ist.

curioustraveller hat gesagt…

@Elsa: Wicca und Yogini? Da hättest Du auch mal Chancen gehabt, auf dem Ev. Kirchentag ein Seminar abzuhalten...

Tiberius hat gesagt…

Auf dem Evangelischen Kirchentag? Das bietet ja gänzlich neue Perspektiven für die Ökumene. Kann Elsa vielleicht schon in München mit dabei sein?