Montag, 29. August 2011

Berliner Zeitung über das Institut St. Philipp Neri

Vor etwa einer Woche berichtete Arno Widmann in der Berliner Zeitung über einen Besuch der Messe am Institut St. Philipp Neri. Abgesehen von ein paar inhaltlichen Fehlern, einem teils despektierlichen Ton und einem gewissen Willen zum Klischee - einem Journalisten und Atheisten sind sie zu verzeihen - ein Artikel mit einem doch bemerkenswerten Gespür für die Tiefe des Geschehens.

"Als ich den Raum betrat", schreibt Widmann, "hatte der eigentliche Gottesdienst noch nicht begonnen, aber die Gläubigen beteten leise ein Ave Maria nach dem anderen. Auswendig und im Wechsel mit einer Vorbeterin. Als ich nachfragte, erklärte man mir, das sei der Rosenkranz. Ein Gebet, nein, eine Folge von Gebeten, die als Litanei gesprochen, den Kirchenraum mit jenem Gemurmel erfüllen, das man aus Fellini-Filmen zu kennen glaubt."

Der Eindruck auf Widmann ist nicht verwunderlich. In Hollywood entscheidet man sich schließlich immer für Habit, Soutane und Choral, wenn man - ich sag´s mal mit Artikel - die Kirche zeigen möchte. Keine andere Konfession hat ein so mächtiges Arsenal an Zeichen. Allen neuen geistlichen Liedern zum trotz - Widmann ist zum Glück nur Atheist bei der Berliner Zeitung und nicht bei der KNA - schreibt Widmann weiter:

"Als dann im Gottesdienst selbst von der Empore herab drei, vier Männer singen, da denkt man: So muss Kirche sein. Sie singen, wie wir Alten lernten, dass im Himmel gesungen werde: unverständlich und mit einer über Äonen reichenden Monotonie. Es ist schön und Lichtjahre weit weg. So stellte man sich einst die Kirche vor. So stellte sie sich einst vor. Der Ritus ist Begegnung mit dem Göttlichen. Also schafft er erst einmal Distanz.

Wenn der Priester, dem vor ihm knienden Gläubigen später die Hostie auf die Zunge legt, dann ist der dem Leib des Herrn näher als in jedem anderen Augenblick seines Lebens. Aber der Herr, der doch Mensch wurde, verachtet, dem Pöbel ausgeliefert, ans Kreuz geschlagen, ist doch der Herr und nicht seinesgleichen. Der Gläubige kniet vor ihm. Und wenn er das Glaubensbekenntnis sagt, dann steht er aufrecht, aber wenn das "crucifixus", das "gekreuzigt" kommt, dann geht es in die Knie.

Das macht etwas her, wenn achtzig bis neunzig Menschen gleichzeitig in die Knie gehen und es ergreift auch den bösesten Atheisten, wenn er beobachtet, wie liebevoll ein altes Paar aufeinander achtet und einander hilft beim Niedersinken auf die - glücklicherweise - gepolsterte Kniebank und aufmerksamer, vorsichtiger noch beim Wiederaufstehen.

"Religion", raunte einmal Jacob Taubes, Professor für Hermeneutik an der Freien Universität Berlin und Sohn von Generationen von Rabbinern in einem Seminar ausgerechnet über den 1. Korintherbrief 13, 1-13, "zwingt in die Knie.
"

Wenn man ohne Vorkenntnisse und nach nur einem Besuch der heiligen Messe in St. Afra, einen solchen Artikel schreiben kann, dann hat die Kirche etwas richtig gemacht.

Kommentare:

Catocon hat gesagt…

Ja, da hat die Kirche etwas richtig gemacht - zumindest der Teil der Kirche, die derartige Formen, die "Distanz schaffen" in der Begegnung mit dem Göttlichen, noch nicht längst als altmodisch und unzeitgemäß abgeschafft hat...
Schade eigentlich, dass viele Menschen, die heute als Katholiken aufwachsen, so ein Erlebnis niemals haben durften...

Stefan hat gesagt…

Ein schöner Artikel, besonders für so eine kirchenferne Zeitung.

Schade, dass so explizit auf die außerordentliche Form beschränkt wird. Jede hl. Messe bietet die Erfahrung, ER ist da.

Tiberius hat gesagt…

Ich halte es für einen Vorzug des atheistischen Journalisten, daß er seine Beobachtungen zur Messe in St. Afra nicht mit dem kirchenpolitisch korrekten Hinweis garnieren muß, das alles könne man auch in der ordentlichen Form des römischen Ritus haben. Er war nun mal in St. Afra und nicht in St. Otto.

Unabhängig von der Frage, ob ordentlich oder außerordentlich, möchte ich anmerken, daß Gott selbstverständlich in jeder gültig gefeierten Messe gegenwärtig ist. Ob er aber in dieser Messe auch erfahren wird, hängt durchaus von verschiedenen Faktoren ab. Der wichtigste Faktor ist die Gnade Gottes. Aber auch die Disposition des Gläubigen wie auch die Form der Messe können erheblich dazu beitragen, Gott in der Messe zu erfahren - oder nicht.

Die Selbstverständlichkeit der knieenden Verehrung Gottes zum "Incarnatus est" des Credo konnte Widmann nur in der außerordentlichen Form beobachten, wie auch die Selbstverständlichkeit der knieenden Mundkommunion. Widmann scheint gerade das nachhaltig beeindruckt zu haben. Wenn wir eine missionarische Kirche hätten, dann würde sie diesen Erfahrungsbericht eines Atheisten zu würdigen wissen.

Rainer Maria hat gesagt…

Hallo, Tiberius, wenn ich so die Artikel hier lese, weiß ich, Du kleines DDR Bübchen mußt noch viel lernen. Kirche ist nicht Pomp and Circumstances und Bruder wird man in den evangelischen Kirchen genannt. Das weiß Woelki,weil er kein Neubekehrter ist.

Eugenie Roth hat gesagt…

(Direkt zum Artikel:)

Allerdings und Gott sei DANK! Richtig gemacht!

Sursum corda hat gesagt…

Sehr gut finde ich diesen Abschnitt:
"Hier geht es nicht um die Gläubigen, die Messe ist nicht ihr Ort der Begegnung, sie ist ein Gottesdienst. Es geht darum, Gott zu loben und zu preisen, ihm die Ehre zu erweisen."
Dieser atheistische Reporter hat mehr verstanden als so mancher Katholik unserer Tage.

gregoriusbraun hat gesagt…

Wenn der Marsch fürs Leben ist werde ich auch Samstag und Sonntag mal in St. Afra zur Messe gehen. Vielleicht sieht man sich nach dem Hochamt?