Donnerstag, 7. Juli 2011

Skandal! Dissertation von Rainer Maria Woelki

Die Geilheit der Medien, dem zukünftigen Erzbischof von Berlin ans Bein zu pinkeln, wie zum Beispiel hier der Berliner Tagesspiegel, wird nur noch übertroffen, von denen, die sich an der "verschwundenen" Dissertation des Bischofs ihre 30 Sekunden Ruhm verdienen wollen.

Für alle, die glauben, das alles, was sie nicht finden können, auch nicht existiert, oder aber eine Verschwörung wittern, weil ihnen die Dissertation trotz eigener "Bemühungen" nicht gleich in Haus geflogen kam, habe ich die Bibliothek der Universität vom Heiligen Kreuz in Rom aufgesucht. Eine recherchistische Großtat.

Die erschreckende Nachricht: Es gibt sie wirklich, die Dissertation, sie liegt in zwei Kopien vor und - ist ausleihbar. Skandal! Zum Katalog der Universitätsbibliothek geht es hier entlang. Da beide Exemplare ja wohl bald ausgeliehen sein werden, habe ich den aktuellen Eintrag noch einmal abgelichtet und hier unten eingestellt.


Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Die Dissertation seiner Eminenz wird auf diese Weise auch für Kreise interessant, die man eher nicht in der theologischen Abteilung einer Bibliothek erwartet. Da wünsche ich denen schon mal viel Vergnügen bei der Lektüre.

Johannes hat gesagt…

Vielen Dank für die saubere Recherche! Jetzt aber schnell suchen gehen und den bösen, homophoben Vorreiter der Unmenschlichkeit überführen!!! ;)

Stanislaus hat gesagt…

Wird vielleicht eine ungewollte Katechesestunde für die Rechercheure sein ...

caruso canary hat gesagt…

... sie werden es nicht verstehen: das ist eine theologische Dissertation und bei den meisten fehlen da schon die rudimentärsten Grundlagen.

Cicero hat gesagt…

Mithin können wir uns jetzt schon auf die drolligen Interpretationsversuche der Mainstreampresse "freuen".

Gabriel hat gesagt…

Eine Unart ist es schon, eine Dissertation nicht angemessen zu veröffentlichen. Gilt übrigens auch für den Noch-Diözesanadministrator. Zumal das ein wichtiges Thema ist und Woelki es sicher sehr interessant und niveauvoll abgehandelt haben wird. (Eine "Katechesestunde" wird es gerade deshalb gewiss nicht sein.) Aber vielleicht erscheint sie ja bald in angemessener Form.

Tiberius hat gesagt…

Wer sagt, daß es nicht angemessen veröffentlicht wurde? Gut, es sind keine deutschen Standards, die erfüllt wurden. Die Promotion erfolgte aber auch gar nicht in Deutschland, sondern in Italien.

Ich finde es ehrlich gesagt etwas bemüht, Bischof Woelki einen Strick daraus drehen zu wollen, daß er sich an die für Italien geltenden Standards gehalten hat. Mit dem Begriff "Unart" wäre ich da etwas vorsichtiger.

Stanislaus hat gesagt…

Also ich finde schon, daß man aus dem Thema der Dissertation ein wunderbare ekklesiologische Katechese machen kann. Steht halt möglicherweise nichts von Zölibat und Frauenordination drin.

Gabriel hat gesagt…

Mir geht es doch gar nicht darum, Woelki einen Strick zu drehen. Bei anderen solltest du das bitte auch nicht vorschnell annehmen. Die Frage ist: Schreibe ich eine theologische Dissertation bloß, um mich danach mit dem Titel zu schmücken, oder will ich, neben dem hübschen Titel, der scientific community auch etwas sagen? Nehmen wir mal an, Woelkis Dissertation ist ein großer Wurf: dann ist es doch bedauerlich, dass sie für die gerade im letzten Jahrzehnt aus bekannten Gründen besonders intensive theologische Diskussion des Themas Pfarrei eben wirkungslos blieb, da nicht angemessen publiziert - ganz unabhängig davon, dass die römischen Standards hier natürlich eingehalten worden sind. Aber vielleicht präsumiere ich - im Gegensatz zu anderen Kommentatoren hier - eine zu hohe Qualität der Arbeit? Vielleicht habt ihr Recht, dass sie eine weitere Verbreitung gar nicht verdient hat? ;-) Ich würde irgendwann gerne mal einen Blick reinwerfen, weil ich vermute, dass Woelki zum Thema Wichtiges und Originelles zu sagen hatte.
Abgesehen davon bleibt natürlich richtig, dass diese Dissertation nicht einfach unpubliziert ist. Ich hatte mir vor Jahren mal per Fernleihe eine in Deutschland nur in einem Exemplar vorhandene, ebenfalls nur als "Excerpta ex dissertatione" "publizierte" Arbeit zur Embryologie bei Thomas von Aquin kommen lassen, eine anständige und gescheite Dossertation - aus dem Hause PUSC... ;-)

Tiberius hat gesagt…

Nichts für ungut. Ich habe mich an dem Begriff "Unart" gestört. Auch in Deutschland ist es eher selten, daß eine Dissertation abseits eines sehr, sehr kleinen Kreises von Fachleuten auch öffentliches Interesse erweckt. Unabhängig davon, wie hoch die Auflage dieses Werkes in Zukunft sein wird, denke ich, daß wir die Früchte der Arbeit schon durch das Wirken unseres neuen Erzbischofs ernten werden. Ich habe da großes Vertrauen.