Sonntag, 6. September 2009

Die Anhänger der "gelebten Ökumene" sind sauer

Vor einigen Wochen meldeten "Der Westen" und "Die Ruhrnachrichten", daß der ökumenische Weihnachtsmarkt in der Pfarrgemeinde Ergste bedroht sei, weil Pfarrer Peter Iwan es abgelehnt habe, die heilige Messe am Vormittag des ersten Advents für einen ökumenischen Gottesdienst ausfallen zu lassen. Er berufe sich dabei auf eine Verordnung der Kirche, die vorschreibt, ökumenische Gottesdienste nicht zu Zeiten zu veranstalten, zu denen üblicherweise Messen gefeiert werden.

Pfarrer Iwan habe den Samstag Abend oder den Sonntag Nachmittag vorgeschlagen. Die Organisatoren des Weihnachtsmarktes hätten jedoch beide Termine zurückgewiesen und festgestellt, ohne den ökumenischen Gottesdienst keinen Weihnachtsmarkt veranstalten zu wollen. Iwans Vorgänger Hans-Peter Riepe habe diese Verordnung nie erwähnt.

Zehn Jahren habe man den Weihnachtsmark veranstaltet und schon im letzten Jahr habe es irritierte Menschen in den Kirchenbänken gegeben. "Viele waren ins katholische Gotteshaus gegangen, im guten Glauben, die Ökumene zu feiern [!sic], wurden dann aber eines besseren belehrt: Es wurde eine Messe." Damals habe man keinen öffentlichen Aufstand gemacht, weil man dachte, der neue Pfarrer habe es nicht besser gewußt.

Die Anhänger der "gelebten Ökumene" im Ort sind sauer. Bernd Vickermann, der Initiator des Weihnachtsmarktes ist persönlich traurig. Thomas Gössling, der Pfarrer der evanglischen Gemeinde in Ergste spricht von einem Rückschritt. Immerhin seien in den neunziger Jahren 10.000 Euro für die Missionsarbeit in der Dritten Welt zusammengekommen.

Wie "Der Westen" Tage später berichtet, wächst der Druck, den die "aktiven Frauen und Männer" auf ihren Pfarrer ausüben. Bei einem Vortrag im Gemeindehaus St. Monika habe man ihm gesagt, daß er ein "Störenfried" sei. Er verteidigte sein Festhalten am Zeitpunkt der heiligen Messe, denn für die Verschiebung müsse es einen guten Grund geben. Er könne nicht erkennen, daß ein Weihnachtsmarkt hier Vorrang haben könne. Deshalb habe er auch keine Ausnahmegenehmigung beim Generalvikar des Bistums Paderborn beantragt. Das hat dann der Ergster Erich Pröpper getan, der evangelisch und ehrenamtlich in der katholischen Gemeinde tätig ist.

Am 4. September genehmigte daraufhin Generalvikar Alfons Hardt die Veranstaltung eines ökumenischen Gottesdienstes für den ersten Sonntag im Advent um 11.30 Uhr - die Ruhr Nachrichten berichten - einen früheren Zeitpunkt werde man von Seiten des Bistums nicht stattgegeben. Der "Arbeitskreis Adventsmarkt" ließ daraufhin verlauten, er sei mit dieser Regelung zufrieden und beginne jetzt mit der Vorbereitung. Der ökumenische Weihnachtsmarkt werde in jedem Fall stattfinden.

"Der Westen" berichtet von den Folgen der Auseinandersetzung. Der Vorstand des Stadtpfarramtes wünsche sich, daß "nach dem Finden von Kompromissen ... die hinter solchen Konflikten deutlich gewordenen Grundprobleme diskutiert und gelöst werden". Seine Konsequenzen aus dem Streit habe Arndt Büssing bereits gezogen. Er sei bereits vor zwei Wochen, nach dem ersten Bericht über die Auseinandersetzungen in Ergste, von seinem Amt als Mitglied des Pfarrgemeinderates zurückgetreten. Büsing ist Mediziner, Komponist und Autor des Buches „Regen über den Kiefern. Zen-Meditation für chronisch Kranke und Tumorpatienten“

Kommentare:

Phil hat gesagt…

""Viele waren ins katholische Gotteshaus gegangen, im guten Glauben, die Ökumene zu feiern [!sic], wurden dann aber eines besseren belehrt: Es wurde eine Messe."

AU BACKE! Eine Messe! Na, da würde ich ja auch aus der Kirche rennen - schließlich bin ich wegen Händchenhalten zu Klampfenklängen in die Kirche gegangen!

Polemik beiseite, irgendwie ist es entsetzlich, ein gemeinschaftliches Ereignis (was man doch übrigens auch ein, zwei Stunden früher/später veranstalten könnte) DEM Ereignis schlechthin vorzuziehen. Oder nein, ich muß mich korrigieren: Dieses Fordern eines Gottesdienstes, oder gar dieses enttäuscht sein ob der Zelebration einer Messe ist meiner Meinung nach schlimmer, als überhaupt nicht zur Messe zu gehen. Wären die werten "enttäuschten" Damen und Herren bei ihrem Spekulatius geblieben, wären sie nur faul, träge und lau. So wird aus dem, was eigentlich gemeinsamer Lobpreis sein sollte, ein Interessenkonflikt - und derart Gott für seine Zwecke auszunutzen sehe ich dann als Blasphemie.
Na ja, anscheinend gibt es eine gute Sache: Der Herr Zen-Meister ist aus dem Pfarrgemeinderat ausgetreten.

Theresia Benedicta hat gesagt…

Och nein, der arme Pfarrer... Manche Gemeindemitglieder denken garnicht daran, was sie den ordinierten Männern (und damit irgendwie auch Christus) mit solchem Verhalten antun!!!

Stanislaus hat gesagt…

Aber auch wieder scheiße vom Erzbistum, seinem Personal derartig in den Rücken zu fallen.

"Vickermann" finde ich schon allein im Wortklang zum Schreien!

Sarah hat gesagt…

Ich war so richtig glücklich über die Entscheidung und jetzt das. Müssen wir immer einknicken, nur damit weiter mit uns gespielt wird? Unserer Tochter bringen wir bei, dass Kinder, die nur wenn sie das und das erfüllt mit ihr spielen keine Freunde sind. Sie hat es schon verstanden - mit 6. Wann versteht die katholische Kirche in Deutschland wieder, dass Jesus Christus und nicht Friede, Freude, Eierkuchen der Weg, die Wahrheit und das Leben ist?