Mittwoch, 23. September 2009

Austritte aus der Kirche erschrecken Bischöfe

Seit ein paar Tagen rauscht es im Blätterwald. Die Bischöfe sind alarmiert. Immer mehr Menschen erklären, keine Kirchensteuer mehr zahlen zu wollen. Nach der Auffassung der Bischöfe schließt das vom Empfang der Sakramente aus und heißt im Amtsdeutsch der Kirche: Kirchenaustritt. Was aber macht man mit denen, die sich bereits selbst aus freien Stücken vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen haben?

Wenn neun von zehn Katholiken sonntags nicht mehr in die Messe gehen, dann ist die Frage berechtigt, was diese Menschen in der Kirche hält. Man muß sich wundern, warum manche der Kirche weiter ihre Steuer entrichten, obwohl sie sich schon lange innerlich abgewandt haben. Liegt es an dem bürokratischen Aufwand, ein Formular auszufüllen und bei einer staatlichen Stelle einzureichen? Ist es das gute Gefühl um Weihnachten, dem armen Kind auf dem Misereor-Plakat geholfen zu haben?

Müßten nicht eigentlich viel mehr Menschen, wenn sie sich ehrlich machen, aus der Kirche austreten? Mich wundert, daß überhaupt noch Kirchensteuer gezahlt wird, die deutschen Bischöfe wundern mich nicht.

"Politisch Unpolitisches" zu diesem Thema: Austrittswelle.

Kommentare:

curioustraveller hat gesagt…

Ich dachte immer, dass der Glaube des Empfangenden Voraussetzung für den Empfang der Sakramente wäre und nicht die Frage, ob er Kirchensteuer entrichtet...

Müssten nicht eigentlich viel mehr Menschen, wenn sie sich ehrlich machen, aus der Kirche austreten?

Wenn man's recht bedenkt - sie müssten!

Tiberius hat gesagt…

Soweit es den Bischof von Rom betrifft, gibt es daran auch keinen Zweifel, nur die deutschen Bischöfe können sich damit noch nicht richtig anfreunden.

Phil hat gesagt…

Das sehe ich absolut nicht so. Die Leute, die trotzdem noch in der Kirche sind, auch wenn sie nicht so großartig religiös wie der durchschnittliche Leser von Blogs wie diesem hier sind, die vielleicht, wenn es hoch kommt, zu Weihnachten in die Kirche gehen - da ist noch was da. Die, die ein gutes Gefühl haben, immer noch Kirchensteuer zu zahlen - auch hier ist noch ein kleiner Rest Vertrauen in die Kirche da, denn die denken, daß mit dem Geld gutes gemacht werden würde.
Die Kirche ist nicht nur ein Verein für Heilige - und wenn wir ehrlich sind, bilden diese sogar die Ausnahme. Das ist traurig, gibt einem lauen Hund wie mir aber die Hoffnung, trotz allem zu diesem pilgernden Gottesvolk zu gehören.
Jetzt mag man natürlich mit lau etc. ankommen - ich halte es aber lieber mit "Bewahrt das Gute" und damit, daß auch der Papst - ich glaube, das war in einem seiner zwei Interviews mit Seewald - meinte, daß bei diesen Papierkatholiken wenigstens noch irgendwas da ist.

Tiberius hat gesagt…

Lieber Phil,

es tut mir Leid, wenn du den Eindruck gewonnen haben solltest, daß ich es verurteile, wenn jemand Kirchensteuer zahlt, aber nicht in die Kirche geht. Das ist nicht der Fall. Ich verurteile es nicht. Ich wundere mich darüber.

Ich würde mich auch darüber wundern, wenn jemand ein Theaterabonnement erwirbt, aber nie ins Theater geht, oder Zweitwohnungssteuer bezahlt, aber gar keine Zweitwohnung hat.

Mutmaßungen darüber, wie religiös der durchschnittliche Leser dieses Blogs ist, ob wirklich großartig religiös ist oder gar nicht, stelle ich nicht an. Für sein Seelenheil ist jeder selbst verantwortlich und es gibt nur zwei, die den Menschen zu recht anklagen, daß eine ist der Mensch, daß andere ist Gott.

Wenn die Kirche bei den Menschen nur noch als internationale Wohlfahrts- und Hilfsorganisation wahrgenommen wird, dann konkurriert sie mit "anderen" Nichtregierungsorganisationen.

Die Internationale Hilfe ist ein großes Geschäft auf einem globalen Markt mit eigenen Spielregeln. Die Organisationen treten als Marken in einem Wettbewerb auf. Gehandelt wird das gute Gefühl anderen Menschen geholfen zu haben. - Das ist nicht die Kirche. -

Auf diesem Markt zählt nicht nur das Vertrauen, mit dem Geld werde wirklich geholfen. Es zählt auch die soziale Akzeptanz der "Marke". Schuhe, die in Kinderarbeit hergestellt wurden, lassen sich auf manchen Märkten auch dann nicht verkaufen, wenn sie gut oder sogar besser als andere Schuhe der gleichen Preiskategorie sind.

Soziale Akzeptanz erhält nur der, der die Erwartungen anderer erfüllt oder zumindest so tut als ob. Auf keinen Fall aber darf man die Menschen vor den Kopf stoßen und sie in ihrem Lebenswandel verunsichern. - Das ist nicht die Kirche. -

Für die Kirche kann das nicht funktionieren. Die Kirche hat nicht die Aufgabe, den Menschen nach dem Mund reden. Sie muß die Wahrheit aussprechen, auch wenn sie nicht gern gehört wird. Siehe dazu das beliebte Problemfeld: Afrika, Aids, Kondome, Kirche.

Wie sehr manche Bischöfe sich selbst als Akteure eines Marktes begreifen, wird vielleicht deutlich, wenn man sich wie in München von einer Unternehmensberatung in Sachen Kirchenbindung - könnte wohl genausogut auch Kundenbindung heißen - beraten läßt.

Die Stellungnahmen der Deutschen Bischofskonferenz lassen dann auch gern den Geist des "Tu mir nicht weh, ich tu dir nicht weh" verlauten. Laßt uns bloß keine schlafende Hunde wecken. Nicht das jemand auf die Idee kommt seine Kirchensteuer einer Organisation zukommen zu lassen, die weniger anstößig und unbequem als die Kirche ist.

Vale!
Tiberius

P.S. Zur Sicherheit noch eine kurze Schlußbemerkung zu meiner persönlichen Heiligkeit: Ich bin es nicht.