Sonntag, 30. August 2009

Wider Spiritualismus und Materialismus

"Mit seiner Spiritualität erhebt sich der Mensch über die Gesamtheit der Dinge und dringt in die tiefsten Strukturen der Wirklichkeit ein. Wenn er in sein Herz hineinsieht, das heißt, wenn er über sein eigenes Schicksal nachdenkt, dann entdeckt der Mensch, dass seine einzigartige Würde als Gesprächspartner Gottes, vor dem er seine Lebensentscheidungen trifft, ihn über die materielle Welt erhebt. In seinem inneren Leben bejaht er "die Geistigkeit und Unsterblichkeit seiner Seele" und weiß, dass er "sich selbst nicht nur als Teil der Natur oder als anonymes Element in der menschlichen Gesellschaft" betrachten darf.

Folglich hat der Mensch zwei unterschiedliche Merkmale: Er ist ein materielles Wesen, dass durch seinen Leib an diese Welt gebunden ist, und er ist ein spirituelles Wesen, dass offen ist für die Transzendenz und dafür, "eine tiefere Wahrheit" zu entdecken, durch die er "am Licht des göttlichen Geistes" teilhat. ... Weder der Spiritualismus, der die Wirklichkeit des Leibes verachtet, noch der Materialismus, der den Geist als bloße Manifestation der Materie betrachtet, werden der Vielschichtigkeit, der Gesamtheit und der Einheit des menschlichen Wesens gerecht."


Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden
- Kompendium der Soziallehre der Kirche

1 Kommentar:

christian hat gesagt…

Diese Anthropologie halte ich für eine der größten Vorzüge der christlichen Lehre. Mir fällt auf, dass Sozialisten (sprich: Materialisiten), wenn sie irgendwann ihre spirituellen Bedürfnisse entdecken, doch sehr stark zu einer (leibfeindlichen) Gnosis (sprich: Spiritualismus) tendieren.