Freitag, 17. Juli 2009

Thomas Morus utopische Religionsfreiheit

"Daher ließ Utopos diese ganze Frage unentschieden und ließ es jedem einzelnen frei, was er glauben wolle; nur eines verbot er feierlich und streng: so tief unter die Würde der Menschen zu sinken, daß man meine, auch die Seele gehe mit dem Leib zugrunde oder die Welt nehme ohne jede Vorsehung aufs Geratewohl ihren Lauf. Deshalb glauben die Utopier, für Verfehlungen seien nach diesem Leben Strafen, für Tugendhaftigkeit Belohnungen festgesetzt; einen der entgegengesetzter Meinung ist, rechnen sie nicht einmal unter die Menschen, weil er das erhabene Wesen der Seele zur Niedrigkeit eines tierischen Körpers herabwürdigt."

Thomas Morus - Utopia

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Herzlichen Dank. St. Thomas Morus gehörte für mich vor vierzig Jahren zu den Klassikern des "Utopischen Sozialismus". Daß die Utopier genau genommen brave und tapfere Katholiken war, wie Thomas Morus selbst, fiel damals niemandem auf, auch mir nicht.

Tiberius hat gesagt…

Gern geschehen. Auch mich hat in Bezug auf Thomas Morus der "Utopische Sozialismus" eine Zeit genarrt. Wie so oft nimmt es die Linke mit Begriffen und Gegenständen nicht so genau, wenn Sie nur die Diskursherrschaft erreichen kann.

Unabhängig von Thomas Morus und dem "Utopischen Sozialismus" läßt sich diese Flexibilität der Linken auch an der jüngsten Kirchengeschichte verfolgen. Während auf der Rechten noch um Begriffe gerungen wird, schafft die Linke bereits Fakten.

Dann stehen auf der einen die selbsternannten Verfechter des zweiten Vaticanums, die, welche das Vaticanum im wesentlichen ablehnen, und auf der anderen Seite die vermeintlichen Gegner des Konzils, die dem Konzil aber im wesentlichen Folgen.

Daß das Konzil von seinen Gegner vor seinen Verteidigern in Schutz genommen werden müßte, ist schon etwas absurd.