Mittwoch, 26. August 2009

Sonntagsausflug zu den Grabesrittern in Berlin

St. Mauritius. Die Gemeinde versammelt sich zur Heiligen Messe. Die Equestris S. Sepulcri Hierosolymitani der Hauptstadt, acht Herren und eine Dame, feiern mit. Die Herren tragen weiße Mäntel mit Ordenskreuz. Das Palestrina Ensemble singt die Missa Regina Coeli von Jacobus des Kerle und das Proprium St. Pius X.

Es ist die 40. Wiederkehr des Gründungstages der Komturei. Vor der Messe weist der Zelebrant die Gemeinde darauf hin, daß die Komturei St. Pius X. - auch wenn die nachfolgende Messe auf Latein sei - mit der gleichnamigen Priesterbruderschaft ganz selbstverständlich nichts zu tun habe. Das hier sei der neue Ritus, die Errungenschaft des Konzils, die gäbe es auch auf Latein, man könne unbesorgt sein.

Das Ensemble beginnt mit dem Introitus. Die Gemeinde steht auf. Es folgt das Kyrie. Mit dem Beginn des Gloria nimmt die Gemeinde Platz. Die erste Lesung. Graduale. Die zweite Lesung. Alleluia. Der Diakon tritt an den Ambo. Die Gemeinde steht auf. Das Evangelium wird in deutscher Sprache vorgetragen - mit etwas Wohlwollen könnte man sagen: gesungen. Am Ende kämpft der Diakon sich wacker durch den Text und die Noten. Es bleibt eine Prüfung für alle Beteiligten.

Die Predigt folgt. Sie beginnt mit einer kurzen Betrachtung der zweiten Lesung und gallopiert dann durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ritterordens vom Heiligen Grabe in Jerusalem nebst einer kurzen Vorstellung seiner einzelnen Gliederungen, weltweit und anderswo. Die rhetorische Ausgangsfrage nach der wesentlichen Leistung des Ordens in der Welt ist auch nach einer halben Stunde nicht beantwortet.

Mit dem Credo geht es weiter. Die Gemeinde bleibt sitzen, lauscht dem Ensemble und steht auch zum Offertorium nicht auf. Das lateinische Hochgebet fordert den Zelebranten nicht weniger heraus als das Evangelium den Diakon. Er stolpert ein paar Mal, aber er fällt nicht. Nach der Wandlung geben wir einander ein Zeichen des Friedens. Fast jeder hat jedem die Hand gegeben als der Priester aus dem Altarraum auf das Ensemble zusteuert. Er schreitet die Reihe ab und reicht jedem nochmal persönlich die Hand.

Die Communio wird mit dem Antiphon und einem deutschen Kirchenlied bestritten, nach dem verbreiteten Grundsatz: "Keine Messe ohne deutsches Kirchenlied." Vor mir stürmt ein Mitglied der Gemeinde an die Kommunionbank. An der Bank tritt er fest auf und stößt die zu einem Keil geformten Hände Richtung Kommunionhelfer. Der schaut verwundert auf die Haltung des Kommunikanten und spendet dann den Leib des Herrn.

Der Zelebrant stemmt das letzte lateinische Gebet und entschuldigt sich zu den Vermeldungen der Woche für die ungewohnte und lange Messe. Er bedanke sich für die Geduld der Gemeinde und - es sei ja nur einmal im Jahr - schön wäre es doch eigentlich auch gewesen, mit der Musik und so, auch wenn die Gemeinde keine Lieder gesungen habe. Die läßt es sich dann auch nicht nehmen, ihrem Gefallen mit einem Applaus Ausdruck zu verleihen.

Kommentare:

Phil hat gesagt…

Schade... hätten die nicht den Herrn Gillessen zur Feier der Messe organisieren können? Schließlich ist der Heilig Grab-Ritter.

Stanislaus hat gesagt…

Das hat sich leider mittlerweile fest eingebürgert, daß die Gemeinde sich auf ihren Allerwertesten setzt, selbst wenn der Priester stehenbleibt (was ganz selnetn auch mal vorkommt). Für mich ist das immer insofern unangenehm, da ich der einzige bin, der stehenbleibt. Daher singe ich am liebsten Choralmesse mit Schola und Gemeinde im Wechsel, weil da alle stehenbleiben.

In S. Maria Maggiore setzten sich sogar Kleresei und Gemeinde zum Gloria hin, obwohl es choraliter gesungen wird.

Tiberius hat gesagt…

Vielleicht könnte der eine oder andere Liturgiekreis die liturgische Bildung in diesen Gemeinden wahrnehmen: nicht als Bildung der Liturgie, sondern als Bildung der Gläubigen in Sachen Liturgie.

Theresia Benedicta hat gesagt…

Naja, in meiner Praktikumsgemeinde ist es üblich, dass der Priester in solchen Fällen eine deutliche Handbewegung macht, der man anmerkt, was er will... Aber manche sind selbst der priesterlichen Anordnung gegenüber resistent!