Donnerstag, 16. Juli 2009

Erzbistum Berlin: Draußen vor der Kirchentür

Heute habe ich auf dem Weg durch die Große Hamburger Straße am Hedwigskrankenhaus halt gemacht. Es war halb neun Uhr abends. Das Krankenhaus wird von Alexianern betrieben und hat eine eigene, große Kapelle. Ich fragte beim Pförtner, ob es möglich wäre, die Kapelle aufzusuchen. Er bat mich, da er es selbst nicht wisse, selbst zu schauen, ob die Kapelle offen sei.

In Berlin ist es nicht üblich, daß Kirchen und Kapellen außerhalb der Gottesdienstzeiten geöffnet sind. Es gibt ein Projekt mit dem Namen "Offene Kirche" an dem sich die verschiedenen Gemeinden des Bistums in unterschiedlichem Maße beteiligen. Die einen schließen montags von 9 bis 12 die Tore auf, andere mittwochs von 13 bis 15 Uhr oder freitags von 15 bis 18 Uhr wieder andere auch gar nicht.

Die Öffnungszeiten sind ein Flickenteppich. Statt zuverlässig zehn Berliner Kirchen jeden Tag zu öffnen, bieten die Kirchen im Bistum nach Gusto ein paar Stunden unter der Wochen zum Gebet, meist in der Zeit, die auch das Pfarrbüro besetzt ist. Schon wer zwischen neun und fünf Uhr einer Arbeit nachgeht, kommt auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Weg nach Haus kaum in den Genuß, sein Gebet in einer Kirche verrichten zu können. Die Krankenhaus-Kapelle war um halb neun Uhr verschlossen.

Im ganzen Bistum fällt aus diesem Schema nur eine Kirche ganz heraus: St. Clemens am Anhalter Bahnhof. St. Clemens ist zu jeder Tag- und Nachtzeit offen. Was nur möglich ist, weil dort Laien Tag und Nacht vor Ort sind und den Altar des Herrn bewachen. In Berlin kann eine unverschlossene Kirche nicht unbewacht bleiben. Wie mir der Pförtner sagte, hat man zuletzt sogar die Kerzen aus der Krankenhauskapelle entwendet.

St. Clemens wird, wie im übrigen auch das Institut St. Philipp Neri, von einem privaten Förderverein aus Spenden unterhalten und erhält keine finanziellen Zuwendungen aus der Kirchensteuer.

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Bild: St. Clemens, Stresemannstr. 66, 10963 Berlin.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Da sieht man mal wieder, wie schön doch die privat finanzierten Dinge in unserem Leben sind.

jobo72 hat gesagt…

Vielen Dank für den Hinweis!
Herzliche Grüße,
Ihr
Josef Bordat